Alte Filmbühne: Offener Brief der Gebrüder Teichmann

Offener Brief der Gebrüder Andi & Hannes Teichmann, DJs, Musiker, Kulturaktivisten zur geplanten Schliessung der Alten Filmbühne. Sehr geehrte Bürgermeister der Stadt Regensburg, aus der Ferne verfolgen wir die Geschehnisse in unserer Heimat und möchten uns hierzu mit einem offenen Brief zu Wort melden: Das Regensburg, in dem wir aufgwachsen sind, und das uns bis heute geprägt hat, war eine Stadt mit lebendiger und selbstbewussten Kunst und Musikszene. Die Regensburger Subkultur hatte sich ihre eigene Identität abseits von Mainstream und Grossstadthippness geschaffen und zeitgleich einen Hauch von weiter Welt an die Donau geweht. Es gab Bands, DJs, Musiker, Künstler und ein Publikum, dass sich dafür interessiert. Aber vorallem gab es Orte, die den Austausch ermöglichten und die die wichtigen Freiräume boten sich auszuprobieren. Viele dieser Orte sind lange Geschichte: Wer kennt noch das Flex oder das DNS? Die Kunstwerke oder den Club Schimmerlos im damaligen Sudhaus? Wer weiss noch vom Stali Kino in Stadtamhof? Sie sind Geschichte. Und für die wenigen Übriggebliebenen wird es eng: Die Mälze, das GLORIA und die Kinokneipe sind wohl angezählt, das GRAZ in der Ladehofstrasse ist ein verlassenes überwachsenes Haus und die Alte Filmbühne soll nun also bald einem Fahrradkeller weichen? Wer von den heutigen Jugendlichen hier weiß, dass Regensburg einmal soviel zu bieten hatte? Das man hier studieren wollte, weil diese Stadt ein für ihre Größe einzigartiges Kultur und Nachtleben bot? Ja, sogar Kulturhauptstadt wollten wir mal werden. Einer der ersten Orte in den wir uns als Halbwüchsige getraut haben, war die Alte Filmbühne, damals noch in der Engelburgergasse. Zunächst hat uns der Flipperraum angezogen. Einen ersten Auftritt gab es dann zum Abschlussfest vor dem Umzug, wo Andi an der Gitarre, die Regensburger Punklegende Tango Pervers begleiten durfte. Später dann Hinter der Grieb folgten DJ Abende und Veranstaltungen. Ebenso wie wir haben viele andere Regensburger Künstler, Musiker und auch spätere Gastronomen dort erste Gehversuche gemacht. Die Filmbühne war schon immer ein Treffpunkt, DER Treffpunkt in Regensburg und hat nicht zuletzt Arbeitsplätze für viele hier Studierende geschaffen. Die Filmbühne ist die erste Anlaufstelle für junge Studenten, die nach Regensburg ziehen. Wo sollte die Filmbühne also sein, wenn nicht im „Haus der Begegnung“, dessen Träger die Universität Regensburg ist? Wer einmal in diesem Kellergewölbe war, der weiß: Hier kann nichts anderes sein. Wir wünschen uns sehr, dass endlich auch ein politisches Bewusstsein dafür entsteht, welch wichtige Funktion kulturelle Orte, wie die Filmbühne, für die Gesellschaft haben. Studieren alleine macht niemanden schlau. Und ohne inspirierende Orte für junge Menschen, wird es in einer Stadt auch keinen kreativen Nachwuchs geben. Diese Funktion übernimmt die Filmbühne seit nunmehr 30 Jahren für und in Regensburg. Berlin, die Stadt in der wir mittlerweile leben, hat das endlich verstanden und profitiert nun auch wirtschaftlich davon. Also nicht mit dem Zeigefinger auf die vermeintlichen Ruhestörer zeigen, sondern die Regensburger Jugendkulturschaffenden und Gastronomen aktiv dabei unterstützen, einvernehmliche Lösungen zu finden. Was war die schöne Begründung unseres Kulturförderpreises 2002: „Für ihre Verdienste im Bereich der Jugenkultur und elektronischen Musik“. Da lässt sich doch wunderbar anknüpfen, zb. bei der Alten Filmbühne. Viele Grüße aus Mexico City, Andi & Hannes Teichmann

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Kommentare (5)

  • Radlertölpel

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    Die Filmbühne stand auf der Maulwurfspeißekarte und hat das Europabrunnendeckelprojekt 2010 mit einem bewundernwerten Selbstverständnis mit 40 Mahlzeiten unterstützt.

    Weil Regensburg aber nicht nur in der Weltkultursterbezone liegt, kommt nach Burgweinting. Hier können wir Neuland beackern.

    Samstag 20 Uhr in der BuZZ`l in Burgweinting:
    Apfelschnitten, Pfefferminztee und Tarte.
    Judy singt und spielt Gitarre Crisi, der Rockstar aus Rumanien, auch.
    http://europabrunnendeckel.de/?p=2896#lotus

  • iggy

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    Es nutzt ja nix den „guten alten Zeiten“ nachzutrauern. Auch wenn einem die warmen Erinnerungen an FLEX, Bühne und Stali eine Traene ins Auge treiben.

    Und es gibt aureichend neue Anknüpfpunkte in der Stadt. Allein der Bürgermeister wird es nicht richten, diese Hoffnung ist aussichtslos – ebenso wie die Rechtschreibung von Andi & Hannes :-).

    Meine ganz persoenliche Lieblingserinnerung: Wenn Lutz im Ω als Rausschmeisser Iggy aufgelegt hat; und dann raus in den Nebel.

    In diesem Sinne:
    „… I see the bright and hollow sky – over the city’s a rip in the sky – and everything looks good tonight
    Singin‘ la la la la la-la-la la „

  • Die Stimme aus dem Off

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    Yow! Mehr Platz für (Sub-)Kultur und weniger Kommerz, bitte, Hr Schaidinger !

    Grüssle aus Aix les Bains in den Distrito & nach Rgbg !

    PS: und was die Rechtsschreibung betrifft : kann ich gut nachvollziehen… Gesamter Blog mit iPhone getippt..

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