Der Bauturbo Regensburg wird konkret: Erste Projekte ab Oktober im Stadtrat
Während des Wahlkampfs war es ein strittiges Thema zwischen den späteren Koalitionspartnern: der Bauturbo, der den Wohnungsbau in Regensburg beschleunigen soll. Seit März ist die Regelung in Kraft. Nun kommen erste Projekte in den Stadtrat.

Das bislang einzig öffentlich bekannte Bauturbo-Projekt soll beim Avia-Hotel umgesetzt werden. Foto: as
Einen „Kniefall vor Bauträgern“ – so bezeichneten die Grünen im Februar 2026 die Lockerungen für Bauherren, die damals mit den Stimmen von CSU, SPD, Freien Wählern, Brücke, FDP und CSB beschlossen wurden.
Das Regensburger Baulandmodell, das Verpflichtungen zum sozialen Wohnungsbau enthielt, wurde entschärft. Der sogenannte Bauturbo-Beschluss, der darauf abzielt, Anträge zu erleichtern und den Wohnungsbau zu beschleunigen, operiert mit vagen und intransparenten Grenzen für Bauturbo-Vorhaben und wälzt einen Teil der Kosten für soziale Infrastruktur auf den städtischen Haushalt ab.
Vorschlag des Planungsreferenten gekippt
Dem Beschluss vorausgegangen war eine Kampagne der großen Bauträger in Regensburg. In einem gemeinsamen Schreiben erklärten die prominentesten Akteure des Regensburger Immobilienmarktes die bisherigen Regelungen für nicht umsetzbar und stellten die Fachkompetenz der Stadtverwaltung infrage.
Der entsprechende Brandbrief, federführend verfasst von Thomas Rosenkranz (R&E Immobilien) und geschickt im Wahlkampf platziert, zeigte Wirkung. Ein Vorschlag von Planungsreferent Florian Plajer wurde vom Tisch gewischt, und es trat ein Bauturbo-Beschluss in Kraft, der sich liest, als wäre er von den Unternehmern diktiert worden.
Mehr Brutto vom Netto
Der auffälligste Punkt: Als Obergrenze für Bauturbo-Projekte wurden 7.000 Quadratmeter Geschossfläche netto festgelegt. Planungsreferent Plajer hatte 2.500 Quadratmeter Geschossfläche brutto vorgeschlagen, die Grünen 5.000 brutto.
Der Begriff Nettogeschossfläche ist in Verwaltungsvorlagen zu Bauvorhaben oder Bauleitplanverfahren nicht üblich. Weder in Regensburg noch anderswo. In einer so frühen Planungsphase ist er nicht gebräuchlich. Es ist eine schwammige Grenze.
Die Bruttogeschossfläche liegt 15 bis 30 Prozent über der Nettogeschossfläche. Anpassungsfähig. Aus 7.000 Quadratmetern netto können schnell 8.000 bis 9.000 Quadratmeter brutto werden. Plajer trug den Beschluss wohl oder übel mit – trotz „fachlich größter Bauchschmerzen“, die er damit habe.
30 Anträge geprüft
Seit März ist dieser Bauturbo nun in Kraft.
Trotz der massiven Kritik von Grünen und ÖDP im Februar hat man sich – nach der Wahl im März – mit SPD, Brücke, Freien Wählern und Volt zu einer Koalition zusammengefunden. Nun wartet man auf die konkrete Ausgestaltung der Wohnbauprojekte, die mittels Bauturbo umgesetzt werden sollen.
Auf Nachfrage von Stadtrat Thomas Zeilhofer (CSU) sprach Planungsreferent Plajer kürzlich von etwa 30 Anträgen, die bislang geprüft wurden. Wie viele davon genehmigt wurden, ließen er und seine Fachämter sich bislang nicht entlocken.
Evaluation noch im Oktober
Doch noch in diesem Monat sollen die ersten Bauturbo-Fälle auf die Tagesordnung des Planungsausschusses kommen – inklusive einer ersten Evaluation der bisherigen Erfahrungen.
Öffentlich bekannt ist bislang nur ein Bauturbo-Projekt: Dort, wo heute noch das Avia-Hotel an der Frankenstraße steht, plant Thomas Rosenkranz’ R&E Immobilien 110 Wohnungen – 35 davon als betreutes Wohnen für Senioren.
Dass dort überhaupt ein Bauturbo-Projekt möglich wurde, ist der großzügigen Erweiterung der Geschossfläche im Februar auf 7.000 Quadratmeter netto zu verdanken. Das Vorhaben am Avia-Hotel liegt bei rund 8.000 Quadratmetern brutto und wäre mit dem Vorschlag des Planungsreferenten (2.500 brutto) ebenso wenig unter den Bauturbo gefallen wie mit dem Kompromissangebot der Grünen (5.000 brutto).
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