Archiv für 14. Juli 2013

Schlossfestspiele eröffnet

Hauptsache gesehen werden

Es ist mal wieder soweit: Die Fürstin und ihr Schloss putzen sich für die Schlossfestspiele heraus. Eröffnet wurde das zehntägige musikalische Spektakel am Freitag mit der Verdi-Oper „La Traviata“ – und zwischen viel Plüsch, Kitsch, Schischi und einer geifernden Gloria schaute auch Klaus Wowereit vorbei.schlossfestspiele2 „Sehen und gesehen werden“ sei das Motto der Veranstaltung, so der Moderator eines bayerischen Radiosenders über die Regensburger Schlossfestspiele. Wenn man sich am Premierenabend auf dem Gelände derer zu Thurn und Taxis umsah, hatte man jedoch eher den Eindruck, dass das „gesehen werden“ den meisten Gästen deutlich wichtiger war, als dass sie etwas „sehen“ wollten. Schon gar nicht die Oper, die doch eigentlich im Mittelpunkt des Abends stehen sollte.

Champagner und Currywurst

Tat sie aber irgendwie nicht – sehr zum Leid der durchaus sehens- und hörenswerten Künstlerinnen und Künstler. Das fing schon damit an, dass die Herren und Damen OpernsängerInnen genau wie die – ob der ungünstigen Platzsituation im Schlossinneren eingesperrten – Orchestermusiker erst mit geschlagenen 20 Minuten Verspätung anfangen durften. Das lag natürlich daran, dass die Reichen und Schönen, die sich am Schloss versammelt hatte, und all jene, die sich gern dazu zählen, zunächst einmal ihre kühle Erfrischung oder ihr kleines Häppchen genießen mussten. Die Currywurst gab’s für sieben Euro, das Gläschen Champagner war für zwölf zu haben. Da war das echte „Thurn und Taxis-Sitzkissen“ mit sechs Euro schon ein echtes Schnäppchen. schlossfestspiele3Natürlich konnte der Abend auch mit einiger Prominenz aufwarten. Da war an erster Stelle Berlins Oberbürgermeister Klaus Wowereit zu nennen, der zur Zeit in Regensburg weilt und es sich nicht nehmen ließ, „die Fürstin“ zu besuchen, die er „ohnehin sehr schätze.“ Warum? „Gloria ist unkonventionell und immer für eine Überraschung gut“, scherzte Wowi gut gelaunt. Auch die übrigen Fragen der ihn umzingelnden Boulevard-Reporter konnte der charmante SPD-Kader verschmitzt grinsend beantworten. Und selbst, als man versuchte, ihm politisch beizukommen – wenn auch etwas unbeholfen („Regensburg hat übrigens gar keinen Flughafen, Herr Wowereit“) –, lachte der Wowi nur laut auf und konterte: „Berlin hat sogar zwei!“

Alberts Schnauzer und Glorias Freude

Und dann, als die Oper eigentlich schon seit guten zehn Minuten laufen sollte, kam sie: Die Gloria. Nicht allein, sondern vereint mit dem fürstlichen Nachwuchs, dem schmucken Renn-Albert, neuerdings mit hipsterartigem Schnauzer, und den Töchtern Maria Theresia und Elisabeth, die – für jede Kamera – ihre Mutter herzten. Die Fürstin selbst freute sich so lautstark über ihre Gäste. Über ihre Kinder. Über Oberbürgermeister Schaidinger, der in der zweiten Reihe hinter der Fürstlichkeit Platz nehmen musste. Natürlich auch irgendwie über die Oper, und vielleicht über das ganze Geld, das die Schlossfestspiele trotz der Absage von Staract Elton John in die fürstliche Kasse spülen werden. Ja, ihre Freude war so lautstark, dass man sie fast genauso glockenklar durchs Auditorium schallen hörte wie die schönsten Arien der Solisten.

Der alljährliche Skandal bleibt aus

Womit wir bei der Oper wären. „La Traviata“, ein Paradestück von Verdi, inszeniert und aufgeführt vom Nationaltheater Brünn. Eine Violetta, die sicherlich keine zweite Anna Netrebko ist, aber sich durchaus solide durch das dreistündige Werk sang. Ihr männlicher Gegenpart, der Alfredo Germont, schien da eher fehlbesetzt – ein bisschen knödelig kam er daher und wirkte zeitweise eher wie ein Lustmolch als ein warmblütiger Liebhaber. Viel mehr Eindruck machte da schon der Bariton, der den Giorgio mit Herzblut und Kraft gab. Alles in allem war die Inszenierung sehr klassisch, die Regie – vorsichtig gesagt – eher unauffällig und wenig riskant. Wenn man sich das ständige Tuscheln und Gähnen, das Husten und Mit-dem-Handy-fotografieren im Publikum jedoch so ansah, wäre alles andere vielleicht auch die sprichwörtlichen Perlen vor die Säue gewesen. schlossfestspiele1So eine richtige Überraschung, wie sie Klaus Wowereit der Fürstin zugetraut hatte, fehlte dem Abend. Es wurden keine Nationalhymnen für Despoten gesungen (wie im Vorjahr). Nichtmal eine Ansprache von Durchlaucht gab es. So blieb es bei einem groß angelegten „Gesehen werden“ und – nach dreieinhalb Stunden auf den kleinen Tribünensitzen – einem schmerzenden Hinterteil. Aber man hätte ja ein Sitzkissen kaufen können.