Feministen im Stadtrat

Schulden in der Chauvi-Kasse

Mehr Straßen mit Frauennamen? Ja, wo kämen wir denn da hin? Warum Frauen mit entsprechenden Verdiensten nur schwer zu finden sind und warum sich Hans Schaidinger aus der (noch einzuführenden) Chauvi-Kasse eigentlich ein paar Euros genehmigen dürfte, diskutierten die Stadträtinnen und Stadträte letzten Dienstag. Vieles lässt sich über die langjährige politische Tätigkeit von SPD-Fraktionschef Norbert Hartl sagen. Dass er sich als Verfechter des Feminismus besonders hervorgetan hätte, allerdings nicht. Zumindest bis Dienstag. Da wurde nämlich im Stadtplanungsausschuss ein Antrag von ihm und Gertrud Maltz-Schwarzfischer diskutiert. Die Verwaltung solle bei Straßenbenennung in neuen Baugebieten in Zukunft vorrangig Namen von Frauen berücksichtigen. Namensvorschläge machten die Sozialdemokraten keine, es sollten aber doch solche Frauen sein, die sich „mit ihrer Leistung Verdienste erworben“ hätten. Schließlich gebe es nur wenig Straßen in Regensburg, die Namen von Frauen trügen. Frauen seien unterrepräsentiert in der Gesellschaft, vor allem in Spitzenpositionen, so Gertrud Maltz-Schwarzfischer. Und vielleicht würden es gerade erfolgreichen Frauen, wie beispielsweise Stadtplanungsreferentin Christine Schimpfermann eine sei, gerne sehen, wenn ihre Arbeit im Zuge von Straßenbenamungen gesellschaftlich mehr gewürdigt würde.

Alles historisch bedingt

Dem Oberbürgermeister schmeckte dieser Antrag ganz und gar nicht. Hans Schaidinger rief dazu auf, ihn abzulehnen. Er wehre sich nämlich gegen „Scheuklappen“, die ein Stadtratsausschuss der Verwaltung verordnen wolle. Diese solle frei von jeglichen Einflüssen arbeiten können, auch bei der Straßenbenennung. Außerdem wolle er hier schon mal betonen, dass Christine Schimpfermann „ihren Posten nicht hat, weil sie eine Frau ist, sondern weil sie gut ist“. Überhaupt, so der OB, kämen die vielen Männer-Straßennamen in Regensburg daher, dass man früher kaum Frauen berücksichtigt habe. Das sei historisch bedingt. Und in Regensburg stehe man schließlich zu seiner Geschichte. Oder? So geht’s eine ganze Weile hin und her, teils recht launig. Jeder gibt da seinen Senf ab, wie er denn die Sache mit den Frauen hält. So sekundiert etwa CSU-Stadträtin Dr. Astrid Freudenstein dem OB und gibt zu bedenken, dass es in der Geschichte eben wenig Frauen gebe, die in Frage kämen für so eine Straßenbenennung. Naja, was für ein Glück, dass die Frauen nicht erst mit der Frauenbewegung des 19. Jahrhunderts die Geschichte prägen, sonst wär’s düster gewesen für die Menschheit.

„Die Chauvi-Kasse hat Schulden bei mir.“

Schließlich meldet sich Altoberbürgermeisterin Christa Meier zu Wort, auch eine von den erfolgreichen. „Wenn’s eine Chauvi-Kasse gäbe, dann müssten Sie fünf Euro in die einzahlen, Herr Schaidinger.“ Denn so verfahre man in dieser von ihm geleiteten Runde immer mit derlei Themen. Die würden schnell ins Lächerliche gezogen und schließlich einfach beiseite gelegt. Chauvi-Kasse? Die fünf Euro würde er sofort in selbige einzahlen, meint darauf der OB. „Die hat nämlich Schulden bei mir.“ Schließlich habe gerade er, Schaidinger, dafür gesorgt, dass so viele Frauen in hohe Positionen zum Beispiel in der Verwaltung gelangt seien. Bei so viel hin und her wird es selbst CSU-Fraktionschef Christian Schlegl zu viel, der meint: „Aber Herr Oberbürgermeister, die haben sie doch alle eingestellt, weil sie gut sind.“

Nur Hartl ist schuld, sagt Hartl

Als der Ton trotz aller Launigkeit zunehmend rauer wird, schlägt die Stunde von Norbert Hartl. Galant fährt er dem OB in die Parade und hält den Schild vor seine Kolleginnen in der SPD-Fraktion. Er, Hartl, er allein sei überhaupt schuld daran, dass man diesen Antrag so formuliert habe. Nein, nein, Frau Kollegin Maltz-Schwarzfischer, das könne er schon auf seine Kappe nehmen, wenn er das gemacht habe. Dafür stecke er die Prügel gern ein. Am Ende einigt sich der so ritterlich agierende SPD-Fraktionschef mit dem Chauvi-OB auf eine vage Absichtserklärung. Die Verwaltung muss nun keine Frauennamen suchen. Der ursprüngliche Antrag wandert in die Mottenkiste. Statt der Verwaltung sollen nun Stadtrat oder Stadträtin, ja vielleicht sogar der Oberbürgermeister, sich Namen von Frauen suchen, die sich „mit ihrer Leistung Verdienste erworben haben“. Vielleicht gibt es dann auch entsprechende Straßennamen, wenn denn den Fraktionen welche einfallen. Eine „Chauvi-Kasse“ für den Stadtrat indes wäre keine schlechte Idee. Vielleicht könnte man ja so die städtischen Finanzen noch schneller sanieren.

Bitte unterstützen Sie eine unabhängige Berichterstattung in Regensburg.

 
Verein zur Förderung der Meinungs- und Informationsvielfalt e.V.
IBAN: DE14750900000000063363
BIC: GENODEF1R01

Kommentare (40)

  • grace

    |

    Oha, der Ritter von der Kokosnuss!

  • glänzend

    |

    Die Herren Bürgermeister und eine ganze Reihe Stadträte können auch einfach ihre Kontoverbindung zwecks Bankeinzug angeben, nicht nur für die Chauvi-Kasse sondern wegen nachhaltig rüpelhaftem Benehmen.

  • Bürgersinn

    |

    Herr OB Schaidinger hat immer für ihn gute Damen um sich geschart, denn er will nur Gutes für die Stadt.

  • NannyOgg07

    |

    Wenn ich es nicht besser wüßte würde ich sagen in dem Artikel geht es um ein Wirtshausgespräch. Zum Glück ist Herr Schaidinger ein Gönner der Frauenwelt.
    Fiele denn einem der Herren eine Frau ein nach der man eine Strasse benennen würde? Ich hätte da einige Vorschläge, meine Herren, ganz oben an Elly Maldaque. Eine Frieda Kahlo Strasse wäre doch auch schön….Die Liste ist lang….Angela Davis? …

  • Matthias

    |

    Der Genderwahnsinn treibt Blüten. Mehr fällt mir dazu nicht ein. Ich kann mir nur schlecht vorstellen, dass sich bisher jemand aufgepasst hat, dass ja nicht zu viele Straßen Frauennamen tragen. Und am besten finde ich die Aussage, dass sich die erfolgreichen Stadträtinnen die Gender-Anträge von einen Mann (vor)schreiben lassen.

  • Matthias

    |

    Bei „dass sich bisher“ das „sich“ bitte gedanklich streichen.

  • Mona Lisa

    |

    ich bin für Mona Lisa…

  • Matthias

    |

    @NannyOgg07: „Ich hätte da einige Vorschläge, meine Herren, ganz oben an Elly Maldaque.“ Und was wäre die Leistung der Dame für Regensburg und die Gesellschaft? Opfer zu sein, ist keine Leistung für sich und adelt auch nicht das Lebenswerk. Was ich gelesen habe war sie als Kommunistin sicherlich keine Freundin der Demokratie.

    (Ich finde auch die Ehrung eines Bismarck mit einen Platz gerade noch aus dem historischen Kontext als vertretbar, aber das nur nebenbei.)

  • Dubh

    |

    Matthias: „Und was wäre die Leistung der Dame für Regensburg und die Gesellschaft?“

    Als Lehrerin wird sie wohl Kinder unterrichtet haben, ganztags übrigens zu der Zeit.

    Aber irgendwas mit und für Kinder etc. ist freilich in Deutschland von Frauen erbracht ja nach wie vor keine Leistung, sondern deren natürliche Bestimmung, in Bayern ganz besonders – kann praktisch jede Deppin sowieso.

    Wenn Männer das Gleiche tun, ist es freilich eine Leistung.

    Welche Bedeutung Elly Maldaque für ihre Schülerinnen und Schüler hatte könnte man im Buch „Regensburger Frauenspuren“ von 1995 u.a. in ein paar Interviews mit ihren SchülerInnen nachlesen.
    Darin könnte man auch die Namen ein paar anderer Regensburgerinnen finden, die so oder so keine Leistung für die Gesellschaft, geschweige denn Regensburg erbracht haben – im Gegensatz zur gigantischen Leistung diese Stadt auszuverkaufen und zum Mittelalter Disney gemacht zu haben – DAS bleibt freilich ein Weilchen, und was weg ist ist weg.

    Wie es halt so ist mit Frauenspuren – die verfliegen ja sowas von leicht………………….

  • Matthias

    |

    @Dubh Und Kinderunterrichten war nicht ihr Job? Ich dachte sie war eine bezahlte Lehrerin. Ohne jetzt die Leistung von Lehrern schmälern zu wollen, aber deswegen eine Straße danach bennen… Bekanntheit ist auch keine Leistung, die unbedingt zu einer Straßenbenennung führen muss und das nicht erst seit Dschungelcamp und DSDS!

  • Dubh

    |

    @ matthias

    Dann fallen für Straßenbenennungen also alle weg, die nur ihren Job gemacht haben, also auch in einem Amt?

    Also schon mal Könige, Bischöfe, Pfarrer…………………

    Das ist allerdings auch ein Ansatz.

    Da müssen aber viele Straßennamen die wir hier haben abgeschafft werden.
    Bleibt da noch viel von den bisherigen nach Personen benannten Straßen?

    Machen Sie doch mal ne Liste was Ihrem Ansatz nach alles weg muss!

  • Mona Lisa

    |

    wie wärs denn mit Margot Honecker? Nach Ihrem eindrucksvollen Interview hätte sie doch einen Straßennamen in jeder gemeinde über 5000 verdient…

    Jetzt mal im Ernst: Glaubt Ihr, dass es auch nur irgendeiner der genannten Personen wirklich wichtig ist, einen Straßennamen zu bekommen???

    ich glaube, nur Menschen, die glauben, sie seien wichtig, ist auch ein Straßenname wichtig…

    … das ist doch langweilig…

  • Matthias

    |

    @Dubh Es gibt Menschen, die etwas geleistet haben und es gibt Menschen, die nichts geleistet haben. Und es gibt Menschen, die in einer vergangenen Epoche mit der Benennung einer Straße oder Platzes geehrt wurden, was aus heutiger Sicht vielleicht zweifelhaft erscheint. Den Eisernen Kanzler hatte ich schon genannt. Aber die haben Bestandsschutz aus historischer Sicht, das ist auch gut so. Nur in der heutigen Zeit verzweifelt nach Frauen zu fahnden, die vielleicht posthum auch in die Ehre kommen sollen, nur weil sie Frauen sind, finde ich lächerlich. Da sollte man schon mit gleichen Maßstäben gemessen werden. Oder fordern Sie nun auch, dass es gleich viele Spitzenköchinnen wie Spitzenköche geben sollte, unabhängig von der Leistung? Häubchen und Sternchen mit Quoten für Geschlecht oder Hautfarbe, gerne noch einen Bonus für KöchInnen mit Migrationshintergrund?

  • norbert e. wirner

    |

    irgendwo müssen die strassennamen ja herkommen…

    soviele untadelige menschen, die es nach ansicht der allgemeinheit dann letztendlich verdient haben, die gibt es aber nicht. jedenfalls nicht soviele, wie es strassen in grösseren städten gibt.

    durchnummerieren? wie in amerika?

    oder in uralten geburtsregistern nach vollkommen neutralen, unbekannten, ohne vor- und nachgeschichte benennen? das wären dann politisch unbelastete personen, von denen keiner weis, ob sie was verdeint oder nihct haben, die aber mal gelebt haben und fertig.

    dann wäre eine (fiktive) „knecht-hindrich-fuchs-allee“ (gest. 1723 in irgendwo) genauso unbelastet wie die „kaufmann-vogt-von-prügeldorf-gasse“ (gest. 1688).

    und keiner müsste sich heute mehr streiten.

  • wahon

    |

    @Matthias

    Wenn für Sie „Opfer“ zu sein, keine „Leistung“ darstellt, dann sind sie sicher auch gegen eine „Anne-Frank-Straße“?

    Wenn Sie dafür sind, Straßen nur nach „echten Demokraten“ zu benennen, dann sind Sie sicher auch gegen eine „Franz-Josef-Strauß-Straße“ oder „Papst-Benedikt-Straße“?

  • Matthias

    |

    @wahon Alle drei sind für mich nur zweite Wahl, zwei haben nichts mit der Stadt zu tun und Ratzinger ist noch nicht tot. Wir haben in Regensburg nicht allen Ernstes eine Papst-Benedikt-Straße?

  • norbert e. wirner

    |

    ingrid-bergmann-str.
    wikipedia-str.
    daniela-katzenberger-str.

    hm. warum nicht tiernamen?

    rehstr.
    saustr.
    pinguininnenstr.
    igelinnenstr.

    es darf ja auch mal was lustiges sein!

  • wahon

    |

    @ Matthias

    Ist ja interessant… Anne Frank und FJS haben nichts mit Regensburg zu tun? Und nach Papst Benedikt wird erst eine Straße benannt, wenn er tot ist? Schauen Sie mal auf den Stadtplan von Traunstein…

    Wenn „Opfer“ für Sie nur „zweite Wahl“ sind, was ist dann für Sie „erste Wahl“? Täter ?

  • Dubh

    |

    Matthias: „Es gibt Menschen, die etwas geleistet haben und es gibt Menschen, die nichts geleistet haben.“

    Leistung ist Kraft mal Weg durch Zeit – oder?

    Geschichtsschreibung – auch die über Straßennamen ist selbstverständlich immer ein vollkommen (geschlechts) neutraler Vorgang – fast wie Physik – kennen Sie Mileva Marić ?

    Ob und was diese Leistung wert ist, gar der Erwähnung wert, entscheidet die Zeit, bzw. die Leute, die in der Zeit leben oder aber letztlich die, die was zu sagen haben in der Zeit.
    Diesbezüglich sahen Frauen die letzten 3000 Jahre zunehmend alt aus, und das ist der Beweis, dass es keine gibt und gab, die was leisteten – für die Gesellschaft?

    Wobei das mit dem BEWEIS so ne Sache ist, wissen eigentlich alle die Physikunterricht hatten – auch die Physik hat ja nur Theorien die nur gelten solange sie nicht widerlegt sind…………….

    Die mit den Frauen, die nichts getan haben als Feuer/Herd und Kinder zu hüten ist lange widerlegt, incl Jagd in der Stein–, Eiszeit – aber sogar offizielle europäische Geschichte der Neuzeit mit diversen weiblichen Herrscherinnen, samt Kriegen und geschaffenen Reichen ist ihnen unbekannt, ebenso wie diversen grundlos aufgeblasenen Regensburger Politikern??

    Davon abgesehen, zeigen Sie mir die Gesellschaft, die ohne die Leistung von Frauen überhaupt existierte, desgleichen ohne die Leistung der vielen Männer, die nie was zu sagen und melden hatten – ganz wie jetzt Sie bei Regensburger Straßennamen………………

  • Radlertölpel

    |

    eine verbliche Inschrift:

    ::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::
    KASTEN 1
    Hell leuchtet die Allee,
    ich säume die Esplanade,
    die Promenade auf der ich steh.

    Allen Radfahrerinnen gebührt die Ehre.
    :::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::

    2004 im Strudl:

    Denken und Lenken
    Meist nach ihrem Ableben kriegen wirklich wichtige Persönlichkeiten ihre Alleen. Straßen sind für Schöngeister. In fast jeder bayrischen Stadt gibt es eine Franz-Joseph Strauß Allee; in Deggendorf mündet sie in die Hindenburg-Straße in Burgweinting in die Viehbacher Allee. Bäume sind allerdings kein zwingender Bestandteil einer Allee oder Esplanade (Lichtsäulen oder Straßenlaternen tuns auch.) Vor 200 Jahren gab der beidseitige Baumbestand am Straßendamm noch die Spur an, heute wird betoniert und es gilt nur noch geistigen Flurschaden zu vermeiden. Wo kämen wir dahin, wenn man mit dem Rad auf dem Feldweg schneller ist, als der Berufsverkehr vor der Autobahn? Aber man kann das Fahrrad der Geschichte nicht zurückdrehen, darum sag ich: Von VW bis BMW alle kriegen sie ihre Allee!

  • Matthias

    |

    @wahon Wann kommt endlich der Nazi-Vergleich. Über 25 Kommentare haben wir ja schon. Wir sollten schon auf einem gewissen Niveau bleiben.

  • Pragmatiker

    |

    Matthias: “Und was wäre die Leistung der Dame für Regensburg und die Gesellschaft?”

    Antwort Dubh: „Als Lehrerin wird sie wohl Kinder unterrichtet haben, ganztags übrigens zu der Zeit. (…) Wenn Männer das Gleiche tun, ist es freilich eine Leistung.“

    @Dubh: Wenn man jetzt auch jedem (männlichen) Lehrer, der mal ganztags Kinder unterrichtet hat, eine Straße widmen möchte, dann müssen wir aber erst noch gaaaanz viele neue Straßen bauen in Regensburg…

    … aber im Ernst: Auch ich vermag, wie Matthias, die ganz große Leistung der Frau Maldaque nicht so recht erkennen. Richtig, sie war Opfer.

    Aber das sind die ca. 1.100 Lehrer auch, denen ab 1972 durch den Radikalenerlass der Eintritt in den bzw. das Verbleiben im öffentlichen Dienst verwehrt wurde, auch. Wollen wir denen jetzt auch allen eine Straße widmen (oder mindestens allen Oberpfälzern unter ihnen)? Oder all denen, die in Karthaus-Prüll starben, unter oftmals gewiss nicht korrekten Umständen?
    Oder gleich allen, denen in den letzten 100 Jahren in Regensburg ungerechtfertigterweise der Job gekündigt wurde? Naja…

    Lieber sollte man doch Leistungen für die Allgemeinheit würdigen, nicht passives Opfertum, so tragisch Letzteres im Einzelfall auch sein mag.

  • wahon

    |

    @ Matthias

    Ihre letzte Äußerung ist ziemlich wirr – Warum wollen Sie sich jetzt mit Nazis vergleichen? Und von welchem „gewissen Niveau“ sprechen Sie? Von Ihrem oder von meinem?
    Sieht so aus, als hätten Sie sehr davon profitieren können, wenn Elly Maldaque Ihre Lehrerin gewesen wäre! Aber Sie haben ja „die Gnade der späten Geburt“…

  • Pragmatiker

    |

    Lieber „Wahon“,
    damit meinte er wohl Ihre als rhetorische Frage getarnte Unterstellung

    „Wenn “Opfer” für Sie nur “zweite Wahl” sind, was ist dann für Sie “erste Wahl”? Täter ?“

    Na? Groschen gefallen?

  • wahon

    |

    @ Pragmatiker

    Es ist sehr freundlich von Ihnen, dass Sie mir die Äußerung von „Matthias“ interpretieren, denn jetzt habe ich verstanden: Sie beide halten Elly Maldaque für Straßennamen-unwürdig, weil sie von den Nazis ermordet wurde, was – nach Ihrer Meinung – zwar bedauerlich, aber nicht schlimmer ist, als in den 70er-Jahren nicht im Staatsdienst arbeiten zu dürfen. Interpretiere ich Sie da richtig?

  • Pragmatiker

    |

    Lieber „Wahon“,
    Ihre Argumentationsweise hat einen Namen: Rabulistik (von lateinisch rabere „toben“ bzw. rabula „marktschreierischer Advokat“).

    Ich erkläre Ihnen auch gerne, was das ist: Wenn man in einem Wortstreit versucht, durch rhetorische Hiebe weit unter die Gürtellinie um jeden Preis Recht zu behalten, mittels dümmlicher Wortverdreherei und nerviger Haarspalterei.

    Viel Spaß noch damit.

  • Matthias

    |

    @Pragmatiker Dankeschön, genau so war es gedacht.

  • Matthias

    |

    Straßennamen, sofern sie nicht in historischen Zusammenhang stehen („Neue Waaggasse“) oder sich an geographischen Namen orientieren „Am Rappenbügl“, sollten m.E. schon enger mit dem Ort in Verbindung stehen. Ohne provozieren zu wollen ist mir auf den Einwurf „Franz-Joseph-Strauß-Allee“ eingefallen, dass der Name doch recht gut passt, liegt die Straße doch meines Wissens recht nahe am Sterbeort des für Bayern doch prägenden Ministerpräsidenten.

    Bei der Namensgebung in Neubaugebieten ist mir nicht nur hier in Regensburg aufgefallen, dass alte Flurnamen fast immer unter den Tisch fallen. Das finde ich schade, dazu wären die auch noch geschlechterneutral. Persönlichkeiten, vor allem solche, der Lebensweg noch greifbar ist, sind meist umstritten. (Für mich persönlich war es nie verständlich, warum man nach einen Antidemokraten und ausgewiesenen Nationalisten wie Stauffenberg Schulen benennen kann.)

    Wie wäre es mit – lokal wie national – bedeutenden Ereignissen aus der Vergangenheit? Die „Straße des 17. Juni“ kommt mir spontan in den Sinn. In Regensburgs Geschichte ließe sich einiges finden. Damit kommt man weder in Verlegenheit eventuell umstrittene Persönlichkeiten zu ehren, noch können sich FrauenrechtlerInnen zurückgesetzt fühlen (obwohl manche immer einen irrationalen Grund finden).

    Auf die Idee, beispielsweise den Historischen Verein für Oberpfalz und Regensburg um Vorschläge zu bitten, ist noch keiner der Damen und Herren im Rat gekommen – nehme ich einmal stark an. Ich bin mir sicher, dass die Vorschläge aus dieser Ecke deutlich weniger ideologisch gefärbt sind als von Parteimitglieder, die eine dauerhafte Duftmarke setzen wollen. Sonst sind doch auch immer alle für das Einholen von Expertenmeinungen.

  • wahon

    |

    @ Pragmatiker

    Sie hätten in Wikipedia noch ein Stückchen weiterlesen sollen:
    „In der Sprache des Nationalsozialismus wurde der Begriff Rabulistik mit antisemitischer Konnotation und vom nationalsozialistischen deutschen Propagandaminister Joseph Goebbels häufig in den Zusammensetzungen „jüdisch-rabulistisch“ oder „jüdisch-marxistisch-rabulistisch“ benutzt, um gegnerische Argumentationsweisen zu diffamieren.“

    Immerhin hat meine „Rabulistik“ bei „Matthias“, was die Sache betrifft, zu einem deutlich differenzierteren Posting geführt.
    Wenn Sie jetzt auch noch Ihre Gleichsetzung der Ermordung von Elly Maldaque durch die Nazis mit den Berufsverboten in den 70er-Jahren zurücknehmen, bin ich zufrieden…

  • Matthias

    |

    @wahon Nein, ich halte Opfer an sich nicht für gut, denn Opfer zu sein ist keine Leistung und sagt nichts über Charakter, Lebenswandel etc. aus. Jetzt auf die Suche nach Frauennamen zu gehen, nur damit auch ein paar Straßen mehr nach Frauen benannt sind, ist lächerlich.

    Ich habe vorhin lediglich ein paar Vorschläge gemacht, nach was man Straßen benennen kann oder an welcher Stelle man bei der Namensfindung bestimmt gerne weiterhilft. Das musste sein, weil anscheinend die Scheuklappen bei manchen recht ausgeprägt sind.

    Auf meinen durchaus süffisant gemeinten Einwand, dass die erfolgreichen Stadträtinnen anscheinend sogar ihre Gender-Anträge von einem Mann vor-schreiben lassen, wie aus dem Artikel hervorgeht, hat sich auch niemand zu antworten getraut.

  • Dubh

    |

    Pragmatiker: „Matthias: “Und was wäre die Leistung der Dame für Regensburg und die Gesellschaft?”

    Antwort Dubh: “Als Lehrerin wird sie wohl Kinder unterrichtet haben, ganztags übrigens zu der Zeit. (…) Wenn Männer das Gleiche tun, ist es freilich eine Leistung.”

    @Dubh: Wenn man jetzt auch jedem (männlichen) Lehrer, der mal ganztags Kinder unterrichtet hat, eine Straße widmen möchte, dann müssen wir aber erst noch gaaaanz viele neue Straßen bauen in Regensburg… “

    Wie albern!
    Das mit der Relativität vom Wert einer „Leistung“ an sich, insbesondere aber auch der unterschiedlichen Bewertung der von Geschlechtern, haben Sie ja offensichtlich nicht kapiert?

    Und eigenartig: Dieser Florian Seidl war ja nach seinen herausragenden Leistungen während der Nazizeit auch nur noch Lehrer……………………..und das durfte er dann trotz seiner Verdienste um den Nationalsozialismus auch sein………….

    „Lieber sollte man doch Leistungen für die Allgemeinheit würdigen, nicht passives Opfertum, so tragisch Letzteres im Einzelfall auch sein mag.“

    Passiv war Frau Maldaque ja offensichtlich nicht.

    „Regensburg war zu der Zeit eine Hochburg der Bayerischen Volkspartei (BVP), einer klerikal-konservativen Vorläuferin der CSU. Auch die Landesregierung hatte die BVP inne. Kommunisten und Sympathisanten wurden systematisch überwacht. Im Herbst 1929 begann die Bespitzelung Elly Maldaques. Die Berliner Weltbühne schrieb darüber in ihrer Ausgabe vom 12. August 1930: „Gegenüber dem Hause Elly Maldaques in Regensburg wurden nach der Erklärung eines Kriminalpolizisten zwei Hakenkreuzler zur Beobachtung einquartiert.“ [10]“
    http://de.wikipedia.org/wiki/Elly_Maldaque

    Ganz wie heute, nicht wahr?
    Linker Gedanken Verdächtige werden von Staats wegen bespitzelt…………….dann hoffen wir mal, dass wir nicht in 3 Jahren die nächste „Machtergreifung“ haben……………

    Ja, Täter sogar der jüngsten Geschichte würdigen ist dufte in Regensburg, und nur sehr ungern und auf Druck vom eigenen „Oben“ lässt man überhaupt davon, nicht wahr?

  • Dubh

    |

    Matthias: „noch können sich FrauenrechtlerInnen zurückgesetzt fühlen (obwohl manche immer einen irrationalen Grund finden).“

    Aber Männerrechtler und Sexisten fühlen sich ja offenbar schon bei dem Gedanken, dass es auch nur noch ein paar mehr nach Frauen benannte Straßen geben könnte irrational zurückgesetzt.

    Wahrlich ausgesprochen irrational, da nun mal die bisher nach Männern und Frauen benannten Straßen in einem absolut eindeutigen Verhältnis zueinander stehen.
    Auch nur gleich viele können es niemals werden, soviel neue Straßen wird es mit Sicherheit nicht mehr geben in Regensburg.

    Die Behauptungen entweder es gibt überhaupt keine Frauen, die erwähnenswert sind, oder es wäre zu mühsam solche zu finden (falsch, man muss nur nachsehen), oder wenn jemand welche nennt, dann sind das halt nur „passive“ Opfer, denen zu Gedenken nicht lohnt – und gar Quote – alles ach wie lächerlich – ja, allerdings, lächerlicher dümmster Sexismus diese Diskussion.

    Gegen das Proporzsystem inner- und außerparteilich und bei der Vergabe aller politisch zu vergebender Ämter durchgängig praktiziert von allen Parteien und Regierungen seit Anbeginn dieser Republik haben sie aber nichts?
    Proporz = Quote!

    Aber so unter Männern muss man freilich nicht die geringste Sorge haben, es könnten unqualifizierte, die nichts können, nichts leisten an Ämter kommen – zumal es ja sowieso keinerlei Qualifikation bedarf, wenn es sich um politische Ämter handelt – außer darum sich innerparteilich ausreichend aufzublasen – na ja und halt an die Macht zu kommen, wenn es lohnen soll…………………..

    „Auf meinen durchaus süffisant gemeinten Einwand, dass die erfolgreichen Stadträtinnen anscheinend sogar ihre Gender-Anträge von einem Mann vor-schreiben lassen“

    Davon abgesehen, dass Sie das Wort „Gender“ nicht zu deuten wissen – DAS hier wäre nämlich ein Sex (=biologisches Geschlecht) Antrag – muss man immerhin bestimmt nicht befürchten, dass Frau Maltz-Schwarzfischer oder die anderen im Stadtrat vertretenen Frauen „Frauenrechtlerinnen“ sind.
    Bei den lange etablierten Parteien zumindest wären sie dann nämlich gar nicht im Stadtrat.

  • Pragmatiker

    |

    Also mir ist’s ehrlich gesagt ziemlich wurst, wie irgendwelche Straßen heißen oder benannt werden. Dass es keine politisch unkorrekten Bezeichnungen werden, dafür sorgt ja ohnehin die allgegenwärtige Geschmackspolizei – siehe Diskussion. Obwohl… grinsen muss ich schon gelegentlich, wenn z.B. im Freiburger Vaubangelände die Namen sozial total bewegter Frauen auf den Schildern stehen, die nun wirklich kein Schnitzel je gehört oder gar für wichtig gehalten hat, dafür aber die stadtratsbeschlossene Quote erfüllt wurde. Oje. Da sind mir selbst Eichen-, Buchen- und Ebereschenwege noch lieber – 100%ig weiblich, aber ohne peinliches Sozialkampf- und Rechtfertigungsgehabe.

  • Dubh

    |

    @ Pragmatiker

    Jaja, alles wurscht, Hauptsache keine Frauennamen!

    Oj, weder von Lise Meitner, Atomphysikerin, Marie Curie, immerhin Nobelpreis für Physik, und noch nicht mal von Astrid Lindgren, der „Mutter“ von Pippi Langstrumpf, haben Sie also je gehört?

    Da grinse ich allerdings auch.

    Über so viel Peinlichkeit breiten wir dann mal den gnädigen Mantel des Schweigens, und fragen nicht danach, ob Sie wenigstens von den Namen der Männer je gehört haben, nach denen auch Straßen im Vauban benannt wurden , denn offensichtlich ham sie’s ja weder mit den schönen Künsten noch den Naturwissenschaften………………….von einer Georg Elser Str. die es im Vauban auch gibt, wollen wir ja überhaupt nicht reden – sowas gäbe es freilich auch nie in Regensburg.

    Und wenn sich was rührt gegen einen überzeugten Nazi als Straßennamensgeber, dann ist das also reine Geschmackssache?

    Jaja, alles wurscht, gell, Hauptsache keine Frauennamen……………….

    Was für ein Glück immerhin, dass wir nicht solch grausame Geschichten über Frau Merkel hören müssen, wie weiland die alten Römer über Kleopatra und sogar über eine Römerin wie Fulvia – da kann es einem aber wirklich den Magen umdrehen.
    http://www.spiegel.de/spiegelgeschichte/0,1518,824839,00.html

    Ein paar unverschämte Weiber, die nicht einsehen wollen wo ihr Platz ist, gibt’s halt immer, aber die haben wir schon im Griff soweit!

  • jens

    |

    @dubh
    Dass mit den Straßennamen so viel seltener an Frauen als an Männer erinnert wird. stört mich seit langem.
    Wenn Stadträte nun die Absicht haben, diesen Missstand ganz langsam abzumildern, indem sie in den nächsten Jahren im Regelfall Frauennamen vorziehen, so habe ich hier – mit Verlaub – noch kein ernst zu nehmendes Gegenargument gelesen trotz zahlreicher Beiträge.
    Zu den erinnerungswürdigen Opfern unserer Vorfahren würde ich als angemessenes Gegenüber zu unserer fürchterlichen Fragstatt auch „Hexen“ zählen. Einige Anwohner mögen dann angeregt werden, sich über die Namensgeberin ihrer Straße zu informieren.

    Die meisten werden nicht viel nachdenken über Straßennamen, aber manche bisher diskriminierte Gruppe wird sich etwas besser zuhause fühlen, wenn mit irgendeinem Straßenschild ein von solcher Gruppe besonders respektierter Verstorbener geehrt wird, der zugleich Werte anderer integrierte. Daher besteht nicht nur zugunsten der Bevölkerungsmehrheit der Frauen (starker) Nachholbedarf, sondern (zahlenmäßig geringer) auch zugunsten von Juden, Sozialisten und von großen Immigrantengruppen, deren Integration die Stadträte so ein kleinwenig (kostenneutral) stimulieren werden.

  • Pragmatiker

    |

    Lieber Dubh, mach Dich doch mal ein bisschen locker! Ist er schon steif, Dein Zeigefinger, vom fortwährenden Hochhalten? (kopfschüttel)

  • Dubh

    |

    @ Jens

    Welches ernst zu nehmende Argument sollte es auch geben, gegen ein paar Frauennamen mehr, zumal den meisten Leuten, die der allermeisten Männer nichts sagen, nach denen die Straßen hier benannt sind – da würde ich drauf wetten – wobei, wenn man „Kirche“ oder „Militär“ sagt kann man fast nichts falsch machen.

    Hexen, hm, das wäre hart, aber sind nicht alle Frauen Hexen – irgendwie?

    Muss ja so sein, denn sonst hätten ja einige Kollegen hier nicht so große Angst, ihnen würde was einschrumpeln und abfallen, wenn sie denn ahnungslos durch eine nach einer Frau benannten Straße laufen……………..

  • Pragmatiker

    |

    „Muss ja so sein, denn sonst hätten ja einige Kollegen hier nicht so große Angst, ihnen würde was einschrumpeln und abfallen, wenn sie denn ahnungslos durch eine nach einer Frau benannten Straße laufen…“

    Lieber Dubh, also DAS unterstelle ich jetzt wirklich keinem der hier Mitdiskutierenden! Aber Sie meinen ja auch nicht ernst, was Sie hier schreiben und posten, sondern wollen bloß provozieren, warum auch immer. Schade, dass Sie damit den Artikel und eine sich daraus speisende, zielführende Diskussion mutwillig kaputt machen. Was soll das? Haben Sie nichts Sinnvolleres zu tun? Oder wollen Sie in Wahrheit diskreditieren, was Sie zu verteidigen vorgeben?

  • Dubh

    |

    Pragmatiker: „Lieber Dubh, also DAS unterstelle ich jetzt wirklich keinem der hier Mitdiskutierenden!“

    Ach was?!
    Ich aber, nicht wahr, nicht zuletzt Ihnen!

    Aber mich stört es logischerweise nicht, wenn Sie nicht aufhören können sich lächerlich zu machen.

  • Gudrun J. Malcher

    |

    Endlich wieder eine Diskussion über nach Frauen benannten Straßen-Namen!

    Ich glaube, daß man(n) nicht lange nach Frauen suchen muß, die sich im Laufe der Regensburger Geschichte verdient gemacht haben. Schließlich machten und machen Frauen die Hälfte der Regensburger Einwohner aus!
    Ich nenne hier nur ein paar stellvertretend: die Kauffrau Margarethe Runtinger, die sogar Patronin für einen von der Stadt vergebenen Preis ist und Fürstäbtissinnen, die im Reichstag mitbestimmten. Vermutlich nach Offmey Zandtin war die heutige Zandtenstraße seit dem Jahr 1314 benannt: die „Zändinnenstrazze“! Bis ca 1556. Wieso ist die Straße nun männlichen Geschlechts?
    Verdient gemacht haben sich auch die SPD- und CSU-Stadträtinnen Friedel Schlichtinger und Hanna Dachs nach dem 2. Weltkrieg.
    Es gibt in Regensburg sogar ein Areal, das ausweislich nach einer Frau benannt ist (siehe Erklärungstafel am Eingang): Der „Herzogs“-Park benannt nach der Herzogin von Württemberg Wieso zeigt das nicht die Benennung?
    Es ließen sich noch viel viel mehr anführen….
    Wo bleiben all die Regensburger Frauen, neben so „relevanten“ Straßenbezeichnungen wie „Haferweg“ oder „Baltenweg““ oder „Saarstraße“- Zur Erinnerung an die Besetzung des Saargebietes?
    Warum wird nicht an all die Regensburger Frauen erinnert?

Kommentare sind deaktiviert