Fürstliche Gefahr fürs Welterbe?

Ein Besuchermagnet ist das fürstliche Schloss St. Emmeram von jeher. Nun soll es zur Nobel-Unterkunft umgebaut werden – mit dem Segen des Amtes für Denkmalpflege. Mit der UNESCO wurde das Vorhaben in der Welterbezone bislang nicht abgesprochen.	Foto: ArchivWegen Hotelplänen: Bürgeraktivist Lutz Tittel beschwert sich bei der UNESCO. „Wenn Hans Schaidinger behauptet, er habe die UNESCO informiert, dann ist das nicht zutreffend”, sagt Dr. Lutz Tittel mit Blick auf die Hotelplanungen im fürstlichen Schloss. Der Kunsthistoriker – schon bei zwei Bürgerentscheiden zum Donaumarkt mit der Stadtspitze aneinandergeraten – hat sich jetzt beim Direktor des Welterbe-Zentrums in Paris über die geplante Nobelabsteige beklagt. Eine Attacke aus persönlichen Motiven? Schon beim letzten Bürgerentscheid in Sachen Donaumarkt waren Tittel im Rahmen einer regelrechten Diffamierungskampagne solche Motive unterstellt worden. Eigentlicht ist das Vorhaben in trockenen Tüchern. Zwar ist sich das Fürstenhaus noch nicht mit einem Investor einig geworden. Der Stadtrat hat dem Bauvorhaben aber bereits im Oktober seinen Segen erteilt (ohne die kompletten Pläne zu kennen). Zwar haben mehrere Experten bei einer Veranstaltung des Historischen Vereins heftige Bedenken geäußert (wir berichteten am 25. Januar). Der oberste Bayerische Denkmalpfleger, Generalkonservator Professor Egon Greipl hat die fürstlichen Pläne aber für gut befunden und jedwede Kritik dagegen zurückgewiesen. Oberbürgermeister Hans Schaidinger verweist zudem auf ein persönliches Gespräch mit Giulio Marano. Und Marano ist immerhin Vertreter von ICOMOS, einer Beraterorganisation der UNESCO. Marano habe das Projekt „im Grundsatz positiv” beurteilt, so Schaidinger. „Das Urteil von deutschen Vertretern ist nicht maßgeblich”, wischt aber nun Lutz Tittel diese positiven Neuigkeiten vom Tisch. Bereits seit längerem steht der Bedenkenträger in Sachen Schlossumbau in Kontakt mit dem Direktor des Welterbe-Zentrums, Professor Francesco Bandarin. Der gibt Tittel augenscheinlich recht. In einem Brief bestätigt Bandarin: „Bitte beachten Sie, dass der Besuch von (…) Herrn Marano beim Oberbürgermeister in keinerlei Beziehung zu irgendwelchen offiziellen Aktivitäten steht, die unter die Welterbe-Konvention fallen.” Es sei ein „privater Besuch” gewesen. Miesmacher oder Welterbe-Schützer: Dr. Lutz Tittel hat den UNESCO-Boss über die fürstlichen Pläne informiert.	Foto: AignerHans Schaidinger hat das Marano-Gespräch schon mehrfach angeführt, um zu belegen, dass Bauvorhaben mit der UNESCO abgestimmt seien. Bei der Diskussion um eine Ersatztrassen für die Steinerne Brücke oder den – gescheiterten – Plänen für eine Stadthalle am Donaumarkt war das Marano-Gespräch im Gespräch. Das bestärkt Tittel in seiner Meinung, die da lautet: „Herrn Schaidingers Wahlkampf mit dem Welterbe ist unglaubwürdig.” Nicht die Erhaltung, sondern die „ökonomische und touristische Ausbeutung” des Welterbe-Titels hätten für Schaidinger und die CSU oberste Priorität. Es gibt allerdings ein Schreiben des Stadtplanungsreferats an die Bayerische Staatsregierung. Die schrieb im Dezember an Professor Bandarin nach Paris, zwei Monate nach Erteilung der Baugenehmigung durch den Stadtrat. Eine Antwort gab es laut Auskunft der städtischen Pressestelle noch nicht. Also liegt – spätestens nach Tittels Brief – der Ball aber ohnehin im Spielfeld der UNESCO. Sollte man dort zu dem Schluss kommen, dass eine sogenannte „reaktive Überwachung” notwendig ist, wird ein internationaler Fachausschuss eingerichtet. Der muss prüfen, ob der Umbau des Schlosses zum Hotel im Einklang mit dem Welterbe steht. Nur dieses Urteil wäre dann maßgeblich für das Bauvorhaben Schlosshotel – unabhängig vom Stadtrat, Generalkonservator Egon Greipl oder dem „privaten Besuch” von Herrn Marano. Droht Regensburg – ähnlich wie Dresden – die „Rote Liste”?

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