Unsichere Jobs werden in Regensburg immer mehr zum „Normalfall“

PM der NGG Oberpfalz

NGG warnt vor „alarmierender Tendenz“

Fast 42 Prozent der Beschäftigten in Regensburg in unsicheren Jobs

Reiner Reissfelder

Reiner Reissfelder

Unsichere Jobs werden in Regensburg immer mehr zum „Normalfall“. Im vergangenen Jahr arbeiteten fast 42 Prozent der heimischen Beschäftigten in Teilzeit- und Mini-Jobs oder hatten ein Leiharbeitsverhältnis. Vor zehn Jahren lag der Anteil der sogenannten „atypisch Beschäftigten“ dagegen noch bei rund 33 Prozent. Darauf hat die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten hingewiesen. Die NGG beruft sich dabei auf eine aktuelle Studie der Hans-Böckler-Stiftung, die den Arbeitsmarkt in Regensburg unter die Lupe genommen hat. Demnach arbeiteten im vergangenen Jahr rund 52.800 Beschäftigte in nicht-regulären Jobs.

Für die NGG ist diese Tendenz „alarmierend“: „Wenn mittlerweile so viele Menschen keinen stabilen Arbeitsplatz haben, zeigt das die Schieflage auf dem Arbeitsmarkt in Regensburg“, sagt Rainer Reißfelder von der NGG Oberpfalz. Gerade Mini-Jobs hätten zugenommen. In der Gastronomie seien diese besonders verbreitet – auf Kosten von regulärer Beschäftigung. „450 Euro reichen aber meist nicht zum Leben. Deshalb müssen viele Menschen mehrere Mini-Jobs machen, oft ohne Sicherheit und in der Angst, die Stelle schnell wieder zu verlieren“, so Reißfelder. Der Gewerkschafter warnt: „Wackelige Jobs heute sind die Altersarmut von morgen.“

 

Auf den ersten Blick gehe es Bayern wirtschaftlich gut. Beim genauen Hinsehen würden sich hinter den hohen Beschäftigungszahlen aber viele unsichere Jobs verbergen, so der NGG-Geschäftsführer. „Unbefristete Vollzeit-Stellen sind heute zur Ausnahme geworden, gerade für Berufsanfänger“, sagt Reißfelder. Die NGG fordert die Arbeitgeber in Regensburg auf, wieder „mehr reguläre und tariflich bezahlte Jobs“ zu schaffen. „Der seit Januar geltende gesetzliche Mindestlohn, für den sich die NGG seit Jahren eingesetzt hat, ist dabei eine feste Untergrenze. Durch den Mindestlohn haben viele Beschäftigte erstmals die nötige finanzielle Sicherheit“, so Rainer Reißfelder. Daran dürfe nicht nachträglich gerüttelt werden.

 

„Manchmal kann es für Mini-Jobs und Teilzeit auch gute Gründe geben. Zum Beispiel machen sie Sinn für manche Rentner oder auch Studenten, die sich ein bisschen dazu verdienen wollen“, sagt der NGG-Geschäftsführer. Zum echten Problem werde irreguläre Beschäftigung aber dann, wenn Vollzeit-Stellen abgeschafft werden – „und sich der Kellner oder die Verkäuferin in der Bäckerei ihr Monatseinkommen zusammenstückeln müssen“, so Reißfelder.

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Kommentare (2)

  • erik

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    Aus den Antworten des Bundesarbeitsministeriums auf eine Anfrage geht hervor, in Deutschland arbeiten einem Medienbericht zufolge inzwischen 40 Prozent mehr Menschen in Teilzeit als zur Jahrtausendwende. Die Zahl der Erwerbstätigen mit reduzierter Stundenzahl habe von 6,8 auf 9,6 Millionen zugelegt.Die Zahl der Vollzeit-Beschäftigten ist den Angaben zufolge von 2001 bis 2012 leicht von 25,95 auf 25,92 Millionen gesunken. 7,8 Millionen der Teilzeit-Beschäftigten sind demnach Frauen. Das entspreche einem Anteil von mehr als 80 Prozent. Fast jeder zweite Teilzeit-Job umfasse weniger als 20 Wochenstunden. Um diese Zustände zu vertuschen, hier die neuesten Statistik-Tricks der Agentur für Arbeit um Beschäftigtenzahlen hochzuschrauben:
    Konkret wurden vier neue Personengruppen in die neue Berechnung einbezogen:
    -Menschen in Behindertenwerkstätten oder ähnlichen Einrichtungen
    -Menschen in Jugendhilfeeinrichtungen
    -Personen, die ein freiwilliges soziales, ein freiwillig ökologisches Jahr oder einen Bundesfreiwilligendienst leisten
    -Nebenerwerbslandwirte
    Durch diese rein statistische Erweiterung gelten nun zusätzlich rund 400.000 Personen als sozialversicherungspflichtig beschäftigt.
    Vertreter vom Deutschen Gewerkschaftsbund kritisieren:“Die sozialversicherte Beschäftigung wird dadurch auch um Personen erweitert, die nicht erwerbsfähig sind und kein Markteinkommen erzielen“.

  • Tobias

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    Ich bin ein sehr sparsamer Mensch und habe damals mit Azubilohn (und 17 Jahren!) bereits mein 100% autonomes Leben geführt. Als Einzelperson kann man mit 750 EUR auskommen. „Gut“ auskommen. Ich würde auch gerne ein bisschen weniger arbeiten (zur Zeit bin ich Vollzeit unterwegs) weil ich es mir leisten könnte.

    ABER: Die Kernprobleme bei dieser Beschäftigung lauten:
    * Unsicherheit: Ich kenne Leiharbeiter, die extrem gut und weitaus mehr verdienen als ich. Und dennoch schlafen diese Leute schlecht, haben bei jeder der unzähligen Angst-Wellen (ausgelöst durch die Geschäftsleitung, um auf hohem Niveau zu jammern, dabei aber selbst kräftig in die Kasse greifen) große Sorge. Und dieses ständige Gewackel am Job scheint schlimmer zu sein als Armut. Man hat also die Wahl: Arm und auf Dauer krank (Sorgen, Schlaflosigkeit, Nervosität, Ausgaben durch Tabletten und noch mehr Angst, weil Krankschreibungen und Arzttermine wiederrum zu Angst führen). Somit kann man seine Beschäftigen „unten“ halten, obwohl der neue SUV des Chefs schon auf der Agenda steht.

    *Die Rente: Ich sorge bereits jetzt vor, mit 100 EUR und habe einen Fondssparplan. Sämtliche in alle Richtungen ausgelegten Verträge kosten mich zur Zeit bei 1.600 EUR netto 280 EUR. Damit ich, falls überhaupt, eine Rente kriege, die sich auch als solche Bezeichnen darf. Welcher 450-EUR-Jobber kann das aufbringen? Er verdient nix und kann dabei noch weniger bis garnix zurücklegen. Das, was jetzt eingeleitet wird, ist Sprengstoff für die Zukunft (und möglicherweise der Tod (m)einer Generation; bin Baujahr 1990).

    *Die Abgaben: Wie sollen die öffentlichen Kassen gefüllt werden, wenn sie durch erwerbslose Zuwanderer geleert werden aber kaum einer verdient, diese Kassen wieder aufzufüllen? Klar, man kann jetzt Vollgas geben, das „kurbelt die Wirtschaft an“, klar, und in 5-15 Jahren ist der Sprit aus und wir schieben. Alternativ: Wir halten diesen Käse auf und fahren die nächsten Dekaden langsam, aber gewiss in die Zukunft. Das geht aber im Kapitalismus wohl nicht.

    Gerade „Boom-Region“ Regensburg, von Wollbergs und Co. zum Ausverkauf freigegeben (Marina-Quartier, Eigentumsprojekte am Wöhrd, Candis-Viertel) wandelt sich von der gemischten Stadt immer mehr zu „Alles oder Nichts“, bei denen Russeninvestoren unbezahlbare Mietpreise verlangen, die keiner mit „unsicheren Jobs“ aufbringen kann, obwohl die ansässige Industrie anderes suggeriert.

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