Flüchtlingsunterkunft Königswiesen

Nach offenem Brief: Neonazi hetzt mit Steckbrief gegen Königswiesener Pfarrer

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Nach seinem offenen Brief zur geplanten Flüchtlingsunterkunft in Königswiesen ist Pfarrer Horst Wagner ins Visier eines rassistischen Hetzers geraten. Auf einer Facebookseite wurde ein steckbriefartiges Hassschreiben veröffentlicht. Garniert ist das ganze mit einem antisemitischen Gedicht. Der Verfasser ist schon seit längerem aktiv und bekennender Neonazi.

Bekennender Rassist: Peter Brunner, der Verantwortliche von "Echo Kelheim".

Bekennender Rassist: Peter Brunner, der Verantwortliche von „Echo Kelheim“.

Das antisemitische Gedicht, das wir hier zitiert hatten, haben wir zwischenzeitlich gelöscht.

So steht es seit kurzem auf „Echo Kelheim“, daneben ein Foto und die Adresse von Pfarrer Horst Wagner, der als „Pfaffe“, „Schwarzrock“ und „Jugendverführer“ beschimpft wird. So nebenbei wird Wagner auch noch zum Teifel gewünscht. Anlass für den Hasspost auf der Facebookseite ist Wagners Einsatz für die geplante Flüchtlingsunterkunft in Königswiesen.

Engagement für Flüchtlinge führt zu Steckbrief

Wie berichtet, hatte sich der 58jährige in einem offenen Brief mit deutlichen Worten an die Initiatoren der Unterschriftensammlung gewandt. Angesichts der offensichtlichen Unwahrheiten, die diese in einem Flugblatt verbreitet hatten, schrieb Wagner unter anderem:

„Seien Sie doch wenigstens so ehrlich und geben Sie zu, dass Sie gegen Flüchtlinge Stimmung machen wollen und die Ängste mancher Bürgerinnen und Bürger dazu benutzen! Ich habe Ihre Namen bisher im Zusammenhang mit sozialem Einsatz für andere Menschen noch nicht gehört oder gelesen. Nein, Sie ’sind nicht das Volk‘, Sie sind keine Patrioten (sonst würden Sie sich für eine Heimat für alle Menschen einsetzen), Sie vertreten auch nicht die Meinung einer Mehrheit der Menschen hier in Königswiesen!“

Hassfigur: der Integrationsbeauftragte Martin

Hassfigur von „Echo Kelheim“: der Integrationsbeauftragte Martin Neumeyer.

Noch am selben Tag erschien auf „Echo Kelheim“ der oben erwähnte Beitrag über den Königswiesener Pfarrer. Und es ist nur einer von vielen.

Regelmäßig erscheinen auf der Seite offen rassistische (und in schlechtem Deutsch verfasste) Texte, regelmäßig werden Menschen verunglimpft, die sich für Flüchtlinge engagieren oder den Betreibern als (vermeintlich) links/ der „Gutmenschen-Mafia“ zugehörig oder, oder, oder gelten. Die Holocaustleugnerin Ursula Haverbeck wird gefeiert oder es werden Verschwörungstheorien über das Zugunglück in Bad Aibling verbreitet – ein buntes Sammelsurium von Pegida bis zur extremen Rechten.

Attacke auf Asylbewerber ist „Ammenmärchen“

Angesichts der Attacke eines 22jährigen auf zwei Asylbewerber im Landkreis Kelheim mit einer Machete vor knapp einer Woche wird der Täter als Opfer dargestellt, die Unterkunft als „stinkendes Asylloch“ bezeichnet und die von mehreren Zeugen beobachtete Tat als „Zusammengeschustertes & schon von weitem durchschaubare Geschichte“ und „Ammenmärchen“ bezeichnet. 

Ikone von "Echo Kelheim": die Holocaustleugnerin Ursula Haverbeck.

Ikone von „Echo Kelheim“: die Holocaustleugnerin Ursula Haverbeck.

Die Seite ist schon seit längerem aktiv und es ist sehr einfach festzustellen, wer der Betreiber ist: Seiteninhaber ist ein Peter Brunner aus Kelheim, der sich selbst als Journalist („Deutsche Stimme“) und Mitglied der NPD bezeichnet. Nach Informationen unserer Redaktion ist Brunner sowohl in der rechten Szene in Kelheim als auch in Riedenburg aktiv. Das geht auch aus seinem Facebook-Profil recht eindeutig hervor. So ziemlich alles, was mit NPD, Neonazi-Kameradschaften und Rassismus zu tun hat gehört zu Brunners Lieblingsseiten.

Hassfigur von "Echo Kelheim": Joachim Wolbergs.

Hassfigur von „Echo Kelheim“: Joachim Wolbergs.

Auf einer weiteren Seite, die als Impressum der Facebook-Seite „Echo Kelheim“ angegeben wird, und damit ebenfalls Brunner zuzurechnen sein dürfte, erscheinen unter anderem Beiträge mit Titeln wie „Märtyrer Rudof Hess“ oder „Judenfrei und Spass dabei!“. Darunter wird fröhlich aus Hitler-Reden zitiert. Der Verdacht der Volksverhetzung liegt zumindest nahe. Daneben gibt es den „Neun-Punkte-Plan“ der NPD „gegen die Asylflut“ zu lesen.

Die Kelheimer Stadträtin Christiane Lettow-Berger, die wegen ihres Engagements für Flüchtlinge schon mehrfach ins Visier von „Echo Kelheim“ geraten ist, hat sich bereits vor über einem Jahr an die Kripo gewandt. „Dort hat man gesagt, man kümmert sich drum“, sagt sie uns am Telefon.

Facebook löscht Steckbrief 

Das Polizeipräsidium Niederbayern bestätigt, dass wegen verschiedener Veröffentlichungen auf der Seite Ermittlungen der Kripo Landshut laufen. Das hänge allerdings nicht mit der Anzeige von Christiane Lettow-Berger zusammen. Mit der Veröffentlichung zu Pfarrer Horst Wagner hat Brunner aber erneut eine Schwelle überschritten. Sie kommt einem Steckbrief mit – wenngleich verklausulierter – Aufforderung zur Gewalt gleich.

Facebook sieht das übrigens nicht so. Nach einer Meldung des Postings kommt die Auskunft, dass der Text „nicht gegen unsere Gemeinschaftsstadards verstößt“.

UPDATE: Nach erneuter Prüfung hat Facebook den Steckbrief mittlerweile entfernt.

UPDATE II: Peter Bruner hat den Steckbrief und dessen Löschung erneut gepostet. 

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Kommentare (13)

  • B.Kant

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    Er treibt sich auch auf Twitter unter @KelheimD rum. Bitte an Twitterer melden und blocken.

  • Tessa Hundertfachig

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    Muss das sein? Warum erwähnt rd direkt oder indirekt „E….K….“ 9x?

  • Lothgaßler

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    Warum reagiert ein nicht in Regensburg bzw. in Königswiesen wohnender dermaßen auf den Brief des dortigen Pfarrers? Nun gibts doch deutliche Anzeichen dafür, dass zumindest einer der Initiatoren gegen die Flüchtlingsunterkunft einem deutschnational-faschistischen Netzwerk angehört, oder aus dieser Ecke gesteuert wird. Die bisherigen Entgleisungen waren also keine der Jugend geschuldete Unreife. Ob die Deutschrussen begreifen, dass sie in dieser Sache Nazis hinterherlaufen?

  • Christian

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    Ich (wir) finden diesen Post als rassistisch ,geschmacklos und respektlos !! Ich will nur es nur nochmal betonen dass weder ich noch meine Freunde rechtspoplistisch oder gar rechtsradikal sind . Wir wollen auch nicht in irgendeiner Art und Weise mit diesen Leute in Verbindung gebracht werden .

  • esteha

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    @ Christian

    Ob sie „mit diesen Leuten“ nicht in Verbindung gebracht werden, dass liegt in der Bewertung jedes einzelnen.

    Wenn ich mir jedoch ihre bzw. die fb-Seiten manch ihrer Freunde anschaue, dann kann ich ihre Aussage „Ich will nur es nur nochmal betonen dass weder ich noch meine Freunde rechtspoplistisch oder gar rechtsradikal sind .“ keinen Glauben schenken.

    btw.: wie viele der Personen, die auf „ihrer“ Unterschriftenliste gegen das Asylheim stehen, sind KEINE Königswiesener, KEINE Regensburger, KEINE Bayern?

    Wurden da evtl. Leute „rekrutiert“, welche direkt, regional gar nicht betroffen sind?

  • Dagmar

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    Ich bin Regensburgerin und ich verstehe die Aufregung der Königswiesener und der „besseren“ Viertel von Regennsburg überhaupt nicht. Wir im Osten (Hohes Kreuz) sind schon jahrzehntelang an Asylbewerber, Asylanten, Deutschen mit Migrationshintergrund etc. gewöhnt. Meine Kinder sind mit ca. 15 verschiedenen Nationen in den Kindergarten und in die Schule gegangen. Sie waren mit Begeisterung beim Ortssportverein VfR und haben viele Freunde deren Namen im Westen Regensburgs niemand aussprechen kann. Sie haben viele Lebensgeschichten kennen und respektieren gelernt. Unsere Buffets zu Festen im Kindergarten und in der Schule waren international. Die Integration hat hier funktioniert, weil viele verschiedene Nationen hier zusammenleben und z.B. ein Vietnamese sich mit einem Russen oder Schwarzafrikaner auch bloß auf Deutsch unterhalten kann. Es gibt hier keine Ghettobildung mit lauter gleichen Nationen. Deshalb bin ich dafür, für dezentrale Unterkünfte gemischer Nationen zu sorgen. Wir müsssen diese ankommenden Flüchtlinge dezentral unterbringen und mit anderen

  • Dagmar

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    Flüchtlingen und Einheimischen mischen! Kinder haben damit keine Probleme! Meine Kinder sind nun schon junge Erwachsene und haben von Anfang an gelernt, daß Menschen Menschen sind und daß es überall sympathische und unsympatische, gescheite und dumme, unverbesserliche und einsichtige, schlechte und gute Leute gibt. Und vorallem haben sie gelernt was Rassismus und Sexismus ist und wie man ihn erkennt, auch wenn ein kulturelles oder religiöses Mäntelchen umgehängt wird!
    Ich kann nur allen Königswiesener raten, sich intensiv mit den Flüchtlichen abzugeben und alsbald dezentral in die Gemeinschaft zu absorbieren, damit Ghettobildung gar nicht erst aufkommt! Und vor allem: Stellt euch nicht so an!!!

  • joey

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    @Dagmar
    da haben Sie völlig Recht und werden auch vom Stadtsoziologen Jürgen Friedrichs bestätigt (17.2. im DLF, der schreibt auch für die Heinrich Böll Stiftung…). 5 bis maximal 10% Einwanderer sind integrationsverträglich, darüber kippt das.

    Wenn die Flüchtlinge integrationsbereit sind, geht das. Den meisten ist sicherlich klar, daß sich ihr Leben „verdeutschen“ wird. Wenn es aber an religiöse Hintergründe geht, z.B. an die Stellung der Frau (auch z.B. im Hinduismus, es muß nicht immer der Islam sein), wenn in der Schule bzw Hausaufgabe „Gender“ vorkommt… dann treffen da schon mal Welten aufeinander. Und wenn Sie mal einen „Russen/In“ treffen, der Ihnen vertraut und Ihnen seine Meinung über Afrikaner und Juden erzählt, dann kann einem ganz schlecht werden. (solche Erlebnisse hatte ich leider schon einige).

    Rassismus ist nicht auf Deutsche oder Europäer beschränkt. Die mörderischste Variante in letzterer Zeit gab es beim Massenmord in Ruanda, wo (große) Hutus die (kleinen) Tutsi zerhackt haben. Daß eben nicht alle Hutus mitgemacht, sondern einige unter Lebensgefahr aktiv Tutsi gerettet haben, ist der beste Beweis, daß nie alle alle sind.

  • Roland Hornung

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    Ich kann mich nur Dagmar anschließen.
    Zustimmung, Frau Dagmar!

  • esteha

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    @ Dagmar

    Auf den Punkt gebracht. Dem ist nichts hinzuzufügen.

  • Heinz

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    Respekt vor dem Mut von Pfarrer Wagner! Es war vorauszusehen, dass der offene Brief Nazis auf den Plan rufen würde. Regensburg Digital sei gedankt für die Veröffentlichung der hassgetränkten, schäbigen Kommentare Rechtsradikaler. Sie gehören an den Pranger!
    Ich wohne nicht weit von einer bereits bestehenden Flüchtlingseinrichtung und befürworte
    die geplante Anlage in Königswiesen, obgleich sie noch näher zu meinem Wohnsitz entstehen soll.

  • Silvia Gross

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    Ich kenne Horst Wagner. Er ist ein glaubwürdiger Pfarrer und aufrechter Mensch. Er ist sich treu geblieben in seiner humanitären Art und seine offenen Worte verdienen Respekt!

  • Nach Pfarrer-Steckbrief: Sechs Monate Knast für Volksverhetzer » Regensburg Digital

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    […] Für den in Kelheim lebenden, bekennenden Rassisten Brunner, der auf seiner Facebookseite von der NPD über die Identitäre Bewegung bis hin zu verschiedensten Neonazi-Gruppe mit allem möglichen sympathisiert, was sich gegen Flüchtlinge, Migranten und Nicht-Deutsche richtet, war das offenbar zu viel. Auf einer Facebookseite, die nach Recherchen von regensburg-digital von dem 50jährigen verantwortet wird und wo auch Kelheimer Mandatsträger in schöner Regelmäßigkeit mit Texten unter der Gürtellinie attackiert werden, veröffentlichte er einen steckbriefartigen Text nebst Foto von Wagner und garnierte das ganze mit e…  […]

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