Haus der Musik

Ein Milliönchen geht noch

Ist das das Ende der Fahnenstange? Beim Haus der Musik gibt es eine neuerliche Kostensteigerung. Das Projekt wird nun alles in allem 17,5 Millionen Euro kosten. Ein Plus von 75 Prozent. Und es gibt Probleme mit dem Zeitplan.

Das Prestigeprojekt des Kulturreferenten: Das "Haus der Musik" am Bismarckplatz. Foto: Archiv

Das Prestigeprojekt des Kulturreferenten: Das „Haus der Musik“ am Bismarckplatz. Foto: Archiv

Die gute Nachricht zuerst: Viel teurer wird das „Haus der Musik“ wohl nicht mehr. Im Dezember 2014 soll es nämlich fertig sein. Und es bleibt zu hoffen, dass sich innerhalb dieses kurzen Zeitraums nicht noch weitere Komplikationen ergeben, welche die Kosten in die Höhe treiben.

Aus zehn werden 17,5 Millionen Euro

Fest steht aber: Das Prestigeprojekt am Bismarckplatz hat sich – im Vergleich zur letzten Kostenschätzung 2012 – um weitere 979.000 Euro verteuert. So steht es in der Vorlage, über die der Bau- und Vergabeausschuss des Stadtrats am Dienstag abstimmen wird. Inklusive Energiekonzept, Grunderwerb und Möblierung kostet das „Haus der Musik“ nun 17,5 Millionen Euro. Im Vergleich zu den ersten Angaben in einer Vorlage des Kulturreferats aus dem Jahr 2010 sind das 7,5 Millionen Euro mehr als zunächst veranschlagt.

Im „Haus der Musik“ sollen – so stand es bereits in der ersten, etwas schwammigen Vorlage aus dem Jahr 2010 – die städtische Sing- und Musikschule sowie die Kinder- und Jugendsparte des Stadttheaters untergebracht werden. Und weil es ja „um unsere Kinder“ geht, kam die anfängliche Kritik an dem Projekt im Stadtrat nach und nach zum Verstummen. Lediglich die Linken und die FDP – eine eher seltene Allianz – blieben bis zuletzt bei ihrer ablehnenden Haltung. Man habe nichts gegen ein neues Gebäude für die Sing- und Musikschule, das sei sogar notwendig, aber das Palais am Bismarckplatz sei dafür einerseits zu teuer und andererseits nicht wirklich geeignet, so die Argumentation.

Wirklich zu entscheiden hatte der Stadtrat aber ohnehin nichts, sondern wurde mit dem Argument Zeitdruck stets von Verwaltungschef Hans Schaidinger vor sich hergetrieben.

Eine kurze Chronologie

Im Juni 2010 gingen Hans Schaidinger und Klemens Unger mit der Nachricht an die Öffentlichkeit, dass man das Palais günstig vom Freistaat erwerben und darin ein Haus der Musik unterbringen könne. Das Gebäude erhalte man „zum Vorzugspreis“, die Sanierung werde etwa zehn Millionen Euro kosten, hieß es. Der Stadtrat erfuhr davon aus der Zeitung. Nicht so schlimm, meinte der OB: Damit sei ja noch keine Entscheidung gefallen. Er wolle das ja nur mal vorstellen.

Eine Woche später legte Schaidinger dem Stadtrat einen Antrag auf Förderung für das Haus der Musik vor – als Tischvorlage. Den solle man jetzt mal verabschieden. Eine Entscheidung über den Kauf sei damit ja noch nicht gefallen. Es gehe doch nur darum, Zuschüsse zu sichern. Gegen die Stimmen von Grünen, Linken und FDP ging der Antrag durch.

Repräsentativ, aber nicht für eine Musikschule geeignete, sagen Kritiker über das Palais am Bismarckplatz. Foto: Archiv

Repräsentativ, aber nicht für eine Musikschule geeignete, sagen Kritiker über das Palais am Bismarckplatz. Foto: Archiv

Im Oktober 2010 schließlich wurde – erneut gegen Linke, Grüne und FDP – der Kauf des Gebäudes beschlossen. Kosten: eine gute Million Euro. Damit sei ja noch nicht entschieden, was dort drin entstehe, hieß es von der damals noch großen Koalition aus SPD und CSU. Aber das Gebäude müsse man sich doch erst einmal sichern, wenn es schon so günstig sei.

Einen guten Monat später schließlich fiel der Beschluss für das „Haus der Musik“ im Präsidialpalais am Bismarckplatz. Die damalige Kostenschätzung: zehn Millionen Euro.

Im März 2012 erfuhr der Stadtrat, dass das Haus der Musik nun knapp 15 statt der bisher veranschlagten zehn Millionen Euro kosten werde. Das Kinder- und Jugendtheater brauche mehr Platz als zunächst geplant, lautete die Begründung. Was blieb außer Zustimmung, wo die Planung doch schon lief? Die gaben nun – wenngleich etwas zerknirscht – auch die Grünen.

Im Oktober 2012 kamen dann nochmal gut 1,5 Millionen Euro Kosten obendrauf. Schuld war dieses Mal der böse Denkmalschutz mit seinen vermutlich völlig unerwarteten Auflagen. Aber, was soll man machen: Beschlossen ist beschlossen.

Trotz EU-weiter Ausschreibung „kein wirtschaftlich vertretbares Angebot“

Die neuerlichen Kostensteigerungen von insgesamt einer knappen Million Euro sind seit Mitte 2013 aufgelaufen. Am Dienstag werden davon noch knapp 400.000 Euro abgesegnet. Was bleibt dem Stadtrat auch anderes übrig. Es wird ja schon gebaut. „Leicht veränderte Kostenberechnung“, neue Arbeiten im Zuge der Detailplanung und Probleme bei den Ausschreibungen, lauten die Begründungen für die Mehrkosten dieses Mal.

Trieben den Stadtrat erfolgreich vor sich her: Klemens Unger und Hans Schaidinger. Foto: Archiv

Trieben den Stadtrat erfolgreich vor sich her: Klemens Unger und Hans Schaidinger. Foto: Archiv

Bemerkenswert: Trotz EU-weiter Ausschreibung ging für mehrere Arbeiten „kein wirtschaftlich vertretbares Angebot“ ein, heißt es in der Vorlage. Das gilt im Besonderen für alle Decken- und Wandverkleidungen, die mit verantwortlich für die Akustik sind. Für ein „Haus der Musik“ ist das nicht eben unwichtig. Nun wurde die Ausschreibung modifiziert und neu gestartet. Anstatt im Oktober soll das Gebäude nun am 1. Dezember fertig werden. Das ist übrigens der letzte Termin, um in den Genuss aller möglichen Zuschüsse für das Projekt zu kommen. Zumindest hatten Hans Schaidinger und Klemens Unger den Stadtrat insbesondere mit dieser Begründung zu einem Projekt getrieben, das nun fast doppelt so teuer ist als zunächst geplant.

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Kommentare (5)

  • machtlos

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    Die Berliner haben ihr BER, die Stuttgarter ihr 21 und Regensburg?
    Und es wird keine Konsequenzen haben?

  • Walter Wehpunkt

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    Nur 75% Kostensteigerung beim Haus der Musik – das ist ja nun wieder nur Langeweiler- Regensburg.

    Zum Vergleich:
    – BER: 2,0 Mrd –> 5,4 Mrd = 270%
    – Stuttgart 21: 2,46 Mrd –> 6,8 Mrd = 276%
    – Elbphilharmonie Hamburg: 77 Mio –> 500 Mio = 650%

    Wenn Großkopferte mit Geld, welches sie nicht selber verdienen mussten, etwas bauen, dann explodieren IMMER die Kosten, zumindest war es in den letzten 2000 Jahren so.

    Aber Rettung naht: wenn dann im Herbst Herr Tebartz-van Elst in Regensburg einzieht und man ihm die Bau-Aufsicht überträgt, dann kann diese mickrige 75%-Bilanz vielleicht doch noch auf Gr0ßstadt-Niveau gehoben werden.
    Schliesslich ist der Ex-Bischof von Limburg verantwortlich für die Versechsfachung der Baukosten von 5 Mio –> 31 Mio.

    Da bleibt Regensburg mit Herrn Unger mal wieder nur Provinz.
    Aber die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zum Schluß.

  • Gerlinde

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    @Walter Wehpunkt

    So, und jetzt üben Sie noch Mal das Prozentrechnen, gell?

    Setzen, sechs!

  • ratlos hoffnungslos

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    @ machtlos

    Sie haben ja so Recht! Bei diesem Kulturreferenten war und ist nichts Anderes zu erwarten. Verwaltungsintern heißt er nur Referent Chaos. 1991 wurden die berufsmäßigen Stadträte mit der Begründung eingeführt, dass man sich leichter von erfolglosen Dezernenten/Referenten trennen könne. Die Realität sieht seitdem anders aus. Es gibt zwar mehr Geld, aber sie bleiben, gleich wie erfolgreich sie sind, Beamte auf Lebenszeit.

  • machtlos

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    Es war nie die Rede von genau oder exakt 10 Mio. Haben Sie das Kürzel „rd.“ nicht gelesen. Da sind Bandbreiten von 20 Millionen mehr durchaus möglich.
    2010 hieß es noch: „Nach den derzeit vorliegenden Schätzungen sind für Kauf und Sanierung des Gebäudes rd. 10 Mio Euro notwendig (inklusive Kosten für Bühnentechnik, Beleuchtung, Schallschutz, Konzertakustik)“

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