Stadthallen-Debatte reloaded

Marktanalyse: Ein RKK ist einfach geil!

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Früher war der Freie Wähler-Stadtrat Günther Riepl ein einsamer Rufer in der Wüste: Jetzt ist die Mehrheit im Stadtrat für den Standort.

Früher war der Freie Wähler-Stadtrat Günther Riepl ein einsamer Rufer in der Wüste: Jetzt ist die Mehrheit im Stadtrat für den Standort.

Am Dienstag wurde die neue Marktanalyse für ein Kultur- und Kongresszentrum den Stadträten zweier Ausschüsse präsentiert. Die zweistündige Debatte erinnerte an die großen Auseinandersetzungen um eine Stadthalle am Donaumarkt.

Das Audimax als Veranstaltungsort – im Abstieg begriffen, das neu gebaute Marina-Forum – keine echte Konkurrenz, der 1.000-Leute-Festsaal im Museum für bayerische Geschichte – keine echte Veranstaltungsstätte und ja, das Kolpinghaus, das „derzeit größte Kultur- und Kongresszentrum Regensburgs“, würde zwar erheblich darunter leiden, aber ansonsten wäre ein neues RKK auf dem Ernst-Reuter-Platz, um es etwas flapsig auszudrücken, einfach nur geil. Das ist das Resultat der Machbarkeitsstudie, die von der Stadt bei der Unternehmensberatung ghh consult in Auftrag gegeben wurde. Böse Zungen behaupten gar, dass nicht nur die Studie, sondern das durchweg positive Resultat bereits mitbestellt wurde.

Schon seit dem „Kalten Krieg“ ein stabiler Markt

Tatsächlich wird überhaupt nicht verschleiert, dass es hier kaum um eine ergebnisoffene Untersuchung ging, sondern vielmehr darum, das politisch erwünschte Resultat mit entsprechenden Daten zu untermauern. Bereits einleitend ist von einer „Stärkung des gesamten Stadtzentrums“, dem „lange vermissten Rahmen für größere gesellschaftliche Ereignisse“ oder auch dem Ausschöpfen der „zweifellos vorhandenen Potenziale“ die Rede.

Und tatsächlich: Fast 20 Jahre sind seit der Analyse in punkto Raumprogramm vergangen, die Bedarfsuntersuchung datiert sogar noch aus Zeiten des Kalten Krieges, aber: An den durchweg positiven Effekten eines RKK hat sich der neuen Analyse zufolge seitdem nicht das Geringste geändert oder, wie es Unternehmensberaterin Gisela Hank-Haase von ghh consult am Dienstag vor den Regensburger Stadträten ausdrückte: „Es gibt keinen stabileren Markt.“ Nicht mal zu Zeiten der Finanzkrise sei die Wachstumskurve beim Kongress- und Veranstaltungsgeschäft zurückgegangen.

 „Wir konnten ein sehr hohes Nachfragepotential nachweisen.“ 

In einem RKK am Ernst-Reuter-Platz könne Regensburg mit rund 160.000 Besuchern jährlich rechnen, die einen Umsatz von 17 Millionen Euro, vornehmlich im Hotel- und Gastrogewerbe generieren würden – umgerechnet seien das rund 270 Vollzeitarbeitsplätze (Jahresbrutto: 27.000 Euro), so das Ergebnis der Untersuchung. Investieren müsste man für ein solches Kultur- und Kongresszentrum mit einer Gesamtfläche von 7.600 Quadratmetern zwischen 63 und 78 Millionen Euro – die Tiefgarage nicht mitgerechnet. Das jährliche Betriebskostendefizit von 467.000 Euro in den ersten fünf Jahren ließe sich durch Optimierungsmaßnahmen auf Dauer signifikant reduzieren, heißt es weiter.

"Da fährt ein Zug unaufhaltsam gegen die Wand", prophezeit Christian Schlegl. Foto: Archiv/ Stadt Regensburg

„Da fährt ein Zug unaufhaltsam gegen die Wand“, prophezeit Christian Schlegl. Foto: Archiv/ Stadt Regensburg

Zwingend notwendig für den Erfolg sei unter anderem das (bereits seit fast 20 Jahren feststehende) Raumprogramm – ein großer Saal mit mindestens 1.800 Plätzen, ein kleinerer mit 800, ein nahe gelegenes Hotel und eine eigene Intendanz. Dass dafür erheblicher Bedarf bestehe, sehe man unter anderem daran, dass Kultur- und Kongresszentren in Deutschland mit einer Größe von über 1.500 Plätzen „deutlich unterrepräsentiert“ seien.

Als aufschlussreich bewertet ghh consult auch eine Umfrage unter 200 Regensburger Unternehmen, von denen sich 38 beteiligten, von denen wiederum 25 verwertbare Angaben machten und diese schließlich gehen mehrheitlich davon aus, dass „ihr Veranstaltungsvolumen in Regensburg pro Jahr um 20 % zunehmen wird, wenn entsprechende Voraussetzungen im Hinblick auf Veranstaltungskapazitäten gegeben sind“. Das Fazit von Hank-Haase: „Wir konnten ein sehr hohes Nachfragepotential nachweisen.“ Eventuelle Verkehrsprobleme seien logistisch sicher lösbar. Die Lage mitten in der Altstadt, direkt am Bahnhof sei ein großes Plus.

„…ein Zug fährt unaufhaltsam gegen die Wand.“

Erwartungsgemäß große Freude löst dieses Ergebnis bei der bunten Koalition, Kritik bei der Opposition aus. Eine gewisse Sonderrolle nimmt dabei die CSU ein, die zwar schon immer für ein RKK war und das in der Vergangenheit mehrfach (mit teilweiser Unterstützung von SPD und Grünen) ganz ohne Bürgerbeteiligung durchsetzen wollte. Heute sind die Christsozialen zwar nach wie vor ein Kultur- und Kongresszentrum, mittlerweile sogar für einen Bürgerentscheid, sobald fertige Planungen vorliegen, kritisieren aber die von der Koalition ins Werk gesetzte Bürgerbeteiligung scharf. So auch bei der gemeinsamen Sitzung von Planungs- und Beteiligungsausschuss am Dienstag, wo das besagte Gutachten vorgestellt wurde.

„Heute erleben wir die Vorboten dessen, was passiert, wenn ein Zug unaufhaltsam gegen die Wand fährt“, ätzte da etwa Stadtrat Christian Schlegl. Zuerst habe man „diese unsägliche Befragung“ auf den Weg gebracht, nun präsentiere man mit mehrmonatiger Verzögerung (die Analyse datiert vom 26. Juni) eine Untersuchung, die den Ergebnissen der Ideenwerkstätten in Teilen diametral widerspreche. Schlegls Befürchtung: „Sie provozieren ein neues Fanal gegen die Stadthalle, weil Sie den Bürgern das Gefühl geben, sie nicht ernst zu nehmen.“

„Ein sehr umfangreicher Berg Papier“

Verweist auf die drei vergangenen Bürgerentscheide: Horst Meierhofer. Foto: Archiv

Verweist auf die drei vergangenen Bürgerentscheide: Horst Meierhofer. Foto: Archiv

Joachim Graf (ÖDP) bedankte sich etwas ironisch für den „sehr umfangreichen Berg Papier“, den man mit der Marktanalyse bekommen habe, bezweifelt aber wesentliche Zahlen und Ergebnisse. So sei er erstaunt, dass das Grundstück und dessen Erschließung nicht in die Kalkulationen eingeflossen seien.

Ähnliches konstatierte Richard Spieß (Linke) bei den Kosten für die notwendige Tiefgarage oder die „sehr niedrig angesetzten“ Baupreise. „Das ist ein Papier, das die Aufgabe hatte, es so günstig wie möglich darzustellen“, so Spieß‘ Fazit. Die erwähnten 270 neuen Arbeitsplätze seien angesichts des Jahresbruttos von 27.000 Euro nicht sonderlich erstrebenswert: „So ein Gehalt ist Garant von Altersarmut.“ 

Über zwei Stunden lief die Debatte, die in Teilen an frühere Zeiten, als über ein RKK am Donaumarkt gestritten wurde, erinnerte. Häufiger fielen Begriffe wie Demokratie, von der die jeweils andere Seite wohl das falsche Verständnis habe, von Minderheiten, die nicht akzeptieren könnten, dass sie eben nicht die Mehrheit seien oder von „interessierten Gruppen“, die schon immer alles, was sie könnten gegen ein RKK instrumentalisieren würden (Christa Meier).

„Da hätten Sie die Zahnfee schicken können.“

Margit Kunc (Grüne) kritisierte generell, dass jetzt wieder so eine Grundsatzdebatte geführt werde. „Wir sollen hier nur etwas zur Kenntnis nehmen.“ Wie ein RKK am Ende aussehe bestimme schließlich der Stadtrat und nicht eine Studie. Horst Meierhofer (FDP) meinte beruhigend in Richtung der Unternehmensberaterin Hank-Haase, sie solle sich nichts aus der Kritik machen, die sei erwartbar gewesen: „Da hätten Sie die Zahnfee schicken können.“ Meierhofer verweist auf drei Bürgerentscheide „und zwei Umfragen der Mittelbayerischen Zeitung“. Die seien alle pro RKK ausgefallen. Lobend über die Untersuchung äußerte sich auch Kerstin Radler von den Freien Wähler, für die das RKK am Ernst-Reuter-Platz das zentrale Wahlkampfthema war: „Allen Unkenrufen zum Trotz hat sich gezeigt, dass es sich um eine bedeutende Infrastrukturmaßnahme handelt.“

„Das muss man doch verstehen.“

Etwas um Fassung bemüht war am Ende Gisela Hank-Haase. „Ich bedauere sehr, dass viele aus der Studie nicht das herausgelesen haben, was wir aus den Untersuchungen abgeleitet haben: riesige Chancen und riesige Vorteile.“ Sie könne nur an alle appellieren, jetzt keine Ängste in der Bevölkerung zu schüren. Das Ganze sei doch „kein Monstrum gegen die Bürger“, sondern ein „wesentliches Instrument der Wirtschaftsförderung“. „Das muss man doch verstehen.“

Festzuhalten bleibt: Bürgerbefragung und Marktanalyse zum Trotz wird noch einige Zeit vergehen, ehe es tatsächlich einen konkreten Entwurf für ein RKK geben wird. Das Ganze ist eingebettet in die Maßnahmen zum Bau eines zentralen Busbahnhofs und der kompletten verkehrlichen Neuorganisation des Geländes rund um den Hauptbahnhof.

Bis dahin wird sich auch herausstellen, ob zutrifft, was Hank-Haase dem Marina-Forum am Alten Schlachthof prophezeite. Angesichts der Tatsache, dass es sich dort um ein Wohngebiet handle und Anlieferungen für ein Veranstaltungszentrum per LKW in der Regel nachts erfolgen würden, wolle sie nicht wissen, „wie viele Probleme es bringt, wenn dort eine hohe Lärmkulisse entsteht“. Bloß gut, dass das keine „interessierte Gruppe“ oder Minderheit gesagt hat…

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Kommentare (24)

  • Lothgaßler

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    Das RKK sei ein „wesentliches Instrument der Wirtschaftsförderung“. Genau so ist es. Nichts anderes ist gewollt. Kultur, nur ein Feigenblatt!
    Sehr schön: von 200 befragten Unternehmen (das war ja schon eine Vorauswahl) haben dann nur 25 (jedes achte Unternehmen) „verwertbar“ geantwortet. Ein geradezu überschwänglich positives Echo? NEIN! Und diese wenigen Unternehmen prognostizieren dann jährliche Zuwachsraten von 20%, bei den von ihnen veranstalteten Events. Hoffentlich veranstalten die wenigstens 5, sonst kommen 0,x zusätzliche Veranstaltungen raus, und das funktioniert nicht.
    Mit anderen Worten: Wir sollen das RKK bauen, damit einige Akteure der Veranstaltungsindustrie eine neue sexy Location haben.
    Und, natürlich muss das „Betriebskostendefizit“ der Bürger tragen, sonst rechnet sich der Spaß nicht für die Veranstalter. Und genauso richtig ist, dass andere Locations durch die Konkurrenz des RKK ein Defizit einfahren werden, das trifft teilweise ebenfalls von der Stadt gepimpte Locations (Schlachthof). Immerhin wird das offen eingeräumt.
    Fazit: Ich finde die Arbeit hervorragend geeignet um darauf aufbauend die ganze Misere breit zu treten. Denn eins ist klar, in diesen Defizitzahlenwerk sind nicht alle Defizite enthalten.
    Die bisherigen Fürsprecher müssen nun zugeben, dass Kommerz vor Kultur geht, es geht also nicht um hehere Ziele.

  • mkv

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    Mit seiner Befürchtung: „Sie provozieren ein neues Fanal gegen die Stadthalle, weil Sie den Bürgern das Gefühl geben, sie nicht ernst zu nehmen.“ trifft Herr Schlegl ins BUNTE.

    Vice Versa

    Stellen wir uns einen Moment vor: Die Schwarzen stellten noch die „Regierung“ und die Bunten wären in der „Opposition“.

    Wie wäre dann die Diskussion inhaltlich verlaufen? Hätte dann die CSU ein PRO für die „Analyse“ und die anderen ein CONTRA parat gehabt?

    Wäre demnach egal, wer gerade die Stadt „führt“?

    Werden gegen Margit Kunc (Grüne) die Entscheidungen nicht sowieso von dritter Seite getroffen? Und war und ist die Regensburger so genannte Bürgerbeteiligung nicht nur ein Spiel VOR dem spanischen Vorhang?

    Im Übrigen:

    Eine zeitgemäße fortschrittliche Entwicklung des gesamten Areals wird abhängen u.a. von:

    1. Ist man willens und in der Lage, das konkret vermutete Gräberfeld vollständig umzubetten, damit Garagen, Zufahrt, Logistik etc. unter der Erde platziert werden können?

    2. Wird man die ins Land gehende Zeitspanne von etlichen Jahren bis zum OB der Notwendigkeit/Angemessenheit und dem WIE der Strukturierung eines RKK/RKk wirklich wirklich nützen, um ein weiteres „Monster“ wie am Donaumarkt zu vermeiden?

    Ist es nicht so, dass der laufende KRIEG REICH GEGEN ARM (Warren Buffett) andere Gestaltungsprojekte auch in R. dringender machte?

    Dazu ein Video von Georg Schramm zum zentralen Konflikt unserer Zeit:

  • OLEG

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    Na wenn alles so super ist, sollen sie doch für Defizite privat haften. Mal sehen ob man nicht doch mit geschärften Blick neu beurteilt.

  • stadtosten

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    Seit den Sechzigerjahren ist das die wievielte Marktuntersuchung? Interessant wäre auch, wieviel sich die Stadt das stets selbe Ergebnis insgesamt hat kosten lassen. Vermutlich käme ein siebenstelliger Betrag heraus. Entlarvend ist auch die Aussage, man wolle die Untersuchung lediglich zur Kenntnis nehmen. Eine Stadthalle wir von allen zu bezahlen sein, wir aber nur wenigen nützen.

  • HANS 4nd

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    Die brutale Offenheit erstaunt mich:
    Das Ganze sei doch „kein Monstrum gegen die Bürger“, sondern ein „wesentliches Instrument der Wirtschaftsförderung“. „Das muss man doch verstehen.“
    Um nichts anderes geht es meiner Meinung nach. Auf Kosten der Bürger wird einigen wenigen Gewinn zugeschanzt. Natürlich will „die Wirtschaft“ ein RKK. Und selbstverständlich wird ein RKK ein Monstrum gegen Bürger, das sie selbst noch bezahlen müssen. Regensburgs Zentrum soll noch mehr disneylandisiert werden, die Einheimischen werden vertrieben. Einwohnerleer und von Touristenmassen durchwälzt, nachts durchhallt vom Grölen der Betrunkenen, so wird es kommen mit der Innenstadt. Der „Wirtschaft“ wird das gefallen, den Regensburgern nicht.

  • Harald Klimenta

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    Am besten war Schlegel. Wow – wenn die CSU mal Opposition ist, dann macht der echt Spaß. Tageshöhepunkt, ja, tatsächlich von ihm: „Sie suggerieren da öffentlichen Raum, wo keiner sein wird“. … aber es geht halt noch viel weiter. Etwa: Umfragen nach dem Bedarf von Unternehmern wie odeon-concerte kann man nicht als Planungsgrundlage nehmen, niemals. niemals würden die sagen, sie hätten keinen bedarf, schließlich sind mehr räume immer besser für geringere mieten, etc.. another concrete block will appear. oder der 1800-leute-saal: warum bauen andere städte so wenig so große sääle? warum veranstaltet das theater regensburg nur ein konzert im audimal? kann es sein, dass im bereich kultur / E-Musik diese sääle einfach unnötig sind? die klassik-fans sollen erstmal dafür sorgen, dass deren Enkel Klassik wieder hip finden und obendrein nicht klassik-open-airs besuchen sondern sich stundenlang auf stühle setzen. klassikfans werden älter, d.h., der bedarf nach riesenhallen wird eher sinken als steigen.

  • Sepp

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    De 20% Kultur konn ma dann glei afn Brandlberg auslagern.

  • blauäugig

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    “Als aufschlussreich bewertet ghh consult auch eine Umfrage unter 200 Regensburger Unternehmen, von denen sich 38 beteiligten, von denen wiederum 25 verwertbare Angaben machten und diese schließlich gehen mehrheitlich davon aus, dass „ihr Veranstaltungsvolumen in Regensburg pro Jahr um 20 % zunehmen wird, wenn entsprechende Voraussetzungen im Hinblick auf Veranstaltungskapazitäten gegeben sind“. “
    Wer sind die 12 Unternehmen, welche pro Jahr 20% mehr Veranstaltungen durchführen werden – und wie groß sind denn ihr Veranstaltungen jetzt schon?
    Nur soviel: Nach 21,6 Jahren Jahren hätten sie die 52-fache Zahl an Veranstaltungen, also z.B. statt einer Belegschaftsversammlung im Jahr plötzlich wöchentlich eine solche. Nach nicht mal 9 weiteren, also insgesamt 30 Jahren wäre diese Belegschaftsversammlung arbeitstäglich dort.
    Jede Wette, wenn die wirklich so kalkulieren, gibt es sie in 7 Jahren nicht mehr.
    Wenn das Kongresszentrum nur mit so offensichtlich falschen Zahlen von Gisela Hank-Haase zu rechtfertigen ist, sollte die bunte Koalition den Rest von Anstand zusammenkratzen und das Projekt stoppen.

  • dugout

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    Das müssen ganz schön knauserige Gesellen sein, diese Kongressbesucher. 17 Millionen von 160.000 macht mal einen guten Hunni pro Herzchirurg oder Maikäferforscher.
    Da lob ich mir doch den Extremsportler der bei der Challenge oder Ironman( für die älteren von uns) gerne behauptete 400/500 € in der Stadt läßt.
    Oder sind das gar übertriebene Erwartungen? Soviel Powergel kann der Ironman doch gar nicht fressen ^^
    Absolut seriös auch die Aussage der Gastronom und Hotelier setzt seine 17 millionen Umsatz(!) postwendend in Arbeitsplätze um.
    Wär dieses Fischeinwickelpapier nicht so teuer , man könnte fast etwas lachen.

  • R.G.

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    In jeder Stadt, in der ich bisher wohnte, STARBEN rund um die neu errichteten Kongresszentren und Stadthallen die Betriebe des Kleingewerbes AUS. Einige wenige größere Anbieter profitierten.

    Rund um jede städtische Halle stiegen die Straftaten, besonders die Drogenkriminalität und Prostitution, gefühlt enorm an.

    Hat man in die Studien die Statistiken über bestimmte Delikte im Umkreis von Städtischen Veranstaltungszentren erhoben, im Vergleich mit anderen Innenstadtbereichen, wo noch Familien wohnen?

    Ist jeder der Politiker, die für eine weitere Halle stimmen, bereit, seine Gattin, seine Teenie-Kinder, nachts dort um x Uhr alleine vorbeigehen zu lassen?

  • dünnster Künstler

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    Die vermeindlich drohend über den Köpfen der Regenburger Stadtgesellschaft schwebende total einseitige und manipulative Machbarkeitsstudie für ein Rkk Kongresszentrum dient der Stadtregierung nur dazu den Diskurs in ihrem Sinne zu befeuern. Die Koalition wird sich dieser Studie situationsbedingt bedienen oder sie als Zeichen ihrer Kritikfähigkeit auch mal in die Tonne treten um den naiveren Regensburgern in der nichtssagenden Bürgerbefragung ein Investorenmodell „Rkk“ (in dem Kultur groß geschrieben wird…) als tolle Alternative, wie sie sich die Bürger in den nonconform Ideenwerkstätten angeblich gewünscht hätten unterzujubeln. Tatsächlich hat sich in den Ideenwerkstätten sehr deutlich herauskristalisiert, dass die Bürger sich kein Kongresszentrum, sondern wenn schon ein Bürgerhaus für niederschwellige kulturelle Nutzung wünschen. Die Koalition kann mit diesem Wunsch-Gutachten in der Hinterhand also immer nach rechts ausweichen um die Rkk Pläne so noch besser als Bürgerwunsch zu verkaufen, oder eben um die Ergebnisse der Bürgerbeteiligung noch etwas „wirtschaftsfreundlicher“ und investorengerechter auszulegen.

    Nun war es jedoch der Auftrag der Planungsbüros und der durchaus kompetenten Bürgerbeteiligungsagenturen („nonconform“ und „urbane Projekte“) auf Grundlage und im Korsett der Bedarfs-Analyse von 1997 und der Vorstudien der nun veröffentlichten manipulativen Machbarkeitsstudie ein Rkk mit entsprechenden Raum-Kapazitäten am Ernst zu planen und dieses Kultur&Kongresszentrum mit den von den Bürger artikulierten Bedürfnissen anzureichern. (Bürgerbeteiligungs-Verkaufsstrategie.)

    Im allerbesten Fall (es schaut allerdings garnicht danach aus) wird die Stadtregierung also die Anregungen der RKk-Planungsbüros ernst nehmen und über den Erhalt des Wirsing-Hochhauses incl. Studentenwohnen plus Kongresshalle und niederschwelligen Kulturbetrieb nachdenken, sowie über einen dezentralen Kongressbetrieb, bei dem die Kongressteilnehmer von den zentralen Sälen des Rkk – am Europabrunnen vorbei – z.B. zu den kleineren Kongressräumen in der Maxstraße oder in der IHK laufen… So wird auch der öffentliche Raum und die historische Altstadt in den Kongressbetrieb einbezogen. Irgendwohin müssen die laut Machbarkeitstudie erreichbaren (und auf Teufel komm raus zu erreichenden!) zusätzlichen Kongressgäste ja verteilt werden.

    Muß Regensburg unbedingt Kongresstadt werden?
    (Eine andere Vision wurde auch in den Ideenwerkstätten nicht entwickelt!)

    Wäre es nicht sinnvoller zuallererst über Kultur, soziales und die Qualität des öffentlichen Raums für die Bevölkerung nachzudenken? Könnte Regensburg als soziale Stadt nicht viel heller strahlen, auch am Ernst?
    In den Ideenwerkstätten hat sich, abgesehen von Vertretern der Hotellerie (denen nun etliche neue Groß-Hotels als Konkurrenz vor die Nase gesetzt werden) niemand für ein Kongresszentrum ausgesprochen!
    Nachdem nun also ein Jahr lang für über eine Mio € Visionen ( Consult GmbH vs. nonconform) für den zu steigernden Kongressbetrieb entwickelt wurden und nun mit ZOB und ÖPNV und der neugestaltung der öffentlichen Räume untrennbar verquickt in der Bürgerbeteiligung abgefragt werden, fehlt der Stadtgesellschaft allem eins:
    Eine Vision der Regensburger für das Keplerareal, die sich frei von den kommerziellen Interessen von Investoren, Tourismus und „Kongressbranche“ entwickeln und artikulieren und im Alltag abbilden kann.

    Damit dies ja nicht passiert und um alle zu entmutigen und mögliche Widerstände garnicht erst aufkommen zu lassen kündigt die Stadt per Postwurf allen Bürgern an, das Keplerareal schon 2018 zu schleifen*, der Europabrunnen als Möglichkeitsraum ist schon lange imprägmiert. (* auch hier können nonconform und urbane Projekte nicht aus, denn die Stadt schreibt sich den baldmöglichsten Abriss des Keplerareals selbst als Bedingung in den Erbpachtvertrag mit der Evangelischen Kirche !!!! ja nonconform und urbane Projekte würden wohl, wenn sie dürften, sofort eine kulturelle Zwischennutzung vorschlagen…. so hipp wie in Berlin, ganz sinnvoll, voll im Diskurs, gute Erfahrungen damit… Soll aber nicht sein in der zukünftigen Kongressstadt-Rgb! Basta!)

    Regensburg hat ein Problem: Wir leben in einer entpolitisierten Langeweile, lassen uns vom herrschenden Diskurs einwickeln und alles gefallen, kriegen unseren Arsch nicht hoch, sind atomarisiert und unsolidarisch. Wir artikulieren nicht ungefragt eigene Visionen, denn das ist Bähbäh! (Mit einem Bürgerhaus oder freien Projekten im öffentlichen Raum könnte sich das freilich leicht und schnell ändern…. dann käme der Diskurs auch aus der Bevölkerung.)

    Wenn sich hier allerdings, wider Erwarten, nur etwas Widerstand organisiert, der sich nicht wie gewohnt sofort wieder entmutigen lässt, hat das Kongresszentrum (RKk) keine Chance mehr, dann reden wir nurnoch von einem Bürgerhaus. Vergl. z.B. die gescheiterte Olympiabewerbungen (nicht nur) in Hamburg.

  • kilgu

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    Eine Stadthalle am Erst-Reutter-Platz sehe ich gar nicht als sinnvoll. Eine Stadthalle, die Veranstaltungen aufnehmen soll, gehört an die Peripherie in der Nähe einer Autobahnauffahrt, so dass die Gäste gleich da, parken können und auch wieder abfahren können. Ansonsten gibt es in der Stadt ein Verkehrschaos.
    Wenn man bei der „Volksabstimmung keine Auswahl hat, sondern wie vorgesehen nur abstimmen kann, ob eine Stadthalle am Ernst-Reutter-Platz oder keine Stadthalle, kann man es nur ablehnen und daher mit nein stimmen. Ich werde bei der künftigen Stadtratswahl auch keine Partei und keinen Kandidaten wählen, die eine Stadthalle am Ernst-Reutter-Platz befürworten.

  • Peter Lang

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    @Harald Klimenta
    Wieso Stadthalle für Klassikfans? Für Klassikkonzerte braucht Regensburg keine Stadthalle. Meines Wissens ist Herr Söll mit dem knapp 1500-Sitzplatz-Audimax vollends zufrieden. Die auftretenden Stars auch, die Akustik ist fabelhaft. Fragen Sie nach bei Anne-Sophie Mutter. Und Odeon Concerte kriegt die Bude voll! Sie sollten sich dort mal einen Konzertabend gönnen und die Altersstruktur des Publikums studieren. Bei einigen der meist ausverkauften Konzerte dort werden Sie sich plötzlich ziemlich alt vorkommen …
    Die Parkplätze an der Uni sind zudem kostenlos. Das sog. „RKK“ soll außerdem kein Konzertsaal, sondern eine Mehrzweckhalle werden und als Austragungsort für Parteitage, Hochzeitsmessen, Tagungen und, ja, auch für Konzert- und Theaterdarbietungen dienen. Dass all diese Dinge nie und nimmer unter einen Hut zu kriegen sind, und schon gar nicht auf dem nudelbrett-großen Ernst-Reuter-Areal, wird jedem halbwegs vernünftig Denkenden einleuchten. Auch ist nicht einzusehen, warum sich Regensburg zur Conti-Arena und dem Marinaforum selbst Konkurrenz schafft.
    Warum sich die bunte Koalition auf ein solch riskantes und dem Stadtbild abträgliches (weitere Zerstörung des Alleengürtels) Projekt versteift, ist mir völlig schleierhaft. Vielleicht wedeln da irgendwelche Investoren mit Geldbündeln, die vielleicht irgendwann über Regensburg abregnen. Früher nannte man sie Spekulanten und verachtete sie, heute heißen sie Investoren und man küsst ihnen die Füße.
    Also, spielen Sie nicht die Klassik-Fans gegen die Fans anderer Musikrichtungen aus. Außerdem irren Sie: der aktuelle Run auf die Elbphilharmonie mag zwar in erster Linie auf die spektakuläre Architektur zurückzuführen sein, aber es sind beileibe nicht nur Seniorinnen und Senioren, die sich die Tickets gönnen.

  • dünnster Künstler

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    Ein teilweise von entsprechenden Agenturen betriebenes Kongress- und Event-zentrum (RKk) zwischen Ernst und Bahnhof ist eine besonders teure Frechheit gegenüber den Regensburgerinnen, die hier mit dem Bus umsteigen und kulturell kaum etwas zu melden haben werden.
    Ein soziales Kulturzentrum in dem sich die Regensburgerinnen ehrenamtlich engagieren können, und in dem kulturelle und soziale Einrichtungen und Initiativen selbstorganisiert das Programm mitgestalten; Kunst und Kultur erproben, die Räume kostenlos nutzen, wohnen, Werkstätten betreiben, Fahräder reparieren, Kochen etc., Feste organisieren, Pläne schmieden, Impulse für die Kultur in den Stadtteilen geben, Demokratie leben, in dem Sozialarbeit und freie Kultur stattfindet etc… ist etwas grundlegend anderes als ein von Eventagenturen und Tourismus GmbH genutztes RKk (mit großem „K“ für Kultur haha)!
    Die Frage ist eben: Welchen Zielvorstellungen soll hier nachgegangen werden: „Regensburg Kongresstadt?“ oder „Regensburg soziale Stadt?“
    Der öffentliche Raum rund um ein Kulturhaus sollte besonders hier am (Bus)Bahnhof im Alltag von und mit allen Bevölkerungsgruppen kulturell belebt werden. (Kann ein RKk entsprechende Impulse geben, ist es dazu eingerichtet, steht der kommerzielle Event- und Kongressbetrieb dem nicht Weg?) Die Art der notwenigerweise auch expertimentellen Nutzung sollte sich variabel abbilden und weitergenerieren können. Für das starre Kongresszentrumprojekt RKk (mit großem „K“ haha) wird der öffentliche Raum jedoch schon im Vorfeld imprägmiert (siehe Touristenbodensprenklerpläne am ausgeklammerten Europabrunnendeckel), soziale Einrichtungen und Studenten werden entmietet und vermutlich nicht wieder angesiedelt etc…. Dem Investorenbunker RKk Kongresszentrum wird ein kultureller und sozialer Anstrich verpasst, tatsächlich ist das teure Kongresszentrum jedoch unvereinbar mit unkommerzieller Kultur und Teilhabe… aber hey! Es gibt auch eine Eisdiele!!!! Was die öffentlichen Nutzungen des RKk angeht: Eine Stadtbücherei findet auch in einem Bürgerhaus Platz…

    Die Frage also ist: Für wen und was wird hier geplant? Wohin soll sich die Stadt entwickeln: Regensburg Schicki Micki Kongresstadt? oder Regensburg soziale Stadt mit vielfältigen kulturellen Formaten auch in den Stadtteilen? Ich fändes es gut, wenn in einem zentral gelegenen städtischen soziokulturellen Zentrum das verschiedensten Initiativen Freiraum und sozialen Einrichtungen Raum bietet auch mal ein Kongress über Kunst und Sozialarbeit stattfindet…. Wenn der Platz für einen sozialpolitischen Kongress nicht reichen sollte, könnte, idealerweise kostenlos, ins von der Stadt teuer angemietete Marinaforum ausgewichen werden – obwohl dort das Ambiente wohl etwas unpassend ist…

    Die öffentlichen Räume zwischen Bahnhof und Ernst betreffend empfehle ich einen zweiten Blick auf dieses Blatt aus der nonconform „Stadtraum-gemeinsam-gestalten“ Bürgerbeteiligung zu werfen. Das Büro Kaczmarek vom Team Nord liefert hier Beispiele, die meiner Meinung nach unmittelbar, provisorisch und ohne großen Aufwand umgesetzt und weiterentwickelt werden könnten. Einiges könnte schon morgen umgesetzt werden, anderes wurde vor nicht allzulanger Zeit bereits beseitigt…..http://europabrunnendeckel.de/?p=5740#besondere_Orte_und_Objekte

  • alstadtkid

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    Hat schon einer die Broschüre und die Befragungszettel für die Bürgerbefragung zum RKK und zum Bus Bahnhof gesehen?
    Da zieht es dir die Schuhe aus! „Ja moana de mia han dierekte Deppen“
    Das ist echt der Gipfel

  • Abgeschnitten

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    Interessant ist, daß für jedes Farbenthema orange/blau/grün unterschiedliche Info vorliegen (Beispiel Radlstellplatz)
    Eins steht fest, die Bürger des Stadtsüden, Uni usw werden die Innenstadt jedenfalls nur sehr schwer über die Galgenberger Brücke erreichen.

  • mkv

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    Man lese den eindringlichen Leserbrief von Herrn Prof. Hubel in der MZ von heute, Do., 20.10. 2017.

    Darin steht zwischen den Zeilen: Mit den Regeln einer Offenen Gesellschaft hat das „eigentlich unnötige“ (Bürgermeisterin) Prozedere der Bürgerbefragung wenig zu tun.

    Zeichnet eine solche sich u.a. doch aus durch:
    Handlungsspielräume, Entfaltungsmöglichkeiten. Ein inhaltliche Wahl.

    Die Frage nach der Haftung der Verantwortlichen in den Spitzenämtern der Verwaltung etc. hinsichtlich der verbratenen EUR 850 000 wird gestellt werden müssen.

    Auch deren Haltung zur Bürgerschaft mit Blick auf den Vollzug des Artikel 1 des Grundgesetzes ist des Nachdenkens wert.

  • Martin

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    Ein neuer Schildbürgerstreich diese Bürger“befragung“. Der dieses Umfagrepaphlet gemacht hat, hat mal ordentlich Zeit seines Lebens verschwendet.
    Regensburg du bist so peinlich geworden, man hält es kaum aus. Baut lieber ein neues Studentenwohnheim am Ernst-Reuther-Platz mit gemütlichen Cafés im Erdgeschoss und Veranstaltungsräumen für alle die etwas veranstalten wollen. Dann kriegt ihr Kultur für lau. Kein Bürger hat was von Kongressen, wir brauchen nicht noch mehr Menschen in der Stadt, lieber bezahlbaren Wohnraum für die die schon da sind. Und steckt lieber Geld in eine Umstrukturierung der Infrastruktur ohne alle schönen Straßen zu begradigen.
    Ja, das Gebiet um den Bahnhof und die Maxstraße, soll attraktiver (und sicherer) werden, aber doch nicht so!

  • Sozialwohnungen statt RKK

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    350000 Euro für den Versand der ,Bürger -befragungspost an zB. eine Adresse, unter der ich seit 20 Jahren nicht mehr gemeldet bin.Schön, dass meine Mutter noch lebt, ich hätte die Post der Stadt sonst gar nicht erhalten.Nachdem ich nun aber schon vier Jahre vor den Pforten Regensburg s wohne, bin ich nicht mal Antwort-berechtigt.Obwohl, interessiert das die Stadt überhaupt ?

  • Joachim Datko

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    Zu 12:44 – Sozialwohnungen statt RKK

    Grünfläche statt Bebauung!

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