Peterstorgraben: Ameise wehrt sich weiter

Die Bebauung lässt noch auf sich warten, dafür wird der Peterstorgraben langsam wieder zugemüllt.
Eigentlich ist am Stadtgraben am Regensburger Peterstor schon alles entschieden: Nach jahrelangem Hin und Her, Insolvenzen, Zwangsversteigerungen und Kritik von Denkmalpflegern soll dort gebaut werden. Über die Empfehlung des Gestaltungsbeirats, das Gelände frei zu lassen, hat sich die Stadt Regensburg hinweg gesetzt. Ende Mai wurde ein Architektenwettbewerb mit einem viel gelobten Siegerentwurf abgeschlossen. Der Guerilla-Gärtner Amaro Ameise alias Markus Frowein, der in den letzten Jahren das Areal bepflanzt, verschönert und von Müll befreit hatte und zuletzt immer wieder gegen eine Bebauung opponiert hatte, wurde derweil per Räumungsbefehl aus dem Graben verbannt. Der neue Eigentümer Andreas Astaller von der gleichnamigen Schierlinger Wohnbau GmbH sieht die frühere Kritik eher gelassen, spricht von einer sanften Planung und hatte eigentlich noch für Herbst den Spatenstich ins Auge gefasst.

Petition des Guerilla-Gärtners

Doch nun stockt das Ganze. Einen Spatenstich hat es noch nicht gegeben. Am heutigen Mittwoch beschäftigte sich der Ausschuss für Hochschule, Forschung und Kultur im Bayerischen Landtag mit den Plänen für das Peterstor. Und wie dort heraus kam, liegt offenbar noch kein Bauantrag für das Gelände vor.
Leistet weiter Widerstand gegen die Bebauungspläne: Amaro Ameise alias Markus Frowein. Foto: Archiv
Markus Frowein, der vom Stadtgraben vorerst nach Beratzhausen gezogen ist, hat eine Petition eingereicht, in der er fordert, das Gelände als „unbebaubare Naturfläche“ auszuweisen. Seine Begründung: Die übergroße Mehrheit der Regensburger sei gegen eine Bebauung. Oberbürgermeister Hans Schaidinger vertrete nicht die Interessen der Mehrheit, sondern die von wenigen Immobilienhändlern, so Frowein weiter. „Wie in einigen anderen Fällen wurde auch hier über die Köpfe der Einwohner und Anwohner entschieden. Bitte stellen Sie das ab“, lautet seine Bitte an die Landtagsabgeordneten.

Minister Heubisch: „Noch kein Bauantrag“

Der Ausschuss hat am Mittwoch dazu keine wirkliche Entscheidung getroffen. Es gibt allerdings eine Stellungnahme von Wissenschaftsminister Dr. Wolfgang Heubisch. „Nach Auskunft der Stadt Regensburg liegt derzeit noch kein Bauantrag für dieses neue Projekt vor“, heißt darin. Der Stellungnahme kann durchaus entnehmen, dass die obersten Denkmalwächter eine Bebauung nach wie vor kritisch sehen, dass hier aber die Stadt das letzte Wort hat. In der Vergangenheit hatte das Landesdenkmalamt ebenso wie der Gestaltungsbeirat empfohlen, auf eine Bebauung des Peterstorgrabens zu verzichten. „Die Stadt Regensburg hat sich aber dennoch dafür entschieden, eine Bebauung zuzulassen“, schreibt Heubisch. Tatsächlich war eine erste Baugenehmigung aus dem Jahr 2001 bereits verfallen. Die Stadt hatte diese aber nach dem Eigentümerwechsel erneuert.

Denkmalschutz: Nicht glücklich über Bebauung

Und so nahmen Vertreter des Landesamts an dem Architektenwettbewerb im Mai teil und trugen – zähneknirschend – den Siegerentwurf mit. Dieser Entwurf finde die Zustimmung des Landesdenkmalamts, „unter Berücksichtigung der von städtischer Seite getroffenen Entscheidung, eine Bebauung des Grundstücks zuzulassen“, so Heubisch. Im Rahmen des Genehmigungsverfahrens für eine endgültige Bebauung seien aber dann wieder sowohl das Landesdenkmalamt wie auch die Denkmalschutzbehörde der Stadt Regensburg einzubeziehen. Markus Frowein wird nun eine ausführliche Stellungnahme des Ausschusses erhalten und hat dann erneut die Möglichkeit, eine modifizierte Petition einzureichen.

Stadt erteilt keine Auskunft

Die Stadt Regensburg gab am Mittwoch keine Auskunft dazu, ob nun ein Bauantrag für den Peterstorgraben vorliegt oder nicht. Es gehe um „Rechte Dritter“, so eine Sprecherin, und diese seien geheim. Der Grundstückseigentümer Andreas Astaller war am Mittwoch für eine Stellungnahme zu den Bauverzögerungen nicht zu erreichen.

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Kommentare (18)

  • Mius

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    Soll da dann wieder so ein quadratischer häuserklotz mit überteuerten winzigen wohnungen hingestellt werden wie es momentan überall in regensburg passiert? irgendwann sieht jedes haus in regensburg gleich aus (viereckig, glatt, und mit einer treppenwand außen) und man zahlt für 20 quadratmeter 600 euro

  • Veronika

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    Das „wieder zugemüllt“ kenne ich von anderer Stelle. Nur so schafft man sich eine, dem Begriff „städtebaulichen Mißstand“ entsprechende Lage. Diese Lage mit entsprechender Begrifflichkeit benötigt man, um bei Städtebauförderprogrammen so richtig Geld absahnen zu können.
    Also keine Sorge, es geht wieder mal um Steuergelder, Fördermittel aus Bund, Land und EU, damit mit mit diesen Steuergeldern und „gutem Vermieten“ noch mehr Geld machen kann.

  • artstrike

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    Die Petition vom Amaro Ameise aka Markus Frowein würde ich gerne lesen.
    Könnt ihr die online stellen?

  • Tommy

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    Wie wär`s mit nem fetten SPD-Rave im Graben?:

    MC Wollbergs als Main-Act – featering – „Fair Feiern“-Chor.

    anschließend ein gerapptes Inputreferat von Frau Geissler.
    Thema: Yo, die Altstadt wird sozial saniert, yo. Nicht pissen, schreien, kotzen, yo. Sondern bau´n, verdrängen, klotzen. ya.

    Der Eintritt ist natürlich frei!
    Alle geringverdienenden SpaßverderberInnen: Ab ins Hohe Kreuz!

  • Radlertölpel

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    @ Veronika: (Was meinst du denn dazu?)

    Du hast Recht der Europabrunnendeckel verwahrlost ja auch seit einem Jahr.
    Ich habe mich nicht mehr drum gekümmert, weil ich keinen Zwischennutzungsvertrag mehr hatte.
    Wenn ich nun z.B. die Skateboardbank repariere ist schnell wieder von den selben Idioten kaputtgetreten. Das kam nicht vor als ich noch selbst den Müll wegräumte, Wortbeiträge sortierte und mich täglich um alles weitere kümmerte, z.B. darum die Gitarren zu stimmen und die Projektoren anzuwerfen, die Literaten zu begrüßen und die Gäste zu umsorgen… den ganzen Papierkram nicht zu vergessen. Wenn mir jemand die Projektionsfläche der Popomalkabine zerschlitzte war sie am nächsten Tag wieder heil. So gab es an allen Ecken und Enden des Europabrunnendeckelorganismus etwas zu verbessern und zu reparieren – aber mutwilliger Schaden war die absolute Ausnahme.
    Wozu oberflächlich reparieren, was sowieso getötet wurde und hinter Blumenkübeln versteckt wird?
    Die Leute gehen vorbei bemerken keinen Unterschied und denken dann: „Das soll Kunst sein? “ und stehen vor einem Grabstein
    .
    Irgendwann bleibt dann so wenig im kollektiven Gedächtnis hängen das das Niveau unserer Kulturwaerter erreicht ist.

    Es gab nie eine andere Begründung dafür das das Projekt sterben mußte als die :…das die Idee Anfangs schon ganz gut war und die 4 Monate 2009 noch alles toll, das Projekt in der Zeit des verlängerten Zwischennutzungsvertrags 2010 aber zusehens in die Beliebigkeit absackte..“ „..er seine Chance hatte und gut is..“ Tatsächlich wurde erst in den letzten Monaten des Projektes möglich einzulösen, was Anfangs versprochen wurde. Diesen Drive galt es wohl mit allen Kräften zu ignorieren.

    Übrigens meine Eingabe an das Amt für Stadtentwicklung vor Ort ehrenamtlich als Kunsthausmeister tätig zu werden und dabei 25 000 € von einer überregionalen Kunststiftung an 10 unterschiedliche Künstler zu verteilen wurde von der „Kommission Kunst und Bauen“ am 19.10 10 abgelehnt. Ziel meines Ansinnens war es den Europabrunenndeckel als Plattform für wechselnde Akteure vorzustellen und dabei zu simulieren, dass das Geld, das beim Europabrunnen zum Pumpen der Wasserwände und zur Reinigung des Glaskristalls ausgegeben würde in wechselnde Hirnschmalz pumpende Künstler investiert wird, die je 2 Wochen an der Weiterentwicklung unterschiedlicher Aspekte des Ortes arbeiten und deren Ergebnisse ich in den restlichen 2 Wochen des Monats als Anordnungskunst in den Europabrunenndeckelorganismus einzupflegen würde und dabei weiteren Interessierten Raum zu schaffen um das Projekt zunehmend breiter aufzustellen.
    Ich befand mich fast 2 Monate in dem Glauben, dass mein Schreiben an die Stadtentwicklung von Herrn R.M. von der städtischen Galerie an die Mitglieder der Kommission weitergeleitet würde und ich, wie in der Baureferentenrunde entschieden, und mir von R.M. mehrmals versichert wurde, mein Anliegen der Kommission in einem kleinen Lichtbildvortrag näherbringen solle. Nun als ich 7 Tage vor dem Termin beim Leiter der Kommission anrief (er war zwar zuständig, meldete sich aber nie bei mir )um sicherzugehen, dass auch ein Beamer vor Ort ist, erfuhr ich, das dies aus „formalen Gründen“ nun doch nicht möglich sei. Er werde der Kommission selbst mitteilen, worum es ginge. Auch auf der Tagesordnung fand sich mein Anliegen nicht erwähnt. 2 Monate lang wurde ich also verarscht. Und was kam bei der Sitzung ohne Diskussionsgrundlage heraus? (Was laaaaaaaaangweiliges, was sonst.)

    Ich bekam trotz Anmahnung 2 Monate lang keine schriftliche Antwort.

    (Und was ist bei den schlecht beratenen Insidern in der Verwaltung und Politik hängengeblieben?: „Kunsthausmeister, das ist halt etwas allgemein…“ Ein Kunstkritiker von Format würde sagen: „Das ist ja eine komplexe Aufgabe, die über die Tätigkeit eines Kurators weit hinausgeht…“)

    Lest mal das:http://europabrunnendeckel.de/?p=2249
    (Geschützt: Was wird 2012 ???? (Geheimwort:”streng geheim!”))

  • Hans Bert

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    Wo gibt es denn die Petition zum Mitzeichnen und Verbreiten?

  • ExRA

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    @Mius: Hätte man den ursprünglichen Entwurf des damaligen Grundstückseigentümers und Architekten zur Ausführung zugelassen, dann würde Regensburg statt des unappetitlichen Lochs an dieser neuralgischen Stelle im Stadtbild am Peterstor schon lange über ein avantgardistisches Bauwerk verfügen, das alles andere als ein „quadratischer Häuserklotz“ geworden wäre. Aber dafür fehlte den Genehmigungs-Gremien leider wieder einmal der Mut. Regensburg wird trotz (oder gerade wegen?) des Welterbestatus irgendwann an seiner eigenen Provinzialität ersticken.

  • Adelheid Müllerschön

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    Der Scheuererturm war alles andere als originell. Dieser „Twin-Tower“ (einer davon aus Glas) war eine willkürliche Planung, die keinerlei Rücksicht auf die Umgebung nahm und ein seltenes Beispiel für eitle Architektur als Selbstzweck war.

  • ExRA

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    Aber, aber, Frau Müllerschön! „Eitle Architektur als Selbstzweck“? Was möchten Sie denn im Peterstorgraben stehen haben? Eine „Fertig-Reihenhaussiedlung“ mit Handtuch-Vorgärten, hübschen kleinen Holzbalkonen und Lüftlmalereien? Städtebauliche Visionen und Regensburg – eher gelingt die Quadratur des Kreises!

  • Ludwig H.

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    Früher nannte man das unberechtigte Eindringen in ein Grundstück oder eine Wohnung, Hausfriedensbruch bzw. einfachen oder schweren Einbruch.

  • Pragmatiker

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    Früher bin ich einfach über Wiesen und Felder gelaufen (wenn sie abgeerntet waren); bin im Wald herumspaziert und habe Baumhäuser gebaut…

    Hey, Ludwig H., bleib auf dem Teppich. Von Dir kommt bestimmt auch gleich eine Anzeige, wenn mal ein Apfel von meinem Baum auf Dein Grundstück fällt, was?

    Früher nannte man Kommentare wie Deinen schlicht „spießig“.

  • Pragmatiker

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    … würde ich sofort unterschrieben!

    Froweins Begründung:

    „Die übergroße Mehrheit der Regensburger sei gegen eine Bebauung. Oberbürgermeister Hans Schaidinger vertrete nicht die Interessen der Mehrheit, sondern die von wenigen Immobilienhändlern.“

    … ist sowas von wahr!

    Und eher jetzt wieder jemand von „Enteignung“ spricht:
    Hey, neulich las ich in der hiesigen Monopolpresse, dass die Stadt sooo wahnsinnig viel Geld hätte im Moment. Dass sie mal schnell für 2,8 Mio. das Bismarcksplatz-Palais kaufen kann. Dass sie noch im Dezember ihr Plazet für ein megateures Fussballstadion geben würde. Und so weiter.

    Hm. Wieso kann die Stadt dann nicht eine Sehenswürdigkeit, die an strategisch geschickter Stelle gleich auf dem Weg von Hauptbahnhof zur Altstadt liegt, nicht auch schlicht dem aktuellen Besitzer abkaufen? Zumal ein solcher Kauf bestimmt nicht die Unsummen kosten würde, die ein Fußballpalast folgenden Generationen abverlangen wird… – im Gegenteil: Der Peterstorgraben würde ehrenamtlich gepflegt von jemandem, der sie schon jahrelang gepflegt hat. Null Folgekosten.

    Stattdessen: Zubetonieren, weiter im Text.
    Schlimm.

  • Adelheid Müllerschön

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    Eigentum verpflichtet (zu gar nichts). Oder wie? Was ist besser? Ein Grundstück verkommen und vermüllen lassen, oder es pflegen zu einer Attraktion zu machen? Dass sich der Eigentümer Amaros Bemühen nicht zu beiderseitigem Vorteil zu Nutzen macht, spricht nicht gerade für ihn.

  • Dubh

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    Ein unappetitliches Loch?
    Der Garten muss Ihnen ja nicht gefallen, aber wenn Sie noch über einen Rest an Sehkraft verfügen können sie ihn nicht als unappetitliches Loch bezeichnen.

    An solchen inhaltsbefreiten Bösartigkeiten, derer das Netz voll ist, das deutschsprachige jedenfalls, wird noch der ganze Planet ersticken, wenn das auf das RL übergreift.

    Avantgardistisch?
    Nun ja, ein ursprünglich militärischer Begriff, die Vorhut, übertragen der Fortschritt, künstlerisch eine radikal andere Ästhetik – wobei die Postmoderne sieht das mit dem sog. Fortschritt ja nicht mehr linear eindeutig, nicht wahr?

    Wie auch immer, wären wir Avantgarde im klassischen Sinn in Regensburg, wäre es wirklich an der Zeit, zuallererst mal die Altstadt SAMT Dom endlich komplett platt zu machen.

    Avantgarde im postmodernen Sinn hingegen muss nicht jeden Quadratzentimeter Boden der größtmöglichen Kapitalverwertung zuführen, und auf jedwedes organische Leben – incl. Menschen – scheißen.

    Davon nämlich geht die Welt bestimmt nicht unter.

  • markus frowein

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    liebe leute,

    seit nunmehr über 16 jahren soll das gelände am peterstor angeblich bebaut werden.
    doch weder ich, noch irgendjemand sonst, kann erkennen, dass sich dort etwas tut.
    dafür ist es der immobilienfirma gelungen, innerhalb dieser zeitspanne den preis
    auf ca. 733 euro/qm hochzudrücken, was meiner meinung nach das einzige ziel war.
    nicht die bebauung steht im visier der schaidinger-betonklotz-gang, sondern wertschöpfung.
    nicht nur am peterstor, sondern auch im angrenzenden obermünsterviertel und anderswo.
    glaubt denn jemand von ihnen, dass der wirtschaftsexperte und eingefleischte bundeswehrfan
    schaidinger extra aus rosenheim anreiste, um etwas für „fremde“ bürger und einwohner zu tun?
    wenn ja, dann wählen sie weiter die „christich“-„soziale“ „union“ und granteln über sich selbst.

    mfg amaro

  • markus frowein

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    haben sie schon mal gehört, dass ein einbrecher etwas repariert oder verschönert? bei solchen delikten geht es doch um diebstahl und zerstörung, also genau das gegenteil von dem, was ich auf dem Gelände machte.
    mfg amaro

  • klettermaxe

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    @markus frowein alias amaro

    ich finde es schon befremdlich, wenn jemand ungefragt mit einer Leiter auf mein Grundstück klettert. Wenn vielleicht auch in guten Absicht, aber es ist und bleibt unrecht. Wie soll ich es sonst meinen kleinen Kindern erklären?
    Trotzdem viel Spaß bei Ihren/Deinen rechtmäßigen Taten

  • markus frowein

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    gesetzestreu handeln hat oft nichts mit moral zu tun

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