SOZIALES SCHAUFENSTER

"Soldiers of Odin"

Rassistische Bürgerwehr patrouillierte durch Regensburg

Nach NPD, Pegida und „III. Weg“ versuchen nun die „Soldiers of Odin“ ihr Glück: Am Wochenende marschierte die selbsternannte Bürgerwehr in Regensburg auf.

"Spaziergang durch Regensburg": Video auf der Facebook-Seite der "Soldiers of Odin"

„Spaziergang durch Regensburg“: Video auf der Facebook-Seite der „Soldiers of Odin“

Dem Journalisten Wolfgang Jung würden einige von ihnen gern „die Zunge abschneiden“, „die Hände abhacken“ oder ihm „drei Stunden Waterboarding auf einer öffentlichen Toilette“ angedeihen lassen: Die Rede ist von den „Soldiers of Odin“, einer rassistischen Bürgerwehr, die ihre Ursprünge 2015 in Finnland hat, seit 2016 aber auch in Kanada, Australien und den USA aktiv ist. Jung war der erste, der Anfang November in der Mainpost unter der Überschrift „Neues Neonazi-Netzwerk in Würzburg?“ über Patrouillen der martialisch auftretenden Gruppe berichtet hatte – die Gewaltphantasien einiger „Brüder“, wie sie sich selbst untereinander nennen, folgte auf dem Fuß.

Patrouille von Bahnhof bis Steinerne Brücke

Am vergangenen Wochenende waren etwa ein Dutzend „Soldiers of Odin“ bei einem „Spaziergang“ in Regensburg unterwegs, um hier „nach dem Rechten“ zu sehen, wie sie stolz verkünden. Fotos, die auf der Facebook-Seite der „Soldiers of Odin Germany Division Bayern“ veröffentlicht wurden, zeigen die Gruppe unter anderem vor dem Kneitinger am Arnulfsplatz, beim Weihnachtsmarkt auf dem Neupfarrplatz und über die Steinerne Brücke mit ihren Hunden patrouillieren. In ein entsprechendes Video wurde auch ein Foto des fürstlichen Weihnachtsmarkts im Schlossinnenhof hinein geschnitten. Alle Teilnehmer tragen Kapuzenpullover mit „Soldiers of Odin“-Emblem. An mehreren Ecken prangen seit diesem Wochenende Aufkleber, die ein „Schutzgebiet der Soldiers of Odin“ ausweisen.

Zu Zwischenfällen kam es nach Angaben eines Polizeisprechers nicht. Man habe die Gruppierung aber im Auge und sei mit Polizeipräsidien anderer Regionen „in regem Austausch“. Einem Bericht der Süddeutschen Zeitung zufolge hat auch das bayerische „Landesamt für Verfassungsschutz“ die selbsternannte „Nachbarschaftshilfe“ im Visier.

„Met für die Brüder – Äxte für Feinde“

Vordergründig präsentieren sich die „Soldiers of Odin“ als Germanen-Fanclub mit allerlei Bezügen zur nordischen Götterwelt, mit Fotos von Wölfen und Sprüchen wie „Met für die Brüder – Äxte für Feinde“. Daneben geriert man sich als „Nachbarschaftshilfe“, die bei ihren „Streifzügen“ vom Jedermann-Recht Gebrauch mache, um „Schwachen und Schutzsuchenden“ beizustehen und bedürftigen Mitbürgern zu helfen. Auf diesem Feld versuchen die „Soldiers of Odin“, sich an Tierschutzvereine und Aktionen zur Obdachlosenhilfe anzubiedern – aktuell etwa an der Weihnachtsfeier für Obdachlose des Musikers Frank Zander, die immer wieder geteilt wird mit der Ankündigung, man wolle diese Veranstaltung unterstützen. Von tatsächlicher Hilfe der „Soldiers of Odin“ ist hingegen eher wenig bekannt. In Würzburg haben sich mehrere Verbände bereits öffentlich von der Gruppierung distanziert.

Mit nur wenigen Klicks durch die Facebook-Seiten finden sich alsbald klare Bezüge zur extremen Rechten. In Kommentaren und Postings ist unter anderem von „linken Ratten“ und „Lügenpresse“ die Rede, die Betonblöcke zum Schutz des Christkindlmarkts auf dem Neupfarrplatz werden mit Panzersperren „wie 1943“ verglichen. An anderer Stelle heißt es dann schlicht: „Zionism must be eradicated.“ Und natürlich geht es immer wieder um kriminelle Flüchtlinge.

Allvater Odin und Pegida-Schachtl

Auch das Personal der „Division Bayern“ ist teils einschlägig bekannt. Jürgen Gröbel, der mal als „Vize Leader Bavaria“, mal unter „Allvater Odin“ firmiert, war einst Mitglied der rechtsextremen Kameradschaft Unterfranken. Neben ihm war in Regensburg auch Stefan Schachtl mit dabei, gelegentlicher Veranstaltungsleiter und Redner für Pegida-Aufmärsche in München. Verbindungen gibt es auch zu den extrem rechten Kleinstparteien „Der III. Weg“ und „Die Rechte“.

Vordergründig gibt es immer wieder Distanzierungen, etwa zu den „Soldiers of Odin“ in Finnland (teilt aber deren Beiträge) oder – beispielsweise von Gröbel gegenüber der Mainpost – zu seiner früheren Mitgliedschaft bei der Kameradschaft Unterfranken. Glaubwürdig ist all das aber kaum. Eines der ersten Postings der „Soldiers of Odin „ Bayern war ein Foto mit dem Satz: „We must secure the existence of our people and the future of our children“ – eine unverkennbare Adaption der „14 Words“ des US-amerikanischen Rechtsextremisten David Eden Lane.

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Kommentare (53)

  • Markus Frowein

    |

    Nazis waren schon immer hohl in der Birne, auch vor dem 08.05.1945 schon …

  • Jürgen

    |

    @Markus Frohwein:
    Bitte gehe nicht mit dem Begriff „Nazi“ so leichtfertig um.
    Nazis stehen für systematischen Massenmord und Krieg. Diese mit Dumpfbacken in Kutten zu vergleichen verharmlost die Taten, die unter diesem Begriff bis 1945 verbrochen wurden.
    @rd: Es gab vor ein / zwei Jahren hierzu einen guten „Leserbrief“ eines jüdischen Lesers, der genau das erklärt hat. Das fand ich sehr gut und hat zum Nachdenken angeregt.
    Wenn möglich bitte verlinken.

  • Markus Frowein

    |

    @ Jürgen (11. Dezember 2017 um 06:43)

    Ja, wenn man es aus unserem Blickwinkel betrachtet, stimmt das absolut, was Du
    sagst, denn wir leben jetzt, d.h. nach der Geschichte des III. Reichs und können
    zurückblicken auf ein System, was schlimmer nicht sein konnte, unvergleichbar.

    Doch wir bewegen uns nicht rückwärts, sondern wir bewegen uns stetig voran.
    Und was kann gerade mit dem Wissen über die Vergangenheit schlimmer sein,
    als wenn wieder Leute mit dicken Jacken durch die Stadt gehen, um Leute, die
    unschuldig sind, zu verängstigen? Wehret den Anfängen, kann ich nur sagen.

    Der Massenmord fing nicht mit Massenmord an, sondern mit dicken Jacken …

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