Dubioser „Dienst am Bürger“

„Herzlich willkommen in der Welterbestadt Regensburg. Wie kann ich Ihnen weiterhelfen?“ So oder so ähnlich könnte eine der „Serviceleistungen“ aussehen, die der neue Ordnungsdienst bieten könnte. Denn darauf legt nicht nur Bürgermeister Gerhard Weber wert: „Beratung“, „Information“ und „Hilfe“ – der „Servicegedanke“ soll im Vordergrund stehen. Ein paar Fallbeispiele: Erhobener Zeigefinger für \„Bitte nehmen Sie Ihren Dackel an die Leine. Das ist im Stadtpark nicht erlaubt. Heute lass ich’s mal bei der Beratung bewenden. Einen schönen Tag noch.“ „Bitte schmeißen Sie Ihre Zigarette nicht auf den Boden. Normalerweise müsste ich dafür ein Bußgeld verlangen, aber ich will mal nicht so sein. Einen schönen Tag noch.“

„Bitte, lieber Besucher, trinken Sie Ihr Bier nicht hier am Haidplatzbrunnen. Auf den Freisitzen unserer ortsansässigen Gastronomie steht es Ihnen frei, so viel Alkohol zu trinken wie Sie wollen. Viel Spaß noch.“

„Lieber Obdachloser, ich informiere Sie höflich darüber, dass das Nächtigen auf städtischen Parkbänken nicht erlaubt ist. Bitte schlafen sie woanders. Außerhalb des Stadtgebiets. Vielen Dank für Ihre Kooperation.“ Es gibt zahllose Gelegenheiten, bei denen die neuen „Schutzmänner“ ihren „Dienst am Bürger“ (Gerhard Weber) versehen können.

Und es gibt Vorbilder. Regensburg ist schließlich kein Vorreiter in Sachen Ordnungsdienst.

Ein erstes Beispiel an dieser Stelle: Düsseldorf. Dort gibt es einen „Ordnungs- und Servicedienst“ (OSD). Licht und Schatten sind da eng beieinander. „Zwar sind die Bettler weg“, freut sich einem Bericht der Rheinischen Post zufolge eine Kauffrau aus der Düsseldorfer Innenstadt im September. Aber: „Dafür gehen hier seit einigen Monaten junge Frauen in hochhackigen Schuhen und mit Netzstrümpfen auf und ab, die sich gewerblich anbieten.“ Es gibt also noch viel zu tun! Doch nicht nur mit Kritik an seinen „Serviceleistungen“ hat der OSD zu kämpfen. Auch von den „Störergruppen“ (Verwaltungsvorlage der Stadt Regensburg) gibt es Gegenwind.

„Aufgrund der zunehmenden Aggressivität in der Altstadt“ hat der OSD kürzlich (am 3. Dezember) gefordert, dass „seine Mitarbeiter bewaffnet werden sollen“. Ihnen stünde zur Verteidigung „lediglich Reizgas“ zur Verfügung. Wirklich ein Jammer!

In Regensburg wird so etwas freilich nicht der Fall sein. Bewohner und Touristen erwartet ein blitzsauberes und von „sozialkonformem“ (Ordnungsamtsleiter Alfred Santfort) Wohlverhalten geprägtes Welterbe-Ensemble. Und noch Tage später werden sich Besucher aus Nah und Fern gerne an die Abschiedsworte der freundlichen Männer in Grau (Wunschfarbe des Oberbürgermeisters) erinnern: „Danke, dass Sie in der Welterbestadt Regensburg eingekauft haben. Bitte beehren Sie uns bald wieder.“

(Ent)spannende Lektüre!

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Kommentare (5)

  • Christian Loibl

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    Wenn wirklich der Service-Gedanke im Vordergrund steht, ist es wirklich eine bereicherung für die Bürger und auch die Lebensqualität steigt.
    Allerdings ist dies oft nur am Anfang eines Auftrages so. Viéle private Ordnungshüter verstehen sich insgeheim als Polizisten, die jetzt hier und heute das Sagen haben.
    Diese zivilen Ordnungshüter müssten von unabhängigen beaufsichtigt, und kontrolliert werden. Wenn man bedenkt, das das Lohnniveau eines Sicherheitsmannes bei 8,35 € Brutto liegt,kann sehr wohl bezweifelt werden, dass man dafür ausreichend Qualität und somit Service bekommt. Und wer den Zuschlag von der Stadt Regensburg erhält, kann sicher sein, dass man da nur Mindesttarif zahlen kann.
    Denke es wird sicherlich so kommen wie bei den „schwarzen Sherriffs“ damals in München. Es reicht eben nicht aus, nur die Sachkundeprüfung nach §34a GeWO an der IHK zu absolvieren, und Unterricht von der Polizei zu bekommen. Wenn man auf freie Bürger losgelassen wird ist eine ganztägige Sicherheitsschule von mind einem halben Jahr von nöten, davor ein psychologischer Eignungstest und danach regelmäßige Kontrollen eines privaten Wachmannes.
    Christian Loibl

  • tom

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    zu Christian,

    du hast da was in den falschen Hals bekommen. Hier wird es keine privaten Wachleute geben. Das sind städtische Bedienstete wie beim VÜD, bezahlt nach dem Tarif des öffentlichen Dienstes, keine Billiglohntruppe.

  • Christian Loibl

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    Hallo Tom,
    soll das heißen, das die Bediensteten keine Prüfung nach § 34a GeWO ablegen müssen und nur eine Einarbeitung durch das Ordnungsamt bekommen?
    Würde mich dringend interessieren. Welche Qualifikationen brauchen die neuen Mitarbeiter denn?
    Es ist dann doch eine Bürgerwehr, oder wie muss man das verstehen.
    Bitte nicht falsch verstehen, ich unterrichte als Honorar-Dozent Recht der öffentlichen Sicherheit und Ordnung bein bfz und ifp der bayerischen Wirtschaft und bin Gründer vom Sicherheitsdienst QSD

  • Christian Loibl

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    Hallo Tom,
    Hoffe, Sie diskutieren schon mit mir, ich hatte doch nur höflich nachgefragt.

    Mit freundlichen Grüßen,
    Christian Loibl

  • Christian Loibl

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    da ich nichts gegenteiliges mehr höre, trotz mehrmaligen Nachfragen, komme ich zur Meinung, dass doch eine private „Billigtruppe“ für Recht und Ordnung in Regensburg sorgt!

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