Nach Donau, Hunden und den Bauern...

Hitze! Jetzt hat es die Justiz erwischt! +++UPDATE+++

Like Ice in the Sunshine: Das Schwert der Justitia am Haidplatz knickt unter der Hitzewelle ein (irgendwie zumindest…).

Aus ist's mit dem harten Urteilen: Justitia wurde ihrer Waffe beraubt. Foto: Danzl

Aus ist’s mit dem harten Urteilen: Justitia wurde ihrer Waffe beraubt. Foto: Danzl

120 Gulden hat sie gekostet, als sie 1659 im gleichnamigen Brunnen aufgestellt wurde: die Statue der Justitia am Haidplatz. Und es ist eine gnadenlose Göttin der Justiz, die der Bildhauer Leoprand Hilmer dort hingestellt hat, wo heute das Verwaltungsgericht residiert: Die Augenbinde, landläufig als Symbol dafür interpretiert, dass die Justiz unbeeinflusst von Herkunft, Ansehen, Macht, Hautfarbe, Geschlecht oder religiösen Anschauungen urteilt, fehlt.

Ein schwerer Fall von Rechtsbeugung

Das kann man nun als Symbol dafür nehmen, dass die hier ansässige Justiz ganz besonders genau hinschaut oder aber dafür, dass es eben nicht so unabhängig zugeht im Verwaltungsgericht. Die Interpretationen gehen je nach Gusto auseinander. Doch egal wie Justitia auch urteilt: Zumindest hat sie ein mächtiges Richtschwert, um jedwede Strafe mit der entsprechenden Härte durchzusetzen. Oder besser: hatte. Ein schwerer Fall von Rechtsbeugung hat sich nämlich ereignet.

Nach der Donau, die gerade „austrocknet“, Hündchen, die sich auf dem heißen Pflaster ihre Pfötchen verbrennen und Bauern, die Ernteausfälle fürchten ist nun auch die Justiz Opfer der Hitzewelle geworden und wurde ihrer Waffe beraubt: Justitias Schwert ist – offenbar ob der heißen Temperaturen – eingeknickt.

Wieder einmal unbewaffnet

Bei der Stadt Regensburg ist man nun bemüht, herauszufinden, aus welchem Material besagtes Schwert gefertigt wurde und wie man Ersatz beschaffen kann. Ohnehin ist es nicht das erste Schwert, dessen die Haidplatz-Justitia verlustig ging: Sie stand schon öfter ohne Waffe da. Wir werden das Ergebnis der städtische Informationssuche hier ergänzen.

Nachtrag: Unsere Kollegen von der Mittelbayerischen Zeitung haben das Thema jetzt knallhart nachrecherchiert und herausgefunden: Das war nicht die Hitze. Das wurde hingebogen. 

Nachtrag II: Die Pressestelle der Stadt Regensburg bringt es an den Tag. Mittelbar war doch die Hitze schuld, in Form eines Glutbürgers. Hier die Stellungnahme der Stadt Regensburg:

Die Hitze der vergangenen Wochen ist daran höchstens mittelbar schuld, indem sie evtl. jemandem zu Kopf gestiegen ist. Bei der Beschädigung des Schwertes handelt es sich nämlich eindeutig um mutwillige Sachbeschädigung. Jetzt muss das Eisen-Schwert abgenommen und von einem Kunstschmied neu geschmiedet sowie mit Rostschutz versehen werden. Dabei wird das Amt für Archiv und Denkmalpflege natürlich mit eingebunden.

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Kommentare (7)

  • Veronika

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    Wie das mal wieder symbolischer Weise passt! Regenburg hats doch so mit dem Symbolischen und Katholischen! Seid nur froh, dass es keine Statue mit marxistischer Grußfaust ist, die sich nicht nur geboten sondern auch noch entfaltet hätte.

  • Jürgen Rei

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    Man könnte es ja durch ein Gummi-Schwert ersetzen. Dann würde es 1:1 die Rechtsprechung der Regensburger Richter wiederspiegeln

  • erich

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    hier einige Zitate zum Thema Justiz:

    „In den konkreten Fragen ihres individuellen Lebensschicksals von meist existentieller Bedeutung begegnen die Menschen einer von der gnadenlosen Härte abstrakter Ideologien geprägten Rechtsordnung. So werden sie in ihrem ureigensten Privatbereich zum Spielball und Opfer des jeweils staatlich verordneten ‚Zeitgeistes‘. Seine Flüchtigkeit hüllt sich in den trügerisch tarnenden Mantel der Wahrheit mit Absolutheitsanspruch.“
    Zitat: Wolfgang Zeidler

    „Das Gesetz ist das Eigenthum einer unbedeutenden Klasse von Vornehmen und Gelehrten, die sich durch ihr eignes Machwerk die Herrschaft zuspricht. Diese Gerechtigkeit ist nur ein Mittel, euch in Ordnung zu halten, damit man euch bequemer schinde; sie spricht nach Gesetzen, die ihr nicht versteht, nach Grundsätzen, von denen ihr nichts wißt, Urtheile, von denen ihr nichts begreift.“
    Zitat: Georg Büchner

    „Ich war von 1973 bis 2004 Richter am Landgericht Stuttgart und habe in dieser Zeit ebenso unglaubliche wie unzählige, vom System organisierte Rechtsbrüche und Rechtsbeugungen erlebt, gegen die nicht anzukommen war/ist, weil sie systemkonform sind. Ich habe unzählige Richterinnen und Richter, Staatsanwältinnen und Staatsanwälte erleben müssen, die man schlicht „kriminell“ nennen kann. Sie waren/sind aber sakrosankt, weil sie Par Ordre Du Mufti gehandelt haben oder vom System gedeckt wurden, um der Reputation willen. […] In der Justiz gegen solche Kollegen vorzugehen, ist nicht möglich, denn das System schützt sich vor einem Outing selbst – durch konsequente Manipulation. Wenn ich an meinen Beruf zurückdenke (ich bin im Ruhestand), dann überkommt mich ein tiefer Eckel vor ‚meinesgleichen‘.“
    Zitat: Frank Fahsel

  • Dennis Aigeldinger

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    Kommentar gelöscht. Rassistische Hetzer sind hier unerwünscht.

  • Birgit

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    Sachbeschädigung ist in jeder Form zu verurteilen. Der Staat könnte hier viel Geld sparen, indem er die quasi-inexistente Justitia am Haidplatz gleich abschaffen würde. Sie wird nur in einem
    Rechtsstaat gebraucht.

  • Tobias

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    Das ist nicht gerade das, was ich von der Überschrift erwartet hatte. Unerwartet witzig geschriebener Artikel! :-)

  • Mr. T

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    Vielleicht sollte man da in Zukunft auf ein Schwert verzichten und etwas friedlicheres nehmen, wie einen Blumenstrauß oder so. Auf jeden Fall entwaffnen – sozusagen eine demilitarisierte Justitia. Ein Dildo wär auch nicht schlecht. Die Mittelmäßige könnte ja einen Ideenwettbewerb starten im Sommerloch. Und wenns unbedingt ein Schwert sein muss, dann wenigstens ein Laserschwert, dass nachts leuchtet.

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