„Wir bauen eine Brücke…”

Das Einreißen der mit Absperrbändern nachgebauten Brücke machte den Stadtamhofer Kindern mehr Spaß als das Bauen. Sollte die Brücke über den Grieser Spitz kommen, muss ihr Spielplatz dran glauben.„…und reißen sie wieder ein” – Aktion gegen Brückenbau über den Spielplatz am Grieser Spitz. Der Grieser Spitz ist gestern Mittag voller Menschen, als Siegfried Heindl mit einigen Kindern aus Stadtamhof ein kleines Spiel spielt. Um die Ersatztrasse für eine Steinerne Brücke ist es während des Wahlkampfes erstaunlich still geworden und das macht Heindl, dem viele der Spaziergänger ein „Servus, Siggi” zurufen, Sorgen. Denn der Beschluss für ein „Brückenprovisorium” wurde schon vor mehreren Monaten im Stadtrat gefasst. Sollte die dringend sanierungsbedürftige Steinerne Brücke für Busse gesperrt werden müssen, kann jederzeit mit den Bauarbeiten für eine Ersatztrasse begonnen werden. Weil diese als „Provisorium” geplant ist, haben Anwohner keinerlei Mitsprache- oder Widerspruchsrecht und mehr und mehr kristallisiert sich heraus, dass die so genannte „Osttrasse” – über den Grieser Spitz, durch den Park und den dortigen Spielplatz – der Favorit der Stadtspitze zu sein scheint. Vier Linien sind es, die darüber umgeleitet werden sollen, 300 Busse täglich. Gemeinsam mit den Kindern und ein paar Helfern spannt Siggi Heindl ein rotes Absperrband von der gegenüberliegenden Seite der Donau über den „Spitz”, wo die Brücke laut momentanem Planungsstand verlaufen soll. 200 Meter vom Spielplatz entfernt ist Heindls Schlosserei. Er hat sich die Aktion ganz allein ausgedacht und durchgezogen. Mehrere Nachbarn waren sofort dabei. Genau so die Stadtamhofer Kinder, die er alle kennt. Die haben zwar einen Riesenspaß, als sie die Bänder spannen dürfen, dass man ihnen aber ihren Spielplatz kaputt machen will, finden die Kleinen überhaupt nicht lustig. So geht es fast allen Spaziergängern, die bis gestern gar nicht geahnt haben, was diese neue Brücke kaputt machen würde – sollte sie denn kommen. Mittlerweile sind auch ein paar Vertreter der „Donauanlieger” gekommen. Der Verein wehrt sich seit mittlerweile zwei Jahren gegen die Ersatzbrücken-Pläne, hält sie für unnötig und unsinnig. Astrid Freudenstein ist Gründungsmitglied der „Donauanlieger” und hat sich früher in der Debatte um eine Ersatztrasse häufiger zu Wort gemeldet. Auch sie kommt bei ihrem sonntäglichen Spaziergang zufällig am roten Absperrband vorbei. Frau Freudenstein wohnt ein bisschen weiter weg. In der Nähe des Schopperplatzes. Dort war eine andere Ersatzvariante, die so genannte „Westtrasse” im Gespräch. Die gilt mittlerweile als unwahrscheinlich – Denkmalpfleger haben Einwände erhoben. Mittlerweile ist Freudenstein auch Stadtratskandidatin der CSU geworden. Auf exponiertem Listenplatz. Sie hört im Hintergrund ein wenig zu, als sich Spaziergänger im Gespräch mit Heindl heftig über die mögliche Zerstörung des Naherholungsgebiets am Grieser Spitz aufregen. Dann geht sie kommentarlos weiter.

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Kommentare (1)

  • Stadtrats-Adventskalender, Folge 22 | Regensburg Digital

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    […] In Sachen Stadtrat gibt sie sich eher zurückhaltend. Ausführliche Wortmeldungen sind kaum verzeichnet, lediglich ihr Abstimmungsverhalten ist hin und wieder der Berichterstattung wert, außerdem ihr Engagement gegen eine Ersatztrasse zur Steinernen Brücke. […]

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