SOZIALES SCHAUFENSTER

Fast 2.400 Euro pro Quadratmeter

Flüchtlinge: Container-Hersteller zocken Kommunen ab

Der Bedarf an Flüchtlingsunterkünften beschert Container-Herstellern das Geschäft ihres Lebens. Die Preise steigen im Wochentakt. Das bekommt nun auch Regensburg zu spüren.

Übergangslösung zu Luxuspreisen: Innenansicht eines Wohncontainers. Foto: Archiv/ as

Übergangslösung zu Luxuspreisen: Innenansicht eines Wohncontainers. Foto: Archiv/ as

Man kann der Stadt Regensburg kaum vorwerfen, dass sie falsch kalkuliert hätte. Als das Hochbauamt im Dezember 2014 seine Berechnung für eine „Flüchtlingsunterkunft in Modulbauweise“ am Weinweg vorlegte, lag diese mit 2,1 Millionen Euro sogar noch etwas über den Kosten, die ein halbes Jahr später andernorts für solche Container-Unterkünfte tatsächlich bezahlt wurden. 

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Umgelegt auf die tatsächliche Wohnfläche wurden von den Container-Herstellern bei Unterkünften in Berlin und im Ruhrgebiet Mitte bzw. Ende Mai 2015 zwischen 1.700 und 1.800 Euro pro Quadratmeter veranschlagt. Und bereits das waren Spitzenpreise, mit denen die Kommunen so zunächst nicht gerechnet hatten und die vor zwei oder drei Jahren völlig undenkbar gewesen wären. 

Die Preise steigen im Wochentakt

Seit aber Container nicht nur als Übergangslösung auf Baustellen oder für Messepavillons verwendet werden, sondern auch Kommunen die Modulbauweise entdeckt haben, um zum Beispiel kostengünstig Räume für Kindertagesstätten zu schaffen, haben die Preise immer mehr angezogen. Seit zwei Jahren steige die Nachfrage stetig an, so die Sprecherin eines großen Herstellers kürzlich gegenüber dem Handelsblatt. Der Bedarf an Flüchtlingsunterkünften schließlich beschert den Herstellern nun das Geschäft ihres Lebens. Angesichts des bundesweiten Bedarfs steigen die Preise praktisch wöchentlich. Das merkt man auch in Regensburg.

Hier stand die Stadt erheblich unter Zeitdruck, um noch vor den Wintermonaten die Ende 2014 beschlossene Unterkunft am Weinweg fertigzustellen. Drei Wochen – von 23. Juni bis 14. Juli – nahm man sich Zeit für die Ausschreibung des Bauauftrags. Herausgekommen ist nun – trotz der ohnehin hoch veranschlagten Kalkulation – eine deutliche Preissteigerung.

Fast 2.400 Euro pro Quadratmeter Container-Wohnung

Wie dem aktuellen Nachtragshaushalt der Stadt Regensburg zu entnehmen ist, hat sich der Preis für die am Weinweg geplante Unterkunft binnen weniger Wochen um 33 Prozent erhöht. Anstatt 2,1 Millionen Euro muss die Stadt nun 2,8 Millionen hinblättern – umgerechnet auf die reine Wohnfläche sind das fast 2.400 Euro pro Quadratmeter – ein Preis, für den man mancherorts ein echtes Haus inklusive Grundstück bekommt.

Die Stadt Regensburg verweist bei der Frage nach den Gründen für die Preissteigerung ganz allgemein auf die „Markt- und Angebotssituation“. Dem Vernehmen nach soll lediglich ein Hersteller ein Angebot für die städtische Ausschreibung abgegeben haben, bei der als einziges Zuschlagskriterium der günstigste Preis angegeben war. Das sind – nach aktueller Marktlage – nun die erwähnten 2,8 Millionen. Auch der zunächst kommunizierte Fertigstellungstermin im September wird nicht zu halten sein. Laut Ausschreibungstext plant man die Eröffnung der Unterkunft für Ende November.

Stadt sucht händeringend Unterkünfte

Die Stadt Regensburg hat dabei kaum eine Wahl. In der Unterkunft am Weinweg sollen ohnehin nur 100 Menschen für zunächst fünf Jahre untergebracht werden. Für 2015 rechnet man aber derzeit mit bis zu 1.000 weiteren Flüchtlingen, die nach Regensburg kommen und hier zunächst auf absehbare Zeit bleiben werden. Angesichts dessen sucht die Stadt händeringend nach Unterbringungsmöglichkeiten. Da bleibt es – wie auch andernorts – nicht aus, dass manche da ein gutes Geschäft wittern und auch machen.

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Kommentare (12)

  • joey

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    Aktionismus kostet Geld, die alte Lehre. Schon bei den Konjunkturpaketen sind Preise für Dachdecker deutlich gestiegen – bzw man hat gar keine Angebote mehr bekommen. Es gibt nicht immer Kapazitäten für jede hektische Idee. Was jeder dringend will, kostet dann mehr – davon lebt jeder Markt. Umgekehrt beschwert sich wohl niemand, wenn er im Winterschlußverkauf Wintersachen günstig kriegt – das ist eben der Markt. Und jeder Versuch, den Markt abzuschaffen und durch „bedarfsorientierte Produktion“ zu ersetzen, ging deutlich schief – weil auch sozialistische Politiker mit Aktionitits jede vernünftige Kapazitätsplanung verhindert haben.

    Merke: vorausschauend planen! Oder nicht auf jeden Zug aufspringen, sondern erst den Fahrplan überdenken. Mit einer Holzbaukonstruktion wäre die Stadt wohl günstiger und genauso schnell weitergekommen. Es gäbe viele Anbieter (ZImmereien) aus der Region Ostbayern, so daß ein Engpaß unwahrscheinlicher wäre. Container hingegen braucht derzeit ganz Europa…

  • Veronika

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    Wenn da, zumindest in Bayern, nicht wieder irgendwelche Amigos am Steuer sind. ist sehr verdächtig, dass man dies mit den benötigten Containern so laut rausposaunt, dass sich jeder nur einigermaßen auf Gewinn bedachte Hersteller gut darauf einrichten kann. Aber Privatunterbringung ist ja nicht in Bayern. Da könnten sonst einige Leute gleich die Unverletzlichkeit der Wohnung geltend machen.

  • Regensburger

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    Warum müssen alle Flüchtlinge gerade nach Bayern (15,8%,) wenn in den „neuen“ Bundesländern (z.Z. 2%) zig-Tausenden leeren Wohnungen und Einrichtungen zur Verfügung stehen?
    Wo bleibt die gerechte Verteilung?

  • Jürgen K.

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    @ Veronika: Absolut richtig.
    Sehr dubios. Wenn man dann statt einen Schnellschuß eine ordentliche Ausschreibung macht, sehen die Preise wieder ganz anders aus. Da kommt man schnell auf die Hälfte bis einem Drittel der hier genannten Preise.
    Am Rande: In der MZ standen in einem Bericht über das Asylaufnahmelager die geschätzten Baukosten. Damals wurde die Regierung der Opf. zitiert. Das pikante daran ist, dass die Angebotseinholung für ein Generalunternehmen noch am Laufen war. Man muss sich dann nicht wundern, wenn die Schätzkosten solcher Auftragsvergaben punktgenau getroffen werden.

  • Jürgen K.

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    @ Achim Thaler: Wäre logisch und wirtschaftlich gedacht, nur würde es so manchen Neider auf den Plan rufen, von den nachbarlichen Aufbegehren ganz zu schweigen. Es hätte mehrere wirtschaftliche und schnelle Lösungsansätze gegeben die letztlich an der Stadt oder am Bund gescheitert sind.
    Traurig aber wahr.

  • Franz Mahler

    |

    betr. Regensburger, 5. August 2015 um 09:16 | #

    Warum müssen alle Flüchtlinge gerade nach Bayern …?

    Weil Bayern ein gottesfürchtiges und „christliches“ Land ist oder ist der „Regensburger“ da vielleicht anderer Meinung? Gerade die christlichen Bayern sagen doch immer noch, dass da drüben, also in diesen sogenannten „neuen“ Bundesländern, nur atheistische Kommunisten leben würden.

    Christliche Werte bestehen doch nicht darin, dass man die Wände mit vergoldeten Kruzifixen tapeziert, einen Schlüsselanhänger mit Sankt-Florian in der Hosentasche hat und einmal im Jahr am 24.12. in der Dorfkirche oder im Regensburger Dom einen falschen 5-Euro-Schein in den Klingelbeutel wirft. Das machen nur Pharisäer und scheinheilige Konservative.

    Wurde nicht jüngst in Regensburg sogar einem „notleidenden“ Bischof, der vom rechten Glauben abgefallen war, „Asyl“ gewährt? Wie hieß der nochmal, ah ja: Franz-Peter Tebartz-van Elst. Wunderschöner Name.

  • Ziander

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    Klar das Container-Hersteller jetzt Hochkonjunktur haben und abzocken wie die Maden im Speck.Andererseits sind die Migranten unzufrieden mit diesen Unterkünften,kritisieren ie durch diverse Sprecher als KZ´S und haben doch schließlich kräftig gelöhnt bei den Schleusern um ins Paradies zu gelangen.Deshalb wäre es das humanste das alle Deutschen die über 50qm Wohnraum verfügen zwangsverpflichtet werden einen dieser Flüchtlinge als neues Familienmitglied aufzunehmen.Das würde auch der Völkerverständigung dienen.

  • leerstand

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    Deutschland hat einen Leerstand von Wohnungen von ca. 800 000 also Platz ist noch vorhanden!

  • Herr Gesangsverein

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    Achim: Weil es genügend Leute gibt auch dringend ein Wohnung brauchen wie ich.
    Ich kann mit meinem Gehalt ein WG-Zimmer bezahlen bei der Arbeitsmarkts- und Wohnungssituation. Wahnsinn, oder? Oder soll ich in den Container?
    Container für Flüchtlinge die ja nur temporär bleiben.

  • Olli

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    Hmm was soll man da noch sagen natürlich wird es verdammt teuer wenn man etwas haben will das schon vor einem Jahr bekannt war. Und das in letzter Minute, mit besserer Lieferzeit als schon vor einem Jahr veranschlagt wurde, wo noch keine Krise zu diesem Zeitpunkt stattfand. Zudem sind Deutsche Händler und Hersteller komplett ausgelastet also werden Container nun aus dem Ausland geholt was die Preise um 100 % erhöht hat. (Extreme transportkosten halt, mit anehmbarer Lieferzeit bsp. LKW innerhalb Deutschlands maximal im durchschnitt =1000 EUR LKW aus dem Ausland oder sogar Schiffsverkehr inkl. Zoll ca. 5000-6000 EUR [Es passen nur 2 Container je ca. 6 x 3 m auf einen LKW] ). Die Aufschläge an sich sind zwar auch gestiegen aber das hat auch viel mit dem Risiko zu tun. Was werden Hersteller machen wenn die Krise vorbei ist und Uhrplötzlich 1.000.000 gebrauchte Container auf dem Markt landen? Ganz einfach = aussterben. Anstatt die Containerhersteller als die Bösen zu brandmarken sollten sich die Komunen mal andere Lösungen einfallen lassen, oder sie hätten früher reagieren muessen. Es gibt genug Gebäude die gekauft werden koennen und leerstehen. Niemand sieht das ganze immer nur diese Halbwarheiten….

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