Glatteis stoppt Busse

In der Geschichte der Regensburger Verkehrsbetriebe muss man weit zurück gehen: Ende der 60er Jahre wurde der Betrieb wegen Eisglätte zum letzten Mal komplett eingestellt. Und selbst das weiß Hauptgeschäftsführer Bernd-Reinhard Hetzenecker nur aus Erzählungen. Er selbst ist seit 1978 im Unternehmen. Am gestrigen Donnerstag um 18.58 Uhr war es wieder einmal so weit: Aus Sicherheitsgründen wurden alle Fahrten gestoppt. Rund 80 Busse standen an den Haltestellen oder am Straßenrand und warteten zum Teil drei Stunden darauf, ins Busdepot zurückkehren zu können. Bis zum frühen Freitagmorgen steckten noch einige wenige Busse an Steigungen fest. „Aufgrund der Witterungsverhältnisse stellen die RVB ihren Betrieb für heute ein“, war ab kurz nach 19 Uhr auf den Anzeigetafeln an den Bushaltestellen zu lesen. Die Taxi-Zentralen waren zeitweise völlig überlastet. Am Freitagvormittag fuhren die Buslinien größtenteils wieder nach Fahrplan. Man werde aber auch weiterhin kein Risiko eingehen, so Hetzenecker. „Es gibt manchmal wirklich Ausnahmesituationen“, sagt RVB-Sprecher Ludwig Bergbauer. Ins selbe Horn stößt Fuhramtschef Franz Wolf. „Ich bin seit 23 Jahren beim Winterdienst. Hier kann man schon von einer Art Jahrhundertereignis sprechen.“ Bis Mitternacht war der Räumdienst am Donnerstag mit sieben Fahrzeugen im Einsatz. Ab 3.30 Uhr lief ein „Volleinsatz“ mit allen 15 Räum-Lkws und 160 Einsatzkräften. Seit 10 Uhr seien alle Hauptverkehrsstraßen der Kategorie 1 und 2 (300 Kilometer) geräumt, so Wolf. Derzeit sei man mit kleineren Schneepflügen unterwegs, um auch die Wohnstraßen (70 Kilometer) vom Schnee zu befreien – für große Räum-Lkws reicht dort der Platz nicht. Hier gerät man allerdings mit den Anwohnern in Konflikt, deren geparkte Autos dann hinter Schneewällen stehen. Wolf: „Wir können den Schnee eben nicht weg zaubern.“ Aktuell sind Mitarbeiter des Fuhramts mit einem Teleskopradlader und zwei Lkws im Altstadtbereich unterwegs, um den Schnee von den Plätzen abzutransportieren. Der Freitag soll schneefrei bleiben, für Samstag werden weitere Schneefälle erwartet.

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Kommentare (14)

  • Stefan

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    Ich frag mich ja, was passiert, wenn dann mal Winter ist. Nun, mal ohne Spaß: In den Landkreisen, in denen dieses „Winter“ häufiger auftritt (bin selbst aus dem Bayrischen Wald), wird seit anfang der Frostperiode gesalzen. Bei vergleichbaren Schneefallmengen wie in Regensburg sind dort die Straßen einfach (meist und viel früher) frei. Im Stadtgebiet Regensburg muss man sich schon fragen, ob hier generell vor 1.1. kein Salz ausgebracht wird, weil es sonst Ende Februar wieder ausgehen könnte. Natürlich ist Wetter ein unvorhersehbarer Faktor, aber ich bin mir bereits jetzt schon sicher, dass diese Jahr schon einige Unfälle verhindert hätten werden können, wenn Regensburg seinen Winterdienst ordentlich planen würde.

  • Der Sirko

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    Man könnte ja mal die RVV- und Taxi- Lobbyisten überstimmen und die umliegenden Bahnstrecken mit S-Bahn- Linien versehen. Da kommt man zuminders noch ein bisschen voran…

  • domiNO

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    @dersirko
    Selten so nen Quatsch gelesen.
    Ab übermorgen – mit dem Fahrplanwechsel – haben Sie ohnehin einen sogenannten S-Bahn-ähnlichen Verkehr, selbstverständlich im RVV integriert. Fraglich bleibt, wo Sie von Graß, dem Wernerwerk, der Universität oder dem Ziegetsberg aus in einen Zug einsteigen wollen, der Sie dann in Richtung Innenstadt bringt – oder auch in die andere Richtung.
    Wer den Betrieb eingestellt hat, war übrigens nicht der RVV, sondern einer der Auftragnehmer (RVB) – diesen Unterschied wollen Sie aber gar nicht wahrhaben.

  • Der Sirko

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    Na da bin ich ja mal auf den neuen Fahrplan gespannt!

    Mir gehen bloß die vielen verzweifelten Gesichter, die ich gestern in der Stadt gesehen habe, nicht aus dem Kopf. Ob RVV oder RVB: Die Leute wussten nicht weiter…

  • gifthaferl

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    Wer den Betrieb eingestellt hat, war übrigens nicht der RVV, sondern einer der Auftragnehmer (RVB) – diesen Unterschied wollen Sie aber gar nicht wahrhaben.
    domiNO

    Genau das ist überhaupt der entscheidende Punkt:
    Wer nicht zu jedem Zeitpunkt exakt hersagen kann, welche Gesellschaft ihn nun NICHT befördert, der soll das Maul halten und zu Hause bleiben!

  • peter sturm

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    habe heute auf dem weg in die arbeit etliche gemietete baufahrzeuge(lader) und lastwagen gesehen, die schnee aufluden und wegschafften.
    jetzt wurde wohl der ernst der lage verstanden.

  • domiNO

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    @gifthaferl
    ich gehe davon aus, dass Vorwürfe an die falsche Adresse niemandem helfen und allenfalls die Stimmung aufheizen. Auch wenns natürlich einfacher ist, einen Generalschuldigen zu haben, wie bei vielen anderen Themen. Und das wundert mich fast schon, dass hier noch niemand den OB zum Rücktritt aufgefordert hat. Dass die RVB den Verkehr eingestellt haben, stand in dem Artikel, der hier kommentiert wurde, hierzu braucht man also keine hellseherischen Fähigkeiten. Und im Zweifel, was spricht dagegen, nicht gleich zu jedem Thema seine Ahnungslosigkeit hinauszuposaunen? Etwa aufkommende Langeweile oder gar das Gefühl, auch mal mit mir einer Meinung zu sein?

  • Zaungast

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    Das Thema bleibt immer noch aktuell. Aber wo ist der OB?

    Sollte das Chaos nicht langsam zur Chefsache werden, nachdem der Praktikant im Bürgermeisteramt die Sache offensichtlich nicht im Griff hat?

  • Jochen Schweizer

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    Die betroffenen Bürger, die von der Schneeräumung nun ausgeschlossen werden, da diese in Straßen 3. Ordnung wohnen, sollten den Praktikanten von der SPD im Bürgermeisteramt schrifltich darauf hinweisen, dass es im Winter zu Schneefällen kommen könnte, und dies auch in Regensburg.
    Eventuell wurde diese Möglichkeit verdrängt oder Ausgeschlosssen.

  • blauer Tintenklecks

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    Typisch Regensburg, die Stadt wird von einem Haufen Unfähiger gelenkt. In der Selbstdarstellung sind sie gut, die Herren Ober- und Bürgermeister, aber ihren Aufgaben nachkommen tun sie nicht. Wie sonst ist dieses Schneechaos vorstellbar?!
    Bestes Beispiel: Gestern Abend kündigten die Medien hefitgen Schneefall über Nacht an. Die Konsequenz der Stadt? – Keine. Und so durfte man sich heute Vormittag und darf sich noch immer durch den Schnee quälen – und zwar auf Straße 1. Ordnung (die also Vorrang haben sollten), auf denen der Schnee ca. 15 cm hoch liegt. Als Beispiel seien die Kirchmeierstraße und die Landshuter Straße genannt.
    War da nicht was? Ja, der Wetterdienst hatte genau diese 15 cm vorhergesagt. Wenn aber genau diese Schneehöhe auf der Straße liegt, dann heißt das doch, dass die Stadt nicht geräumt hat. Gerade ob der Ankündigung wäre die Stadt aber in der Pflicht gewesen, vor Beginn des Berufsverkehts zumindest die Hauptstraßen zu räumen. Offensichtlich sitzten die Bürgermeister und Oberbürgermeister aber lieber im warmen Büro, statt sich um ihre Einwohner zu kümmern. Und Unfälle ihrer Bürger (heute fuhren schon mehrere Krankenwagen und Polizeiwagen mit Blaulicht an meiner Arbeitsstelle vorbei) nehmen die Herrschaften offenkundig in Kauf. Das ist nicht mehr traurig, das ist ein Skandal.

  • grace

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    Wo issn eigentlich die „Nationale Salzreserve“,
    die Verkehrsminister Ramsauer (CSU)
    vor 10 Monaten in Aussicht gestellt hat?
    Weiss BM Wolbergs etwas davon?

    Kalendarisch ist noch nicht mal Winteranfang und schon is Salz sehr knäpplich.
    Hmm, etwa vergessen-verrechnet-verkalkuliert?

    Macht nix, auch der Herr MP hat so seine liebe Mühe mit den Zahlen (z.B. im TV)

    Das kann ja heiter werden bei soviel Kompetenz

  • Pragmatiker

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    Ich hab vor ein paar Tagen mit einem leitenden Stadtangestellten gesprochen, der regelmäßig mit dem Fahrrad zur Arbeit fährt… auch der schüttelt bloß noch den Kopf über den ignoranten und untätigen Wolbergs, seinen „Kopf-in-den-Sand“-Kurs und die meterhoch mit Schnee bedeckten Radwege.

    Eine volle Woche hat es nicht geschneit – und die städtischen Schneeräumer feierten eine volle Woche lang Pause. Toll. Seit heute schneit es wieder, und Wolbergs jammert bestimmt bald wieder über das „Schneechaos“ und „höhere Gewalt“.

    Und die Radwege bleiben unbenutzbar bis Ende April… wetten? Danke, Herr Wolbergs! Ich weiß jedenfalls, wer bei den kommenden Bürgermeisterwahl meine Stimme NICHT kriegt.

  • Jochen Schweizer

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    Sehr geehrte Regensburgerinnen und Regensburger,

    ein funktionierender Winterdienst hätte eine bedarfsgerechte Planung der verfügbaren Kräfte, Mittel und Zeitansätze vorausgesetzt. Dies ist in Regensburg offentsichtlich nicht geschehen. Warum dies nicht geschehen ist und man nach der Devise verfuhr es hat letzten Winter geklappt, dann wird es auch diesen Winter klappen, muß sich jede Bürgerin und Bürger selber fragen.
    Jedenfalls häte jeder smarte Abiturent, ohne Berufsaubildung aber mit Führerschein die gleiche Leistung erbracht als 3. Bürgermeister und Verantworltichen für den Winterdienst.

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