"Angeblicher Völkermord"

Regensburg Haber: Seltsame Entschuldigungen und verschwundene Stellungnahmen

Erstmals hat sich der Chefredakteur von Regensburg Haber nun zu den Vorwürfen gegen die deutsch-türkischen Zeitung geäußert. Doch die Ausführungen von Salih Altuner bleiben oberflächlich. Eine Stellungnahme, in der sich „die Redaktion“ von ihm distanziert hatte, verschwand nach wenigen Tagen wieder von der Internetseite des Magazins.

Artikel zur Affäre um Regensburg Haber vom Freitag in der Donaupost. Die anderen Medien in Regensburg schweigen das Thema tot.

Artikel zur Affäre um Regensburg Haber vom Freitag in der Donaupost. Die anderen Medien in Regensburg schweigen das Thema tot.

Über eine Woche ist es her, seit wir die Redaktion von Regensburg Haber um eine Stellungnahme zu den Vorwürfen des Internationalen Kultur- und Solidaritätsvereins (IKS) gebeten haben. Doch weder von Chefredakteur Salih Altuner noch von irgendeinem anderen Mitglied der Redaktion gab es eine Reaktion. Gemeldet hat sich Altuner allerdings bei der Donaupost, dem einzigen Medium, das neben Regensburg Digital bislang über die Facebook-Einträge berichtet hat, in denen Regensburg Haber vom „angeblichen Völkermord an den Armeniern“ schreibt und den Geschäftsmann Haritun Sarik massiv attackiert, weil der sich zu seiner armenischen Herkunft bekannt hatte.

„Wer mich kennt, wird es auch bestätigen.“

Altuner weist am Freitag gegenüber der Donaupost alle Vorwürfe pauschal von sich. „Alle Vorwürfe, Nationalismus, Hetzerei, Kurdenfeindlichkeit, Armenierfeindlichkeit, Lobby für die AKP, stimmen nicht. Wer mich kennt, wird es auch bestätigen.“

Dazu, dass er eine Dependance des AKP- und Erdogan-Lobbyvereins UETD in Regensburg gegründet hat und jahrelang deren Vorsitzender war, äußert Altuner sich nicht.

Wie berichtet, hatte es nach der Presseerklärung des IKS es unter anderem Kritik von der Landtagsabgeordneten Margit Wild (SPD) gegeben. Oberbürgermeister Joachim Wolbergs hat vorläufig die Zusammenarbeit mit dem Magazin – das zuvor Werbeanzeigen und redaktionelle Beiträge von der Stadt erhalten hatte – eingefroren. Und eine gewisse Reaktion scheint das bei Altuner ausgelöst zu haben.

Am Donnerstag wurde der diffamierende Text über Haritun Sarik – dem unter anderem „nicht endender Hass“ und eine „größtmögliche Ausnutzung von Gefühlen“ unterstellt wurde – von der Facebook-Seite von Regensburg Haber gelöscht. Dort stand er übrigens seit dem 30. April, angereichert mit Kommentaren, in denen zum Boykott von Sariks Geschäft aufgerufen wurde.

„Redaktion“ distanziert sich – für drei Tage

Bereits vor Altuners Stellungnahme gegenüber der Donaupost hatte eine nicht näher erläuterte, namenlose Redaktion sich von den kritisierten Facebook-Einträgen „entschieden distanziert“. „Diese spiegeln die persönliche Meinung von Salih Altuner wieder, der allein die Facebook-Seite von Regensburg Haber verwaltet und verantwortet“, heißt es weiter.

Hoffnungsvoller Start im Februar: Der neue Integrationsbeirat nimmt seine Arbeit auf. Salih Altuner wurde als "Experte" in diesen Beirat berufen. Foto: Stadt Regensburg

Hoffnungsvoller Start im Februar: Der neue Integrationsbeirat nimmt seine Arbeit auf. Salih Altuner wurde als „Experte“ in diesen Beirat berufen. Foto: Stadt Regensburg

Doch nach drei Tagen war die – ausschließlich in deutscher Sprache verfasste – Stellungnahme zu den ausschließlich in türkischer Sprache verfassten Facebook-Einträgen auch schon wieder von der Seite verschwunden. Wir dokumentieren sie unten im kompletten Wortlaut.

Politiker zurückhaltend mit abschließender Bewertung

Politiker, die in der Vergangenheit in Regensburg Haber, Beiträge veröffentlicht hatten, halten sich mit abschließenden Bewertungen nach wie vor merklich zurück. Das gilt sowohl für OB Wolbergs wie auch für Margit Wild. Aber auch für den SPD-Landtagsabgeordneten Franz Schindler. „Ob die Vorwürfe zutreffen, kann ich auf die Schnelle auch nicht überprüfen“, schreibt er uns. „Ich möchte deshalb nur klarstellen, dass ich die der Zeitschrift vorgeworfenen Positionen keineswegs teile.“ Der Integrationsbeauftragte der bayerischen Staatsregierung Martin Neumeier (CSU) hat gegenüber unserer Redaktion erklärt, sich erst genauer mit den Vorwürfen beschäftigen zu wollen, ehe er sich äußere.

Offenbar will man die inkriminierten Texte zunächst selbst übersetzen lassen und sich mit Altuners zweifelhafter Rolle als UETD-Aktivist beschäftigen. „Es ist nicht verboten, sich für Erdogan und die AKP zu engagieren, auch wenn ich das nicht gut finde“, sagt uns ein Politiker, der namentlich nicht genannt werden will. „Aber gleichzeitig ein Magazin zu machen und zu behaupten, damit Integration fördern zu wollen, ist schlicht verlogen.“

Altuner: Als „Experte“ in den Integrationsbeirat berufen

Seine Rolle als Herausgeber von Regensburg Haber war mit ein ausschlaggebender Grund dafür, dass Salih Altuner einen Sitz im Integrationsbeirat der Stadt Regensburg erhalten hatte. Altuner wurde nämlich nicht in dieses Amt gewählt, sondern von der Stadt Regensburg als „Experte“ berufen.

Wir dokumentieren die mittlerweile wieder gelöschte „Mitteilung der Redaktion“ von Regensburg Haber vom 10. August zu den Vorwürfen:

Mitteilung der Redaktion

Die Redaktion unserer Zeitschrift Regensburg Haber ist in den letzten Tagen mit expliziten Rassismus- und Hetzevorwürfen bedacht worden. Ausgangspunkt waren die Facebookeinträge vom 30. April und 25. Juli 2015, die als menschenverachtend und diffamierend empfunden wurden.

Die Redaktion von Regensburg Haber bedauert, dass die besagten Facebookeinträge zu Missverstehen unserer Haltung gegenüber Rassismus und Menschenfeindlichkeit geführt haben und distanziert sich entschieden von den Inhalten, die auf dem sozialen Netzwerk veröffentlicht wurden. Diese spiegeln die persönliche Meinung von Salih Altuner wieder, der allein die Facebook-Seite von Regensburg Haber verwaltet und verantwortet. Auch verurteilen wir die Kommentare, die auf die Berichte Bezug nehmen und die in keinster Weise mit der Meinung der Redaktion in Einklang zu bringen sind.

Vielmehr stellt sich die Redaktion von Regensburg Haber ausdrücklich gegen jegliche Formen von Terrorismus, Rassismus und Menschenfeindlichkeit. Weltoffenheit, Respekt und Toleranz sind die bereits in der Vergangenheit offenbarten Leitmotive des magazineigenen Handelns, zu denen sich die Redaktion entschieden bekennt.

Nichtsdestotrotz hat uns die geäußerte Kritik an den Facebook-Berichten vom 30. April und 25. Juli 2015 dazu veranlasst, die Ausrichtung unserer Nachrichtenzeitschrift wie auch unsere interne Organisation kritisch zu hinterfragen. Die Redaktion betont die dynamische Natur des Magazins, das als „Integrationsprojekt im Werden“ fortlaufend bemüht und bestrebt ist, angemessene Funktionsformen und klare Organisationsstrukturen zu etablieren. Wir erkennen, dass die Kompetenzen und Verantwortlichkeiten im Falle der RH-Facebook-Gruppe bislang unzureichend an die Öffentlichkeit kommuniziert wurden und bitten um Nachsicht für dieses Versäumnis. Sofern durch die besagten Facebook-Beiträge und darauf bezugnehmende Kommentare Missverständnisse entstanden sind und sich in diesem Zusammenhang Personen durch Regensburg Haber verletzt und erniedrigt fühlen, drückt die Redaktion den Betroffenen aufrichtig ihr Bedauern aus.

Die Redaktion bekräftigt zudem den unpolitischen Charakter des Nachrichtenmagazins Regensburg Haber, das möglichst verschiedene, in der Regel auch konträre Meinungen wiedergibt und die Vielfalt der in Regensburg agierenden Parteien und Akteure zu Wort kommen lässt.

Auch ist die Redaktion jederzeit bereit, auf weitere Nachfragen einzugehen und sich ehrlich mit kritischen Ansichten auseinanderzusetzen.

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Kommentare (7)

  • Bravo, Salih Altuner!

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    Wünsche Ihnen den größtmöglichen Wetterumschwung und einen dadurch richtig schlecht gelaunten OB beim Gespräch!
    Vielleicht können Sie künftig, im Namen der Integration und der Völkerverständigung,
    von sich selbst und Ihren Ausführungen zum Völkermord absehen.

    Rüzgar eken fırtına biçer

  • Mediator

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    Um die Lage zu entschärfen sollte man Herrn Altuner nahelegen, sein Amt zur Verfügung zu stellen und sich einige Zeit der Buße im stillen Gebet hinzugeben. Nachrücker sollte der allseits bekannte und beliebte Bora Attaman werden.

  • Hans Mayer

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    Kommentar gelöscht. Entscheiden Sie sich bitte für ein Pseudonym und wiederholen Sie nicht unter jedem Beitrag den immerselben Kommentar. Danke.

  • Georg Raab

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    Wäre eine gute Idee Herrn Altuner auszuwechseln beim Integrationsbeirat der Stadt Regensburg und dafür den berühmten Herrn Bora Ataman in den Integrationsbeirat zu berufen.

    Mfg.

    Georg Raab

  • Josefine

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    Die Vorwürfe sind nun seid mind. 6.8. bekannt. Eindeutige Positionen vom OB fehlen, ‚ausmerkeln‘ wird das Problem nicht lösen.

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