OB will sich bei der Ministerin beschweren

CSU stänkert erneut gegen Flüchtlingsunterkunft

Stadträtin Bernadette Dechant erklärt die Alte Straubinger Straße angesichts einer neuen Flüchtlingsunterkunft zum „Problemgebiet“. Oberbürgermeister Wolbergs ist verärgert und will nun mit Sozialministerin Emilia Müller sprechen, um ihre Parteifreunde „zur Räson zu bringen“.

Luden zum "Jetzt red i": Josef Zimmermann, Bernadette Dechant, Astrid Freudenstein, Christian Poh, Jürgen Eberwein und Hans Renter. "CSU beklagt fehlende Information und fordert Stadt zum Handeln auf", heißt es in der anschließend verschickten Pressemitteilung.  Foto: pm

Luden zum „Jetzt red i“: Die CSU-Politiker Josef Zimmermann, Bernadette Dechant, Astrid Freudenstein, Christian Poh, Jürgen Eberwein und Hans Renter. „CSU beklagt fehlende Information und fordert Stadt zum Handeln auf“, heißt es in der anschließend verschickten Pressemitteilung. Foto: pm

Alle waren sie da, um sich die Sorgen und Nöte der Bürgerinnen und Bürger anzuhören. Der Landtagsabgeordnete Franz Rieger, die Bundestagsabgeordnete Astrid Freudenstein, der CSU-Ortsvorsitzende Josef Zimmermann und Stadträtin Bernadette Dechant, so etwas wie die CSU-Jeanne d’Arc des Stadtostens, waren zum von Zimmermann organisiertem „Jetzt red i“ beim Brunner Bäcker gekommen, um die Bürgerinnen und Bürger zu informieren, wie es in einer aktuellen Pressemitteilung heißt. Trotz der frühen Stunde, Samstag um 9 Uhr morgens, waren rund 70 Leute da und die Diskussion drehte sich laut CSU „vor allem um eine weitere Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge“, die gerade in der Alten Straubinger Straße entsteht. 100 Menschen sollen dort in Wohnungen untergebracht werden. Angemietet wurde das Objekt von der Regierung der Oberpfalz.

Dechant: „Information nur über Straßenfunk“

Die CSU beklagt nun in ihrer Pressemitteilung die „fehlende Information“. „Im Stadtwesten werden Bürgerversammlungen gemacht und hier erfahre ich das quasi im Straßenfunk“, beschwert sich Stadträtin Dechant. Den Einwand, dass in diesem Fall die Regierung selbst den Standort für die Unterkunft ausgewählt hat und nicht die Stadt, lässt Dechant nicht gelten. „Der Oberbürgermeister sitzt regelmäßig mit dem Regierungspräsidenten an einem Tisch und tauscht sich aus. Da muss es möglich sein, dass zumindest wir als Stadträte informiert werden.“ Der Osten sei der Stadtteil mit den meisten meisten Bewohnern mit Migrationshintergrund, so Dechant. „Da muss man die Bevölkerung mitnehmen.“

Die Stadträtin ist in ihren Formulierungen durchaus drastisch. Sie spricht gegenüber unserer Redaktion von „Belastung“, befürchtet Wertverlust von Grundstücken und Gebäuden und bezeichnet die Alte Straubinger Straße angesichts der Ansiedlung der Gemeinschaftsunterkunft als „Problemgebiet“. „Bei der Unterbringung von Flüchtlingen handelt es sich um eine gesamtgesellschaftliche und vor allem gesamtstädtische Aufgabe und darf nicht weiter nur auf den Stadtosten reduziert werden“, so Dechant in der Pressemitteilung.

Standorte und Größen seit Dezember 2015 bekannt

Tatsächlich, das hat Oberbürgermeister Joachim Wolbergs bei verschiedenen Gelegenheiten eingeräumt, wurde das Ziel, Flüchtlingsunterkünfte möglichst dezentral über alle Stadtteile zu verteilen, bislang nur begrenzt erreicht. Im Stadtosten befindet sich die Erstaufnahmeeinrichtung, derzeit mit rund 450 Menschen belegt, die Gemeinschaftsunterkunft in der Plattlinger Straße. Neben der Unterkunft in der Alten Straubinger Straße wurde eine weitere in der Guerickestraße gebaut. Im Zeiss-Tower sollen Flüchtlinge untergebracht werden, auch in der Dieselstraße ist eine Unterkunft geplant. Insgesamt ist allerdings fraglich, ob die insgesamt auf 700 Plätze ausgelegten neuen Unterkünfte angesichts der derzeit stark gesunkenen Flüchtlingszahlen jemals voll belegt sein werden.

Und eine Behauptung der CSU ist nachweislich falsch: Dass die Stadträte nicht informiert worden wären. Bereits in der Stadtratssitzung am 17. Dezember 2015 gab es in öffentlicher Sitzung eine mehr als 60 Seiten umfassende Vorlage zur Flüchtlingssituation in Regensburg. Darin werden die jetzt konkreter werdenden Unterkünfte – zwar ohne genaue Adresse, aber doch mit Beschreibung von deren Lage – bereits alle genannt. Ebenso geht aus der Vorlage auch die Zahl der Flüchtlinge hervor, die dort untergebracht werden sollen.

OB: „CSU sucht nur nach einem Grund, um von der Fahne zu gehen.“

Entsprechend verärgert reagiert OB Wolbergs auf die Pressemitteilung der CSU. „Die Vorlage wurde damals nicht eine Minute diskutiert und einstimmig zur Kenntnis genommen“, sagt er uns am Telefon. Die genauen Adressen habe man damals nicht genannt, um Rechtsradikalen keine Lagebeschreibung zu geben. „Ich habe sie aber bei x Gelegenheiten in Anwesenheit von Stadträten erwähnt.“ Auch bei verschiedenen Bürgerversammlungen habe er das Thema zur Sprache gebracht, unter anderem bei einer Versammlung für den Stadtosten beim Sportclub Regensburg. Die CSU, so Wolbergs, mache es sich leicht. „Sie haben jetzt schon bei mehreren Standorten die Gelegenheit genutzt, um dagegen zu stänkern. Die suchen nur einen Grund, um von der Fahne gehen zu können. Einen vernünftigen Standortvorschlag hat es von der CSU bisher nicht gegeben.“

Joachim Wolbergs will sich angesichts der aktuellen Wortmeldung der CSU an Staatsministerin Müller wenden. Foto: Archiv/ as

Joachim Wolbergs will sich angesichts der aktuellen Wortmeldung der CSU an Staatsministerin Müller wenden. Foto: Archiv/ as

Er werde die aktuelle Pressemitteilung zum Anlass nehmen, um mit Sozialministerin Emilia Müller zu sprechen. „Mit der Staats- und Bezirksregierung arbeiten wir gut zusammen, aber vielleicht schafft es die Ministerin, ihre Regensburger Parteifreunde endlich zur Räson zu bringen.“

Franz Rieger, der derzeit in München ist und die Pressemitteilung laut eigener Aussage deshalb lediglich überflogen habe, relativiert Dechants Aussagen etwas. Ihm gehe es in erster Linie weniger um die Informationen im Vorfeld, sondern darum, was in Zukunft im Stadtosten passiere. „Dazu wollen wir mehr erfahren.“

Salafisten-Moschee in unmittelbarer Nähe

Ein Thema, über das man sich angesichts der Unterkunft in der Alten Straubinger Straße tatsächlich Gedanken machen könnte, scheint weder der CSU noch der Regierung noch dem OB bewusst zu sein. Keine 300 Meter entfernt liegt das 2014 errichtete „Islamische Kulturzentrum“ der Al-Rahman-Moschee. Seit Jahren wird diese Moschee angesichts diverser Einladungen von salafistischen Predigern vom Verfassungsschutz beobachtet. Auch im aktuellen Verfassungsschutzbericht wird die Al-Rahman-Moschee erwähnt.

In einer Stellungnahme gegenüber unserer Redaktion bestätigt das Landesamt für Verfassungsschutz, dass man auch die „Islamischen Stiftung Regensburg“, unter deren Ägide das Kulturzentrum läuft, im Auge habe. Und weiter heißt es: „Es ist zu beobachten, dass Flüchtlinge auf der Suche nach Gebetsmöglichkeiten teilweise auch salafistische Moscheen in Regensburg aufsuchen. Dies schafft Berührungspunkte, die die Salafisten auch für eine ideologische Einflussnahme nutzen könnten.“

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Kommentare (26)

  • hutzelwutzel

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    Es wäre schön, wenn sich Frau Ministerin Müller einmal um die zügige Aufklärung der diözesanen Mißbrauchsfälle kümmern würde. Darin, und dass junge Eltern die nach Regesburg bzw. in die Oberpfalz an sich ziehen möchten um die Unbeschadetheit deren Nachwuchses fürchten müssen, sehe ich das größere Problem und den größeren Wertverlust.

  • Regensburger

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    Liebe Frau Dechant, mit uns in Westen wurde auch nicht diskutiert, es wird einfach beschlossen und durchgesetzt.
    Regensburger

  • altstadtkid

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    Natürlich stimmt eins, der Westen wird wie immer relativ verschont, weil da ja die meisten Stadträte wohnen :o)

  • joey

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    danke für den Hinweis auf die Moschee.

    Gut ist, daß die Predigten auf Deutsch übersetzt veröffentlicht werden. Man kann dabei lesen, daß immer wieder mehrdeutige Formulierungen kommen, z.B. zum Thema Juden.

    In einer Predigt wird klar gefordert, daß Muslime sich von Weihnachten und allen anderen nichtislamischen Festen fernhalten müssen, es dürfen auch keine Geschenke oder nur Weihnachtsgrüße sein. Solcher heidnischer Unglaube muß auch den Kindern verboten werden.
    Na, das sind ja die besten Voraussetzungen für Integration, der Kollege darf nicht an der betrieblichen Weihnachtsfeier teilnehmen…und die Kinder im Kindergarten nicht am mehr Plätzchen backen … (Stern- und Halbmondmotive!),

    Nun ist ja Weihnachten in der Praxis ohnehin nicht besonders christlich, wie auch in der Predigt richtig gesagt wird: das Weihnachtsfest ist schon immer Sonnenkult gewesen. Na und?
    Irgendwann muß mal eine allgemeine Pause sein und die ist hier seit ewigen Zeiten an Weihnachten.

    Auf solche Predigten können wir verzichten. Das ist keine Haßpredigt (die würde wohl kaum veröffentlicht werden), aber die Vorstufe.
    Da hat CSU Scheuer mal recht: wir brauchen ein Islamgesetz (wie es auch Österreich versucht hat), das die Finanzierung von solchen Einrichtungen aus Arabien verhindert.

  • waschl

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    Alles andere wäre überraschend gewesen, die CSU hat schon immer mit dem Anheizen von ressentiements Kommunalpolitik gemacht. Spannend wäre es gewesen, wie die Einrichtung der Flüchtlingsunterkünfte unter einem OB Schaidinger und er Ministerin Müller verlaufen wäre. Ob die freundschaftlichen Bande stark genug gewesen wären. OB Viehbacher, der durchaus seine Verdienste hatte und vielleicht eher von seiner Partei getrieben war, als eigenem Antrieb folgte, wurde in den Achtzigern dafür gefeiert, dass er das SanDepot in Burgweinting der Flüchtlingsunterbringung entzog.

  • menschenskind

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    Nahezu gleichlautende hetzerische Werbesprüche von AfD, CSU, NPD und Pegida
    hat unser Wasserburger Freund Herbert Huber gesammelt und es lohnt sich da a mal neizumschaun:
    http://www.gavagai.de/ausland/HHD06HA.htm

    CSU nähert sich den rechtspopulistischen Parteien an

    Die tägliche Hetze mancher Politiker gegen Flüchtlinge und Flüchtlingspolitik zeigt Folgen:
    •die tägliche Arbeit der Wohlfahrtsverbände wird erschwert
    •die tägliche Arbeit der freiwilligen Helfer wird torpediert
    •die immer noch gute Stimmung gegen Flüchtlinge wird beeinträchtigt
    Norbert Huber, Geschäftsführer des Caritasverbands, meinte auf einer Pressekonferenz der Arbeitsgemeinschaft der freien Wohlfahrtspflege München (Arge): „Es ist zum Teil unerträglich, wie vor allem die Spitze der bayerischen Politik fast jeden Tag betont, wie unzufrieden sie mit der Bundespolitik ist“.
    Mit den Parolen von Ministerpräsident Horst Seehofer, CSU, über Obergrenzen und Abschottung strebt die CSU den Machterhalt an. Sie übernimmt immer mehr Positionen der AfD, damit sich rechts von der CSU keine Partei halten kann.

  • menschenskind

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    Horts Seehofer und seine Konzentrationszonen (nicht -lager!) für Flüchtlinge.
    Horst Seehofer und die Flüchtlinge bei Welke ab 7:33

    Als Bonus: Seehofer (peinlich) 2:35
    und (lächerlich) der Ausländischstammler Franz Beckenbauer 1:10

    An einer Stelle wird Welke überdeutlich (oder nur ehrlich?), als er uns den bis in die 1960er in Ostbayern noch gelegentlich üblichen (davor häufigeren!) Inzest vorwirft 10:00

  • menschenskind

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    Die Angaben bezogen sich auf diesen Link:

  • Rentnerin

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    Der Westen wurde nicht verschont. Es wurde ein grosses Heim am Weinweg gebaut.
    Einerseits gehört es dazu, den Flüchtlingen zu helfen, was m.E. Priorität hat und sich die Stadt Regensburg vorbildlich verhält.
    Andererseits wird das Eigentum in der Nähe solcher Unterkünfte entwertet.
    Wenn ein Eigentümer eine Eigentumswohnung oder ein Haus verkaufen will, muss er mit Einbussen rechnen.
    Darum ist es wichtig, in allen Stadtteilen Flüchtlinge unterzubringen, damit nicht einzelne Bürger benachteiligt werden.
    Im “ Äusseren Westen“ böten sich die grossen Wohnblöcke der Stadtbau am Roten Brachweg an oder der große Wohnblock der Stadtbau gegenüber der Pfarrkiche St. Bonifaz, der komplett neu renoviert wird und alle Mieter bereits ausgezogen sind.
    Warum wird denn nicht bei neuerschlossenen Baugebieten zur Auflage gemacht, dass dort auch Sozialwohnungen gebaut werden müssen. Ich denke an das Luxusviertel „an den Klostergründen“, seitlich des Roten Brachweges.
    Hier sind noch viele Flächen frei.
    Mit diesen Vorschlägen wäre der Westen gut mit Sozialwohnungen für Flüchtlinge ausgestattet.

  • Lothgaßler

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    @Rentnerin:
    Warum sollen Flüchtlingsunterkünfte in der nahen oder ferneren Nachbarschaft Eigentum entwerten? So einen Unsinn redet Ihnen nur ein Immobilienmakler ein, der selber von der Situation und ihrer Verunsicherung profitiert.
    Im Herzen der Altstadt sind auch Flüchtlinge bzw. Asylsuchende oder Asylanerkannte untergebracht. Ich bin mir nicht sicher, ob heute noch welche im Lothgäßchen am Bismarckplatz wohnen, zumindest eine zeitlang war das so. Ich habe nicht mitbekommen, dass deswegen die Mieten gesunken oder die Immobilienpreise eingebrochen wären. Die Kerle waren fast nicht wahrnehmbar, so unauffällig haben sie sich benommen. Nix Randale, nix Dreck und nix Gewalt! Randale, Dreck und Gewalt gibts allerdings regelmäßig über das übliche Freizeit- und Nachtleben.
    Übergangsbauten aus Containern oder Zelten sind nicht für Dauerbewohnung ausgelegt und sollten auch nicht so genutzt werden. Diese Unterkünfte sollen und müssen möglichst zügig rückgebaut werden. Schade ums Geld, das dabei draufgeht!
    Dauerhafte Unterkünfte können nicht in Form von Sammelunterkünften mit Mehrbettzimmern und Gemeinschaftsräumen (Küche, WC, Bad) realisiert werden. In so etwas will freiwillig niemand einziehen. Also entscheidet sich die halbwegs kluge Politik hoffentlich für Wohnungen die zwar günstig sind aber hohen Nutzwert haben. Warum die Politik? Weil wir keine der üblichen Immobilienentwickler mehr brauchen, die tendenziell mehr teuren Wohnraum schaffen wollen und sich das vom Staat auch noch fördern lassen!

  • Mr. T

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    Da hat der Lothgaßler voll und ganz recht. Alleine die Forderung, solche Unterkünfte „gerecht“ über die Stadt zu verteilen oder auch in den „Vierteln der Großkopferten“ zu bauen, suggeriert eine Gefahr oder Bedrohung, die nicht vorhanden ist und nur Vorbehalte schüren soll. Selbstverständlich ist das Gegenteil davon, eine Ghettoisierung, absolut zu vermeiden. Aber diese ist derzeit in Regensburg nicht in Sicht.

  • Luchs

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    Nicht, dass ich Salafismus tolerabel finde – die Frage ist, ob der Verfassungsschutz als Argumentationshilfe taugt? Sollte sich auch die Redaktion fragen. „Es ist nichts Neues, dass der bayerische Verfassungsschutz in seinen alljährlichen Berichten Organisationen in eine verfassungsfeindliche Ecke stellt, irgendwelche Falschbehauptungen aufstellt und manchmal auch zurückrudern muss.“ Zitat regensburg digital 18.012016

  • Stefan Aigner

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    @Luchs Der Verfassungsschutz ist nicht per se eine vertrauenswürdige Quelle. Da haben Sie recht. Wenn man sich aber die einzelnen Erwähnungen anschaut, z.B. Einladung salafistischer Prediger, Verbindungen der „Lies“-Stände, dann lassen die sich auch abseits des Berichts belegen. Hätte ich schon im Artikel erwähnen sollen.

  • hutzelwutzel

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    @joey:
    „In einer Predigt wird klar gefordert, daß Muslime sich von Weihnachten und allen anderen nichtislamischen Festen fernhalten müssen, es dürfen auch keine Geschenke oder nur Weihnachtsgrüße sein. Solcher heidnischer Unglaube muß auch den Kindern verboten werden.“
    ______________________
    Nur weil sogar unsere Landchristen seit Jahren/ Jahrzehnten nicht mehr in den Gottesdienst gehen, keine Predigten mehr hören, schon gar nichts mehr davon lesen und kath. Predigten regelmässig auch nicht in Textform veröffentlicht werde, heißt das nicht, dass es nicht auch im christlichen Bereich derlei Predigten gab und gibt.
    Ich erinnere die 70er bis hoch in die 80er Jahre noch viel „radikalere“ Predigten. Ich erinnere ein „sich von Zeugen Jehovas und Evangelischen fernzuhalten“, aus dem späten 60ern sogar „keine evangelischen Schriften“ zu lesen.

    @LUCHS: Bayern kann, bzw. will es eben alleine. Da ist der Verfassungsschutz das Wichtigste um für eine kommende Abtrennung von Deutschland zentralisiert vorgehen zu können. Wir haben jetzt ja „BR-Fernsehen, BR-…“, heißt sicher:
    „Bayerische Republik-Fernsehen, Bayerische Republik-……“. Und immer öfter tritt nun der Großmeister dieses „Bayern kann es auch alleine“ – I.D. Wilfried Scharnagl in bundesweiten Sendeanstalten auf.
    ___________________________
    Also ich sehe die Angst vor Fremden, vor allem Muslimen als „geschürt“ an, um obigen Zweck zu erreichen.

  • joey

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    @hutzelwutzel
    ich halte mich von christlichen Salafisten wie den Zeugen Jehovas fern (bzw halte sie von mir fern), weil die mich nerven. Eine Militanz ist aber bei denen gar nicht festzustellen, ebenso keine größere Verbreitung.

  • menschenskind

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    „ich halte mich von christlichen Salafisten wie den Zeugen Jehovas fern“ meinte joey.

    Ein für das katholische Bayern ganz typischer Einwurf. Die Zeugen Jehovas werden von unserer Bevölkerungsmehrheit für gefährlich, aufdringlich, unserem bayerischen Wesen entfremdet, kurzum für nicht zu uns gehörig angesehen („De san so saubleed!“).

    Katholisch oder evangelisch hingegen werden für ok, für voll in Ordnung, für normal, gar (von einigen) für spitze, zumindest aber als Teil „unserer“ Kultur erachtet.

    Ist die fast allgemeine Abneigung gegenüber der Sekte berechtigt?

    Nun, im Gegensatz zu den Katholen und den Evangelen gehörten die Zeugen Jehovas zu den Verfolgten des NS-Regimes, und nicht zu den Tätern.

    „Die Geschichte der Zeugen Jehovas in der Zeit des Nationalsozialismus ist geprägt von den Konflikten mit den nationalsozialistischen Staatsorganen, unter anderem wegen ihrer Verweigerung des Kriegsdienstes und des Hitlergrußes. Während der Zeit des Nationalsozialismus wurden die Zeugen Jehovas (früher „Bibelforscher“ genannt) vor allem deswegen verfolgt.“
    https://de.wikipedia.org/wiki/Zeugen_Jehovas_in_der_Zeit_des_Nationalsozialismus

    Zeugen Jehovas werden nicht nur von katholischen Bayern gehasst, sie werden heute noch verfolgt:
    „Organisationen und Einrichtungen, die sich mit Verstößen gegen Menschenrechte befassen, wie zum Beispiel Amnesty International, UNHCR oder die Schweizerische Flüchtlingshilfe, weisen in ihren Berichten darauf hin, dass Zeugen Jehovas wegen der Ausübung ihres Glaubensbekenntnisses in verschiedenen Ländern Angriffen und Verfolgung ausgesetzt sind.“ https://de.wikipedia.org/wiki/Diskriminierung_und_Verfolgung_der_Zeugen_Jehovas

    „Neben anderen Religionsgemeinschaften (etwa den Mennoniten, den Quäkern, etc.) gelten die Zeugen Jehovas (vor 1931: Bibelforscher) als Kriegsdienstverweigerer.“
    https://de.wikipedia.org/wiki/Kriegsdienstverweigerung_der_Zeugen_Jehovas

    Nein, ich bin kein Angehöriger der Sekte, und ich will auch nichts beschönigen an ihr, aber es klebt, so über die Jahrhunderte gerechnet, an ihren Händen doch wesentlich weniger Blut als an denen unserer Katholi- und Evangelibane.

    Im übrigen: Vorurteile sind etwas Scheußliches!

  • menschenskind

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    Wie unpassend, ja, geradezu hanebüchen, der Vergleich, bzw. die Gegenüberstellung von Salafisten und Zeugen Jehovas ausfallen muss, entnimmt man diesem Wortlaut:

    Zitat: Alle islamistischen Terroristen des 11. September 2001, des schwersten Terroranschlages der US-Geschichte, gehörten der salafistischen Strömung an. In Deutschland folgt eine Minderheit der Salafisten einer gewaltbereiten dschihadistischen Ideologie, die laut deutschem Verfassungsschutz mit der freiheitlichen demokratischen Grundordnung unvereinbar ist. In seiner Analyse kommt der Verfassungsschutz zum Schluss, dass „das von Salafisten verbreitete Gedankengut den Nährboden für eine islamistische Radikalisierung … bildet“, und dass „fast alle in Deutschland bisher identifizierten terroristischen Netzwerkstrukturen und Einzelpersonen salafistisch geprägt bzw. sich im salafistischen Milieu entwickelt haben“.
    https://de.wikipedia.org/wiki/Salafismus#Verbindung_zum_Terrorismus

  • hutzelwutzel

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    @menschenskind:
    Danke, sind wir uns auch in diesem Punkt mal wieder richtig einig! ;-)
    Ich bin auch kein Zeuge Jehovas, aber solche „Stimmungsmache“ und Disqualifizierungen gegenüber anderen Religionen zeigt vor allem in Bayern, dass das Pendel nun schon seit Jahrzehnten nur noch nach rechts ausschlägt.
    Ist man sich eigentlich sicher, dass es hier noch Rechte gibt, die man vom rechten Rand fischen muß? Vielleicht sind manche in der CSU schon so rechts, dass die sonst dort befindlichen Leute längst geflüchtet sind? ;-)

  • menschenskind

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    „Vielleicht sind manche in der CSU schon so rechts, dass die sonst dort befindlichen Leute längst geflüchtet sind?“

    Die CSU befindet sich in einer verzweifelten Situation. Sie muss so viele ihrer Wähler wie nur möglich halten, um jeden Preis, denn an den Fleischtöpfen der Macht zu sitzen ist CSU-Lebenszweck. So laviert „unsere große Volkspartei“ zwischen populistischen Radikalansichten und scheinbarer Bürgernähe. Und der politisch leicht beeinflussbare, denk- und entscheidungsschwache bayerische Mehrheitsbürger schluckt die Pille, indem er sich vorlügt „S’ist des kleinere Übel, wie ma’s auch dreht oder wendet“.

    Bereits vor der letzten Landtagswahl prophezeiten einige nichtbayerische, deutsche Denker der CSU den Absturz. Der trat (bekanntlich) nicht ein, wegen der mentalen Trägheit der Bayern, auf die die CSU bisher immer so erfolgreich setzen konnte.

    Irgendwie sind wir Bayern noch nicht recht erwachsen geworden, samma mental auf der Stufe der „Halbstarken“ stehen geblieben. Hätten wir die geistige Reife eines volljährigen, mündigen Bürgers erreicht, würden wir uns nur noch schämen für die penetranten und sich endlos wiederholenden, menschenfeindlichen Entgleisungen der Söder, Herrmann, Seehofer und Co.

    Wer sich als Bayer mal einen geeigneten Spiegel vorhalten möchte, der sollte sich unbedingt den Schlüsselroman seines Bundeslandes, „Erfolg“(1929), von Leon Feuchtwanger vornehmen. Das ist Selbsterkenntnis pur, auch in Bezug auf unsere Affinität zur CSU. https://de.wikipedia.org/wiki/Erfolg_(Roman)

  • menschenskind

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    „Vielleicht sind manche in der CSU schon so rechts, dass die sonst dort befindlichen Leute längst geflüchtet sind?“

    Die CSU befindet sich in einer verzweifelten Situation. Sie muss so viele ihrer Wähler wie nur möglich halten, um jeden Preis, denn an den Fleischtöpfen der Macht zu sitzen ist CSU-Lebenszweck. So laviert „unsere große Volkspartei“ zwischen populistischen Radikalansichten und scheinbarer Bürgernähe. Und der politisch leicht beeinflussbare, denk- und entscheidungsschwache bayerische Mehrheitsbürger schluckt die Pille, indem er sich vorlügt „S’ist des kleinere Übel, wie ma’s auch dreht oder wendet“.

    Bereits vor der letzten Landtagswahl prophezeiten einige nichtbayerische, deutsche Denker der CSU den Absturz. Der trat (bekanntlich) nicht ein, wegen der mentalen Trägheit der Bayern, auf die die CSU bisher immer so erfolgreich setzen konnte.

    Irgendwie sind wir Bayern noch nicht recht erwachsen geworden, samma mental auf der Stufe der „Halbstarken“ stehen geblieben. Hätten wir die geistige Reife eines volljährigen, mündigen Bürgers erreicht, würden wir uns nur noch schämen für die penetranten und sich endlos wiederholenden, menschenfeindlichen Entgleisungen der Söder, Herrmann, Seehofer und Co.

    Wer sich als Bayer mal einen geeigneten Spiegel vorhalten möchte, der sollte sich unbedingt den Schlüsselroman seines Bundeslandes, „Erfolg“(1929), von Leon Feuchtwanger vornehmen. Das ist Selbsterkenntnis pur, auch in Bezug auf unsere Affinität zur CSU. https://de.wikipedia.org/wiki/Erfolg_(Roman)

  • menschenskind

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    Ein lesenswerter Beitrag über die verbale Fremdenfeindlichkeit in der bayerischen Staatspartei:

    http://politik-im-spiegel.de/das-wir-entscheidet-die-fremdenfeindliche-rhetorik-der-csu/

    Ganz besonders mit dem bayerischen Hass gegenüber Sinti und Roma zündelt die CSU für ihr Leben gern:

    „Seit Mitte 2012 wurde der Begriff ‚Armutszuwanderer‘ in der Öffentlichkeit gleichgesetzt mit dem Begriff ‚Roma‘ „, sagte der Antiziganismus-Forscher Markus End im Interview mit der Deutschen Welle. „Dadurch wurden Roma die Eigenschaften zugeschrieben, die man den sogenannten Armutszuwanderern zuschrieb: Sie wurden pauschal als faul und als Sozialschmarotzer bezeichnet.“ Antiziganismus prägt die Debatte um Zuwanderung, stellt End fest. Auch dann, wenn keine Rede von Roma ist…
    Für die CSU ist die aktuelle Anti-Roma-Kampagne eine genauso willkommene Hilfe für die kommenden Europa- und Kommunalwahlen wie 1999 für Roland Koch die Unterschriftensammlung gegen die doppelte Staatsbürgerschaft…

  • Mathilde Vietze

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    Ich halte mir grundsätzlich alle Fanatiker vom Leibe, möge
    es sich hier nun um katholische Fundis, Evangelikale oder
    auch politisch fundierte Hitzköpfe handeln, die nur ihre
    Meinung für die alleinseligmachende halten und glauben,
    mit Krawall andere mundtot machen zu können.

  • menschenskind

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    „…mit Krawall andere mundtot machen zu können.“

    Die eine nennt es „Krawall“, der andere die Suche nach der Wahrheit bzw. bemüht er sich um die Aufklärung seiner Mitbürger.

    Interessant, was dritte dazu sagen:

    „Wer die Wahrheit nicht weiß, der ist bloß ein Dummkopf. Aber wer sie weiß und sie eine Lüge nennt, der ist ein Verbrecher.“
    Bert Brecht

    „Eine schmerzliche Wahrheit ist besser als eine Lüge.“
    Thomas Mann

    „Die Menschen glauben viel leichter eine Lüge, die sie schon hundertmal gehört haben, als eine Wahrheit, die ihnen völlig neu ist.“
    Alfred Polgar

    „Nichts ist leichter als Selbstbetrug, denn was ein Mensch wahr haben möchte, hält er auch für wahr.“
    Demosthenes

    „Gewohnheit, Sitte und Brauch sind stärker als die Wahrheit.“
    Voltaire

    „Es ist durchaus nicht dasselbe, die Wahrheit über sich zu wissen oder sie von anderen hören zu müssen.“
    Aldous Huxley

    Und, um auch noch einen Bezug zur Parteipolitik (Thema des Beitrags oben) herzustellen, George Bernard Shaw:
    „Für einen Politiker ist es gefährlich, die Wahrheit zu sagen. Die Leute könnten sich daran gewöhnen, die Wahrheit hören zu wollen.“

  • „Wir stellen doch nur Fragen…“ » Regensburg Digital

    |

    […] in der Vergangenheit hatte die CSU Kritik an Unterkünften im Stadtosten geübt. In einer Pressemitteilung war von „Überforderung der Integrationsfähigkeit“ und „Problemgebi… Vergangene Woche hatte Stadträtin Bernadette Dechant zunächst in einem Anzeigenblatt und […]

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