Ökologisch oder nur ästhetisch? Pflasterstreit in Regensburg Königswiesen Süd
Anwohner der Nicolaus-Gallus-Straße begehren auf, weil ihre gepflasterte Straße asphaltiert werden soll. Sie pochen auf die klimatischen Auswirkungen durch Versickerung. Eine solche finde schon jetzt kaum statt, sagt die Stadt und verweist auf die hohen Kosten.

In der Nicolaus-Gallus-Straße regt sich Widerstand gegen die geplante Asphaltierung. Foto: as
Als die Münchner Planungsgesellschaft TOPOS 1980 den städtebaulichen Wettbewerb für das neue Stadtviertel Königswiesen Süd gewann, war sie ihrer Zeit voraus. Hier setzten Planer erste Prinzipien der Schwammstadt um – in einer Epoche, als der Klimawandel nur Fachleuten geläufig war und der Begriff „Schwammstadt“ noch keiner kannte.
Üppige Grünflächen und Wasser in vielen Formen prägen das über 40 Hektar große Quartier. Sie lassen Regen versickern, spenden Verdunstungskühle und dämpfen die Hitze. Eine weitere Besonderheit: Nur die Hauptverkehrsstraßen sind asphaltiert, die Nebenstraßen wurden gepflastert. Das ändert sich nun Schritt für Schritt – und dagegen regt sich in der Nicolaus-Gallus-Straße Widerstand.
Anwohner pochen auf Schwammstadt-Prinzip
Ihre Straße soll – wie schon der Tassiloweg und der Welfenweg – asphaltiert werden. Es ist Teil des Straßenerhaltungsprogramms der Stadt Regensburg, das der Stadtrat am 26. März einstimmig beschlossen hat. Weil für Glasfaserarbeiten der Untergrund ohnehin geöffnet wurde, will man die Asphaltierung gleich mit erledigen.

Die Bebauung von Königswiesen Süd bildet einen Kontrapunkt zu den Hochhäusern in Königswiesen. Foto: Stadt Regensburg
47 Unterschriften haben die Anwohner gesammelt – bei 42 betroffenen Häusern. Von Partikularinteressen einiger weniger will Manuela Peisl-Gunckel nichts wissen. „Am Ende geht es hier nicht nur um die Nicolaus-Gallus-Straße, sondern um ganz Königswiesen Süd.“
Asphalt statt Pflaster sei mehr als eine optische Veränderung. Versickerung fiele weg, das wirke aufs Mikroklima im Viertel. „Die Koalition hat sich auf die Fahnen geschrieben, das Prinzip der Schwammstadt zu stärken. Das fordern wir ein.“
Neben den befürchteten Klimaeffekten verweisen die Anwohner auf den Charakter der Straße. Eine Asphaltierung störe den harmonischen Gesamteindruck und verleite – anders als Pflaster – zu schnellerem Fahren.
CSU blitzte mit Antrag ab
Die CSU griff das Thema auf. In einem Dringlichkeitsantrag Anfang Juli forderte die Fraktion, die Pflasterung beizubehalten, „zumal, wenn die überwiegende Mehrheit der Anwohner dies wünscht“. Doch sie blitzte ab. Die Sache sei Angelegenheit der laufenden Verwaltung.

So sieht die bereits erfolgte Asphaltierung im Welfenweg aus. Foto: as
„Ich bin schon etwas verwundert darüber, dass sich die CSU jetzt an die Spitze der Entsiegelungsbewegung stellt“, reagiert Oberbürgermeister Thomas Burger. Er habe die CSU bei diesem Thema bislang als Bremser erlebt. „Da ist dann plötzlich jeder Parkplatz wichtiger.“
OB: „Einzige wirtschaftlich sinnvolle und dauerhafte Lösung.“
Er könne zwar nachvollziehen, dass einem die optische Veränderung durch die Asphaltierung etwas ausmache, sagt Burger. „Allerdings ist das die einzige wirtschaftlich sinnvolle und dauerhafte Lösung.“

So sieht die Pflasterung in der Nicolaus-Gallus-Straße aus. Foto: as
Die Straße neu zu pflastern koste rund 560.000 Euro und dauere drei Monate. Eine Asphaltierung dauere eine Woche und koste weniger als die Hälfte – 210.000 Euro. „Diese Mehrkosten zulasten der gesamten Bevölkerung lassen sich nicht rechtfertigen.“
Doch was ist mit den klimatischen Auswirkungen, die die Anwohner befürchten, und mit dem Schwammstadtprinzip?
Stadtverwaltung: Schon jetzt keine Versickerung
Hier mache Asphalt statt Pflaster so gut wie keinen Unterschied, argumentiert die städtische Pressestelle: „Entscheidend für die Versickerungsfähigkeit ist nicht allein die sichtbare Pflasterfuge, sondern der gesamte Straßenaufbau.“
In der Nicolaus-Gallus-Straße habe sich die oberste Lage der Frostschutzschicht – Sand – durch langjährige Nutzung und Wassereintrag stark verfestigt. „Dadurch ist bereits im Bestand keine nennenswerte Versickerung von Oberflächenwasser möglich, soweit diese Möglichkeit überhaupt jemals nennenswert bestanden hatte.“

Nach den Glasfaserarbeiten soll Mitte September der Asphalt folgen. Foto: as
Deshalb widerspreche die Maßnahme auch nicht dem Schwammstadtprinzip, das sich die aktuelle Regierungskoalition auf die Fahnen geschrieben hat. Dieses werde bei Neuplanungen und geeigneten Umgestaltungen berücksichtigt, „indem beispielsweise Flächen entsiegelt, Regenwasser zurückgehalten oder vor Ort versickert beziehungsweise genutzt werden kann“.
Bei der Nicolaus-Gallus-Straße handle es sich jedoch um eine Unterhaltsmaßnahme – Ersatz für teils marodes Pflaster. „Da über den bestehenden Straßenaufbau bereits bislang keine nennenswerte Versickerung von Oberflächenwasser möglich war, wird durch den Austausch des schadhaften Pflasterbelags gegen Asphalt keine Änderung herbeigeführt.“
Grünen-Chef: Ästehtische Frage, keine ökologische
Daniel Gaittet, Fraktionschef der Grünen, größte Kraft in der Koalition, sieht das ähnlich. „Durch den Unterbau versickert dort jetzt schon so gut wie kein Wasser, sondern landet am Ende im Kanal.“ Dort sei das durch Streusalz und Reifenabrieb verunreinigte Wasser auch gut aufgehoben. Die Asphaltierung sei eine ästhetische Frage, aber keine ökologische. „Und dann halte ich Kosten, die mehr als doppelt so hoch sind, nicht für gerechtfertigt.“
Im Bebauungsplan für Königswiesen Süd, der 1983 rechtskräftig wurde, gibt es laut Pressestelle keine Festsetzungen „hinsichtlich der Befestigung der Fahrbahnoberflächen“. Ob in Königswiesen Süd langfristig alle gepflasterten Straßen durch Asphalt ersetzt werden, lässt die Stadt offen.
Kein Plan fürs gesamte Quartier
Der Stadtratsbeschluss vom März zum Straßenunterhaltungsprogramm 2026 umfasst mehrere Straßenzüge, bei denen schadhafter Pflasterbelag durch Asphalt ersetzt wird. „Daraus lässt sich jedoch kein generelles Programm zur Asphaltierung des gesamten Quartiers ableiten.“ Man entscheide von Fall zu Fall.
Im Ferienausschuss will nun die AfD offenbar einen Dringlichkeitsantrag zur Pflasterung einbringen. Deren Bundesvorsitzende Tino Chrupalla und Alice Weidel haben erst kürzlich in den Sommerinterviews den menschengemachten Klimawandel geleugnet.
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Oleg
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Unsere Straße wurde auch von Pflaster auf Asphalt “umgestellt”.
Optisch ist es sicherlich etwas anderes (vorallem auch dann, wenn der Asphalt zum Flickenteppich wird). Auch ist der schwarze Asphalt deutlich heißer als das graue Pflaster.
Vorteilhaft am Asphalt ist, dass darüberrollende Fahrzeuge nicht mehr so viel Geräusche verursachen.
Das bei solch einem Pflaster kaum Wasser versickert, sollte eigentlich jedem klar sein. Es ist zwar positiv aber als Entscheidungsgrundlage einfach zu dünn.