Diskussion mit Heubisch: Superrektor scheut Showdown

Kurz vor Weihnachten scheinen alle Wünsche in Erfüllung zu gehen. Die Neubauten an der Hochschule Regensburg wurden vergangene Woche genehmigt. Und auch was die Hochschulfinanzierung im Allgemeinen betrifft, konnte man am Mittwoch hören: „Es wir keine Kürzungen geben, sondern ein Plus.“ Mit dieser Aussage ließ Wolfgang Heubisch alle Kritiker ins Leere laufen. Der CSU-Landtagsabgeordnete Franz Rieger hatte den bayerischen Wissenschaftsminister ins Kolpinghaus geladen, um dort mit ihm, Unirektor Thomas Strothotte, Hochschulpräsident Josef Eckstein und Studierenden über die Zukunft des Hochschulstandorts Regensburg zu diskutieren.

In die Defensive geriet Heubisch dabei kaum, obwohl sich naturgemäß an ihm der Ärger über die Kürzungspläne der bayerischen Staatsregierung entlud. Doch: Überraschung, Überraschung. Glaubt man Heubisch, gab und gibt es solche Kürzungspläne überhaupt nicht. Nur in diesem Jahr habe es eine kurzfristige Haushaltssperre gegeben, doch diese dürfe man für die kommenden Jahre nicht fortschreiben. „Die Fakten sind andere.“ Der Innovationspakt mit den Hochschulen werde eingehalten, es werde mehr und nicht weniger Geld ausgegeben und bis 2012 soll es 3.500 neue Studienplätze in Regensburg geben. Zu konkreten Einzelmaßnahmen könne er allerdings nur wenig sagen. Erst am 21. Dezember werde das komplette Haushaltspaket präsentiert. „Aber es ist doch eine entscheidende Aussage, wenn ich Ihnen heute schon verspreche: ‚Es gibt ein Plus‘.“ Nur wenig hatten die Studierenden dem Wissenschaftsminister in ihren Wortmeldungen entgegenzusetzen. Es gab Co-Referate, allgemeine Kritik an der bayerischen/ deutschen Bildungspolitik, aber kaum Fragen, die den Wissenschaftsminister ins Schwimmen hätten bringen können. Blass blieben auch die Studierendenvertreter auf dem Podium. Schade. Und erstaunlich wenig war auch von Unirektor Thomas Strothotte zu hören, der sich in der Vergangenheit zum wortgewaltigsten Kritiker der bayerischen Sparpolitik aufgeschwungen hatte. Am Mittwoch war keine Rede mehr von den 3,7 Millionen Euro oder 600 Seminaren, die da angesichts von Kürzungsplänen jährlich an der Uni wegzufallen drohten. Keine Nachfrage oder Gegenwehr zu Heubischs Aussage, dass einige Zahlen, die in den letzten Wochen in den Raum gestellt wurden, falsch seien. „Wenn nicht gekürzt wird, ist das grandios“, meinte Strothotte knapp. Wenig später mahnte er noch an, dass es über die Jahre eine „Erosion der Grundausstattung“ gegeben habe – ohne konkreter zu werden. Ansonsten zählte Strothotte zu den Schweigsamen auf dem Podium. Gegen Ende ging er schließlich in der seit kurzem von ihm verkörperten Rolle als „Superrektor“ und Studentenidol auf: „Ich bin froh, dass ich hier in Regensburg und nicht im langweiligen München Rektor bin“, sagte er mit Blick darauf, dass es in der Landeshauptstadt nur spärliche Proteste gegen die Kürzungspläne gegeben hatte. Für dieses Schlusswort erntete er den erwartbaren Applaus der Studierenden. Zum Erkenntnisgewinn der Anwesenden hat sein Auftritt nichts beigetragen. Zwar wurde (angesichts von Wortmeldungen aus dem Publikum) klar, dass an der Universität irgendwie Geld fehlt – nach wie vor bewegt man sich auf einem Finanzniveau von 2004. Doch gegen Kürzungen in der Vergangenheit hatte es von der Universitätsleitung keinen Widerstand gegeben. Ohnehin lässt Heubisch weder sich, noch die seit 2008 regierende schwarz-gelbe Koalition für frühere Kürzungen verantwortlich machen. Und generell: Mehr Geld wolle jeder, doch man müsse für einen ausgeglichenen Haushalt sorgen. Immerhin: Zwischendurch sorgte immer wieder Franz Rieger für Raunen und Erheiterung im Saal, wenn er die Politik der CSU wortreich in Schutz nahm, anekdotisch von seiner Studienzeit berichtete und davon, dass es früher sicher nicht besser war an der Uni als heute. In seinem Schlusswort zeigte Rieger sich schließlich derart versöhnlich, dass er sich – nach seinen Wünschen für die Zukunft gefragt – neben einem weiteren Ausbau der Hochschulen das wünschte, „was alle sich wünschen“. Das klingt nach Weihnachten.

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Kommentare (6)

  • David Stein

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    Ich glaub es erst, wenn das Geld da ist, verbucht und verwendet wurde. Bisher haben sich solche Versprechen am Ende noch immer als heiße Luft herausgestellt.

  • Stefan D. Christoph

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    Selbst wenn die Staatsregierung an den angekündigten Kürzungen festhält gibt es ein Plus im Gegensatz zum Jetzt-Zustand. Ganz einfache Rechentrickserei.
    Für die Aufnahme eine doppelten Abiturjahrgangs und die Lösung von Problemen reichen Rechenspielereien jedoch nicht aus…

    Von daher glaube ich das auch erst, wenn ich den Beschluss vor mir sehe!

  • William T. Sherman

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    „Nur wenig hatten die Studierenden dem Wissenschaftsminister in ihren Wortmeldungen entgegenzusetzen. Es gab Co-Referate, allgemeine Kritik an der bayerischen/ deutschen Bildungspolitik, aber kaum Fragen, die den Wissenschaftsminister ins Schwimmen hätten bringen können. Blass blieben auch die Studierendenvertreter auf dem Podium. Schade.“

    tja, was will man denn schon von Studierenden verwarten, die bisher kaum mehr fertig gebracht haben, als reflexartig das zu wiederholen, von dem sie glauben, die 68er wären damit erfolgreich gewesen. Sie stehen natürlich gewissen Hindernissen gegenüber, das soll nicht verluegnet werden, aber sie sind viele, ihnen wird das Handwerkszeug an die Hand gegeben, um zu führen, zu entscheiden, zu leiten, zu organisieren und ihnen steht eine Welt des Wissens offen, um die Rechtfertigungsgebäude, mit denen die Konservativen (+ Wirtschaftsliberalen) ihre Politik gegen die Mehrheit der Menschen verkaufen, zum Einsturz zu bringen.
    Und statt dessen nutzt man die Masse nur, um sich tot zu blockieren, zu besetzen oder zu demonstrieren….wie steht es oben: Schade!

  • nachgedacht

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    Ja. Die Besetzung war, nennen wir es bürgerlich.
    Ja, wir (als der Mittelwert der Studierenden) haben NICHTS entgegen gebracht oder entgegen zu bringen.
    Ich finde der Artikel spiegelt sehr gut wieder, wie es zugegangen ist.
    Und ja, wir machen viel schlecht nach, so n bisschen 68er, so n bisschen Revolution spielen und ein paar Transpis malen, aber in unserem Lehramts Gymnasium Studium haben wir uns so gut eingelebt, dass wir rumheulen weil die Neue LPO so böse ist, aber unsere Großonkels sind bei den Altphilologen und auf keinen Fall stellen wir das dreigliedrige Schulsystem in Frage .
    Und ja für alle die noch ein bisschen besser Bescheid wissen, unsere höchste Standardabweichung spielt ein bisschen SDS Nostalgie nach.
    Und wir interessieren uns nur für den Scheiß der an unserer verhassten Uni passiert und wer keinen Platz im Arsch von einem Rektor findet oder ein Pöstchen in einem Gremium ergattert ist normalverteilt subversiv.

    Ja wir sind beschissen. Und wir gehen zum Beispiel auf keine Demo für Lebensbedingungen von anderen Menschen, für Asylbewerber.

    Aber wir sind nicht alle.

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