Rampe, Mauern und noch viel mehr: Donaumarkt-Konzept stößt auf Widerspruch

Dass am Donaumarkt keine Stadthalle gebaut wird, hat sich in Regensburg mittlerweile herumgesprochen. Was genau aber nun im Detail dort geplant ist, gehört noch längst nicht zum Allgemeingut. Das zeigt eine Presseerklärung, mit der sich die Regensburger Altstadtfreunde – im Verbund mit dem Forum Regensburg und unterstützt von den Sozialen Initiativen – gegen die derzeit geplante Gestaltung wenden. „Das vom Stadtrat beschlossene Nutzungskonzept für die Stadtreparaturfläche um den Donaumarkt wird den städtebaulichen Anforderungen an diesen für das Stadtbild und die Stadtstruktur sensiblen Ort in keiner Weise gerecht“, heißt es darin. Das Problem dabei: Ein Großteil der kritisierten Punkte wurde bereits vor drei Jahren vom Stadtrat beschlossen – einstimmig. Oder doch nicht?
Sieht so der Donaumarkt der Zukunft aus? Aus einem Flyer der Stadt Regensburg bei der Immobilienmesse EXPO Real in München Anfang Oktober.
Aber von Anfang an. Vergangenen Donnerstag passierte das Konzept für die künftige Freiflächengestaltung am Donaumarkt den städtischen Planungsausschuss. Das wirklich Neue daran: eine zwölf Meter breite Uferpromenade, über die auch Busse fahren sollen. Vorerst nur, um die Schiffsanlegestelle zu erreichen und Kreuzfahrttouristen für Ausflüge abzuholen. Für die ferne Zukunft stellen sich die städtischen Planer eine Trasse bis zum AOK-Gebäude in der Bruderwöhrdstraße vor. Eine fünf bis sechs Meter breite Rampe soll die Busspur an die Eiserne Brücke anbinden. Den Hochwasserschutz sollen Promenaden- und Kaimauer gewährleisten. Im Investitionsprogramm sind für Mauern, Ausbau und Reparatur der Gassen rund 14 Millionen Euro veranschlagt. Erste Maßnahmen starten frühestens 2014.
Bebauungsvorschlag der Altstadtfreunde aus dem Jahr 2007.

(Zu) späte Kritik gegen lange beschlossenes Konzept?

Mit ihrer Kritik wenden sich die Altstadtfreunde auch gegen diese Brückenrampe und Uferpromenade für Busse. „Diese zwölf Meter breite Donauparallele erinnert an Planungen aus den 70ern“, so Dr. Peter Morsbach. Die Erschließung der Donaulände für Busse vom hoch gelegenen Brückenwiderlager zum tief gelegenen Uferweg verunstalte die Stadt- und Brückenansicht von Norden erheblich. Durch den Busverkehr werde die Uferpromenade zudem entwertet. Die übrigen und viel grundsätzlicheren Kritikpunkte der Altstadtfreunde (hier nachzulesen) kommen unterdessen reichlich spät, wenigstens auf den ersten Blick. Das grobe Bebauungskonzept unter der Überschrift „Donaupromenade“ hat schließlich – trotz der schon damals geäußerten Bedenken der Altstadtfreunde – bereits im November 2007 ohne großen Widerspruch den Stadtrat passiert. Am westlichen Eingang zum Donaumarkt findet sich demnach ein Platzhalter für eine „Kunsthalle“ bzw. eine andere öffentliche Nutzung. Der Wochenmarkt soll unter einer Baumallee, parallel zur Donau, untergebracht werden. Auch dass auf dem Ostermeier-Gelände zwei größere Blöcke entstehen sollen, wurde bereits 2007 beschlossen. Relativ neu ist allenfalls, dass einer davon ein zwölf Meter hoher Hotelbau werden soll. Das höchste Gebäude am Platz (wir berichteten im August).

Freiflächenkonzept zementiert künftige Bebauung

OB Hans Schaidinger weist die Kritik der Altstadtfreunde als „nicht nachvollziehbar“ zurück. „Selbstverständlich wird es einen Wettbewerb zu Bebauung der beiden Quartiere am Donaumarkt geben.“ Dazu benötige man allerdings gestalterische Rahmenbedingungen für das Vorfeld an der Donaulände. Diese habe man festgelegt, „nicht mehr und nicht weniger“. Er könne sich die Aufregung, die jetzt entstanden sei, nicht erklären.
Aktueller Plan für den Donaumarkt: Rechts der Hotelblock, der etwa zwölf Meter hoch werden soll, vorne links die „Kunsthalle“. Grafik: Stadt Regensburg
Die späte Aufregung mag vielleicht daher rühren, dass das zwar lange beschlossene, aber nicht völlig festgefügte Bebauungskonzept mit der vorweg genommenen Freiflächengestaltung nun weitgehend zementiert wurde. Innerhalb klar definierter Freiflächen bleibt den Architekten nur noch relativ wenig Gestaltungsspielraum. Unter anderem mit dieser Begründung hatten die Freien Wähler im Planungsausschuss dagegen gestimmt, die Freiflächengestaltung bereits jetzt festzulegen. Stattdessen forderten Günther Riepl und Ludwig Artinger, die Gestaltung der Freiflächen in den noch auszuschreibenden städtebaulichen Wettbewerb für die Bebauung des Donaumarkts miteinzubeziehen. Allein: Die Mehrheit im Planungsausschuss war anderer Ansicht. Vielleicht rührt die Aufregung der Altstadtfreunde aber auch daher, dass sie erst vor kurzem und eher zufällig eine erste Visualisierung von Busrampe und Mauern in die Finger bekommen haben, die bereits im Oktober bei der Immobilienmesse EXPO Real in München präsentiert wurde. In Regensburg wurde diese aussagekräftige Montage offiziell nie gezeigt. Auch im Freiflächenkonzept, das der Planungsausschuss am Donnerstag beschlossen hat, fehlt sie.

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Kommentare (8)

  • Bernhard Segerer

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    Also da unten würde ich keinen Bus fahren lassen – nicht daß der Busfahrer wieder ohnmächtig wird und der Bus wegen mangelnder Brüstungsstärke in`s Wasser fällt! ;-)

  • SPD-Mitglied

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    Aha, da melden sich mal wieder die Leute, deren Lebensphilosophie ist: Ich bin dafür, daß ich
    dagegen bin.

  • grace

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    Es ist ganz anders:
    Im Strudel bei der St.Brücke haust eine ganz hinterfotzige Wassertrud, sie ist verdammt dazu, auf ewig ein Hohelied auf den Dings zu frohlocken. Man weiss nicht ob ihr das stinkt oder nicht – jedenfalls zieht sie geradezu die Busfahrer mit ihren Bussen über die Brüstung, ohne dass die was dagegen machen können.
    Ja sie verwünscht sogar die Widerständigen, was sich bei denen in einem Herzanfall äussert.
    Flussabwärts vom Donaumarkt ist jedoch just im Bereich der projektierten „Busspur“eine erst kürzlich entdeckte geophysikalische Schwereanomalie, die dazu führt, dass die Trud hier keine Chance hat und der Bus wie auf Schienen unbeirrt auf sein Ziel zuhält.

  • grace

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    Aber besser als ein permanenter Umfaller zu sein. Oder ein Fahnerl im Wind. Oder beides…

  • Indianer

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    Busse von der kgl. Villa entlang am Ufer zur Thundorfer? Wer’s glaubt. Wahrscheinlich bekommt für diese Touri-Strecke wieder der permante Castortransporter, die potthäßliche Touristenschleuder zum Einsatz und zum Zug. Welterbe sieht anders aus!

  • Regensburg-Liebhaber

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    Ich würde alles so lassen, wie es ist.

    Aber statt eine Deutschlandweit einzigartige(!) Parklandschaft (grüner Rasen inmitten von Steinfundamenten) zu einem Treffpunkt für Jung und Alt werden zu lassen – die überregional für Aufsehen gesorgt hat und für deren Rettung man in 20 Jahren den Rettern Denkmäler setzen würde – klotzt man alles ratzfatz mit Häusern zu.

    Wie einfallsreich.
    Wie einzigartig.
    Wie unverwechselbar.
    Wie liebenswert.
    Wie – blöd.

  • sven

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    @spd-mitgled
    du hast vegessen vor deinen kommentar „satire“zu schreiben

  • christoph bauer

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    Der Kommentar von Regensburg-Liebhaber bringts auf den Punkt. Die Meinung kann ich voll und ganz teilen.

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