Stadtbau: Martin Daut bringt Schaidinger in Erklärungsnot

Können diese Augen lügen? Ex-Stadtbau-Geschäftsführer Martin Daut widerspricht Oberbürgermeister Hans Schaidinger in fast allen wichtigen Punkten der Affäre um Wohnungen gegen Bares.	Foto: ArchivEx-Geschäftsführer will sich im Stadtrat äußern: Wollte OB Aufsichtsrat nicht voll informieren? Wer lügt in der Stadtbau-Affäre? Als Reaktion auf die Stadtratssitzung vergangene Woche, bei der die Affäre um die Mitarbeiterin Monika Z. geklärt werden sollte, hat sich der geschasste Ex-Geschäftsführer Martin Daut in einer gestern verbreiteten Presseerklärung zu Wort gemeldet. „In der Chronologie des Oberbürgermeisters fehlen entscheidende Ereignisse, oder sie sind verändert dargestellt”, schreibt Daut. Oberbürgermeister Hans Schaidinger hatte vergangene Woche erneut betont, erst am 1. August 2007 über den vollen Umfang der Affäre informiert gewesen zu sein. Diese war am 15. Dezember 2005 durch eine Durchsuchung der Staatsanwaltschaft in den Räumen der Stadtbau ins Rollen gebracht worden und wurde vergangenen Dezember vom Wochenblatt aufgedeckt. Zu diesem Zeitpunkt hatten weder Daut noch Schaidinger den Aufsichtsrat der Stadtbau darüber informiert, dass ein Verfahren gegen Monika Z. nur eingestellt worden war, weil sie sich geständig gab und 5.000 Euro Geldauflage bezahlt hatte. Laut Daut hat dieses Verschweigen Methode: „Die „üblicherweise sehr eingeschränkte Information des Aufsichtsrats in Personalfragen” sei von Schaidinger beabsichtigt. Den Stand seiner eigenen Informationen spiele der Oberbürgermeister herunter. Daut betont, dass er bereit sei „dem Stadtrat gegenüber das Handeln der Geschäftsführung umfänglich in öffentlicher Sitzung darzulegen.” Das hätte er, folgt man seiner Erklärung, auch schon vergangenen Donnerstag gemacht, aber, so Daut weiter: „Mit liegt weder eine schriftliche noch mündliche Einladung des Oberbürgermeisters zu der Stadtratssitzung vor.” Dauts Frau hatte sich Anfang der Woche ähnlich gegenüber unserer Zeitung geäußert. Gegenüber mehreren Stadträten hatte Daut diese Aussage bereits am Montag bekräftigt (Wochenblatt digital berichtete am Dienstag.). Schaidinger hatte letzte Woche gegenüber dem Stadtrat behauptet, es gebe Unterlagen, die Dauts Einladung belegen würden. Eine kollektive Watschn erteilt Daut „der Mehrheit der Stadtratsmitglieder”. „Sie hat sich mit der einseitigen Darstellung des Oberbürgermeisters trotz offener Fragen zufrieden gegeben. Ebenso wenig interessiere sich die Mehrheit der Stadträte „für die wirtschaftlichen Folgen des drohenden Rechtsstreites. Dieser könnte dem Unternehmen einen sechsstelligen Betrag kosten und ginge letztlich zu Lasten aller Mieter.” Wie bereits von uns berichtet, soll es um rund 200.000 Euro gehen. Zeit für eine außerordentliche Stadtratssitzung.

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Kommentare (4)

  • Barbara Junghans

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    Folgendes Zitat entnehme ich einer „Chronologie“, erschienen am 02./03.02.08 in der Presse:
    „Juli 2002: Zwei Petenten behaupen im OB-Büro, dass eine Stadtbau-Mitarbeiterin Geld nehme. Diese Mitteilung sei an die Stadtbau-Geschäftsführung weitergegeben worden“.
    Und: „Von den folgenden Ereignissen bis 10.04.2007, so Schaidinger, habe er erst am 01.08.2007 erfahren“ (dann erfolgt eine Aufzählung der von Herrn Daut vorgenommenen Maßnahmen).
    Handelt es sich hier nun um Hörfehler, Interpretationsfehler, Druckfehler oder Schaidinger-Fehler?

  • Daniela Camin - Heckl

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    Warum, Ihr lieben Medienorgane stürzt sich alles auf Daut und MA der Stadtbau?
    Also, da geht eine Frau los – in die Stadtbau – zu einer X-beliebigen Mitarbeiterin – und meint, lass uns mal bei „Wohnungssuchenden“ „Vermittlungsprovision“ verlangen?
    Quatsch! So geht das mit der „Bestechlichkeit“ nicht, da bedarf es „Vitamin B“ = Bekanntschaft, Beziehung und ins „Boot“ nehmen.
    Sitzen dann alle im „Boot“, wird sich keiner trauen, irgendjemand aus dem „Boot“ zu schubsen, das „Boot“ könnte dabei kippen.
    Wer nur einen Weg in eine Richtung geht, verbaut sich u. U. „die weitreichende Aus(Ein)sicht“ übers Land.

  • Florian Paul

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    Interessant ist ja vielleicht folgendes, was ja auch schon einmal in einer Regenburger Zeitung angedeutet wurde:
    Die „deutschen Aussiedler“ (selbstbezeichnung auf der Homepage der „Landsmannschaft der Deutschen aus Russland“), deren Funktionäre (mittlerweile) auf Platz 3 der CSB-Liste (Eisenbraun) stehen und Platz 33 der CSU (Dr. Bechert), wählen tradidionell sehr konservativ. Eisenbraun, einer der „CSU-Abtrünnigen“, stand ursprünglich auch auf der CSU-Liste zur Kommunalwahl. Bei genauerer Betrachtung der ganz allgemein geltenden „Weisungsbefugnis“ OB/Aufsichtsratvorsitzender–>Geschäftsführer stadteigener GmbH–>Mitarbeiter/in der GmbH, bleibt, gerade wenn man Anteile von bestimmten Bevölkerungsgruppen am Gesmatanteil der Wahlberechtigten Bevölkerung einer Stadt betrachtet, ein komischer Beigeschmack. Wenn bestimmte Bevölkerungsteile zwar gegen Bares, aber trotzdem bevorzugt behandelt werden, ist das komisch, Geld und Geschenke könnte man ja von jedem nehmen. Menschen mit Problemen, sind Menschen die ihnen helfen, meistens dankbar und zeigen dies auf ganz unterschiedliche Weise. Kann es nicht auch ganz andere Gründe haben, auf die bisher niemand gekommen ist, warum es so war, wie es war? Mit einem sicheren Trumpf im Ärmel schläft es sich meistens besser.

  • Florian Paul

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    Ergänzung:

    „Verzweifelte Wohnungssuche

    Das Übergangswohnheim in der Plattlinger Strasse wird zum 31.08.2007 endgültig für Spätaussiedler geschlossen. Zur Zeit leben hier noch 14 russlanddeutsche Familien, die große Schwierigkeiten haben, eine geeignete und vor allem bezahlbare Wohnung zu finden. Wir haben uns bereits mehrfach hilfesuchend an die Bürgermeisterin Frau Petra Betz gewandt.“ Quelle: Homepage“ Landsmannschaft der Deutschen aus Russland“

    Nachdem die Wartezeit bei der Stadtbau bekanntlich eine Unverschämtheit ist, weil wegen Fehlplanungen und -investitionen deutlich zu wenige Wohnungen da sind, stellt sich einfach die Frage, warum nun ausgerechnet „deutsche Aussiedler“ bevorzugt wurden….

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