Provisorium geplatzt! Protzenweiherbrücke Mitte 2011

Gedrückte Stimmung bei Hans Schaidinger (daneben: Planungsreferentin Christine Schimpfermann): Keine Busse über den Grieser Steg, kein Provisorium am Protzenweiher. Foto: AignerSichtlich um Erklärung bemüht war Oberbürgermeister Hans Schaidinger bei einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz am Mittwochmittag. Wie bereits von regensburg-digital berichtet, wird es kein Provisorium für die im März zerstörte Protzenweiherbrücke geben. Hintergrund dieser Entscheidung ist, dass eine Bustrasse über den Grieser Steg von der Verwaltung nun endgültig als nicht machbar beurteilt wird. Vor allem aus Sicherheitsgründen.

„Ohne Verbesserung für den ÖPNV scheint mir ein Provisorium nicht sinnvoll“, so Schaidinger. Busverkehr, der nur nach Stadtamhof, aber von dort nicht Richtung Altstadt weitergeführt werden kann, sei für die meisten Fahrgäste unattraktiv. „Davon hätten nur die Stadtamhofer etwas.“ Auto- und Radfahrer müssten aufgrund der Einspurigkeit eines Provisoriums zudem lange Wartezeiten an Ampeln in Kauf nehmen. Das rechtfertige keine Ausgabe von „600.000 Euro plus X“ (Schaidinger).

Ausführlich rechtfertigte der Oberbürgermeister die (nochmaligen) Untersuchungen der Verwaltung, Busse über den Grieser Steg und durch die Andreasstraße fahren zu lassen. Bereits 2005, im Zuge der Ersatztrassen-Planungen für die Steinerne Brücke, war eine solche Variante untersucht und relativ bald verworfen worden. Allerdings sei die Trassenführung laut Planungsreferentin Christine Schimpfermann seinerzeit nur „in Augenschein genommen, aber nicht komplett durchdacht“ worden. Man habe sich damals relativ rasch auf die Trasse über den Grieser Spitz konzentriert.

Die Busführung durch die Andreasstraße sei lange Zeit ein Favorit des RVV gewesen, so wiederum die Rechtfertigung des OB. Es existiere eine neunseitige Broschüre, mit der die Regensburger Verkehrsbetriebe untermauert hätten, dass eine solche Trasse machbar sei. Schaidinger: „Wenn da vorher Bürger gesagt haben, es sei klar, dass durch die Andreasstraße keine Busse fahren können, dann stimmt das nicht. So klar war das nicht.“ Klar ist es aber nun. Nach Fahrversuchen, die von Verkehrsbetrieben und Polizei vergangenen Mittwoch durchgeführt wurden, steht fest: Die Andreasstraße ist zu eng für Busse. Das bedeutet auch das Der Leiter des Tiefbauamtes, Alfons Swaczyna, rechnet Mitte 2011 mit der Fertigstellung der neuen Brücke. Foto: AignerAus für ein Protzenweiher-Provisorium. Kommende Woche wird dem Planungsausschuss der Stadt Regensburg unter anderem ein entsprechender Vorschlag der Verwaltung zur Beschlussfassung vorgelegt.

Wie geht es ansonsten weiter?

Für Stadtamhof soll ab kommender Woche ein Sammeltaxi-Service eingerichtet werden. Die Kosten für eine Fahrt von Stadtamhof in die Altstadt liegen dabei circa um drei Euro höher als für eine Busfahrt. Bis eine neue Brücke kommt, müssen sich die Stadtamhofer noch etwas gedulden. Der Leiter des städtischen Tiefbauamtes, Alfons Swaczyna, rechnet mit Fertigstellung einer neu gebauten Protzenweiherbrücke Mitte 2011.

Trassenvarianten aus dem Jahr 2004. Luftbild: Stadt RegensburgEine Lösung scheint sich – das klang durch – auch in Sachen Steinerne-Ersatz nicht abzuzeichnen. Auch dieses Thema steht nächste Woche auf der Tagesordnung des Planungsausschusses. Offenbar sind erneut weitere Untersuchungen notwendig. Der OB nutze die Pressekonferenz vorab als Gelegenheit, um – mit zum Teil falschen Behauptungen („vier Linien über die Nibelungenbrücke“) – die vom Verein Donauanlieger favorisierte Bürgertrasse als unrealistisch darzustellen. Damit dürfte das Urteil der Verwaltung über diesen Vorschlag ebenso klar sein wie für die Riepl’sche Tunnellösung. Beides wird nicht weiterverfolgt.

Nachdem bereits seit Mai ein artenschutzrechtliches Gutachten vorliegt, das erhebliche Bedenken in punkto Osttrasse enthält, scheinen damit alle Zeichen für eine Busbrücke im Westen – in der Nähe des Eisernen Stegs – zu sprechen.

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Kommentare (3)

  • Herbert E. Brekle

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    Grieser Steg als Bustrasse – Protzenweiherbrücke Mitte 2011

    Den Unsinn einer Busführung über die Andreasstraße und über den Grieser Steg habe ich in meinem Leserbrief vom 17.9. schon ausführlich dargestellt. Mehr als verwunderlich ist es, jetzt zu erfahren, daß die RVV diese Trasse seit „langer Zeit“ favorisiert hatten. Es gibt – laut Schaidinger – eine neunseitige Broschüre, mit der die RVV die Machbarkeit dieser Trasse untermauert hätten. Man denke, neun Seiten! Das kann nur etwas ganz Gutes sein. Man langt sich ans Hirn.
    Nicht viel besser sind die Fahrversuche, die die RVV und die Polizei in der vergangenen Woche angestellt haben, mit dem Ergebnis: „Die Andreasstraße ist zu eng für Busse“. Einem Menschen mit normalem Verstand und Augenmaß mußte dies von Anfang an klar gewesen sein.

    Was mir nicht einleuchten will, ist die vom Tiefbauamt veranschlagte Bauzeit für eine neue Protzenweiherbrücke: Mitte 2011! Welche objektiven Zwänge mag es geben, um zu einer Bauzeit von fast drei Jahren zu kommen? Ich sehe keine. Eine Fertigstellung bis Ende 2009 erscheint mir als realistisch. Ein Junktim mit einer donauüber/unterquerenden Bustrasse herzustellen ist für mich schlicht unmoralisch.

    Herbert E. Brekle

  • Christof.lapd

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    Zur Bauzeit: In der MZ war mal die Rede davon, dass alleine die europaweite Ausschreibung des Bauvorhabens ein Jahr dauern würde.

    Ein Spektakel für den, der nicht betroffen ist!

  • Uwe Fritz

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    Sehr geehrter Herr Christof,
    Sie haben Humor, Sie glauben was in der MZ steht. Der Zeitplan ist doch vor der Kommunalwahl. Herr Schaidinger, „NochOB“ und Frau Freudenstein „Nochortsvorsitzende CSU-Stadtamhof“, wollen doch medienwirksam ein Bändchen durchschneiden. Wie dieses Ereignis die MZ den Stadtamhofer positiv verkaufen will, sehe ich humorvoll bei aller Traurigkeit in der Sache entgegen.

    Sehr geehrter Herr Brekle,
    wie Sie sicherlich wissen, sind in Regensburg, gerade in dem Bereich Brückenstahlberechnung schwierige und kostenträchtige Verhältnisse anzutreffen und die sollte man schon bedenken. Das Beispiel Stadthalle und die vernünftige Lösung von Herr Riepl, zeigen uns doch wie lange Planungen dauern können. Und das zwölf Jahre kostenträchtig gegen die Bürger. Erschwerend kommt hinzu, dass wir noch nicht genau wissen welche spekulativen Interessen bezüglich des Grieser Spitzes und der weiteren Führung im Stadtrat sitzen. Vielleicht muss auch vorher noch eine GmbH gegründet werden? Umsonst würden die nicht so vehement alles bisher Vorgeschlagene torpedieren. Wie verlässlich eine ehemalige Arbeiterpartei ist durften wir ja alle sehen. So nach dem Motto, nun machen wir mit, wo ist das Tafelsilber.
    Ich halte ihre Aussage Junktim für falsch. Leider ist es so, dass gerade in Regensburg Planungsschwachsinn anzutreffen ist. Sehen wir uns zum Beispiel den Neubau der Nibelungenbrücke an. Um wie viel später wurde erkannt, dass die abführende Straße die ankommenden Verkehre nicht sinnvoll fassen können. Sollte jemand fähig sein diese entstandenen Mehrkosten rechtfertigen können, so würde mich das schon interessieren.
    Mir liegen Planungen von Herrn Riepl zu einer umfassenden Verkehrsführung vor. Das Studium dieser hat mir viele gute Ansätze gezeigt. Aus meiner Sicht sollten Quell- und Zielverkehr näher betrachtet werden.
    Zum anderen ist es nie ganz verkehrt gerade Straßen zu bauen. Oftmals sind die kürzer als Kurven. Hierüber müsste man sich mit den Planern einmal unterhalten. Es erscheint mir auch sinnvoll gerade und ungerade Zahlen zu definieren. Ich habe den Eindruck, dass speziell hierzu zwischen der Verwaltung, der RVV und dem Stadtrat Klärungsbedarf besteht. Von der Einigkeit im Dezimalsystem ganz zu schweigen. Fundierte Zahlen können auch helfen.
    Dann bedenke ich, dass Stadtamhof nur nach Süden/Altstadt abgesperrt ist, nach Norden geht’s ja noch über die Oberpfalzbrücke. Schon aus Umweltgründen sollte überlegt werden wie Wege kurz gehalten werden können. Ich glaube, dass bei zwei Zufahrten nach Stadtamhof auch zwei Abfahrten aus Stadtamhof langfristig eine denkbare Ingenieursaufgabe wäre. Westlich der Steinernen eine Brücke, östlich eine Tunnellösung.
    Zu hoffen gibt es, dass die Herren welche noch die Geschicke unserer Stadt so visionär leiten endlich vom Bürger als „Versager und Spekulanten“ erkannt werden. Schwierig ist dies jedoch wenn diese weiterhin in anderen Medien als die Macher hofiert werden.

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