Demokratie goes Zirkus

Better call Janele!

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Spielen sie Politik und engagieren Sie Christian Janele. Niemand zockt das Game Bürgernähe so gut wie er. Das verdient eine Würdigung.

Machen Sie sich auch Sorgen um ihre und andere, also konkret unsere Frauen (und Mütter, Töchter, Väter, Familien, Senioren und Seniorinnen, Kinder und Jugendliche)? Rufen sie Janele an! Ihren Stadtrat für alles und irgendwas.

Machen Sie sich auch Sorgen um ihre und andere, also konkret unsere Frauen (und Mütter, Töchter, Väter, Familien, Senioren und Seniorinnen, Kinder und Jugendliche)? Rufen sie Janele an! Ihren Stadtrat für alles und irgendwas.

Glosse von Martin Oswald

Politik ist ein hartes Geschäft, zumal die Kommunalpolitik. Niemandem kann man es recht machen. Niemals. Das hier ist zu teuer, das dort zu billig, die eine Idee ist uralt, die andere viel zu extravagant, macht man etwas für Kinder, vernachlässigt man die Senioren, baut man eine Straße, schimpfen die Ökos, baut man keine Straße, schimpfen alle anderen, trinkt man nicht auf jeder Veranstaltung drei Maß Bier, ist man abgehoben, lässt man hingegen keine Runde an keinem Stammtisch aus, ist man in der CSU. Es ist ein Jammer.  

Wie man es macht, macht man es verkehrt. Dabei gibt es in der Kommunalpolitik eine wirkungsvolle Patentlösung für alles. Das eherne Gesetz der Kommunalpolitik: Bürgernähe. Dank Bürgernähe muss man nämlich gar nicht mehr Politik machen, sondern nur so tun als ob. Es reicht Politik zu simulieren.

Ein Hundehaufen kann eine Chance sein

Das Trio fotogenico, Dagmar Schmidl, Hans Renter und Armin Gugau z. B. hat das ganz gut verstanden. Seit Jahren tingeln die Drei von Gullideckel zu Straßenlaterne, vom Verkehrsschild zum Mülleimer, von der Kreuzung zum Feldweg und wieder zurück und lassen sich dabei ablichten was das Zeug hält. Es gibt in Regensburg keinen Hundehaufen vor dem sie nicht schon posiert hätten.

Das Trio fotogenico in Aktion, sogar mit Burger-Meister. Foto: pm

Das Trio fotogenico (Bildmitte) in Aktion, sogar mit Burger-Meister. Foto: pm

Ach, Sie haben ein Schlagloch vor der Einfahrt oder einen Maulwurfshügel im Garten? Zögern Sie nicht zum Hörer zu greifen, Schmidl, Renter und Gugau kommen sofort, stellen sich davor und machen ein Foto. Denn die kümmern sich noch, die packen richtig an!  

Ja, das ist schon nicht schlecht, aber einer, der den Dreh mit der Bürgernähe endgültig raus hat, ist Christian Janele. Der einzige christlich-soziale Bürger (CSB) im Regensburger Stadtrat und „liebevolle Vater zweier Töchter“ hat Bürgernähe quasi durchgespielt. Jede seiner (na ja, sagen wir mal politischen) Aktivitäten und Mitteilungen ist ein eindrucksvolles Zeugnis von Bürgernähe. Das verdient eine Würdigung.  

Lady-Taxis für jedermann

Wichtig gerade für "Frauen und junge Frauen": pinke Lady-Taxis. Foto: CSB/ Janele

Wichtig gerade für „Frauen, Kinder und junge Frauen“: pinke Lady-Taxis. Foto: CSB/ Janele

Im vergangenen Herbst machte Janele von sich reden als er eine „Sicherheitsoffensive“ forderte und dabei Bilder von Bussen und Taxen pink anstrich. Seine Vorschläge „Lady-Taxis“ und Lady-Zonen in Bussen schafften es selbst in bundesweite Medien. Die BILD machte ihn gar zum Verlierer des Tages. Eine Unverschämtheit! Denn was nämlich allenthalben übersehen wurde: Janele gelang mit seiner Initiative ein Meisterstück in Sachen Bürgernähe. Er schrieb damals:

„Das Sicherheitsbedürfnis gerade bei Familien, Senioren, Müttern und Vätern, ist mittlerweile stetig gewachsen. Vor allem die Väter machen sich Sorgen um Ihre Töchter und Frauen, wenn die bei Dunkelheit unterwegs sind.“

Herrje, die armen Väter! Woher Janele aber um das gestiegene Sicherheitsbedürfnis weiß? Gibt es dazu Untersuchungen, Statistiken, Umfragen? Ach wo, auf verschiedenen Informationsveranstaltungen werden diese Ängste formuliert, so Janele. Ach so, dann wird’s schon so sein, wenn der das sagt. Aber Achtung, es geht weiter:

„Gerade Frauen, Kinder und junge Frauen sollen beruhigt sein, weil Sie dann wissen, Sie kommen sicher (Zuhause) an. Viele Frauen, Senioren oder Jugendliche fühlen sich in öffentlichen Verkehrmitteln (sic!) unsicher, und können in Frauen-Taxis zu einem ermäßigtem (sic!) Preis nachhause fahren.“

Ungerecht: Die Bildzeitung kürte Christian Janele zum Verlierer des Tages.

Ungerecht: Die Bildzeitung kürte Christian Janele zum Verlierer des Tages.

Moment mal, ging es nicht eben noch um Ladies? Nun geht’s also auch um Senioren, Kinder und Jugendliche. Der Janele ist schon ein Fuchs. Denn ginge es nur um Frauen, würden ihn demnächst Kinder und Senioren auf Informationsveranstaltungen anquatschen, was denn mit ihnen sei. Warum sollten auch Lady-Zonen nur für Ladies und nicht etwa auch für Kinder und Senioren sein? Eben. Das ist gelebte Bürgernähe. Irgendetwas ist irgendwie für alle dabei. Niemand soll sich vernachlässigt fühlen. Außer ich. Als kinderlos alternder junger Mann mit osteuropäischem Migrationshintergrund habe ich beim Janele einen ganz schlechten Stand.

Wobei:

„DIE FRAUENTAXIS […] KÖNNEN AUCH VON MÄNNERN GESTEUERT WERDEN.“

Puh, Glück gehabt.   Der Janele hat’s einfach verstanden. Das Politische nervt eigentlich nur und lenkt die Politik vom wirklich Wichtigen ab: Dem Gefühl.

Warum nicht gleich die ganze Stadt nach dem Papst benennen?

Dies zeigt sich auch im neuesten, ebenfalls Aufsehen erregenden Vorstoß des christlich-sozialen Bürgers. Janele möchte einen Stadtratsbeschluss erwirken den Domplatz in „Papst Benedikt XVI. Platz“ zu benennen. Seine Begründung ist, dass die von der CSU seit Jahren wiedergekaute und nun auch städtisch anvisierte Huldigungsbüste für den Stellvertreter Gottes auf Erden a.D. unwürdig sei und Joseph Ratzinger nicht gerecht werde.

Aber mal ernsthaft: Was soll schon jemandem gerecht werden, der vom Heiligen Geist höchstpersönlich ins unfehlbare Amt gehievt wurde? Eine Büste? Ein Platz? Also bitte, wie unwürdig. Warum denn nicht gleich die ganze Stadt nach ihm benennen? Papst-Benedikt-XVI-Stadt. Das wäre zumindest ein Anfang hier auf Erden. 

Sie, liebe Papst-Benedikt-XVI-Städterinnen und Papst-Benedikt-XVI-Städter, merken es schon: Jede Ratzinger-Huldigung ist eigentlich eine zu wenig und diese kommunalpolitischen Gamer hören damit auch nicht auf, bis an mindestens jeder Ecke ein modellierter Papstschädel steht. Das alles ist Symbolpolitik, die sich des Politischen gänzlich entledigt hat und nur als leere Symbol-Hülle im kommunalpolitischen Diskurs herumwabert. In Wahrheit geht es überhaupt nicht um Ratzinger, ein würdiges Gedenken, die Sicherheit von Ladies, Geld und dergleichen mehr. Es geht auch nicht um die CSU oder die CSB. Es geht um eine inszenierte hohle Phrase: Bürgernähe.

Bürgernähe? Fragen Sie Herrn Janele!

Und wie spielt man eigentlich Bürgernähe?

"Am besten im Storchengang das Becken abschreiten." Janele macht's! Foto: CSB

„Am besten im Storchengang das Becken abschreiten.“ Janele macht’s! Foto: CSB

Sprechen Sie immer, aber auch wirklich immer über ihre Familie, wie toll das alles ist, welch liebevolle(r) und fürsorgliche(r) Vater (oder Mutter) Sie sind, denn Kinder zu haben, qualifiziert Sie gefühlt für alles; halten Sie immer den Ehering sichtbar in die Kamera, wenn Sie beim fachkundigen Besichtigen eines Schlaglochs fotografiert werden.

Betonen Sie nachdrücklich, dass alle Sorgen und Ängste (vor allem die der Väter!) berechtigt sind und Sie sie absolut nachvollziehen können und zünden Sie dabei Nebelkerzen à la „Keine Asylunterkunft neben einem Jugendzentrum“ (wegen Ängsten und so); nennen Sie das Jugendzentrum „Jugend- und Familienzentrum“, weil Familie einfach über alles geht.

Helfen Sie Straßenkindern, verkaufen Sie Lose.  Gehen Sie WassertretenKennzeichnen Sie Familienausflüge als diplomatische Delegationsfahrten der Völkerverständigung zum Wohle Europas. Spielen sie Politik und engagieren Sie Christian Janele. Niemand zockt das Game Bürgernähe so gut wie er.

Die Wurstkorbisierung politischer Kommunikation

Bei der Bürgernähe geht es um simulierte Politik mithilfe des Unpolitischen, um die Wurstkorbisierung politischer Kommunikation, die Transformation der Demokratie zum Zirkus. Die vor sich hergetragene Bürgernähe ist nichts anderes als sinnentleerte postpolitische Karikatur politischer Auseinandersetzung, die ihren eigentlichen Gegenstand einzig im Gefühl sieht. Es geht nicht darum etwas politisch Bedeutendes zu erschaffen oder zumindest zu diskutieren, sondern lediglich das Gefühl zu erzeugen und zu bedienen, etwas politisch Bedeutendes werde erschaffen oder zumindest diskutiert. Um mehr geht es nicht.                

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Kommentare (12)

  • Pinkman

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    „Zeig mir doch, was Benedikt XVI. Neues gebracht hat.“

  • Plaudertasche

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    Natürlich schreibt oder liest man gerne über einzelne ‚Liebeleien‘ unsere Politprommis. Man kann vielleicht etliche Marotten über einen Kamm scheren. Aber mit Familie lässt sich immer gut lustig sein und manchmal vielleicht auch eine OB-Wahl gewinnen.
    http://www.franzoesische-filmwoche.de/THE-WOLBERG-FAMILY.html
    http://www.mittelbayerische.de/region/regensburg-stadt-nachrichten/den-buergermeister-zog-es-ins-buero-21179-art1033664.html
    Aber nach der Wahl ist vor der Wahl. Schau ma mal.

  • ExRA

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    Schöne Glosse, Herr Oswald! Erinnert phasenweise an Kishon. Aber eins müßt Ihr dem Christian lassen – er hat sich gut gehalten! :-)

  • Ein Trio-Fan

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    Während andere Stadträte meinen, sich mit Lappalien wie Wohnungspolitik, Verkehrspolitik, Wirtschaftsförderung und ähnlichem Kleinkram profilieren zu müssen, kümmert sich das Trio fotogenico um die wirklich großen Themen, die Regensburg und die Welt berühren. Ich kann ihnen nur allergrößten Respekt und Anerkennung zollen, zumal die Arbeit von Sisyphos dagegen ein Kinderspiel war. Kaum wurde ein neuer Hundekottütenspender aufgestellt, kackt irgendwo in Regensburg wieder ein Hund auf eine Grünfläche, wo sich kein solcher befindet. Kaum wurde ein Verkehrsspiegel beantragt, fährt irgendwo in Regensburg wieder ein Autofahrer aus einer Straße, aus der er kaum um die Ecke blicken kann. Kaum wurde ein Schlagloch gefüllt, öffnet sich der Straßenbelag an anderer Stelle. Kaum wurde ein Bordstein nochmals tiefer gesetzt, muss sich anderswo in Regensburg wieder ein Rollator-Schieber über einen etwas zu hohen Randstein quälen. Kaum wurde an einer Bushaltestelle eine Bank aufgestellt, bricht an anderer Stelle ein ÖPNV-Fahrgast vor Schwäche zusammen, weil die Sitzgelegenheit fehlt. So schlagen pausenlos solche Hiobsbotschaften in der Stadtgesellschaft wie eine Bombe ein. Sofort muss sich das Trio fotogenico wieder neu formieren, um vor Ort die katastrophalen Zustände abzulichten und den Kampf dagegen aufzunehmen. Weiter so!

  • Jürgen

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    Das ist das Leidige bei der Politik. Macht man (langweilige) Politik, also befasst man sich mit wirklich wichtigen Dingen, dann kommste, zumindestens in der Kommunalpolitik, in keine Zeitung. Kümmerst du dich um irgend welche Nichtigkeiten (Kaffeekränzchen im Altenheim, Hundekot oder Geburtstage), kommen die Journalisten plötzlich in Schaaren hervor gekrochen.
    Versucht euch mal daran zu erinnern wann die MZ (angeblich unsere Tageszeitung) das letzte Mal einen Sachverhalt selbständig ohne Druck von außen, ans Licht gebracht hat? Gelegenheiten (Bradl, Schaidinger, Fürst ect…) dazu gab es in den letzten 20 Jahren zuhauf. Zum Schluss kommt dann noch ein Artikel über die Politikverdrossenheit der Wähler nach Wahlen. Klasse!
    Das ist wohl auch der Grund weshalb ich Regensburg-digital lese.

  • Matthias Beth

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    Gratulation zu diesem Artikel!
    Einige Stadträte werdne sich auch um Hundekot, Bänke und Müllbehälter kümmern und diese wirksam in der „Mittelmäßigen“ oder anderen Blättern auf dem gleichen niederigen Level plazieren können, wenn links und rechts die Welt untergeht!

  • Grips

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    Sie, Herr Martin Oswald, haben als „kinderlos alternder junger Mann osteuropäischen Migrationshintergrundes“ , und damit verantwortungslos gegenüber Gott und Gesellschaft, und eine Bedrohung unserer Frauen und Familien , sowie vermutlich auch noch Wirtschaftsflüchtling, jedenfalls wegen allzu spitzer Zunge von dort vertrieben, wahrlich nicht zu fürchten, dass ein Politiker unserer bayerischen Heimat Ihnen bürgernah kommen will ! …Eine wunderbare Glosse, von Inhalt und Ausdruck her ganz trefflich. Sie haben meinen krankenbett-maladen Zustand durch das anhaltende Lachen, das ihr Artikel auslöste , stark verbessert. Vielen Dank.

  • lena freitag

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  • Radlertölpel

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    Das Trio Fotogenika bei der Art BuZZ`l 2012 mit F.JStraus Tonkopf:
    Wir nutzten das Foto umgehend für das Plakat zum Fvfu-uüiUF.e.V. Schreibworkshop „Eigene Kurzgeschicherten erstinken, erlügen und selber basteln“, weshalb bei nächster Gelegenheit ein neues Presse-Foto an anderer Stelle gemacht wurde….
    http://europabrunnendeckel.de/?p=3028#politiker

    Im Konzeptpapier zum Projekt „Wie gefährlich kann figürliche Bildhauerrei sein?“ geht es neben dem Themenfeld Stadtmöblierung und Sockelkunst zunächst um die Darstellung von Personen des Öffentlichen Lebens, in letzter Konsequenz jedoch um unser eigenes freies Empfinden.
    http://europabrunnendeckel.de/download/buz/Modellierworkshop.pdf

    Plakat, siehe auch BuZZ`l Kennenlernphase in Bunt, Juni 2012:
    http://europabrunnendeckel.de/?p=2621

  • „Die Kirche will kein Papst-Zentrum“ » Regensburg Digital

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    […] Wieder einmal ist ein Antrag von Christian Janele auf einhellige Ablehnung gestoßen. Wie berichtet hatte der CSB-Einzelkämpfer vorgeschlagen, den Domplatz in „Papst Benedikt XVI. Pla…Doch trotz seiner wortreichen Ausführungen im Planungsausschuss vermochte Janele die anwesenden […]

  • Kleine Wochenschau » Regensburg Digital

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    […] Bürgernähe mit der Muttermilch aufgesogen hat, durften wir bei regensburg-digital schon mehrfach intensiv beleuchten. Ob Frauen-Taxi (abgelehnt), Lady-Zonen in Bussen (abgelehnt) oder Papst-Platz (abgelehnt) – […]

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