Gute Arbeit, gute Rente

Belegschaften und IG Metall machen mobil für gute Arbeit und flexible Übergänge in die Rente Regensburg 5.11.12 – Die IG Metall Regensburg hat von Arbeitgebern und Politik mehr altersgerechte Arbeitsplätze und flexible Ausstiegsmöglichkeiten aus dem Arbeitsleben gefordert. „Ohne altersgerechte Arbeitsplätze ist die Rente mit 67 nichts weiter als ein Rentenkürzungsprogramm. Die Beschäftigten brauchen Arbeitsplätze, die Älteren ermöglichen gesund bis zur Rente arbeiten und zu fairen Bedingungen aus dem Erwerbsleben aussteigen zu können, sagte Jürgen Scholz 1. Bevollmächtigter der IG Metall Regensburg am 5.11.12 in Regensburg. Deshalb werde die IG Metall die Betriebe in den kommenden Wochen im Rahmen der Kampagne „Gute Arbeit – gut in Rente“ auf den Prüfstand stellen. „Mit vielfältigen Aktionen werden Belegschaften in der Woche vom 5. bis 9. November 2012 der Forderung nach einer altersgerechten Arbeitsgestaltung und einer Demografie-sensiblen Personalpolitik Nachdruck verleihen“, kündigte Jürgen Scholz an. Es wird z.B. bei Continental durch Infostände Musterrentenbescheide und Flyer verteilt. Weiter findet eine Fotoaktion statt, in der die Mitarbeiter kurze Stellungnahmen auf Plakaten zur Rente mit 67 abgeben können. Forderung an die Betriebe „In vielen Betrieben stoßen die Belegschaften an die Grenze dessen, was sie leisten können. Wir brauchen ein Umdenken in den Unternehmen, sonst ist der demografische Wandel nicht zu schaffen“, forderte Jürgen Scholz. Notwendig sei dafür etwa eine bessere Arbeitsorganisation mit mehr Teamarbeit für Junge und Ältere sowie eine Arbeitszeitgestaltung, die Rücksicht auf die Bedürfnisse älterer Beschäftigte nehme. Zudem gebe es viele Möglichkeiten für ergonomische und technische Verbesserungen am Arbeitsplatz, die nach wie vor unzureichend eingesetzt werden. Betriebe, die nicht für altersgerechte Arbeitsplätze sorgten, müssten an den Kosten beteiligt werden. Notwendig sei ein demografischer Interessenausgleich, sagte Jürgen Scholz. IG Metall-Befragung Eine aktuelle Befragung unter Betriebsräten der IG Metall belegt, dass Unternehmen kaum Rücksicht auf die Bedürfnisse alternder Belegschaften nehmen. Im Organisationsbereich der IG Metall sind aktuell lediglich 3,8 Prozent der Beschäftigten über 60 Jahre und nur knapp ein Prozent der Beschäftigten über 63 Jahre alt. In 92 Prozent der Betriebe gebe es „selten“ oder „nie“ Maßnahmen zur altersgerechten Arbeitsgestaltung. „Unter diesen Bedingungen ist es kein Wunder, dass die Zahl der Beschäftigten aus rentennahen Jahrgängen in den Betrieben äußerst gering ist“, sagte Jürgen Scholz. Fast 80 Prozent der befragten Betriebsräte gehen davon aus, dass die Beschäftigten das gesetzliche Rentenalter nicht gesund erreichen können. Nicht einmal jedes dritte Unternehmen betreibt eine mittelfristige Personalplanung, die den demografischen Wandel berücksichtigt. Unter solchen Bedingungen auf der Rente ab 67 zu beharren oder öffentlich über weitere Anhebungen der Regelaltersgrenzen zu spekulieren, sei verantwortungslos, sagte Jürgen Scholz. Forderung an Politik „Die Politik darf die betriebliche Realität in der Debatte um die Rente mit 67 nicht weiter ignorieren. Das ist sie den Beschäftigten schuldig und daran misst sich auch die Glaubwürdigkeit der Parteien vor allem mit Blick auf die anstehende Bundestagswahl“, sagte Jürgen Scholz. Schafften die Betriebe nicht genügend altersgerechte Arbeitsplätze, so müsste die Rente mit 67 von der Politik ausgesetzt werden.

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