SPD präsentiert ihren Bundestagskandidaten

Dieser Kandidat ist der Hammerl

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Mit dem Kandidaten Tobias Hammerl will die Regensburger SPD das Direktmandat bei der nächsten Bundestagswahl holen. Etwas anderes bleibt ihr auch nicht übrig.

Kündigt einen innovativen Wahlkampf an: Tobias Hammerl (hier in der von ihm selbst designten Lego-Variante). Foto: as

Kündigt einen innovativen Wahlkampf an: Tobias Hammerl (hier in der von ihm selbst designten Lego-Variante). Foto: as

„Heute ist nicht das Ende der Geschichte, sondern der Anfang der Zukunft.“ Nein, um große Worte ist Tobias Hammerl nicht verlegen. Am Montag wurde der 38jährige Stadtrat nunmehr auch offiziell als Bundestagskandidat für den Wahlkreis Regensburg präsentiert. Und er strotzt geradezu vor Selbstbewusstsein. „Ich war Klassensprecher, Schülersprecher und Studierendenvertreter. Ich war immer bereit, mich für meine kleine Welt einzusetzen“, sagt Hammerl. Und das wolle er nun auch in Berlin tun. Bereits Anfang April wird Hammerl sich mit seinem achtköpfigen Wahlkampfteam für zwei Tage in Klausur begeben, um „eine Strategie zu formen, in der mein Kern inhaltlich und persönlich zum Ausdruck kommt“.

„Frei machen von dem Gedanken an Listenplätze“

Lange war intern Thomas Burger als aussichtsreichster Kandidat gehandelt worden. Er gilt als treuer Parteisoldat, hatte aber bei der Nominierung 2012 gegen Karl Söllner ebenso das Nachsehen wie bei der Vergabe des Bürgermeister-Postens nach der gewonnenen Kommunalwahl. Doch ebenso wie Söllner habe Burger von sich aus auf eine erneute Kandidatur verzichtet, sagt der Vorsitzende des Unterbezirks Stadt Regensburg, Oberbürgermeister Joachim Wolbergs. Auch die notwendige Einigung mit der Landkreis-SPD, die über die Mehrheit der Delegiertenstimmen bei der Nominierung verfügt, kam früh genug zustande. Und nun spiele man „auf Sieg“, betont Wolbergs. „Wir müssen uns frei machen von dem Gedanken an Listenplätze.“ Man wolle das Direktmandat in Regensburg holen.

Eine andere Chance gibt es für Tobias Hammerl auch nicht, um in den Bundestag zu kommen. Innerhalb der Oberpfalz-SPD, die den endgültigen Vorschlag für die Kandidatenreihung auf der Landesliste machen wird, gelten die beiden Abgeordneten Uli Grötsch aus Weiden und Marianne Schieder aus Schwandorf für die aussichtsreichen Plätze als gesetzt und mit einem Fabelergebnis für die Bayern-SPD bei der nächsten Bundestagswahl rechnen nicht einmal Zweckoptimisten.

Die CSU streitet noch

Vor diesem Hintergrund ist es zumindest kein ungeschickter, ja eigentlich zwingend notwendiger Schachzug der SPD, so früh einen Kandidaten zu präsentieren. In der CSU wird bislang noch um die Direktkandidatur gestritten. Stadträtin Astrid Freudenstein oder Graf Philipp von und zu Lerchenfeld heißen die beiden Duellanten. Im Hintergrund lauert noch Peter Aumer, der bereits im Bundestag saß, dann aber – für viele unverständlich – zugunsten von Lerchenfeld auf eine erneute Kandidatur verzichtete, um sich als Landrat zu bewerben, wo er gegen Tanja Schweiger scheiterte.

Franz Rieger positioniert sich gegen Graf Lerchenfeld (re.). Foto: Archiv/ Staudinger

Franz Rieger positioniert sich gegen Graf Lerchenfeld (re.). Foto: Archiv/ Staudinger

Der Vorsitzende der Stadt-CSU, Franz Rieger, der mit Lerchenfeld eine innige Feindschaft pflegt, hat sich gegenüber der Mittelbayerischen Zeitung bereits demonstrativ hinter Freudenstein gestellt. Das dürfte ihm und ihr zwar wenig nutzen, sofern er nicht genügend Verbündete im Landkreis findet – ebenso wie die SPD hat auch die CSU hier die meisten Mitglieder. Allerdings hat sich Graf Lerchenfeld mit seiner Klage gegen eine Umgehungsstraße, die über ein Stück seines üppigen Grundbesitzes führen würde, nicht eben beliebt gemacht.

„Ich bin ein Homo Politicus wie er im Buche steht.“

Bis diese Auseinandersetzung in der CSU entschieden ist, bleibt Hammerl also noch genügend Zeit, um, wie er es ausdrückt, „ins Rollen zu kommen“. Bereits beim Kommunalwahlkampf hatte er mit seinen unorthodoxen Methoden für Aufmerksamkeit gesorgt. Hunderte Lego-Hammerls mit seinem Listenplatz wurden unter der Bevölkerung verteilt. Regelmäßig sah man ihn mit SPD-Wahlkampfjacke und SPD-Wahlkampfrad durch die Altstadt cruisen. Und seine selbstgemachten Videos gelten unter Kennern als legendär.

„Meinen Kern inhaltlich und persönlich zum Ausdruck bringen.“ OB Joachim Wolbergs präsentiert Tobias Hammerl. Foto: as

„Meinen Kern inhaltlich und persönlich zum Ausdruck bringen.“ OB Joachim Wolbergs präsentiert Tobias Hammerl (re.). Foto: as

Auch bei der Pressekonferenz im Leeren Beutel zeichnet Hammerl auf. Seine politischen Vorstellungen seien „sehr ausdifferenziert und facettenreich, vielleicht auch kritikwürdig“, lächelt er in die Kamera. Er sei eben „ein progressiver Mensch“, ein „Homo Politicus wie er im Buche steht“ und in jedem Fall ist er enorm selbstbewusst.

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Kommentare (21)

  • tom

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    Putzig!!!

  • bürgerblick

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    Er ist kein Hammerl sondern ein politischer Hammer der richtig hämmern kann.
    Er tifft dabei auch die Nägel die politisch einzuschlagen sind.

  • joey

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    SPD?
    da gibt’s 2017 noch schlimmere Ergebnisse wie 2013. Die Wahlergebnisse der Länder 03/16 sind nämlich reprästentativ. Die Probleme werden weiter wachsen und im Bundestag nicht mehr durch spezielle Landesthemen und Wahltaktik gemildert.

    Jetzt im Sommer wird das Mittelmeer wieder richtig voll. Die Wohnungsnot wird weiter wachsen, weil die (SPD) Bundesbauministerin keine Hose hat, die ausufernde ENEV (und weitere Baukostentreiber) wenigstens zu bremsen. Wenn der Mindestlohn für Flüchtlinge ausgesetzt wird (und anders kriegt man die nicht in Arbeit), fliegen die deutschen „Kleinen“ raus.
    Nun ist vielleicht eine Entlastung, daß die SPD sowieso nur vom öffentlichen Dienst und vom ZDF gewählt wird – und vom Seniorenheim… also von Leuten, denen eh alles wurscht ist. Das sind die rund 20 Prozent, die man für das SPD Logo noch kriegt.

    Herr Hammerl versucht, wenigstens durch wackeren Kampf später einen besseren Listenplatz zu bekommen (oder einen parteitaktisch wichtigen Job in der Bürokratie), mit 38 hat er ja noch genügend Zeit, ein paar aussichtslose Wahlen zu verlieren.

    „Parteisoldat“: diese Zeiten haben hoffentlich bald hinter uns – ebenso wie „Stammwähler“. Es geht nicht um den ewigen Kampf um gut und böse oder eine Fortsetzung des Endsieges. Es geht um Probleme, die derzeit offenbar von AfD und CSU am direktesten angesprochen werden. Ein Problem richtig anzusprechen heißt ja nicht, es richtig zu beantworten. Wenn aber die Bevölkerung in der Regel zu völlig anderen Antworten als die Parteien kommen, ist da einiges falsch!

  • Christian

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    Und dann wählt er nächstes Jahr als Direktkandidat Siggi Pop zum Kanzler rofl

  • Jane Blond

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    Hinterbänkler aus Regensburg! Der Graf, die Freudenberg, weiland Aumer – nun Hammerl. Wann’s schee macht! Diäten bringt’s gewiss. Aber was für die Bevölkerung? Mal sehen. Frage: Hat jemand einen Überblick, was Herr Hammerl bisher im Stadtrat zu Wege und auf selbigen gebracht hat? Habe noch nie von ihm gehört. Vielleicht liegt es auch mir, bin bin keine MZ- und WOB-Leserin.

  • Clara von Jungenthal

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    Hab mal ne Frage.
    Ist der Herr links mit ‚Schlawatte‘ erkältet oder war die Heizung nicht eingeschaltet, weil aus „Brandschutztechnischen Gründen“ Teile vom Gebäude der ‚Leere Beutel‘ bis 23.03.2016 geschlossen sind. http://leerer-beutel.de/

  • Rentnerin

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    Herrn Dr. Hammerl habe ich bereits auf mehreren Veranstaltungen kennengelernt.

    Er ist eine sehr gute Wahl – keine Allüren – gute Bildung.

    Ich wünsche ihm bei seinem Vorhaben viel Glück.

  • knurrhahn mf

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    „Ich war Klassensprecher, Schülersprecher und Studierendenvertreter. Ich war immer bereit, mich für meine kleine Welt einzusetzen“,
    …das scheinen ja jetzt die wichtigsten Qualifikationsnachweise für „Führungskräfte“ in der Politik zu sein. Was ist eigentlich mit Berufsausbildung, Studium, verwertbare Berufserfahrung usw. ? Wahrscheinlich ist ja derartiges vorhanden. Es ist aber offensichtlich nicht mehr erwähnenswert. Hauptsache man ist ein ordentlicher Dampfplauderer. Dann klappt’s schon. Na ja, wurde ja auch schon bewiesen.

  • Mathilde Vietze

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    Zu „Knurrhahn“ Normalerweise holt man sich erst mal Informationen, ehe man
    über jemanden schreibt. Also: Dr. Tobias Hammerl hat ein abgeschlossenes
    Studium der Kunstgeschichte und ist seit Jahren Leiter des Abensberger
    Museums. Im letzten Jahr hat er obendrein promoviert. Oder glauben Sie,
    daß er seinen Doktortitel in der Lotterie gewonnen hat.
    Übrigens sind Sie nicht verpflichtet, für Herrn Dr. Hammerl Wahlkampf
    zu machen, Sie müssen ihn auch nicht wählen. Aber mit den „Weisheiten“,
    mit denen Sie die Öffentlichkeit beglückt haben, sollten Sie in Zukunft
    vorsichtiger sein.

  • da_Moartl

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    Museumsleiter und Kunstgeschichtler ;-) das sind wahrhaft ideale Voraussetzungen für die Politik. Wenn wenigstens etwas mehr politische Substanz dazu käme als die Einsichten aus der „kleinen Welt“. Da mag man sich schon auf den Wahlkampf Hammerl – Freudenstein freuen. Irgendwie muss die SPD bei der Wahl ja den einstelligen Prozentbereich erreichen. Ich frag mich nur: Ist das politische Personal der SPD schon derart ausgeblutet?

  • knurrhahn mf

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    @Mathilde Vietze
    Jetzt geht mir erst ein Licht auf. Der Hammerl hat das mit der Aufzählung seiner Qualitäten ironisch gemeint.
    Aber Ihr Beißreflex ist erstaunlich :-)

  • Mathilde Vietze

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    Zu „da_Moartl“ Kennen Sie Herrn Dr. Hammerl denn schon so gut, daß Sie so schlaue
    Wertungen über ihn abgeben können? Sie täten gut daran, sich erst mal zu informieren,
    über Hammerls gar nicht so kleine Welt. Und dann könnten Sie seinen Weg mit einer
    k o n s t r u k t i v e n Kritik begleiten.

  • blauäugig

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    @Vietze “ Oder glauben Sie, daß er seinen Doktortitel in der Lotterie gewonnen hat.“
    Vielleicht war es einer der vielen Doktortitel, die von Politikern in den letzten Jahren zurückgegeben wurden?
    @joey: Mit dem Seniorenheim dürften Sie in Bayern allemal ziemlich falsch liegen. Und „die Bevölkerung“/“die Parteien“ ist mindestens ebenso falsch generalisiert wie „links“/“rechts“, „gut“/“böse“.

  • Mathilde Vietze

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    Zu „Knurrhahn“ Und neben meinem Beißreflex habe ich auch
    noch Haare auf den Zähnen. Es ist also Vorsicht angesagt!

  • Betonkopf

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    Hammerl ist offenbar nicht unverdient Doktor Hammerl, sondern tatsächlich philospophisch gebildet und steht darüber hinaus weltanschaulich fest an der Seite der politischen Linken.
    Anders lässt sich seine Aussage vom Gegensatz zwischen dem Anfang der Zukunft und dem Ende der Geschichte doch gar nicht deuten. Dr. Hammerl spielt offenbar auf einen der Säulenheiligen der Neoliberalen Francis Fukuyama an, der sich 1992 im Angesicht des Endes des real existierenden Sozialismus zur Aussage verstiegen hat, nun sei das Ende der Gesichte (End of History) erreicht.
    Die Demokratie, die bei ihm unauflösbar mit der freien Marktwirtschaft in ihrer gnadenlostesten Ausprägung verbunden ist, würde sich nun weltweit durchsetzen und alle Experimente einer gemeinwohlorientierten Gesellschaftsordnung seien nun dem Untergang geweiht. Seine Lehre von der Gesetzmäßigkeit historischer Abläufe, die bei Fukuyama wohl als ganz besondere Beleidigung gegenüber den Marxisten gemeint ist, hat sich aber wohl spätestens seit dem Erstarken des radikalen politischem Islam, als Gegensatz zur demokratischen Ordnung einerseits, und seit dem globalen und verheerendem Versagen der freien Marktwirtschaft in der Finanzkrise andererseits, als falsch erwiesen.
    Insofern ein großes Lob an Dr. Hammerl, der noch in einer Provinzpressekonferenz gekonnt und unbemerkt auf die großen Gegensätze unserer Zeit anspielt. Man darf also gespannt sein, was denn nun der Anfang der Zukunft bringt.

  • Matthias B.

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    Immerhin, die Regensburg-SPD kann auf Beißreflex und Haaren auf den Zähnen stolz sein. Puh! Zumindest auf die ihrer unermüdlichen Apologetin. Wurstkuchlhausen halt!

  • Mathilde Vietze

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    Kommentar gelöscht. Bitte keine haltlosen Verschwörungstheorien.

  • Kritisches SPD-Mitglied

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    Natürlich steht es jedem zu, andere, egal ob prominent
    oder nicht, mit Kritik zu bedenken. Und auch in der SPD
    gibt es Leute, die man für kein Amt empfehlen kann.
    Mich wundert allerdings, daß ich über diese noch nie
    kritische Äußerungen vernommen habe.

  • Jürgen Huber

    |

    @Betonkopf: Alle Achtung, eine Meinung/Information die mit profundem Wissen unterfüttert ist. Respekt. Aber wieso nennen Sie sich dann Betonkopf? JH

  • Radfahren in der Altstadt bleibt erlaubt » Regensburg Digital

    |

    […] transportiert“. In jedem Fall ist es eine schlagzeilenträchtige Idee, die glatt vom designierten SPD-Bundestagskandidaten Tobias Hammerl stammen könnte, der in der Vergangenheit nicht einmal vor Vorschlägen für eine Seilbahn von der […]

  • SPD-Unterbezirk Regensburg im politischen Abseits » Regensburg Digital

    |

    […] Hammerl wird sich davon nicht schrecken lassen. Er hatte angesichts seiner Vorstellung als Kandidat der Regensburger SPD ohnehin verkündet, dass er…. Seit dem Wochenende steht nun auch fest, gegen wen er antreten wird: Bei der Delegiertenkonferenz […]

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