Absage an Bürgertrasse und Tunnel

Vorneweg: Ohne eine neue Brücke geht es nicht. Zu diesem Ergebnis kommt zumindest die Verwaltung mit Blick auf einen Ersatz für die Steinerne Brücke. In der Sitzung des Planungsausschusses am Dienstag (16 Uhr, Neues Rathaus) werden den Stadträten vier entsprechende Punkte zum Beschluss vorgelegt. Wesentliche Inhalte: Die Steinerne Brücke bleibt nach ihrer Sanierung frei vom motorisierten Verkehr (wir berichteten). Einen Tunnel, wie ihn Stadtrat Günther Riepl seit längerem favorisiert, wird es nicht geben. Eine „erneute Betrachtung“ entsprechender Varianten habe ergeben, dass „tiefergehende Machbarkeitsuntersuchungen“ nicht zu rechtfertigen seien, so die entsprechende Verwaltungsvorlage. Technische und finanzielle Aspekte spielten dabei ebenso eine Rolle wie die „gravierenden Eingriffe in den Stadtraum durch die Tunnelrampen“. Man darf auf die Einwände von Günther Riepl gespannt sein, allerdings nicht auf das Ergebnis der Abstimmung: Der Tunnel ist bis auf weiteres vom Tisch. Ebenso aus dem Rennen ist eine alternative Linienführung – ohne neue Brücke – wie sie etwa der Verein Donauanlieger im Rahmen seiner „Bürgertrasse“ vorschlägt. Die Verwaltung dazu: Ohne neue Brücke sei allenfalls eine Annäherung an die ÖPNV-Situation vor Sperrung der Steinernen Brücke möglich, die zudem „große Finanzierungsanstrengungen“ erfordere. Ausdrücklich widerspricht die Stadtverwaltung – auf Basis neuer Erhebungen – der Argumentation der Donauanlieger, dass die Bürgertrasse die günstigste Alternative sei. Ein „deutlich höherer Kostenaufwand“ sei für den Fall einer Busumleitung ohne Ersatzbrücke gegeben. 10,4 Millionen Euro seien für entsprechende Baumaßnahmen erforderlich, 1,12 Millionen jährlich errechnet die Verwaltung an betrieblichen Mehrkosten; auf 65.000 Euro werden die jährlichen Fahrgastverluste beziffert. Folgt man dieser Argumentation, bleibt nur eine neue Brücke – Ost- oder Westtrasse. Eine Entscheidung für eine der beiden Varianten fällt allerdings auch in der Dienstagssitzung nicht. Es soll einen zweistufigen Wettbewerb geben, der beide Brückenvarianten beinhaltet. Dabei sollen in einer ersten Phase die „technischen und gestalterischen Spielräume“ ausgelotet werden, ehe der Stadtrat sich für eine Trasse entscheidet und damit grünes Licht für Phase 2 – einen Realisierungswettbewerb – gibt. Mit der Durchführung des Wettbewerbs wird ein „geeignetes“ externes Büro beauftragt. Ehe der Wettbewerb startet, soll eine Bürgerinformationsveranstaltung stattfinden. Linienführung der Osttrasse. Plan: Stadt RegensburgErstmals wird in der Verwaltungsvorlage (am Rande) das artenschutzrechtliche Gutachten zur Grieser Brücke (Osttrasse) nun auch öffentlich im Stadtrat erwähnt. Der Verwaltung liegt es bereits seit Mai vor. In der Vorlage für Dienstag ist von „nicht unerhebliche(n) Belange(n)“ in punkto Natur- und Landschaftsschutz die Rede. Viel mehr erfährt der Stadtrat nicht. Unter anderem bedroht wäre laut Gutachten der Eisvogel – gerade zum Vogel des Jahres erklärt. Dazu das Gutachten: „Alle Störungen im Rahmen der Baumaßnahmen können ein Erlöschen der lokalen Population zur Folge haben.“ Ob dem Planungsausschuss auch das mitgeteilt wird, ehe er dem Wettbewerb für eine Brücke zustimmen soll? Linienführung Westtrasse. Plan: Stadt RegensburgEher favorsiert scheint aber ohnehin die Westtrasse zu werden. Der Eiserne Steg wird abgebrochen werden, sollte diese Brückenvariante kommen. Von einer erstmaligen Chance, „ohne Verschlechterung der Anbindung der Altstadt die Donauparallele im Herzen des Welterbebereichs (Thundorfer-/Keplerstraße) entscheidend vom Busverkehr zu entlasten“ ist die Rede. Auch ist diese Trasse der Favorit (nicht nur) des RVV (wir berichteten). KO-Kriterium für diese Variante könnte allerdings weiter der Denkmalschutz sein. Von Generalkonservator Profesor Egon J. Greipl gab es bislang eine ablehnende Haltung zur Westtrasse, aber, so die Verwaltung, „das Welterbezentrum der UNESCO hat sich offen für verschiedene Planungsvarianten gezeigt“. Während es also von der Stadt Regensburg bislang keine klare Aussage für (oder gegen) eine der beiden Trassen gibt, reagiert man dafür umso deutlicher auf Kritik aus dem Landkreis. Landrat Herbert Mirbeth hatte kürzlich erneut die kurzfristige Sperrung der Steinernen Brücke kritisiert und die rechtsaufsichtliche Prüfung durch die Regierung der Oberpfalz angekündigt. Bereits bei der Hauptprüfung der Steinerne Brücke 2005 sei klar gewesen, dass das Brückengeländer keinem Busanprall standhalten könne, so seine Argumentation. Er spricht folglich von „angeschimmelten Erkenntnissen“, die zur „überhasteten“ Sperrung geführt hätten. Ein „schlecht beratener Landrat“ sei Mirbeth, kontert nun die Stadt in einer Presseerklärung. Schließlich hätten „aktuellste Erkenntnisse“ – ein neues Gutachten (Juli 2008) – zur Sperrung geführt nicht die prüfung aus dem Jahr 2005. Die städtische Pressestelle weiter: „Die Stadt stellt fest, das – nach Vorliegen der Entscheidung der Regierung – nur noch die dann leider nicht mehr aus der Welt zu schaffende leichtfertige Beeinträchtigung des sich ansonsten gut entwickelnden Verhältnisses zwischen Stadt und Landkreis übrigbleibt.“ Allerdings darf sich Mirbeth auch über etwas Lob freuen. Die Initiative des Landkreises, zusätzliche Buslinien über die Pfaffensteiner Brücke zu leiten, wird von der CSU-Fraktion „ausdrücklich“ begrüßt.

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Kommentare (6)

  • Bernhard Segerer

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    Auweh. Wurde eigentlich irgendwann auch mal erwogen, die Steinerne DOCH weiter zu nutzen, aber mit erheblich kleineren und leichteren Pendelbussen? Oder steht da wieder das Geländer im Weg? Und wie wärs (Achtung, jetzt kommts) eine STRASSENBAHN über die Steinerne? Vorteil: kann nicht ausbrechen, Streuen müsste man wohl auch nicht. Geht das auch im Leichtbau? Nachteil: Zeitverlust durch Umsteigen.

  • Veits M.

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    „das Welterbezentrum der UNESCO hat sich offen für verschiedene Planungsvarianten gezeigt“, so wird die Verwaltung zitiert.

    Anregung:

    Hier sollte ordentlich recherchiert werden. Wer(!) genau vom WEZ soll sich offen gezeigt haben? Was bedeutet diese Floskel? Bezogen
    auf welche Planungsvarianten?

    Fragen suchen Antworten!

    Nach dem bekannten WIEN-Memorandum ist(!) die Bevölkerung substantiell zu beteiligen. Transparenz tut Not, schon jetzt.

    Hier gibt es weiterführende Infos zum Wien-Memorandum
    http://aktionboss.de/tt-baugenehmigung-und-das-wien-memorandum

  • Uwe Fritz

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    Ich finde es sehr beschämend wie heute seitens der Stadt argumentiert wird. Ich stelle die Aussage der entsprechenden Verwaltungsvorlage „Technische und finanzielle Aspekte spielten dabei ebenso eine Rolle wie die gravierenden Eingriffe in den Stadtraum durch die Tunnelrampen“ in Frage.
    Unter dem nachfolgenden Link der Stadt Regensburg wird diese Trickserei offenkundig. Damals wurden als Vorteile angepriesen:
    keine gravierende Veränderung des Stadtbildes
    geringe Beeinträchtigung der Anwohner
    Tunnel wirkt als Lärmschutz
    geringere Zerstörung des Grünbestandes
    siehe: http://www.regensburg.de/steinerne/die_brueckenalternativen/tunnelloesung.shtml
    Es kann doch nicht wahr sein, dass sich in wenigen Jahren keine gravierende Veränderung des Stadtbildes in ein „gravierende Eingriffe in den Stadtraum durch die Tunnelrampen“ verwandelt. Bei dem hässlichen Bau schräg gegenüber des Jakobigeländes (Radio Kern)???
    Das dies Geld kostet ist klar. Die Frage ist doch, ist es uns Bürgern das Wert.
    Ich finde Ja. Ich gehe weiter und sage wir sollten noch mehr Geld in die Hand nehmen, nämlich das für den Bau der Westquerung der Donau mittels einer Brücke. Dadurch könnte der einzigartige mittelalterliche Straßenzug, Thundorferstraße/Goldene-Bären-Straße/Keplerstraße welterbegerecht gestaltet werden.
    Wer diese Verwaltungsvorlage mit welchem Zweck diktiert hat dürfte klar sein. Die Tunnellösung fundiert meines Wissens auf Herrn Güter Riepl und das darf offensichtlich schon zweimal nicht sein.
    Eine Altstadt bis ans Ufer der Donau mit einer schönen beleuchteten und zum Teil Video überwachten Promenade, dass wäre wirklich ein Wurf. Damit könnte man sich Fahrrad- und Müllentsorgungen größtenteils sparen. Cafes und Bänke, Mülleimer für die Touristen, so könnte unseren Besuchern ein wahres Kulturerbe gezeigt werden.
    Wer zur Hauptverkehrszeit ca. 100 Busse, zum großen Teil Gelenkbusse, dadurch fahren lässt ist aus meiner Sicht Gemeingefährlich. So sehn es im Übrigen sehr viele Bussfahrer.
    Oh je, der erste Beschluss ist vom 1. April 2003, na denn Prost

  • Herbert E. Brekle

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    Bis auf weiteres – wie viele Jahre weiß niemand – wird die Bürgertrasse (mit baldmöglichster Anbindung von Stadtamhof) über die Westumgehung und die Nordgaustraße die einzige ÖPNV-Verbindung aus nordwestlicher Richtung sein. Auf längere Zeiträume gesehen ist der östliche Ast über Frankenstraße, Nibelungenbrücke und Unterer Wöhrd schon wegen des Nadelöhrs der Nordgau-Frankenstraße-Kreuzung keine Ideallösung. Die von der Stadtverwaltung dafür genannten Kosten (allein für die Baumaßnahmen – welche? – 10,4 Mio.!) bedürften einer genauen Überprüfung.

    Längerfristig wäre eine Tunnellösung zweifellos besser. Der Argumentationswechsel der Verwaltung zwischen 2005 und heute ist mehr als verwunderlich. Uwe Fritz hat am 13.10. die von der Verwaltung 2005 genannten Vorteile einer Tunnellösung aufgezählt. Warum sollen diese heute nicht mehr gelten? Die damals genannten Nachteile sind großenteils an den Haaren herbeigezogen:
    „keine zusätzliche Nutzung für Fußgänger und Radfahrer“ – ein ganz schlechter Witz;
    „kein zusätzlicher städtebaulicher Akzent“ – das wäre doch gerade einer der Vorteile einer Tunnellösung!

    Was bisher wohl übersehen wurde: in der Planzeichnung vom 23.2.05 ist für einen Tunnel eine rechtwinklige (!) Umfahrung des Parkplatzes auf dem Jacobigelände eingetragen, mit entsprechenden Konsequenzen für die weitere Trassenführung. Eine planerische Meisterleistung! Dem Laienauge bietet sich stattdessen eine diagonale Unterquerung des Geländes an (die Hypotenuse eines Dreiecks ist immer kürzer als die Summe seiner Kathetern).

    Um die Öffentlichkeit hinters Licht zu führen, müßte sich die Verwaltung incl. Spitze etwas wesentlich besseres einfallen lassen.

    Herbert E. Brekle

  • Uwe Fritz

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    Es findet das 20. Stadtgespräch 2010 am Montag, den 20.10.2008 um 19:00 Uhr im Brück-Saal im Salzstadl, Weiße-Lamm-Gasse 1 statt.
    Das Thema ist: Brückenschlag oder Brückenplag?
    Es diskutieren:
    Erich Dollinger, 1. Bürgermeister vom Markt Lappersdorf
    Richard Reil, Heimatverein Statt am Hof
    Hans Schaidinger, OB
    Mathias Schmechtig, Kassel, Verkehrsberater der St. Regensburg
    Es lädt die Volkshochschule und TVA

    Sollte ein Zirkel mit dem Namen „Regensburg wir lieben dich“ eingerichtet werden?

    Wer ähnliche Gedanken hat darf gerne auf mich zugehen.

  • Schilda Schildhausen

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    Ja Regensburg(er Stadtrat), – das ist wie im wilden Westen!

    – Eine Steinerne Brücke (Bau vor der Zeit der Busse) mit Betongeländer und über Betongeländer mit über 7 Meter Breite wird für Busse mit 10 kmh gesperrt => eine Westtrasse mit gerade 7 Meter Breite und 8% Steigung und filigranen Geländer und 90 Grad Kurve in X-Meter Höhe wird favoritisiert? Grass!
    – Der Stadtamhofer Heimatverein favoritisiert eine Brücke damit die schlecht zu Fuß Gehenden es dann vom Arnulsplatz um Neupfarrplatz länger haben als von Stadtamhof zum Neupfarrplatz. Wer glaubt diese Mist? Grass!
    – 4′ Auto Umweg sind zumutbar (kein Regen, kein Schnee, …) aber 10′ Umweg zu Fuß und 5′ Umweg mit dem Rad sind nicht erwähnenswert nach dem Abriss des Eisernen Stegs. Stadträte? Fußgänger sind keine Bürger?
    – Nebenbei – wenn sogn. Donauanlieger was sagen – Partikularinteresse! wenn der Lappersdorfer XY (hat wohl was zu sagen) was für Brücke X sagt, kein Partikularinteresse? kuhl!
    – Hauptsache Herr XY sagt den Lappersdorfer Autofahrern auch, daß sie dann auch 10′ länger in die Altstadt laufen, wenn der Eiserne Steg abgerissen wird … das könnte jetzt so weiter gehen bei NEUTRALER BETRACHTUNG – das gibts aber nicht im STADTe OB.

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