Kino

Filmrausch mit Dario

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„Everything glows“ (zitiert nach „D.A.D.“) – jedenfalls in den frühen Werken des Giallo-Meisters Dario Argento. „Suspiria“ ist dafür ein Paradebeispiel und kann in Regensburg alsbald im Kino genossen werden. Eine schöne Gelegenheit.

„Everything glows“ (zitiert nach „D.A.D.“) – jedenfalls in den frühen Werken des Giallo-Meisters Dario Argento. „Suspiria“ ist dafür ein Paradebeispiel und kann in Regensburg alsbald im Kino genossen werden. Eine schöne Gelegenheit.

Eine Empfehlung für Kunststudenten und Genre-Liebhaber: Dario Argentos harte Gruselmär „Suspiria“ am 25. März in Medard Kammermeiers Cineastenbutze.

Von Ingo Knott

Schön, dass es nach dem „Sublime“-Happening im Ostentor (das war am 22. Februar – leider verpasst!) mit dem Filmschocker „Opera“ und dem direkt anschließenden passenden Konzert von „Virginia Wing“ weiter geht in Regensburg mit den Gelegenheiten, einst verfemte Filme des italienischen Regisseurs Dario Argento auf großer Leinwand zu genießen: Am Samstag, 25. März, gibt es ab 22 Uhr „Suspiria“ in den von Medard Kammermeier geführten, gemütlichen Kinos im Andreasstadel zu sehen.

Hinter der „Suspiria“-Aufführung steht die „hard:line“-Crew, der man für ihr stetes Wagnis, diese Art von Film trotz der heutigen Verfügbarkeit auf BluRay/DVD im Kino zu präsentieren, gerne dankt. (Am Ende ist natürlich jedes wirtschaftliche Unternehmen ein Wagnis, aber Sie wissen, was ich meine.) Und das auch noch OmU!

Argentos Filme sind Kulturgüter

Nichts für jeden, also: Dario Argento, italienischer Filmregisseur mit großen, kunstvollen und blutigen Erfolgen in den 70er und 80er Jahren, hat in „Suspiria“ rauschartige Momente erschaffen, nicht enden wollende Alptraumszenarios mit immer wieder perfektem Zusammenspiel von Kameraarbeit, Licht, Ton – und eben auch Make up-Effekten, die es vielen seiner Filme in Deutschland über lange Jahrzehnte hinweg schwer gemacht haben: zerschnitten, verboten – und von der Kritik nicht gewürdigt.

Das ist anders geworden – Argentos Filme sind Kulturgüter, er wird als Vater des Giallo-Films bezeichnet (Italienische Pulp-Krimis, deren Einband gelb/ giallo zum Markenzeichen wurde. Deren filmische Entsprechungen ab den 60er Jahren zunächst durch Mario Bava werden als Giallo-Filme bezeichnet; sie sind wesentlich deutlicher als z.B. die deutschen Edgar Wallace-Krimis in der Darstellung weiblicher Reize und Gewalt in allen Facetten.) und seine Filme werden, begleitet von einer unermüdlichen Fanbase und reichlich Kritikerlob, (wieder-)entdeckt – und veröffentlicht.

Gothic Horror und Splatter

„Opera“ war lange Zeit in Deutschland gar verboten, „Suspiria“ über 20 Jahre indiziert. Nun mag vielen Filmen die schlichte Nichtverfügbarkeit zu einem Ruhm verholfen haben, der bei irgendwann erfolgender Betrachtung nicht erklärbar ist, im Falle von Dario Argentos Blut- und Terror-Opern ist man doch über weite Strecken fasziniert. Und das beileibe nicht allein wegen der krassen Mischung aus Gothic Horror und Splatter, es ist die kunstvolle Gesamtpackung. Glühende Farben, wabernde Leuchtnebel, Räume wie Irrgärten – es gibt kein Entkommen für die Protagonisten, sie sind gefangen in grausamen Märchen.

Das Rotkäppchen in „Suspiria“, das das Wunderland des Bösen betritt, heißt Suzy, ist Amerikanerin und kommt in einer Tanzakademie in Freiburg an – die steht mitten im Wald und schon zu Beginn des Films, der gleich (und noch etwas übermütig) auch alle musikalisch progressiven Mittel einsetzt, wird klar, worum es geht: nicht ums Erzählen einer Geschichte, sondern um das Erschaffen von Szenen. Mysteriöse, aufwändig inszenierte, grausame Morde erschüttern das Umfeld von Suzy, bis sie selbst dem Ursprung gegenüber steht – eine, wie könnte es anders sein, Mutter (Argento ist ja schließlich Italiener). Eine Hexenmutter, die bei Thomas De Quincey ihren Ursprung hat, dem Autor der „Confessions of an Opium Eater“ (1921).

Argentos Mütter-Trilogie

Aus den Confessions und den 1845 folgenden „Suspiria de Profundis“ destillierte Argento seine so genannte „Mütter-Trilogie“; Filme, in denen die Mütter der Seufzer, der Tränen und der Dunkelheit ihre Terrorherrschaft ausüben. Auf „Suspiria“ folgte 1980 „Inferno“ und 2007 erst der langerwartete (und recht trashige, aber hyperbrutale, in Deutschland gekürzte) „La terza Madre“ als Abschluss. Die Trilogie ist übrigens auch für Argento eine Ausnahme, seine Filme enthalten ansonsten keine übernatürlichen Elemente, sieht man von dem 2012 erschienenen „Dracula 3D“ ab. Der ist natürlich übernatürlich – und auch hier glüht die Natur gerade zu Beginn in Farben, die das Technicolor-Verfahren der 50er Jahre ins Magische zuspitzen.

Bei „Suspiria“ hat Argento gar alle verfügbaren Materialien von Kodak aufgekauft:

„Wir benutzten drei Filmmatrizen für die Grundfarben Rot, Grün und Blau – und verdeckten bestimmte Farben, während wir die, die hervor treten sollten, betonten. Kodak hatte nicht viel mehr als ein paar tausend Meter dieses speziellen Materials vorrätig.“ Zitat nach Maitland McDonagh in „Broken Mirrors, Broken Minds. The Dark Dreams of Dario Argento.“

Ein kunstvoll arrangierter, bisweilen enervierender, fantastisch gefilmter Alp: „Suspiria“. Ein Filmrausch, den sich viele überlegen sollten.

PS: Ein Remake ist derzeit in Arbeit, z.B. hier gibt’s mehr dazu.

PPS: Mehr Argento gibt es bereits am Sonntag, 19. März, ab 22.55 Uhr auf arte: „Rosso –Farbe des Todes“ wird gezeigt. (Wiederholung am Sonntag, 14. April, ab 1.10 Uhr.)

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