Stau im Hirn

Wenn sich der Kalk im Kopf akkumuliert

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Sowohl die Redaktion als auch Paul Casimir Marcinkus waren und sind der Meinung, dass die Glosse, die sich mit Gabriele Mayers Kinokritik beschäftigt, nach dem dritten Satz als Polemik zu erkennen ist. Selbst in so einem altbackenen Lexikon wie Gero von Wilperts „Sachwörterbuch der Literatur“ ist die Polemik verewigt, und zwar mit der Definition: „Austrag von Meinungsverschiedenheiten…in aggressiver Prosaform und vielfach direkter Anrede des Adressaten“. Sprich: darin enthaltene vermeintliche Verbalinjurien sind selbstverständlich nicht eins zu eins zu verstehen. Sondern sportlich. Der oder die Attackierte schlägt im günstigsten Fall mit gleicher Waffe zurück. In Regensburg, das haben die Kommentare auf die polemische Glosse von Paul Casimir Marcinkus gezeigt, tut man so, als wüsste man von dieser literarischen Form nichts. Man liest den Text, als handle es sich um ein behördliches Dokument. Und zeigt sich schwer empfindsam und betroffen. Angesichts der Standhaftigkeit, mit der auch Leute, die es besser wissen, bei dieser Fehlinterpretation bleiben, zieht die Redaktion den Text von Paul Casimir Marcinkus zurück. Die Redaktion, 22.06.12

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Kommentare (22)

  • Student

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    Wie originell: jetzt werden hier schon Kritiken zu Kritiken veröffentlicht?
    Auch das müsste nicht sein.

    Zudem: man mag ja zu Frau Mayers Kommentar stehen, wie man mag. Aber was in den „Berichterstatter“ hier gefahren ist, ihre Spalte mit Begriffen wie „Kalk im Kopf akkumuliert“ und „Hirngeschwurbel“ zu diskreditieren, ist mir schleierhaft. Hat der Autor einen persönlichen Hass auf die Dame, dass er sich zu derart kränkenden Formulierungen hinreißen lässt – noch dazu aus dem fragwürdigen Anlass heraus … äh, ja, einen Verriss auf eine Kritik zu verfassen? Wen interessiert sowas? Gut, vielleicht Frau Mayer. Denn ob „Hirneinrostung oder Kopfkorrosion“ – für den Tatbestand der Beleidigung könnte sowas vielleicht reichen. Mit sachlichem Journalismus hat das nichts zu tun, der hat nämlich gewisse Grenzen, und die scheinen mir hier völlig unnötig und aus lächerlichstem Anlass heraus übertreten.

    Obendrein trägt dieser Artikel hier höchstens dazu bei, dass Frau Mayers Beitrag von mehr Lesern wahrgenommen wird, als das sonst wohl der Fall gewesen wäre. Auch hier frage ich mich, ob das die Absicht des Autors war. Liest man Frau Mayers Beitrag ganz und nicht nur die hier wiedergegebenen, aus dem Zusammenhang gerissenen Wortfetzen, so fragt man sich wirklich nur noch: ist ein zweitklassiger, harmloser und völlig belangloser Artikel aus der Mittelbayerischen jetzt wirklich schon eine Schlagzeile bei regensburg-digital wert??!

    Kopfschüttelnd und ratlos, Student.

  • Schwarzrabe

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    Herr Student, es handelt sich um eine Polemik. Das ist – das können Sie natürlich nicht wissen – ein seit den Vorsokratikern (500 v.Chr.) anerkanntes literarisches Genre, das nur leider hierzulande seit dem 30.1.33 nahezu unbekannt ist (noch in den 20ern gang und gäbe: Sie könnten ja mal in die Unibibliothek schauen und einen Blick in ein Buch von Erich Kästner oder Kurt Tucholsky riskieren – also bei Kästner jetzt nicht „Emil und die Detektive“, und bei Tucholsky nicht „Schloß Gripsholm“). Die haben es ganz anders krachen lassen. „Sachlicher Journalismus“ ist das, was Sie jeden Sonntag in Ihrem „Blizz“ lesen: damit können Sie sich, da stimmen Sie mir vielleicht sogar zu, den Arsch auswischen. Und der „lächerlichste Anlaß“: den Massenmord an den Juden oder auch die Hexenverfolgung mit einem Ferienstau auf der Autobahn in eins zu setzen, wie man das in dem verlinkten Artikel von Gabriele Mayer nachlesen kann – wenn Sie Gesellschaft finden wollen, also Leute, die bei solchen „arglosen“ Parallelen nichts finden, dann sollten Sie vielleicht mal bei der NPD vorbeischauen.

  • frage

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    da hat sich wohl einer bei der mz beworben und ist als kritiker nicht genommen worden.

  • schorsch

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    „ein zweitklassiger, harmloser und völlig belangloser Artikel aus der Mittelbayerischen“—
    weil das der regelfall bei dieser schülerzeitung ist, habe ich schon lange kein abo mehr

  • Jürgen Huber

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    Bisher waren nur die Kommentare gelegentlich „down under“, jetzt also Artikel auch schon von Befindlichkeitsgeschwurbel geprägt. Eine Kritik an der Kritik ist das nun vorne bis hinten nicht, nur Gehässigkeit. Passt m.E. nicht zu RD. Ebenfalls Kopfschütteln.

  • frage

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    @Schwarzrabe

    zwei kommentare hats gedauert und es kommt einer mit npd…

    bei der polemik teilt man zwar aus, bleibt aber sachlich. das ist hier nicht der fall. polemik ist der artikel also nicht. er ist nur gehässig. sonst nichts.

  • Schwarzrabe

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    Naja, fragen Sie mal einen eingefleischten NPDler, ob er das nicht goutiert, wenn der systematische Massenmord, den seine Ahnherren betrieben haben, mit einem Ferienstau auf der Autobahn und sonstwas auf eine Stufe gestellt wird. Ich jedenfalls freu mich, wenn jemand, der solchen bullshit schreibt, mal genüßlich in die Pfanne gehauen wird. Gabriele Mayer könnte ja morgen in der MZ zurückschießen und ihre Filmkritik verteidigen. Das würde man dann eine lebendige Diskussion nennen, Herr Huber. Es ist ja nicht so, daß Gabriele Mayer ein unmündiges Mädchen wäre, dem keinerlei Mittel zur Verfügung stünden. Die Frau kann schreiben, und sie hat eine große Zeitung im Rücken.

  • Fr.Streng

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    Werte Eminenz Paul Casimir!
    In der Sache liegen Sie wahrscheinlich nicht falsch mit ihrer Kritik. Wenn G. Mayer einen Schwangerschafts-Film mit „Massenpsychologie“ meint ausdeuten zu müssen, will man sich schaudern abwenden.

    Mayers Gleichsetzung: massenhafte Verbohrtsein = eine angebliche Wahrheit, die sich aufdrängt und keinem Gegenargument zugänglich ist. Ihre Beispiele: „Hexenverfolgung… , oder die Angst eines Volkes, das angeblich ohne Raum war, Antisemitismus, Klimahysterien … und vieles mehr. Alles felsenfeste Ideen und Überzeugungen, die sich mit Gewalt ihre Bahn brechen.“
    Schauderhaft!

    Anscheinend erklärt sich G.M. die Welt nach einem „(An-)Führerprinzip“, mit Antisemitismus und der „Angst eines Volkes … ohne Raum“ scheint sich sie wirklich nicht auseinandergesetzt zu haben, sonst könnte man keinen solchen Nonsens schreiben. Usw.

    Warum aber, Werter Paul Casimir, gleich zur Pathologiesierung (Verkalkung, Hirnrostung) der Dame schreiten, wo doch eine Polemik, die sich an der Sache bzw. an den gesellschaftlichen Zuständen in ihrer schönen MZ-Domstadt orientiert und ohne persönliche Angriffe unter der Gürtellinie formuliert ist, viel besser käme?

  • Roland Hornung

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    Fall Frau Mayer wirklich das alles geschrieben haben sollte, wäre es wirklich schauderhaft, wahrlich schauderhaft.

    Insofern ist jede Kritik berechtigt.

    Allerdings ist manche(!) Wortwahl der (völlig gerechtfertig- ten) Kritik etwas „überzogen“.

  • Student

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    @Schwarzrabe: Ihr „Beitrag“ besteht lediglich aus abstrusen Unterstellungen mir gegenüber und trägt sonst nichts zur Sache bei. Sie finden diesen Stil ja offenbar schon bei P. C. Marcinkus toll und pflegen ihn daher auch selbst. Für eine Diskussion disqualifizieren sie sich damit selbst, so dass sich für mich jede weitere Replik an sie erübrigt.

  • Jürgen Huber

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    Frau Mayer beschreibt ja nicht den Antisemitismus, oder allgemeine Menschenverachtung der Nazis in ihrem MZ-Artikel, sondern beispielhaft so etwas, wie denn irrationalen Glauben, man wäre „ein Volk ohne Raum“. Dies Behauptung bringt jemand auf, das ist eine völlig unbegründbare freie Erfindung und trotzdem, peu a peu glauben das immer mehr Menschen. Dieses Phänomen hat sie beschrieben und nichts von dem, was der erschrockene Herr Paul Casimir Marcinkus herauslesen wollte. Er, der Kritiker der Kritik zeigt vielmehr selber, wie pseudoreligiös die beschriebenen Phänomene tatsächlich ablaufen. Hätte er selber nicht so viel Bedarf an eineindeutigen Wahrheiten, unterstelle ich, denen man dann (auch blind) folgen kann, würde er nicht so erbost und böswillig auf die Schreiberin eindreschen.

    Kant wollte in der Aufklärung stets das eigene Denken befördert sehen. Selber Denken ist aber natürlich anstrengend und immer unsicher. Nur die Zustimmung von (möglichst) Vielen kann einem einigermassen Sicherheit geben, das „Richtige“ zu denken. Das hat Frau Mayer sehr gut beschrieben. Und noch was: Intellektuellenhass hat schon in der Weimarer Republik nur Schaden angerichtet.

  • postpopindiemocoreprogressiverock

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    Endlich eine treffende Kritik an der „Kunstkritik“ aus unserer kreativen Autostadt ihr Grießbreifresser. Weiter so bitte schön. Ein hoch auf die wohlfeilen Relevanzattrappen. Regensburger Eröffnungsreden sind auch ein ergiebieger Steinbruch zum Abbau von Mittelmäßigkeit (stark übertrieben).

  • Dubh

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    Jürgen Huber: „Selber Denken ist aber natürlich anstrengend und immer unsicher. Nur die Zustimmung von (möglichst) Vielen kann einem einigermassen Sicherheit geben, das “Richtige” zu denken.“

    Aha, die Mädchen hätten also die Zustimmung von möglichst vielen haben müssen um schwanger werden zu dürfen – das Richtige zu denken/tun.
    Das ist aber in diesem Film, und sicher auch im echten Fall nicht so gewesen.

    Da denken Sie dann mal eigenständig drüber nach………….

    Also jetzt nur um dann doch mal den Film zu erwähnen, den offenbar keiner gesehen hat, und nicht mal die Story kennt incl. der beiden ArtikelautorInnen, hab ich den Eindruck.

    Oder wie kommt der hiesige auf diese Idee:
    „Ein pädagogisch außerordentlich wertvoller, sprich: eher langweiliger Film über 17 Gymnasiastinnen, die beschließen, gleichzeitig schwanger zu werden“?

    Sollte Frau Meyer den Film tatsächlich gesehen haben, hat sie ihn nicht im Ansatz verstanden, sonst könnte sie nicht auf derartig abstruse Vergleiche kommen.

    Dass sie aber die Schwangerschaften an sich als „epidemisch“ , somit als krankhaft bezeichnet, wäre durchaus ein soziologischer Ansatz über eine Gesellschaft zu diskutieren, die wie selbstverständlich davon ausgeht, dass es grundsätzlich falsch und krankhaft sein kann schwanger zu werden.

    Im Film findet ja gerade eine anarchische Auflehnung einer Gruppe von Mädchen gegen die Denke und Zustimmung der Mehrheit statt – mit gutem Grund – der langfristige Ausgang bleibt offen.

    Anarchie und Auflehnung gegen herrschende Zustände kann auch ganz anders passieren als üblich – ein spannender Ansatz sollte man meinen, und recht riskant fürs ganze eigenen Leben (in dieser Art Gesellschaft) – die Mädels gehen sozusagen radikal aufs Ganze.

  • Schwarzrabe

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    Ach, Herr Huber! Kästner und Tucholsky haben Intellektuellenhaß betrieben, oder was? Naja, das haben Sie jetzt vermutlich nicht gemeint. Die beiden und all die andern begnadeten Polemiker, deren Bücher dann im Mai 33 verbrannt worden sind, sind bekanntlich bereits in den 20ern als „zersetzende Asphaltliteraten“ usw. geschmäht worden, und zwar keineswegs nur von der Nazipresse, sondern auch von bürgerlichen Zeitungen. Was zum Intellektuellenhaß auf jeden Fall dazugehört, oder wo er u.a. anfängt, das ist dieses namenlose Staunen bzw. Sichdrübermokieren: „jetzt werden hier schon Kritiken zu Kritiken veröffentlicht?“ (Student) – Eben das nennt man ja Kritik: daß jede Kritik ihrerseits wiederum der Kritik zugänglich sein muß (und was sonst passiert hier tagtäglich in den Kommentarspalten!). An den drei Kantschen Kritiken arbeiten sich die Philosophen ja bis zum heutigen Tag ab: Seit 230 Jahren erscheint im Durchschnitt jeden Monat wieder ein Buch, das im Grunde „Kritik der Kritik der reinen Vernunft“ heißen müßte. Das ist der philosophische Diskurs – und das geht selbstverständlich genauso im Kleinen bei einer Filmkritik: Kritik der Filmkritik usw. Diesen kritischen Diskurs als dekadent oder übergeschnappt oder sonstwas zu verdächtigen, bedeutet letztlich das Ende jeder Kritik und das Ende des Diskurses. Eine Selbstverständlichkeit, die aber leider eben nicht selbstverständlich ist.
    Damit möchte ich nicht Sie, Herr Student, in die Nähe von sonstwem rücken, das wäre Unsinn. Ich möchte Ihnen nur zu bedenken geben: Kritik der Kritik? Aber ja doch!
    Nicht nur in Regensburg handelt es sich dabei um eine verlorengegangene Institution, die selbst vor hundert Jahren, in der vielgeschmähten Kaiserzeit, existiert hat: Pressevielfalt. Wenn man eine Regensburger Zeitung von 1900 oder 1910 aufschlägt, stößt man sofort auf Polemik und Gegenartikel, Reaktionen auf Artikel in einer anderen Zeitung. Katholiken gegen Freigeister, Konservative gegen Progressive, usw. Das ist natürlich nur im Ausnahmefall wirklich witzig und lesenswert, aber immerhin: jeder, der damals einen Artikel in einer Zeitung veröffentlichte, mußte damit rechnen, daß er in einer andern Zeitung eins auf die Mütze kriegte. Und eben das fehlt heute. Frau Mayer schreibt seit Jahr und Tag, was ihr Spaß macht, die MZ-Redaktion scheint ihr nicht mal bei den schlimmsten Aussetzern (und der von Marcinkus aufgespießte ist ja wohl wirklich einer) in den Arm zu fallen. Wobei ich die Polemik von Marcinkus schon auch grob finde. Aber ist das schon gehässig, zu sagen, jemandes Hirn ist eingerostet? Ist das gleich schlimmer als schlimm? Muß man deswegen gleich „Frau Nachbarin, Euer Fläschchen!“ rufen, Herr Huber?
    Ich bin bei Gott kein Fan von Joschka Fischer. Aber daß er 1984 den Bundestagsvizepräsidenten Richard Stücklen nicht ganz ohne Grund und mit Verlaub als Arschloch tituliert hat, das war ein heilsamer Regelverstoß. Seitdem wissen die Parlamentspräsidenten, daß auch sie keine heiligen Kühe sind. Seitdem strengen sie sich ein bißchen mehr an.

  • Michael Scheiner

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    Bei einem derartigen Text, der sich hinter einem solchen Pseudonym versteckt, verbietet sich jede ernsthafte Antwort und Auseinandersetzung. Es ist nur schade und zutiefst bedauerlich, dass es Stefan Aigner ein derartig beleidigendes und herabwürdigendes, bösartiges Geschreibe auf seiner Seite duldet. Mit Meinungsfreiheit oder -äußerung kann ich das nicht mehr abtun. Meinungsfreiheit genießen andere Faschos auch.

  • Dubh

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    Klar ist die Glosse sofort als Polemik erkennbar, dagegen habe ich auch nichts einzuwenden, und gehässig, ad hominem kann sie meinetwegen auch gerne sein.

    Allerdings interessiert mich Frau Mayer nicht, auch nicht der Zustand ihres Kopfes, sowie an einem einzigen Wort festgemachte potentielle Kapitalschulungen anno dazumal – worauf nun wirklich nichts auch nur entfernt schließen lässt, was sie da so schreibt.

    Was aber den eigentlichen Gegenstand der Kritik anbetrifft, sind sich Mayer und Marcinkus ja doch offensichtlich einig:
    Über den weiblichen Körper hat gesellschaftlich definierte „Vernunft “ zu bestimmen, und nicht die Frau, schlimmer noch das Mädchen – darüber muss man sich nicht weiter auslassen.

    Sprich die einzig erlaubte/vernünftige gesellschaftlich – von der Masse – akzeptierte Handlung wäre Abtreibung gewesen, statt 16 „Solidarschwangerschaften“ und die Hoffnung damit zumindest die eigene kleine Welt zu verändern.

    So ein blöder irrationaler Weiberkram ist aber beiden offensichtlich zu banal, um sich damit auch nur im Ansatz zu befassen.

    Die eine verbeißt sich in angebliche Massenpsychologie, der andere in Frau Mayer.
    Diese Polemik sehe ich somit als reine Wichserei auf eine Wichserei.

    Marcinkus findet Mayer blöd, sie ihn vermutlich auch – und ich beide Ergüsse.

  • Dubh

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    Noch was – die Rücknahme des Textes finde ich aber nun auch reichlich unnötig.

    Wenn man sich „reichlich betroffen“, zeigt müsst ihr euch der wahrlich immer dümmlicheren Sozialpädagogisierung der Gesellschaft ja nicht beugen.

    Und dass „man so tut, als ob man von dieser literarischen Form nichts wüsste“, darauf würde ich meinen Kopf ja nicht verwetten………………………

  • H. Müller

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    @ Michael Scheiner

    Man kann den Artikel von Marcinkus so oder so bewerten, dem einen ist er zu deftig, mir persönlich gefällt (gefiel) er.

    Weil er diesen selbstgefälligen Schreiberlingen, die mit ihrem Pseudo-Intellekt und ihrer Vorstadt-Moral nur jovialen, kleinbürgerlichen Murks zustande bringen, mal so richtig Feuer unterm Hintern macht.
    Und das außerdem auf eine schlüssige argumentative Weise, durchaus geistreich, und übrigens nicht un-intellektuell.

    Aber mit ihrem plumpen „Meinungsfreiheit genießen andere Faschos auch“ holen jedoch gerade Sie die dickste und beleidigendste Keule raus, finden Sie nicht?
    Und das, obwohl (oder gerade weil) sich – wie Sie uns gnädig wissen lassen – „eine ernsthafte Auseinandersetzung verbietet“.

  • Student

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    Hä? Jetzt versteh‘ ich gar nix mehr.

    Jetzt wird der Text zurückgezogen – aber nicht etwa, weil man zu der Einsicht gelangt wäre, dass da evtl. über’s Ziel hinausgeschossen wurde – was ich so sehen würde, denn da stimme ich @frage zu: dass eine Polemik zwar dazu gedacht sein soll, auszuteilen, gerne auch zugespitzt, aber dennoch an der Sache orientiert bleiben sollte – das Etikett „Polemik“ ist für mich keine Rechtfertigung oder gar ein Freibrief für persönliche Beleidigungen. Oder – anders ausgedrückt – sollten persönliche Beleidigungen als wesentlicher Bestandteil von Polemiken angesehen werden, dann kann ich sowohl im Deutschen Bundestag als auch auf Regensburg-Digital gut auf dieses Genre zugunsten niveauvollerer Auseinandersetzungsformen verzichten.

    Die Begründung für die Rücknahme ist nun aber die „Standhaftigkeit, mit der die Leser den Text fehlinterpretieren“. Also was jetzt? Entweder findet die Redaktion den Text so gerechtfertigt und richtig, dann bitte dazu stehen und nicht entfernen. Oder eben nicht – dann aber auch einräumen, dass er nicht das nonplusultra war.

  • frage

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    anscheinend ist sich hier jemand nicht so ganz sicher, dass das ganze eine polemik gewesen sein soll und nicht doch eine beleidigung. somit scheut man die gerichtsverhandlung in der das zu klären gewesen wäre.

    so wirkt es jetzt jedenfalls.

  • Immanuel K. Anti

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    Auch ich finde die Rüchnahme des Artikels äußerst bedauerlich, weil unnötig und falsch. Denn wenn sich eine MZ-Autorin ihr Zeilenhonorar durch aufgeblähtes Geschwurbel verdient, sei es ihr vergönnt (Geld braucht jede/r), wenn es ihr dann später genüsslich unter die Nase gerieben wird, dann muß sie es verkraften, denn schließlich tut sie es ja unter ihrem Klarnamen.

    Ich habe den Film nicht gesehen, aber auf der Homepage zum Film gibt es den Trailer, Kritiken und 17 (!!!) Seiten Unterrichtsmaterialien. Mein Fazit: kein doofer Teeniestreifen, sondern sicher sehenswert (und pädagogisch wertvoll, mindestens um der Klasse eine vernünftige Diskussionskultur beizubringen: „Sag einfach: ‚ich teile Deine Ansicht nicht. Nazi ist höchstens der Ignaz, und der will ausdrücklich nicht so genannt werden.‘ „).

    Was übrigbleibt, ist Kopfschütteln, ich hoffe, es bleiben wenigstens die Kommentare hier erhalten. Die sind nicht von schlechten Eltern, also eindeutig brandgefährlich. Denn wenn man einen Zusammenhang zwischen dem Bremsstau auf der Autobahn und Massenhysterien (also Nazidiktatur) konstruieren will und kann, dann wäre auch ein Leserkommentar in einem Online-Forum ein „intelligentes Wirksystem“, mit dem sich bekanntlich ein Krieg vorbereiten lässt, und das wollen wir ja alle nicht, oder? Nach solcher Logik würden sich einige der Kommentare hier verbieten und müssten gelöscht werden. (Nur um mal gezeigt zu haben, dass das Schwurbeln ganz leicht von der Hand geht.)

    Wirklich froh bin ich, dass ich den Bremsstreifen, den ich mal (wie andere Menschen auch) in der Hose hatte, erfolgreich verbergen konnte. Denn der war echt braun und da wird ja schnell mal frei drauflosassoziiert, wie es mir scheint.

  • Schwarzrabe

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    So ist es, Herr Student: persönliche Beleidigungen sind ein wesentlicher Bestandteil jeder anständigen Polemik. Warum sachlich, wenn’s auch persönlich geht?! Von Herbert Wehner würde heute kein Mensch mehr reden, hätte er nicht die öden Bundestagsdebatten der 70er Jahre mit seinen wunderbaren Attacken aufgeheitert: „Waschen Sie sich erst mal! Sie sehen so ungewaschen aus!“ – Bis zu dieser Verunglimpfung hat die Hälfte des Hohen Hauses mit Sicherheit geschlafen. Aber wenn einer einen Abgeordneten namens Wohlrabe als Übelkrähe anspricht, dann wacht der Saal auf. Dafür wird der Mann heute noch gepriesen, und zwar mit Recht.
    Aber das sind leider nur einzelne lichte Momente, in denen die Polemik zu ihrem Recht kommt (und halt auch erst Jahrzehnte im nachhinein, seinerzeit ist Wehner selbstverständlich heftigst gerügt und getadelt worden). Im Normalfall ist es so, wie man hier am Beispiel der Glosse von Paul Casimir Marcinkus gesehen hat: Polemik ist kein literarischer Begriff, sondern ein Schimpfwort. „Das ist ja eine Polemik!“ ist in aller Regel nicht der erfreute Ausruf: Hier hat endlich mal jemand Pfeffer ausgeteilt!, sondern die panische Feststellung: Jetzt ist Schluß mit lustig!
    Die Satire hat es halt nach wie vor schwer. Zwischen den Zeilen und in homöopathischen Dosen wird sie geduldet. Wenn einer mal vom Leder zieht, stehen die chronisch beleidigten Deutschen schon in ihren Klagestartlöchern, und so wahnsinnig mutige Menschenrechtsbeauftragte wie Herr Scheiner sind zur Stelle. Daß einer wie der Kurt Kister, der immerhin mal in einem Leitartikel den SPD-Vorsitzenden beleidigt, Chefredakteur der SZ werden konnte, grenzt ja schon an ein Wunder. Wo doch das ungeschriebene Gesetz lautet, daß der Leser spätestens nach dem ersten Absatz eines Leitartikels einer deutschen Zeitung sanft entschlummert sein muß.

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