In schlechtem Deutsch für deutsches Blut

Nazis hetzen gegen Regensburg

„Kein Deutsches (sic!) Blut durch Fremde (sic!) Täter.“ Das nazistische „Freie Netz Süd“ bejammert derzeit eine angebliche „Ausländergewalt“ in Regensburg. Die vermeintlichen Angriffe sind zum Teil frei erfunden und dürften in den Bereich der Volksverhetzung fallen. Es ist nicht das erste Mal, dass dies folgenlos für die Nazis bleibt.
Gescheiterter Nazi-Aufmarsch am 11. Mai in Regensburg. Auf der Seite des Freien Netz Süd findet sich dazu kein Sterbenswörtchen. Stattdessen werden irgendwelche Angriffe erfunden. Foto: as

Gescheiterter Nazi-Aufmarsch am 11. Mai in Regensburg. Auf der Seite des Freien Netz Süd findet sich dazu kein Sterbenswörtchen. Stattdessen werden irgendwelche Angriffe erfunden. Foto: as

Für Neonazis ist Regensburg kein gutes Pflaster: Es gibt das immer breiter werdende Bündnis „Keine Bedienung für Nazis“. Der Zusammenschluss „Kein Platz für Nazis“ schafft es immer wieder und auch kurzfristig, Widerstand gegen geplante Aufmärsche zu organisieren. Die Forderung nach der Veröffentlichung der Aufmarschrouten hat mittlerweile den Stadtrat erreicht und findet dort – abgesehen von der CSU – bei fast allen Fraktionen Zustimmung. Zuletzt gab es – trotz Diffamierungsversuchen des „Verfassungsschutzes“ – sogar lobende Worte des Sozialbürgermeisters für 300 Demonstranten, die einen Aufmarsch des „Freien Netz Süd“, mit der größte Zusammenschluss gewalttätiger und zu einem großen Teil vorbestrafter Nazis in Süddeutschland – erfolgreich stoppen konnten. Der gesellschaftliche Konsens in Regensburg ist – trotz gehöriger Meinungsverschiedenheiten auf anderen Gebieten – sehr breit: Und während vor knapp zehn Jahren ein CSU-Bürgermeister noch Gegendemonstranten beschimpfte, finden sich heute auch CSU-Stadträte unter denselbigen. Dass dies den „Kameraden“ stinkt, ist offensichtlich.

Steckbriefe und Heldenverehrung, Hetze und Märchen

Auf der Seite des Freien Netz Süd wird (FNS) gegen „Keine Bedienung für Nazis“ geätzt, man zeigt sich mitfühlend mit dem Holocaustleugner Richard Williamson und hetzt mit viel Eifer gegen Flüchtlingsunterkünfte und deren Bewohner. Es erscheinen Steckbriefe von Journalisten, Politikern und Gewerkschaftern – ein Vertreter der verdi-Jugend wurde nach der Veröffentlichung seines Fotos und Namens von zwei Unbekannten zusammengeschlagen. Laut Beschreibung handelte es sich offensichtlich um Neonazis. Für die Betreiber des Internet-Auftritts – derzeit findet sich im Impressum der bekannte Neonazi Roy Asmuß – bleiben die Veröffentlichungen bislang folgenlos. Nun versuchen die „Kameraden“ Regensburg zum Propaganda-Feld unter dem Motto „Kriminelle Ausländer“ zu machen. Dabei wird nicht nur – wie ohnehin üblich – die Wahrheit verzerrt dargestellt. Es werden auch offensichtliche Lügen verbreitet, die möglicherweise unter den Bereich der Volksverhetzung fallen.

Aus dem Deutschen wird ein Türke

Bereits der Aufmarschversuch am 11. Mai hatte die am gleichen Tag geschehene vermeintliche Messerattacke eines, so das FNS, „türkischen Täters“ gegen einen „jungen Nationalisten“ in der Albertstraße zum Anlass genommen. Tatsächlich handelt es sich bei dem 28jährigen Opfer um einen polizeibekannten und mehrfach – wegen Gewalttaten und Sexualdelikten – vorbestraften rechtsradikalen Schläger, der zusammen mit zwei Freunden sturzbetrunken in den Bus stieg. Dort kam es dann zunächst zu Diskussionen mit einem 38jährigen, der sein Gegenüber schließlich durch zwei Messerstiche verletzte. Derzeit ermittelt die Polizei gegen ihn wegen versuchten Totschlags. Was die Propagandisten des FNS verschweigen: Der Täter ist deutscher Staatsbürger.

Mit Strafanzeige und Steckbriefen gegen Journalisten

Doch flugs wurde ein eigenes Logo entworfen, auf dem unter anderem zu lesen ist „Kein Deutsches (sic!) Blut durch Fremde (sic!) Täter“. Fremdes Blut durch deutsche Täter scheint es demnach wohl schon sein zu dürfen. Unter demselben Motto stand auch der gestoppte Aufmarsch am selben Tag in Regensburg. Der Berichterstattung darüber (das Freie Netz Süd schweigt sich zu der Schlappe für die Neonazis aus), versucht man derzeit durch Einschüchterung zu begegnen.
Fühlt sich in seiner "Ehre" verletzt: Der Neonazi Marcel Finzelberg. Foto: wt

Fühlt sich in seiner „Ehre“ verletzt: Der Neonazi Marcel Finzelberg. Foto: wt

Der Neonazi und Anti-Antifa-Fotograf Marcel Finzelberg etwa prügelte vor mehreren Zeugen auf Gegendemonstranten ein, versucht aber nun gegen unsere dementsprechende Berichterstattung per Strafanzeige vorzugehen. Ebenfalls kurz darauf veröffentlichte das Freie Netz Süd weitere Steckbriefe von Journalisten, die bei dem Aufmarsch anwesend waren.

Frei erfundener Mordversuch

Um dem Ganzen noch die Krone aufzusetzen, erschien wenige Tage später ein Bericht über einen „erneuten antideutschen Mordversuch in Regensburg“. Angeblich soll – ein „osmanischer Täter“ – den Mitarbeiter einer Tankstelle mit einem Messer attackiert haben. „Der kriminelle Ausländer stellte sich am darauf folgenden Tag der Polizei“, heißt es weiter in dem Text beim Freien Netz Süd. Tatsächlich scheint dieser Bericht frei erfunden zu sein.
Hetzerisch, gelogen: Propaganda-Logo des Freien Netz Süd.

Hetzerisch, legasthenisch, gelogen: Propaganda-Logo des Freien Netz Süd.

Weder bei der Regensburger Kripo noch beim Staatsschutz weiß man etwas von einer wie auch immer gearteten Attacke, geschweige denn einem Täter, der sich der Polizei gestellt haben soll. „Was dort steht, ist die Unwahrheit“, so ein Polizeisprecher.

Die Hetzer bleiben unbehelligt

Angesichts der rassistischen Ressentiments in dem Text könnte es sich dabei durchaus um Volksverhetzung handeln. Doch das wäre nicht das erste Mal, dass das Freie Netz Süd hetzerische und strafrechtlich relevante Texte veröffentlicht und unbehelligt bleibt, obwohl die Verantwortlichen – anders etwa als im Fall der Hetzseite kreuz.net – per Impressum klar zu identifizieren sind.

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Kommentare (11)

  • Peter

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    Leider weiß man die „Wahrheiten“, welche durch Medien verbreitet werden nicht richtig einzuschätzen, um sich ein eingenes Bild erschaffen zu können. Ich bin weder politisch aktiv noch schlage ich mich zu einer sozialen Randgruppe, aber alle möchten Meinungsfreiheit, also soll man diese auch allen gewähren, ob und wie dies zu einer persönlichen Einstellung steht ist jeden frei zu stellen.

    Medien, welche Unwahrheiten verbreiten, ehrnten auch Unwahrheiten, das Prinzip der Gleichheit. Wer hat jetzt Recht?

  • Jürgen Huber

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    … im Zweifelsfalle würde ich sagen, jener hat Recht, der wenigstens die deutsche Rechtschreibung beherrscht. Im Zweifelsfalle mit Hilfe eines Software-Programmes.

  • 04.06.2013 … Presseschau — Antifa Netzwerk

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    […] “Kein Deutsches (sic!) Blut durch Fremde (sic!) Täter.” Das nazistische “Freie Netz Süd” bejammert derzeit eine angebliche “Ausländergewalt” in Regensburg. Die vermeintlichen Angriffe sind zum Teil frei erfunden und dürften in den Bereich der Volksverhetzung fallen. Es ist nicht das erste Mal, dass dies folgenlos für die Nazis bleibt. (regensburg-digital) […]

  • AnnaF

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    Zum einen: Das is meiner laienhaften Meinung nach klar Volksverhetzung. Hat jemand eine Anzeige gestellt? Wer könnte das machen, falls Nein.
    Die mangelnden Deutschkenntnisse sind noch das Harmloseste, was man den Neonazis vorwerfen kann (aber halt immer wieder so saupeinlich).

    Was zum anderen aber Unsinn is, das is das Argument von Peter: Toleranz auch für Nazis.
    Ich war 1991 in GB an einer Uni, dort studierte ein Aktivist der National Front. Es war klarer Konsens (bei den britischen StudentInnen und auch solchen mit anderen Pässen): Dieser Student hat kein Recht auf freie Meinungsäußerung, weil er und seine „Kameraden“ alles tun würden, um missliebigen Personen das Maul zu verbieten, zu stopfen etc.
    Bei Neonazis tolerant sein zu wollen, ist wirklich falsch verstandene Demokratie. Wo bleibt der Ruf nach Toleranz, wenn mal jemand ohne deutschen Pass Mist baut?
    Stichwort: Erst wenn auch Ausländer Arschlöcher sein dürfen, haben wir eine wirklich tolerante Gesellschaft – und auf diesen Sinneswandel im Land werden wir noch lange warten können!
    Ich hoffe, ich spreche für die Mehrheit der LeserInnen des Blogs – und DANKE für die guten Hintergrundberichte, grad zum Thema Nazis.

  • Abi91

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    @ Jürgen Huber,
    ich weiß zwar nicht ob Sie der Jürgen Huber sind, der für die Regensburger Grünen als OB-Kandidat antreten will?

    Aber ihre Logik „..jener hat Recht, der wenigstens die deutsche Rechtschreibung beherrscht. Im Zweifelsfalle mit Hilfe eines Software-Programmes“ ist schon ungewöhnlich.

    Haben sie schon mal das Ergebnis eines entsprechendes Programms auf die Qualität überprüft?

    Wenn Sie dann immer noch dieser Meinung sind, finde ich einen Abiturienten mit bestandener Führerscheinprüfung, als OB-Kandidat vielleicht noch überzeugender.

  • AnnaF

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    Als Fachfrau muss ich mich da schon nochmal einmischen:

    Die Kenntnisse in Rechtschreibung sollten meiner Meinung nach ned darüber entscheiden, wer Recht hat und wer nicht. Sie sind aber hilfreich, wenn man sich verständlich ausdrücken will. Ein paar Grundlagen in Grammatik und Satzbau schaden da auch ned.
    Auffällig ist ja schon, dass die Neonazis gern über die mangelnde Integrationsbereitschaft von Menschen mit Migrationshintergrund schimpfen, selber sind sie aber oft nicht in der Lage, sich den Gepflogenheiten der deutschen Sprache anzupassen (das mag aber weniger an fehlendem Willen, sondern an entsprechend flachen Horizonten liegen – aber das ist nur eine Vermutung … Von der Anpassung an Werte wie Demokratie und Toleranz ganz zu schweigen.

  • Silvia Gross

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    Rassismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen.

  • StuhloderSessel

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    Zur Forumsdebatte:
    Legasthenie ist kein Makel. Es ist nicht schlimm, Defizite in Sachen Satzbau, Rechtschreibung oder grundlegender Grammatik zu haben.

    Die mörderische Hetze der Nazis ist das Problem. HetzerInnen kümmern sich in der Regel weniger um die Form ihrer Mitteilung. Es geht den RassistInnen um die möglichst eindringliche Sendung ihrer menschenfeindlichen Botschaft. Da spielt „richtiges Deutsch“ keine Rolle.

    AntifaschistInnen sollten sich davor hüten, den (Sprach- oder sonstwie-)diskriminierenden Spieß umzudrehen. Wichtig ist die Botschaft, der Inhalt, einer Mitteilung.

    Es ist leider völlig egal, das zeigt die Realität, ob Nazis „gutes Deutsch“ beherrschen, „arisch aussehen“ , heterosexuell sind oder „rank und schlank“ sind. Sie bereiten Morde vor und morden. Das ist das Problem. Alles andere sollte aufgeklärten Menschen recht egal sein.

    Schade, dass regensburg-digital den Nazibanner 1zu1 veröffentlicht. Auch die Unterschrift geht, aus genannten Gründen, am Thema vorbei.

    Zum Artikel:

    Die Anzeige des Nazischlägers Finzelberg reiht sich ein in eine, u.a. vom sog. „Deutschen Rechtsbüro“ betreute, Einschüchterungs- und Schnüffelkampagne der organisierten Nazis.
    Dabei geht es den Nazis u.a. auch darum, Namen und Adressen der behelligten JournalistInnen und AntifaschistInnen zu bekommen. In der Vergangenheit hatten die Anti-Antifa-Kommandos damit auch sattsam Erfolg: Ermittlungsbehörden gaben in vielen Fällen die persönlichen Daten der Nicht-Nazis bereitwillig weiter.

    Von der oft funktionierenden Einschüchterung abgesehen, tariert die Naziorganisierung damit auch ihr Kampffeld im „demokratischen“ Rahmen aus.
    Selbiges im Versammlungsrecht, Strafrecht etc.
    Jeder Zentimeter Platz für diese öffentlichen Nazi-Organisierungen (siehe Regensburg ; Ordnungsamt; Staatsschutz; Stadtpolitik) wird von den erfahrenen Kadern auch genutzt. Fischer, Kempken, Gentsch, Schwab, Schmaus, Rausch, Bordin etc. sind keine dummen „legasthenischen“ Dorfnazis.
    Das sind hochausgebildete und freidrehende Nazikader, die seit z.T. Jahrzehnten organisieren, aktivieren und zuschlagen. Unter den Augen der Behörden, natürlich.

    Gut, dass regensburg-digital sich da nicht einlullen lässt. Eine solche Publikation wünsche ich jeder von Naziorganisierung betroffenen Stadt.

  • Mr. T

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    „Erst wenn auch Ausländer Arschlöcher sein dürfen, haben wir eine wirklich tolerante Gesellschaft“
    Der Satz gefällt mir verdammt gut – und auch das Fazit dazu sehe ich genauso.
    Ansonsten ist es natürlich nicht unbedingt so, dass der Recht hat, der am rechtesten schreibt, am lautesten schreit oder die höchsten Kirchtürme hat, aber ein gewisses Maß an Debilität ist schon zu erkennen (nicht nur durch den Inhalt), wenn man eine öffentliche Verlautbarung ohne mehrfache Überprüfung raushaut – das würde nicht mal ein Germanistikprof machen. Und das muss man auch den angeblich so intelligenten Führungskadern anlasten.

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