Für den Wirt ist das Maß voll

AfD-Stammtisch muss Prüfeninger Schlossgarten verlassen

Die Teilnahme eines AfD-Vorstands an einem Aufmarsch der „Identitären Bewegung“ gab für Axel Franke den endgültige Ausschlag: Die Partei muss ihren Stammtisch künftig woanders abhalten.

Muss sich einen neuen Ort für seinen Stammtisch suchen: der Regensburger AfD-Vorsitzende Christoph Schikora. Foto: Archiv

Muss sich einen neuen Ort für seinen Stammtisch suchen: der Regensburger AfD-Vorsitzende Christoph Schikora. Foto: Archiv

„Das war eine rein sachliche Entscheidung“, sagt Axel Franke im Gespräch mit unserer Redaktion. Er stehe grundsätzlich auf dem Standpunkt, dass eine Partei, die man demokratisch wählen kann, sich auch in seinem Lokal treffen könne, so der Wirt des Prüfeninger Schlossgartens. Aber so wie sich die AfD in den letzten Monaten generell präsentiere, sei das für ihn nicht mehr tragbar. „Ich habe mich am Freitag mit Vertretern der AfD getroffen und ihnen klar gemacht, dass sie ihren Stammtisch künftig hier nicht mehr abhalten können.“ Die Funktionäre hätten das bei dem Gespräch, das in konstruktiver Atmosphäre verlaufen sei, auch akzeptiert. Für den heutigen Montag hat die AfD Oberpfalz ihren Stammtisch bereits in anderes Lokal in Beratzhausen verlegt. Die Regensburger AfD scheint noch zu suchen.

Es habe zuletzt überregional genügend Äußerungen von AfD-Vertretern gegeben, die ihn in dieser Entscheidung bestärkt hätten, so Franke. Das von regensburg-digital veröffentlichte Foto, das den Regensburger AfD-Vorstand Vadim Derksen bei einer Demonstration der „Identitären Bewegung“ zeigt, habe da nur noch den letzten Ausschlag gegeben.

Identitäre Bewegung: „Bestrebungen gegen die freiheitlich-demokratische Grundordnung“

Die „Identitäre Bewegung“ wird von Verfassungsschutzbehörden verschiedener Bundesländer als rechtsextrem eingestuft. Auch in Bayern steht sie seit diesem Jahr unter Beobachtung. „In der Gesamtschau liegen hinreichend gewichtige tatsächliche Anhaltspunkte für Bestrebungen gegen die freiheitlich-demokratische Grundordnung vor“, heißt es in einer Stellungnahme des bayerischen Verfassungsschutzes, die unserer Redaktion vorliegt. Als Begründung werden unter anderem eine „starke Nähe zum biologistischen Denken und der völkischen Ideologie von Rechtsextremisten“ angeführt. Es gebe „einzelne personelle Verflechtungen mit rechtsextremistischen Organisationen im In- und Ausland“. Mehrere Aktivisten der „Identitären Bewegung“ in Bayern seien zudem „bereits in rechtsextremistischen Organisationen aktiv“ gewesen.

9. Januar 2016: Vadim Derksen (Kapuzenpullover) beim Aufmarsch der "Identitären Bewegung" in Freilassung, eingerähmt von einem "Junge Freiheit-Autor und einem Aktivisten der zwischenzeitlich verbotenen Neonazi-Kameradschaft "Freies Netz Süd"(li.). Foto: Robert Andreasch

9. Januar 2016: Vadim Derksen (Kapuzenpullover) beim Aufmarsch der „Identitären Bewegung“ in Freilassung, eingerähmt von einem „Junge Freiheit-Autor und einem Aktivisten der zwischenzeitlich verbotenen Neonazi-Kameradschaft „Freies Netz Süd“(li.). Foto: Robert Andreasch

Wie berichtet, befand sich auch AfD-Vorstand Derksen bei der Demonstration im Januar in Gesellschaft eines solchen Aktivisten. Sein Begleiter Benedikt A. gehörte der mittlerweile verbotenen Neonazi-Kameradschaft „Freies Netz Süd“ an. Ein anderer Begleiter Derksens ist der Bundeswehroffizier Felix Springer, der unter anderem in den neurechten Zeitungen Sezession und Junge Freiheit publiziert. Die Identitären-Demonstration, die unter anderem von „Merkel muss weg“-Sprechchören und Warnungen vor dem „großen Volksaustausch“ begleitet wurde, flankierte der Oberleutnant des Panzergrenadier-Bataillons in Oberviechtach mit der deutschen Bundesflagge.

„Habe mich keinem Druck gebeugt. Hatte nie Angst und hätte mich nie erpressen lassen.“

So intensiv hat sich Schlossgarten-Wirt Franke mit dem Thema nicht beschäftigt. Die Teilnahme von Derksen an der Identitären-Demonstration, die der Regensburger AfD-Vorsitzenden übrigens als rein private Angelegenheit seines Stellvertreters sieht und nicht weiter kommentieren wollte, bezeichnet Franke allerdings als „ziemlich dumm“. Am Ende gehe es aber auch nicht um ihn selbst oder die AfD. „Es geht mir um den Schlossgarten und meine Beschäftigten mit ihren Familien“, so Franke. „Wir wollen hier kein Forum für solche politischen Auseinandersetzungen sein.“

Auf eines legt er dabei besonders Wert: Seine Entscheidung, die AfD nun aus seinem Lokal zu komplementieren, habe nichts mit einem – gelinde ausgedrückt – unglücklichem Schreiben der radikal linken Gruppe Anita_F zu tun, über das die Mittelbayerische Zeitung im November berichtet hatte. „Ich habe mich da keinem Druck gebeugt. Ich hatte da nie Angst und ich hätte mich auch nie erpressen lassen“, sagt Franke dazu. „Das war eine sachliche Entscheidung, die ich nach längerer Abwägung nun getroffen habe. Ich spiele auch nicht den Verteidiger einer Partei, die ich nicht einmal wähle.“

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Kommentare (12)

  • joey

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    wird die Anita F auch aus Lokalen geworfen? Hoffentlich nicht.

    Freiheit gilt besonders für die, die wir nicht mögen.

  • Mr. T

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    Respekt! Gute Entscheidung! Auch eine „Duldung“ der NSAfD in seinem Lokal wäre auf Dauer eine Meinungsäußerung, die ihn und seine Wirtschaft in ein Licht stellen kann, dass ihm nicht zueigen ist. Jeder Wirt kann sich seine Gäste aussuchen und wenn sich jemand solche Gäste aussucht, muss er eben auf andere verzichten. Das ist das gleiche Spiel wie beim Labertaler/Röhrlbräu.

  • Mathilde Vietze

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    Ein großes Lob für Axel Franke! In ein so gutes Traditionslokal wie
    den Prüfeninger Schloßgarten kann man nicht Leute einlassen, die
    die Demokratie mit Füßen treten und es „als Privatsache“ sehen,
    wenn ihre Mitglieder mit Nazis „Seit an Seit“ marschieren.

  • schwarzmann

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    Genau so stelle ich mir Demokratie vor !

    Ähnlich wie die Verfolgung neudeutsch: „bashing“ einer grossen Partei war es wohl 1933 auch…

  • Heinz

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    Gut so. Regensburg bleibt bunt. Braune Sch… kann sich im besten Fall gar nirgendwo treffen!

  • Asterix

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    Gut gemacht! Ein Pluspunkt für die Schlossgaststätte!

  • David

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    Schade, Herr Franke, mich seid ihr los, denn Demokratie stelle ich mir anders vor. Überprüfen Sie jetzt jeden Gast vorab auf seine politische Gesinnung?

  • Mathilde Vietze

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    Zu David: Herr Franke macht keine Gesinnungsschnüffelei;
    er hat die AfD nicht wegen ihrer anderen Meinung hinaus-
    geworfen. Nachdem aber der hiesige Vorsitzende gepostet
    hat, das Mitmarschieren bei Nazi-Demos sei „Privatsache“,
    hat er verantwortungsvoll gehandelt. Und – er wird nicht
    verhungern, wenn Sie künftig nicht mehr dorthin gehen.

  • hf

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    genau, weil ich jetzt wieder öfter hingehe! man sieht sich!

  • Strammrechte Opportunisten » Regensburg Digital

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    […] Fotos belegt Andreasch: Bei Aufmärschen der bayerischen AfD laufen regelmäßig Aktivisten der vom Verfassungsschutz beobachteten „Identitären Bewegung“ mit ihren Fahnen mit. Auch prominente Mitglieder von NPD und der neonazistischen Partei „Der III. […]

  • Packman

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    „Gespräch, das in konstruktiver Atmosphäre verlaufen sei…“

    Naja, es gibt belegbare Vorfälle (im Raum Nürnberg) bei denen die Wirte
    entweder von Antifa-(Schläger)-Trupps oder wahlweise von Christsozialen
    „überzeugt“ wurden, keine AfD-Versammlungen mehr zuzulassen.
    Vielleicht findet sich eine Moschee mit einem karitativen Imam, in der die Jungs „Rechtspopulist“ spielen dürfen…

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