"Ich stehe zu meinen Straftaten."

„Krematoriums-Skandal“: Der Whistleblower im Video-Interview

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Georg B. arbeitete seit 15 Jahren bei der Stadt Regensburg. Er gehört zu den Beschuldigten im Regensburger „Krematoriums-Skandal“. Die Staatsanwaltschaft ermittelt hier seit fast einem Jahr wegen zahlreicher Straftaten gegen mehrere Personen. Im August erstattete Georg B. Strafanzeige wegen Körperverletzung und Nötigung gegen seinen Vorgesetzten, den für das Krematorium zuständigen Abteilungsleiter. Im Oktober wurde er nun fristlos entlassen. Im Video-Interview spricht er mit uns über die Hintergründe.

Am Donnerstag hat der Stadtrat außerplanmäßige Sondermittel von über einer Million Euro bewilligt, um die – so steht es in der Beschlussvorlage – völlig „abgewirtschaftete“ Filteranlage des Regensburger Krematoriums zu sanieren. Zuvor hatte die Stadt deren maroden Zustand über Monate bestritten. Georg B., der deshalb bei der Staatsanwaltschaft Strafanzeige erstattet und das Problem öffentlich gemacht hatte, erhielt im Oktober vom städtischen Personalreferenten die fristlose Kündigung. Im Interview mit unserer Redaktion spricht er über die Hintergründe, räumt eigene Straftaten ein und widerspricht den Erklärungen von Rechtsreferent und Amtsleiter.

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Kommentare (28)

  • Markus Frowein

    |

    Solche Leute braucht die Welt, die ohne Rücksicht auf eigene Verluste helfen,
    die Wahrheit aufzudecken. Danke, Herr Georg B., Sie sind ein großes Vorbild,
    von dem sich der Eine oder Andere mal eine Scheibe abschneiden könnte. Danke!

  • Ernst Seler

    |

    Erst einmal herzlichen Glückwünsch für dieses neue Format.

    Es ist zutiefst erschütternd für die Angehörigen von einem „Mittäter“ zu hören, aus Zeugenmund, wie Särge geöffnet wurden, fremde Leichenteile zu ihren Verstorbenen beigefügt worden sind.

    Welche Folgen hat dieser Bericht?!
    Wird er überörtlich aufgegriffen?!
    Wie geht es zu in deutschen Krematorien?
    Es schmerzt das Herz, dieser Tage auch zu lesen, wie Gewalt auf Geburtsstationen offensichtlich keine Einzelfälle sind. Auch die Hebammen sind immer öfters überfordert, von Vorgesetzten abhängig, wie der nun öffentlich auftretende Zeuge, dessen Ehrlichkeit und Wahrhaftigkeit und Qual der langen Jahre ins Gesicht geschrieben sind.
    Es kann einem die Staatsanwaltschaft Regensburgs fast leid tun, solch gravierende Prozesse einleiten zu müssen. Wie weit reicht die Kette der Informanten, wer schützt wen?! Es ist nicht davon auszugehen, die unmittelbaren Vorgesetzten haben das Unwesen am Krematorium alleine zu verantworten.

    1993 verstarb mein Zwillingsbruder in Regensburg. Mit einem Freund fuhren wir zum Krematorium, es war Winterzeit. Erst als ich betonte, ich sei vor Jahren an einem Friedhof tätig gewesen, auch Sargträger, sah viele aufgebahrte Leichname, die für die Beerdigung vorbereitet wurden, da schob ein Mitarbeiter mir dankenswerter Weise meinen Zwillingsbruder in einen Raum, wo wir Abschied nehmen konnten. Ich blickte in die klaren Augen, das ernste Gesicht, als würde mein Bruder noch im Tode Gedanken weben….. .

    Die evangelische Gemeinde Regensburg hatte dann eine Gedenkfeier veranstaltet, da mein Bruder öfters dort zu Gast war.
    Während der Feier sah ich das kleine dunkle Kruzifix auf dem Sarge. Die Freundin hatte Originale Kunstwerke mit in die Gestaltung der Feier einbezogen und so trat ich vor, nahm eine kleine bunte Zeichnung, bedeckte den fast nackten Leichnam auf dem Kreuze… .

    Regensburg ist eine bedeutsame Stadt,
    in jeglicher Hinsicht.
    Danke für das Lesen.
    Danke für den Mut des Zeugen.
    Dank an die Redaktion.

  • Mr. T

    |

    Unglaublich! Vor allem unglaublich wie lange so was gut geht bevor der erste auspackt.

  • Traudi

    |

    Mich erstaunt, dass man heute erst darüber berichtet. Diese Geschichten kenne ich schon aus den 80er Jahren aus einem anderen Regensburger Krankenhaus. Da hat man sich schon unter vorgehaltener Hand erzählt, wie Amputate entsorgt werden….

  • El

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    Uiiijala – da tun sich ja ekelhafte Abgründe auf !

    Gut, dass dies endlich ans Licht kommt.

    Und naheliegend, dass in den unendlichen Weiten der Verwaltungslandschaft Regensburgs noch ähnliche Sümpfe auffindbar sind! Vllt. gibts ja in der nächsten Zeit noch ein paar WhistleblowerInnen …

    Abgesehen von den menschlichen Abgründen,
    gruselt es mir bei der Vorstellung, was so 3000 verbrannte Leichen pro Jahr an Amalgam bzw. Quecksilber in die Regensburger Luft abgeben. Bei Leichen, die Herzschrittmacher eingesetzt haben, würde sogar Plutonium freigesetzt werden ….

  • Cajeput12

    |

    Zitat EI: „Bei Leichen, die Herzschrittmacher eingesetzt haben, würde sogar Plutonium freigesetzt werden ….“

    Das ist ja auch zuvor schon gepostet worden. Wie kommt ihr darauf, dass Herzschrittmacher Plutonium enthalten könnten? Ich halte das für Quatsch.

  • Ernst Seler

    |

    „Die Körperteile stammen nicht von anderen Leichen, sondern vermutlich von medizinischen Eingriffen wie Amputationen oder Entnahme von Gewebe sowie Blutproben.“
    Oberstaatsanwalt Theo Ziegler
    https://www.br.de/nachrichten/oberpfalz/inhalt/regensburg-krematorium-untersuchung-100.html

    Stimmt die Aussage des Oberstaatsanwalts?!

    Das Videointerview vermittelt einen anderen Eindruck der Geschehnisse.
    Da Herr Ziegler das Wort „vermutlich“ verwendet, darf die Aussage als Versuch einer Beschwichtigung der Öffentlichkeit gesehen werden?! Wird ein Prozess die Wahrheit an den Tag bringen?!
    Wurden die Plastiktüten mit den jeweiligen Leichnamen angeliefert, oder zeitlich getrennt. Hatten die Plastiktüten eine eindeutige Kennzeichnung um den Inhalt den entsprechenden Verstorbenen zuzuordnen. Gibt es eine Weisung aus Ministerien, wie der Fall aufzuklären ist?!
    Die öffentliche Äußerung des Oberstaatsanwaltes trägt mehr zur Verunsicherung der Öffentlichkeit bei…. .
    Vielleicht kann der Zeuge noch genaue Angaben machen?!

  • Stefan Aigner

    |

    @Ernst Seler

    Das Interview bestätigt genau diese Vermutung. Er sagt ja sogar, woher die Säcke kommen.

  • R.G.

    |

    @ Ernst Seler

    Wenn eine dem Arbeitsplatz Y. zuzuordnende Frau gestückeltes menschliches Material anlieferte, wie es in Y. im laufenden Betrieb anfällt, ist es naheliegend anzunehmen, es stamme auch vor dort, jede noch schlimmere Phantasie verbietet sich.

    Herr Seeler, ganz sicher ist es kein den Leichnamen nachgeliefertes Gewebe, das einem konkreten Aufgebahrten nachträglich zugepasst werden müsste wie in einem Puzzle.

    Es ist schon so eine schräge Vorstellung, dass eine teure „pietätvolle Bestattung“ ein Draufwerfen von fremdem Gewebe bis hin zu Beingröße auf den Körper des zu Verbrennden bedeutet haben kann.
    ______________________________________________________________________

    Ich habe nun aber selbst noch eine schwierige Frage an den Menschen mit Anstand und Rückgrat (Whistleblower).
    Wurden menschliche Föten in dem Material erkannt?

  • Ernst Seler

    |

    Habe mir nach den Hinweisen des Oberstaatsanwaltes das Video nochmals genau angeschaut, weil beim ersten Hören des Zeugen verschlägt es einem den Atem:

    Georg B. spricht ca Minute 2.45: die „Amputate“ wurden in die Särge gelegt.

    Es ist dieses Bild das mich so schockiert, die Vorstellung, der Sarg wird von Dritten, also nicht vom Bestatter wieder aufgeschraubt und fremde Arme und Füße werden zu dem Verstorbenen hinzugefügt, zusammen mit Sondermüll……. …für den zuvor eine (religiöse) Abschiedsfeier stattfand (bei meinem Zwillingsbruder kamen etwa 200 Menschen aus Regensburg, er kannte viele Menschen, auch der Geschäftsführer des Waldorfkindergartens war anwesend. Zu jener Zeit wurden die Dinge wahrscheinlich „nur“ auf dem Sarg gelegt).

    Wie reagiert nun die Stadtbevölkerung auf diese fast nicht fassbare Nachricht von regensburg-digital. Es handelt sich um eine stattliche Zahl von Abschiedsfeiern die nun nachträglich in der Erinnerung sich makaber anfühlen.
    Gab es eine Auswahl, bei wem solche blauen Säcke auf den Sarg, später in den Sarg gelegt wurden?! Es ist nicht vorstellbar, einem verstorbenen Oberbürgermeister werden fremde Körperteile in den Sarg gelegt. Aber sicherlich trägt jeder Oberbürgermeister in den verflossenen Jahren die moralische Verantwortung, sie sitzt im Rathaus, wo sonst…. . Was sagt die Katholische Kirche, die Evangelische Kirche?!

  • Lothgaßler

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    Eine Pflichtsendung für alle Stadträtinnen und Stadträte!!! Die müssen sich dieses Interview unbedingt ansehen, denn hier spricht die „Gegenseite“ zum Rechtsreferenten. Der Ombudsmann muss ebenfalls angehört werden!
    -> Link per EMail-Verteiler an die Stadträte schicken!
    Das Interview ist auch deshalb wertvoll, weil im Bild zu sehen ist, was der Rechtsreferent scheinbar gar nicht kennt. Schlimmer noch, wenn die Aussagen des Interviewten halbwegs zutreffen, dann deckt der Rechtsreferent kriminelle Machenschaften (so sehe ich das). Eine Zumutung!
    Es gilt nachzubohren, welcher „Ingenieur“ hier die telefonisch übermittelten Mängel/Misstände des Interviewten angenommen aber vermutlich nicht bearbeitet bzw. weitergeleitet hat. MERKE: Telefonate sind für die Katz, wenns ernst wird! Eine kleine Aktennotiz hat noch nie geschadet.
    Das Mitverbrennen fremder Gewebeteile mag einem die Sprache verschlagen, ich halte das aber für weit verbreitet, weil billiger gehts nicht (außer man verbuddelts, wirfts in die Donau oder gut verpackt in den Hausmüll). Und weil diese Praxis bei den Mitarbeitern nicht zu verheimlichen ist, und diese Praxis irgendwie zustande gekommen sein muss, ist es unvorstellbar, dass Vorgesetzte davon nichts wussten. Schon deutlich wahrscheinlicher ist, dass von oben nach unten die Praxis durchgesetzt wurde (die Dres. sprechen nicht mit dem Knecht) und den Mitarbeitern für ihre verständnisvolle Mitarbeit ein Schweigegeld in Aussicht gestellt wurde. Der Griff in die Spendendose mit Einzahlung in eine extra dafür aufgelegtes Sparbuch toppt jeden Realsatiriker, könnte so aber auch erklärbar sein.

  • Rosalia Genoveva

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    Der Bonifaz meint, da könnt ma da doch gleich den Touristenprogrammen einen neuen Namen geben, der was zu die ganzen Gschäfteln passt.

    „Atmen Sie den Geist der Vergangenheit – Regensburg!“.

    „Rundreise zum Rauchenden Großelternberg an der Donau!“

    „In Regensburg mit Sack und Pack auf die letzte Reise!“

    „Das ganz andere Fundbüro: Führung durch das Kramuritorium Regensburg!“

    Veranstaltungen im allerneuesten der neuesten Stadthallen-Gebäude:

    „Tagung für Recyclingfachleute: Innovative Särge mit Mülleinwurfschacht!“

    „Kursreihe Esoterik: Wenn die Verstorbenen durch Rauchzeichen mit uns sprechen! Kursleiterin Grisnelda Orakel“

    „Geschichtswerkstatt: Regensburger Sargbeigaben im Wandel der Zeit!“

    “ Ein starker Abgang: Wie man durch Wahl des richtigen Krematoriums an Lebenden Rache üben kann! -Geschlossene Veranstaltung“

    “ Vereinigung deutschsprachiger Versicherungsfachleute: Entwicklung eines neuen Produkts: *First Class Begräbnis mit freier Wahl der Beigaben*“

    „Katholische Exorzistentagung: Wenn Regensburger ihre Ahnen in der Lunge rumtragen!“

  • Ernst Seler

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    Die Stadt Regensburg informiert:

    „Unsere Grundpfeiler

    Würdevoller Umgang mit Verstorbenen

    Empathischer und pietätvoller Umgang mit Angehörigen

    Moderne und transparente Arbeitsweise“

    und:

    „Möglichkeit zum Beisein bei der „Einfahrt ins Feuer““

    https://www.regensburg.de/rathaus/aemteruebersicht/rechts-und-regionalreferat/buergerzentrum/abteilung-bestattungswesen/krematorium-regensburg

    Jeder Angehöriger konnte die „Einfahrt ins Feuer“ begleiten,
    vielleicht wurde deshalb der Abfall in den Sarg verlegt.

  • El

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    Rosalia Genoveva,
    ich bin absolut hingerissen von Ihren Kurzfilmtagen.
    Vllt. könnte man_vrau da auch noch irgendwie einen Frankenstein Remix mit einbauen.
    Beim Aufbau einer homepage für Sie, könnte Ihnen der Wurschtkuchlhund (Regensburg, weils wurscht is ) Pate stehen –> http://www.helmut-hoehn.de/wurstkuchlhund.html

    Ernst Seler,
    „Es ist nicht vorstellbar, einem verstorbenen Oberbürgermeister werden fremde Körperteile in den Sarg gelegt“
    Das wäre allerdings der Gipfel der Dreistigkeit ! Da sollten die KrematoriumsmitarbeiterInnen in Zukunft schon gut aufpassen, dass Ihnen so ein Fehler nicht unterläuft. Dem Straßenkehrer kann man gerne etwas mehr mitgeben und auch der Mutter von 5 Kindern täte es nicht schaden , dem Obdachlosen sowieso — aber einem Oberbürgermeister …also nein, da hört es sich auf !
    Da müsste man noch an der Logistik arbeiten, dass sowas nicht passieren kann, zukünftig.

  • mkv

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    Zur Frage,
    ob die aktuelle Gesetzeslage nicht überholt ist,
    der Meinungsfreiheit des Wistleblowers,
    zur Besprechung
    des Urteils des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte in Straßburg vom 21. Juli 2011

    ein Interview der NDS
    mit dem Richter am Bundesverwaltungsgericht Dieter Deiseroth a.D.
    http://www.nachdenkseiten.de/?p=41256#more-41256

    sowie Links zum vorstehenden Urteil
    https://www.humanrights.ch/de/internationale-menschenrechte/europarats-organe/egmr/urteile/egmr-schuetzt-whistleblower

    mit Besprechung und weiterer Verlinkung zur Pressemitteilung des EGMR in deutscher Sprache
    https://www.whistleblower-net.de/blog/2011/07/21/urteil-des-egmr-whistleblowing-von-meinungsfreiheit-geschuetzt/

  • mkv

    |

    Nachtrag

    Nachdem der LINK zur PM nicht funkioniert, gebe ich den Link zur deutschen nichtamtlichen Übersetzung des EGMR-Urteils weiter

    https://hudoc.echr.coe.int/eng#{%22display%22:[%220%22],%22languageisocode%22:[%22GER%22],%22appno%22:[%2228274/08%22],%22documentcollectionid2%22:[%22CHAMBER%22],%22itemid%22:[%22001-108773%22]}

    bzw.

    http://hudoc.echr.coe.int/eng?i=001-108773

  • Ernst Seler

    |

    als betroffener Angehöriger
    die Frage an den Zeugen:

    wurden die Sargbeigaben
    vor oder nach
    der jeweiligen Feier
    in den Sarg gelegt?!

  • Kneipenschreck

    |

    tja, so sieht das dann im Alltag aus, wenn von „Joint venture“ mit dem Ziel „synergistischer Additivlösungen“ die Rede ist..

    *kopfschüttel…

  • Petra Hartl

    |

    Das ganze ist höchst unappetitlich: Zum einen, wie die Ware Mensch und die Reste davon verhökert und „verkohlt“ werden, zum anderen, weil die Judikative nicht zum ersten Mal verschleppt und vertagt. Ich bin auf den Ausgang gespannt….

  • R.G.

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    Wenn jemand eine Firma hat, in der ein Elektriker gebraucht wird, wenn auch befristet, bitte denkt an den mutigen Mann (Whistleblower), der an der Wiederherstellung pietätvollen Verbrennungsumstände durch seine Aussagen mithilft.

    Um den Kritikern den Wind aus den Segeln zu nehmen: Wer seinen Sondermüll korrekt entsorgt, hat von dem Herrn nichts zu befürchten. ; ))

    Jeder Mensch hat eine zweite Chance verdient!

  • El

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    R.G. , Sie sind ganz große Klasse !

  • mkv

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    Der fehlende Schutz von Whistleblowern oder Wie Kanzlerin Merkel ihre Versprechen nicht einhielt

    Ich zitiere aus einem jüngsten Essay von Daniela Dahn:

    „Ein diesbezüglicher Bericht der G20/OECD-Arbeitsgruppe hat Deutschland Defizite beim Schutz von Whistleblowern bescheinigt und Empfehlungen für Standards gegeben, die bisher auch nicht annähernd erfüllt sind, wie auf der Seite von whistleblower-net.de zu lesen ist. Kanzlerin Merkel hat sich gegenüber den G20-Staaten, also auch gegenüber der Türkei, verpflichtet, entsprechenden gesetzlichen Schutz zu schaffen, doch nichts ist geschehen.

    In einem Gesetzentwurf forderten die Grünen 2012, das Whistleblowing zum Grundrecht zu erklären. Ein Antrag der Linken ergänzte Ende 2014, dass Whistleblower, die beim Militär und in den Geheimdiensten Verstöße gegen Völker- und Menschenrecht aufdecken, dafür nicht verfolgt werden dürfen, auch wenn sie Geheimhaltungsvorschriften verletzt haben. Denn derartige Geheimnisse seien nicht vom Recht gedeckt. Ein solcher Schutz liege daher nicht nur im Interesse des Betroffenen, sondern der ganzen Gesellschaft. Weshalb auch Journalisten, die solche Verschlusssachen veröffentlichen, nicht haftbar gemacht werden dürften. Zwei vergebliche Vorstöße der Opposition, versteht sich.“

    Quelle:
    Galoppierende Gefahr
    Deniz Yücel Wer sich mit dem in der Türkei inhaftierten Journalisten solidarisiert, sollte nicht übersehen, wie es um die Bürgerrechte in Deutschland steht
    freitag.de

  • R.G.

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    Meine Überlegung zum Schutz von Whistleblowern:

    Wenn ein Mitarbeiter nach Whistleblowing, in der Begründung wegen des Geheimnisverrats, von einem Vorgesetzten, der an der Entstehung oder Duldung von Missständen beteiligt war, eine Entlassung erhält, so sollte es eine Pflicht (!) geben, diese rückwirkend aufzuheben bzw. wenigstens den Arbeitsplatz wieder anzubieten, falls die Vorwürfe bestätigt werden.

    Ein Teil des Mobbingverhaltens gegenüber Whistleblowern fußt offensichtlich auf einem seit dem Weltkrieg ungereinigt gebliebenen, somit noch nicht entnazifizierten Kameradschaftsbegriff, wonach die Verschworenheit der Gruppe höher gewertet wird, als das Leben eines einzelnen Mitglieds oder auch tausender Opfer.

    Der Vorwurf, jemand habe sich durch Enthüllungen als Kameradschaftsschwein erwiesen, trägt da nicht, wo man Mitarbeiter zu nur kollegialer Arbeitshaltung zwecks Erreichung transparenter Ziele, verpflichtet.

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