Archiv für 9. Dezember 2010

Kurz vor Weihnachten scheinen alle Wünsche in Erfüllung zu gehen. Die Neubauten an der Hochschule Regensburg wurden vergangene Woche genehmigt. Und auch was die Hochschulfinanzierung im Allgemeinen betrifft, konnte man am Mittwoch hören: „Es wir keine Kürzungen geben, sondern ein Plus.“ Mit dieser Aussage ließ Wolfgang Heubisch alle Kritiker ins Leere laufen. Der CSU-Landtagsabgeordnete Franz Rieger hatte den bayerischen Wissenschaftsminister ins Kolpinghaus geladen, um dort mit ihm, Unirektor Thomas Strothotte, Hochschulpräsident Josef Eckstein und Studierenden über die Zukunft des Hochschulstandorts Regensburg zu diskutieren.

In die Defensive geriet Heubisch dabei kaum, obwohl sich naturgemäß an ihm der Ärger über die Kürzungspläne der bayerischen Staatsregierung entlud. Doch: Überraschung, Überraschung. Glaubt man Heubisch, gab und gibt es solche Kürzungspläne überhaupt nicht. Nur in diesem Jahr habe es eine kurzfristige Haushaltssperre gegeben, doch diese dürfe man für die kommenden Jahre nicht fortschreiben. „Die Fakten sind andere.“ Der Innovationspakt mit den Hochschulen werde eingehalten, es werde mehr und nicht weniger Geld ausgegeben und bis 2012 soll es 3.500 neue Studienplätze in Regensburg geben. Zu konkreten Einzelmaßnahmen könne er allerdings nur wenig sagen. Erst am 21. Dezember werde das komplette Haushaltspaket präsentiert. „Aber es ist doch eine entscheidende Aussage, wenn ich Ihnen heute schon verspreche: ‚Es gibt ein Plus‘.“ Nur wenig hatten die Studierenden dem Wissenschaftsminister in ihren Wortmeldungen entgegenzusetzen. Es gab Co-Referate, allgemeine Kritik an der bayerischen/ deutschen Bildungspolitik, aber kaum Fragen, die den Wissenschaftsminister ins Schwimmen hätten bringen können. Blass blieben auch die Studierendenvertreter auf dem Podium. Schade. Und erstaunlich wenig war auch von Unirektor Thomas Strothotte zu hören, der sich in der Vergangenheit zum wortgewaltigsten Kritiker der bayerischen Sparpolitik aufgeschwungen hatte. Am Mittwoch war keine Rede mehr von den 3,7 Millionen Euro oder 600 Seminaren, die da angesichts von Kürzungsplänen jährlich an der Uni wegzufallen drohten. Keine Nachfrage oder Gegenwehr zu Heubischs Aussage, dass einige Zahlen, die in den letzten Wochen in den Raum gestellt wurden, falsch seien. „Wenn nicht gekürzt wird, ist das grandios“, meinte Strothotte knapp. Wenig später mahnte er noch an, dass es über die Jahre eine „Erosion der Grundausstattung“ gegeben habe – ohne konkreter zu werden. Ansonsten zählte Strothotte zu den Schweigsamen auf dem Podium. Gegen Ende ging er schließlich in der seit kurzem von ihm verkörperten Rolle als „Superrektor“ und Studentenidol auf: „Ich bin froh, dass ich hier in Regensburg und nicht im langweiligen München Rektor bin“, sagte er mit Blick darauf, dass es in der Landeshauptstadt nur spärliche Proteste gegen die Kürzungspläne gegeben hatte. Für dieses Schlusswort erntete er den erwartbaren Applaus der Studierenden. Zum Erkenntnisgewinn der Anwesenden hat sein Auftritt nichts beigetragen. Zwar wurde (angesichts von Wortmeldungen aus dem Publikum) klar, dass an der Universität irgendwie Geld fehlt – nach wie vor bewegt man sich auf einem Finanzniveau von 2004. Doch gegen Kürzungen in der Vergangenheit hatte es von der Universitätsleitung keinen Widerstand gegeben. Ohnehin lässt Heubisch weder sich, noch die seit 2008 regierende schwarz-gelbe Koalition für frühere Kürzungen verantwortlich machen. Und generell: Mehr Geld wolle jeder, doch man müsse für einen ausgeglichenen Haushalt sorgen. Immerhin: Zwischendurch sorgte immer wieder Franz Rieger für Raunen und Erheiterung im Saal, wenn er die Politik der CSU wortreich in Schutz nahm, anekdotisch von seiner Studienzeit berichtete und davon, dass es früher sicher nicht besser war an der Uni als heute. In seinem Schlusswort zeigte Rieger sich schließlich derart versöhnlich, dass er sich – nach seinen Wünschen für die Zukunft gefragt – neben einem weiteren Ausbau der Hochschulen das wünschte, „was alle sich wünschen“. Das klingt nach Weihnachten.

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