SOZIALES SCHAUFENSTER

Beiträge mit Tag ‘Stolpersteine’

Klirrende Kälte. Metallenes Klopfen eines Hammers in der winterlichen Kälte. Eine ältere Dame tritt ans Mikrofon, das im schmalen Beraiterweg vor dem Haus mit der Nummer vier aufgebaut ist. Mit zitternder Stimme fängt sie zu erzählen an. Von Johann Igl, dem Vater, den sie nie kennen gelernt hat. Davon, dass er Schneider war, Hilfsmesner in St. Emmeram. Dass er einen Herzfehler hatte und deswegen nicht für die Front tauglich war und stattdessen als Luftschutzpolizist gedient hat. Nach einem Luftangriff auf Regensburg 1944 soll er gesagt haben, ob sich denn niemand fände, der Hitler beseitigen würde. Und wird denunziert. Am 27. Juli kommt er ins Gefängnis und wird schließlich vom Nürnberger SS- und Polizeigericht zwei Monate später zum Tode verurteilt. Gnadengesuche der Familie werden abgelehnt, der Befehl zur Vollstreckung erfolgt am 7. März. Seine Kameraden von der Luftschutzpolizei weigern sich jedoch, die Exekution zu vollziehen. Am Abend des 21. April, einem Tag nach dem Geburtstag des Führers, wird er erhängt. Die Geschichte von Johann Igl ist ein kleiner Mosaikstein deutscher Geschichte, vom dunkelsten Kapitel. Ein Mosaikstein, der fast vergessen ist. Es sind diese und andere Schicksale, an die die Stolpersteine an vielen Orten in Deutschland erinnern. Sie regen zum nachdenken an, sollen die Toten aus der Vergessenheit reißen. Die Stolpersteine gibt es schon seit 1993, ins Leben gerufen vom Kölner Künstler Gunter Demnig. Mittlerweile sind es über 3.2000 solcher messingbeschlagenen Stolpersteine, die in bald 700 Orten Deutschlands die Straßen zieren und so an einzelne Schicksale unter den zahllosen Opfern des nationalsozialistischen Wahnsinns erinnern. Name, Geburtsdatum, Geburtsort, Deportationsdatum, Sterbedatum und Sterbeort, mehr verrät die schlichte Messingplatte nicht über denjenigen, an den sie erinnern soll. Meist muss man aber auch nicht mehr erfahren .

Nicht Heroen, sondern einfachen Menschen

„Man stolpert mit dem Kopf und mit dem Herzen“, sagt Gunter Demnig. Oft muss er sich anhören, das sei doch alles nur noch Routine, was er da betreibe mit den Stolpersteinen. „Aber es sind ja immer andere Menschen, andere Individuen, für die die Steine gelegt werden.“ Und an die sollen wir erinnert werden durch das größte dezentrale Denkmal Europas. Nicht antiken Heroen, nicht Königen und Kaisern, sondern einfachen Menschen soll damit ein Denkmal gesetzt werden. Einfache Menschen wie auch Max Uhlfelder, Kaufmann eines Tuch- und Bekleidungsgeschäft. Er war Jude, ein überzeugter Patriot. Uhlfelder hatte im 1. Weltkrieg für Kaiser und Vaterland sein Leben an der Front riskiert und war sogar mit dem Eisernen Kreuz 2. Klasse ausgezeichnet worden. Für Führer und Volk war er aber dann nicht deutsch genug. Er wird im Dezember 1942 nach Theresienstadt deportiert, dort wurde er 1943 ermordet. Es sind gerade Schicksale wie die von Johann Igl und Max Uhlfelder, die zeigen, welche Geschichten hinter der abstrakten und anonymen Zahl von über sechs Millionen Opfern stehen und ihnen Gesichter geben. Lange schon verstorben, aber spätestens seit heute wieder lebendig. Denn tot, tot ist nur der, der vergessen ist. Mehr: Seite der Initiative Stolpersteine in Regensburg

Jetzt 55 Stolpersteine in Regensburg
gegen das Vergessen

Zum vierten Male wurden am Samstag, 20. Juni, in Regensburg Stolpersteine in Erinnerung an die NS-Opfer der Stadt im Rahmen der „sozialen Skulptur Stolpersteine“ von Gunther Demnig verlegt. 55 Stolpersteine erinnern nunmehr an von den Nazis deportierte und ermordete Juden, Sinti und Roma und politisch Verfolgten an deren letzten Wohn- oder Arbeitsorten in der Stadt. […]

Der Fritz und das Fräulein

Kleine Geschichte über einen von 18 Stolpersteinen Fast ein wenig schüchtern wirkt Fritz Sautner, als er am Mittwoch an Dieter Weber herantritt. Er wär jetzt da, meint er knapp. Und Dieter Weber freut sich. Weber ist einer der Organisatoren bei der Verlegung der 18 Stolpersteine für von den Nazis ermordete Regensburger. Gerade geht die Gruppe […]

Stolpern mit dem Herzen…

Gestern wurden erneut Stolpersteine für 18 ermordete Regensburger verlegt Jetzt hat er seinen Gedenkstein, seinen „Stolperstein“ aus Messing, der am Durchgang zum Velodrom noch einmal mit seinen Schicksalsdaten an ihn und sein Werk erinnert: Simon Oberdorfer, dessen Los wie das keines zweiten Regensburger Naziopfers präsent ist. Von Hedwig Oberdorfer blieben als Erinnerung nur zwei Paar […]

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