Asyl: Donaustaufer Bürger setzen Zeichen

MUMM: Donaustaufer Bürger setzen Zeichen Mut- und Mitmacher, kurz „MUMM“, nennt sich der Arbeitskreis Asyl in Donaustauf und zieht erste Bilanz: Was als Gegenreaktion auf Angst vor Fremdem begann, wird zur Initiative für mehr Miteinander – sowohl innerhalb der Gemeinde als auch mit Asylsuchenden. Was passiert, wenn eine 4000-Seelen-Gemeinde mit 50 Asylbewerbern konfrontiert wird, die gegenüber der Grundschule und Kindertagesstätte Quartier beziehen sollen? Die Gerüchteküche brodelt. Willkommenskultur pflegen Im Vorfeld gab es sensibilisierende Informationsveranstaltungen, initiiert von Bürgermeister Jürgen Sommer. Hier war Gotthold Streitberger von der BürgerInnen-Initiative Asyl der erste, der von einer „Willkommenskultur“ sprach und davon wie man Menschen empfängt, die alles verloren haben. Anton Rothfischer, Bürgermeister der Stadt Wörth berichtete von Deutsch-Kursen, die im dortigen Asylbewerberheim von Privat angeboten wurden. Der evangelische Pfarrer Tobias Müller war es schließlich, der eine Liste auslegte zur Gründung eines „Arbeitskreises Asyl“. Diese Liste füllte und bewährt sich seit 16. Januar 2013. An diesem Tag kamen – nicht 50 laut Gerüchteküche, sondern – 21 Menschen aus Tschetschenien, dem Kosovo, Georgien, Aserbaidschan und Äthiopien in Donaustauf an, meist Familien. Ihre Herkunftsländer machen bereits so lange Negativ-Schlagzeilen von Verfolgung, Menschenrechtsverletzungen und dem Missbrauch staatlicher Gewalt, dass es für unsere Ohren beinahe zur Gewohnheit geworden ist. Große Hilfsbereitschaft vor Ort Viele Donaustaufer kamen ein paar Tage danach vorbei und brachten spontan Kuchen und warme Winterkleidung vorbei. Schnell kam im Arbeitskreis der Wunsch nach gezielter Hilfe auf. Es entstand die Idee von Patenschaften. Donaustaufer „Paten“ haben mit den Asylbewerbern gebastelt, gespielt, gekocht. Diversifizierte Sprachkurse entstanden aus dem Nichts. Ebenso kamen Einkaufsgemeinschaften zustande, begleitete Fahrten zu Ärzten, zur Rechtsberatung oder Besuch bei der Kleiderkammer … Die Paten loteten als erste Ansprechpartner echten Bedarf aus und gaben die Information weiter an den Arbeitskreis. Zeichensprache, wenn Worte fehlten „Es ist erstaunlich wie viel man ohne gemeinsame Sprache versteht“, erklärt Sabine aus dem Arbeitskreis Asyl, die eine Patenschaft übernommen hat. „Aus Gesten, Mimik, Zeichen und mancher rasch aufgemalten Skizze ist inzwischen eine Art der Verständigung geworden, die in den meisten Fällen funktioniert.“ Wenn allerdings ein ernstes Thema ansteht, braucht sie Geduld, Ruhe und Zeit und am besten einen Dolmetscher. Das Ergebnis der Patenschaften: In Donaustauf waren plötzlich nicht mehr „Die Asylbewerber“, sondern Nata, Mirza, Rajana und die anderen angekommen – Menschen, die Hilfe brauchen. Aufgabe des Staates „Natürlich liegt die Hauptaufgabe beim Staat“, so Birgit, „aber traumatisierte Flüchtlinge erhalten auch bei uns nicht automatisch Hilfe. Nach wie vor gibt es Schnellverfahren am Flughafen ohne vorherige Beratung der Asylbewerber. Das finde ich nicht objektiv. Manchmal sind die Fristen, um Widerspruch einzulegen, arg kurz, was bereits in vielen Fällen erfolgreich gerügt wurde.“ Die Donaustauferin engagiert sich im Arbeitskreis Asyl, berät die Asylsuchenden und übersetzt Briefe vom Amt. MUMM = Mut- und Mitmacher „In den Patenschaften wird Verantwortung übernommen und geteilt. Diese Hilfe geht nicht ohne persönliches Engagement“, sagt Uli, der den Begriff MUMM für den Arbeitskreis Asyl geprägt hat. „MUMM steht für den Mut und die Motivation dort zu helfen, wo Hilfe nötig ist.“ Das kostet Zeit und viel Energie. Kirchen eröffnen Asyl-Spendenkonten Viele der Asylbewerber sind religiös und knüpften über ihre Paten schnell Kontakt zur Pfarrei, dem Kirchenchor und besuchten den Gottesdienst. Die Pfarrer beider Kirchen haben zugunsten des MUMM-Arbeitskreises je ein Spendenkonto eingerichtet, über die notwendige Zusatzkosten gedeckt werden können (siehe Infokasten). Warum Spenden? Die Asylbewerber erhalten zwar einen Mindestbetrag pro Erwachsenem pauschal zugeteilt und zahlen keine Miete. Sie müssen aber davon alle Lebenshaltungskosten (inklusive kostenpflichtiger Medikamente, RVV, Rechtshilfe) alleine tragen. Spenden werden als Ergänzung zu den Eigeninvestitionen der Asylbewerber gebraucht, wenn ihre eigenen Mittel den Bedarf nicht decken können. Russisch-Dolmetscher dringend gesucht Aktuell werden von MUMM in Donaustauf ehrenamtliche russischsprachige Menschen gesucht, die gelegentlich als Dolmetscher aushelfen können oder um zum Beispiel Briefe von Ämtern zu übersetzen. Asylbewerber luden ein Am 8. März, dem Internationalen Frauentag, haben es sich die Asylbewerberinnen nicht nehmen lassen, die deutschen Unterstützerinnen einzuladen und von sich aus zu zeigen, was ihnen Gastfreundschaft bedeutet: Sie kochten, buken und servierten stolz das Ergebnis am schön dekorierten Tisch. Es war ein geselliger Nachmittag. Menschenwürdig aufgehoben fühlen MUMM, der Arbeitskreis Asyl in Donaustauf möchte Nata, Mirza, Rajana und den anderen ein bisschen normalen Alltag ermöglichen, sich ihrer Sorgen annehmen, damit sie sich menschenwürdig aufgehoben fühlen und sucht dafür gleichgesinnte Unterstützer. Infokasten: Spendenkonto: Wer die Arbeit von MUMM – dem Arbeitskreis Asyl in Donaustauf finanziell unterstützen möchte, kann dies unter folgenden Bankverbindungen tun: Katholische Kirchenstiftung Donaustauf, Stichwort: „Asylbewerber“, Raiffeisenbank Oberpfalz Süd, BLZ 750 620 26, Konto 200010472. Evangelische Kirchengemeinde St. Lukas, Stichwort: „Asyl Donaustauf“, Volksbank Regensburg eG, BLZ 750 900 00 Konto 100204366. Paten sowie gelegentliche Dolmetscher in Russisch werden dringend gebraucht und möchten sich bitte bei Frau Anja Beckerle unter beckerlemedia@aol.com melden. Asyl in Bayern Derzeit leben etwa 22 000 Flüchtlinge in Bayern. Von den Erstaufnahmeeinrichtungen in München und Zirndorf, wo sie nach den Gründen für ihren Asylantrag und der Situation in ihrem Heimatland befragt werden, gelangen sie in der Regel in sogenannte Gemeinschaftsunterkünfte. Gemeinschaftsunterkünfte stehen selten – wie in Donaustauf – im Ort. Oft leben die Flüchtlinge außerhalb in ehemaligen Kasernen am Stadtrand. Bis zu sieben Personen teilen sich in den Gemeinschaftsunterkünften ein Gruppenzimmer, oft Menschen mit unterschiedlichstem kulturellem Hintergrund. In der Walhalla-Pension stehen die ehemaligen Zimmer den Familien und Einzelpersonen zur Verfügung. Dort warten sie, bis das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge über ihren Asylantrag entschieden hat.

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Kommentare (1)

  • Veronika

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    Endlich begriffen? DANKE !!!

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