Archiv für 17. Dezember 2012

Ein Adventskalender hat was mit Tradition zu tun, auch mit Glaube und Brauchtum. Nicht immer ist es gut, zu fest auf Traditionen zu beharren. Manchmal ändern sich die Zeiten und plötzlich muss man schmerzlich erkennen, dass die Welt sich weitergedreht hat und man mit mit dem was man einst unterstützt und für gut befunden hat, allein auf weiter Flur steht. Hinter dem 17. Türchen: Gertrud Maltz-Schwarzfischer (SPD) und Erich Tahedl (CSU).

Gertrud Maltz-Schwarzfischer – Blut, Schweiß und Tränen

Gertrud Maltz-SchwarzfischerWarum schaut sie grad wieder so geschmerzt? Hat sie gerade wieder bei etwas zustimmen müssen, von dem sie selbst nicht wirklich überzeugt ist? Oder hat sie anders abgestimmt als die Fraktion und jetzt Angst davor, von Norbert Hartl Schimpfe zu bekommen? So wie damals, als ein Arbeitskreis, in dem sie sitzt, der Fraktion widersprochen hat? Oder wie damals, als ein Mitglied ihres Ortsvereins sich erdreistete, gegen Bezirksrat Hartl zu kandidieren? Das politische Leben von Gertrud Maltz-Schwarzfischer ist beileibe kein Kindergeburtstag. Damals – bevor in der Regensburger SPD der ewige Friede ausbrach – und man sich drauf einigte, geschlossen hinter Hoffnungsträger Joachim Wolbergs zu stehen, ja damals stand Maltz-Schwarzfischer auf der Seite von Parteichefin Margit Wild. Im Vorwahlkampf 2008 unterstützte sie zusammen mit Wild den mittlerweile in Vergessenheit geratenen Tonio Walter als OB- Kandidaten. Wolbergs setzte sich durch. Damals als sich Wolbergs und Wild in schöner Regelmäßigkeit kabbelten – da gab es dann schon mal eine Kampfabstimmung um Grußworte – stand Maltz-Schwarzfischer auf Seiten von Margit Wild. Wild wurde bei Wahlen zum Vorstand seinerzeit arg gerupft. Doch meist noch schlimmer erwischte es ihre treue Parteifreundin. Damals, als Bruno Lehmeier, Mitglied im Ortsverein von Maltz-Schwarzfischer, erklärte, gegen Norbert Hartl um die Kandidatur zum Bezirkstag anzutreten, verkündete die Stadträtin vollmundig, dass sie das unterstütze. Schließlich gebe es „keine Erbhöfe“. Hartl setzte sich durch und Lehmeier wollte plötzlich keiner mehr je gekannt haben. Mittlerweile hat man sich in der SPD darauf verständigt, geschlossen hinter Wolbergs und Hartl zu stehen. Kein böses Wort kommt den einstigen Kritikerinnen mehr über die Lippen. Im Gegenzug wurde denn auch die erneute Kandidatur von Margit Wild für den Landtag unterstützt. Gertrud Maltz-Schwarzfischer hat für diesen Burgfrieden ein wenig bluten müssen. Ganz nebenbei bekam sie vom Fraktionschef mitgeteilt, dass sie nicht mehr für den Bezirkstag kandidieren darf. Das macht jetzt eine Jüngere. Da darf man schon manchmal ein wenig geschmerzt schauen.

Erich Tahedl – so will’s der Brauch

tahedlIm Schatten eines Königs den Umzug anführen. Zu einem Zither-Solo gepflegt abrocken. Bei einem Schuhplattler mit Kindern am Grieser Spitz so richtig auf die Kacke hauen. Wer Erich Tahedl einmal bei dem zugeschaut hat, was seine große Leidenschaft ist, der weiß, dass der Berufssoldat nicht immer so hölzern ist, wie sich seine Redebeiträge im Stadtratsplenum anhören. Die Tracht, das Brauchtum, die Volksmusik – sie haben es dem CSU-Stadtrat angetan. Bei einem Auftritt mit seiner Combo „De Hoaglichn“ oder in den Jugendgruppen seines Trachtenvereins „Stamm“ kann der strenggläubige Katholik manchmal das werden, was man landläufig locker nennt. Ganz anders dagegen der Stadtrat Tahedl. Diszipliniert und konzentriert, ja fast schon angestrengt trägt Tahedl im Plenum vor, was er zu sagen hat. Dass die Vorschläge der Verwaltung „gut“ seien, zum Beispiel. Dass der Oberbürgermeister oder Kulturreferent „schon recht hätten“ und man doch glücklich sein solle. Oder aber, dass man sich diese ganze Diskutiererei und das Gemosere (der Opposition) doch auch sparen könne. Tahedl ist nämlich nicht nur Berufs-, sondern auch Parteisoldat. Und da steht er – so will’s der Brauch – fest und unerschütterlich auf Seiten von Hans Schaidinger. So fest, dass man ihm – auf dem Höhepunkt des CSU-Machtkampfs – ob seiner Sammelleidenschaft für Uniformen gar eine Affinität zu braunem Gedankengut andichten wollte. Zu Unrecht: Tatsächlich ist Tahedl einer der wenigen CSUler, die sich auch mal bei Demonstrationen gegen die NPD blicken lassen. Im Kreis von Mitgliedern des Stadtjugendrings, dem er seit Jahren angehört und seine Unterstützung angedeihen lässt. Auch wenn sich dort nicht alles um Tracht und Volksmusik dreht.
NS-Rüstungszentrum Regensburg

Regensburg und Gusen – Zwangsarbeit für den Rüstungsgiganten Messerschmitt

Das „offizielle“ Regensburg tut sich schwer im Umgang mit seiner Vergangenheit als Zentrum des Rüstungskonzerns Messerschmitt. Die Verbindungen der Stadt zum KZ-System Mauthausen-Gusen waren in der lange kein Thema. Das, obwohl zwischen 1943 und 1945 mehrere hundert der Regensburger Messerschmitt-Facharbeiter zur Flugzeugproduktion nach Gusen versetzt wurden, um dort Zwangsarbeiter anzuleiten und zu überwachen.