Ende einer peinlichen Kampagne

Watschen für die „kuriose Allianz“

Die Forderung nach einem „Papstdokumentationszentrum“ ist vom Tisch. In der Sitzung des Kulturausschusses redet der Oberbürgermeister Klartext über die Kampagne des Veranstalters Peter Kittel im Verbund mit CSU und MZ-Führung. Die Sitzung gibt es als Video.

"Kuriose Allianz": MZ, CSU und Peter Kittel.

„Kuriose Allianz“ im Namen eines Herrn: MZ, CSU und Peter Kittel.

Armin Gugau ist sichtlich um einen versöhnlichen Ton bemüht. „Sie haben Ihre Hausaufgaben gemacht“, sagt der CSU-Stadtrat in Richtung Oberbürgermeister Joachim Wolbergs. Mit der Kirche habe sich die Stadtspitze darauf geeinigt, ein Kunstwerk zur Erinnerung an den Besuch von Papst Benedikt XVI. 2006 in Regensburg aufzustellen. Zudem sei ein Symposion zum „Zehnjährigen“ geplant. Und weil ja auch im Museum der bayerischen Geschichte ein Raum entstehe, der daran erinnere, betrachte die CSU den Antrag für ein „Papstdokumentationszentrum“ als erledigt.

Auch Joachim Wolbergs schlägt zunächst einen ebenso versöhnlichen Ton an. Ihm, Gugau, nehme er in jedem Fall ab, dass ihm der Antrag ein ehrliches Anliegen gewesen sei. Das sei ihm spätestens nach einem sehr vernünftigen Gespräch mit Gugau klar geworden. „Aber andere haben das dann instrumentalisiert.“ Und dann geht Wolbergs auf die, wie er sie bezeichnet, „kuriose Allianz“ ein, die sich da zusammengefunden habe. Der Oberbürgermeister nennt zwar keine Namen, aber jedem im Sitzungssaal ist klar, wer gemeint ist. Es geht um den Veranstalter Peter Kittel, die CSU und die Führungsriege der Mittelbayerischen Zeitung.

Selbst die SZ ist amüsiert

Kittel war, wie berichtet, Ausrichter des Papstbesuchs vor zehn Jahren und von ihm stammt auch die Idee für ein Papstdokumentationszentrum, ein Umstand, den die Süddeutsche Zeitung süffisant mit der Bemerkung kommentierte, dass es da doch tatsächlich das Gerücht gebe, Kittel wolle sich damit selbst ein Denkmal setzen. 

Kittels Kumpel – CSU-Chef Franz Rieger und MZ-Herausgeber Peter Esser und MZ-Lokalchef Josef Pöllmann – griffen dessen Vorschlag begierig auf. Pressemitteilungen wurden verschickt und Artikel veröffentlicht, die ein Papstdokumentationszentrum, in der Mittelbayerischen irgendwann liebevoll PDZ abgekürzt, als unbedingtes Desiderat verkauften.

Falsche Zitate und pathetische Texte

Er sei nur noch überrascht gewesen, so Wolbergs. „Wir haben mit dem Bischof geredet.“ Und der habe unmissverständlich zu verstehen gegeben, dass die katholische Kirche kein solches Papstzentrum brauche und wolle. Doch dann sei der Pressesprecher mit einer gegenteiligen Aussage in der MZ zitiert worden. „Da haben wir nochmal gefragt und der Pressesprecher hat erklärt, er sei nicht richtig zitiert worden.“

Ebenfalls überrascht sei er, Wolbergs, über manchen Kommentar gewesen – es geht wohl um jenen des stellvertretenden MZ-Lokalchefs, der recht pathetisch sein Unverständnis darüber ausgedrückt hatte, warum sich die Stadt mit dem Gedenken an den Papstbesuch denn so schwer tue. „Da hab ich mir schon überlegt, ob ich Papst Benedikt einen Brief schreibe und ihn selbst frage.“

OB Wolbergs: "Wenn ich etwas gesagt habe, wurde es nicht geschrieben." Foto: Archiv.

OB Wolbergs: „Wenn ich etwas gesagt habe, wurde es nicht geschrieben.“ Foto: Archiv.

Ebenfalls habe er sich darüber gewundert, dass in der MZ berichtet wurde, es werde im Museum der bayerischen Geschichte eine eigene „Papstabteilung“ mit Dauerausstellung geben. Er habe mit dem verantwortlichen Direktor Richard Loibl telefoniert, so Wolbergs. „Auch er hat gesagt, er sei da nicht korrekt zitiert worden.“ Es werde an den Besuch erinnert werden, aber weder im Rahmen einer eigenen Abteilung noch in einem eigenen Raum. Und wenn er als Oberbürgermeister etwas zu dem Thema gesagt habe, „dann ist es ja nicht geschrieben worden“.

Erstaunlich zurückhaltende Berichterstattung

„Da haben wieder einmal einige versucht, eine Kampagne zu starten, in der Hoffnung, die Stadt vor sich hertreiben zu können“, so Wolbergs‘ Resümee. Doch selbst erzkatholische Menschen seien auf ihn zugekommen und hätten ihm geraten: „Lassen Sie sich nicht unter Druck setzen.“ Und ungewöhnlich befriedigt schließt der OB: „Irgendwann wird es nämlich nur noch peinlich.“ Der CSU-Antrag wurde anschließend zurückgezogen. 

Vor diesem Hintergrund – der offensichtliche Peinlichkeit einer neuerlich gscheiterten Kampagne der „kuriosen Allianz“ – ist es denn auch verständlich, dass die MZ bei diesem zuvor so hochwichtige Anliegen plötzlich erstaunliche Zurückhaltung an den Tag legt und es mit wenigen Sätzen in einem größeren Artikel zu einem anderen Thema versteckt.

Die komplette Aufzeichnung auf den Seiten der Stadt Regensburg („Tagesordnungspunkte 4 bis 6“).

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Kommentare (14)

  • dugout

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  • Mathilde Vietze

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    Ein großes Lob an den Kulturausschuß, der verhindert hat, daß B 16 von Leuten
    vermarktet wird, die sich auf seine Kosten profilieren wollen.

  • Betonkopf

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    „Du bist Petrus, der Fels, und auf diesen Felsen will ich meine Kirche bauen.“

    So wurde der erste Papst ausgewählt.

    Und während Simon Petrus der Fels war, auf dem die Kirche errichtet wurde, hat es trotz Namenspatronat beim Pegida-Peter nicht mal für ein Fundament eines Dokumentationszentrums für einen der Nachfolger Petri gereicht.

    Muss ein sehr unchristliches Anliegen gewesen sein.

  • Mr. T

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    Irgendwann kommt eh die Zeit, in der man sich für solche Denkmäler auch im größeren Rahmen schämen würde.

  • Rentnerin

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    Kittel – Rieger und Esser sind in dieser Stadt für viele Bürger nur noch ein
    “ R O T E S T U C H „.

  • Mr. X

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    Recht so! Gut, dass Wolbergs sich kein Blatt vor den Mund nimmt. Die CSU ist auf dem absteigenden Ast. Kein Wunder bei der erzkatholisch-spießigen Themenauswahl wie Papst, Puffs und Moscheegemeinden.

  • Lothgaßler

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    Parteipolitisches Engagement hatte nie nur den Zweck gesellschaftliche Entwicklungen zu begleiten oder zu lenken, sondern war immer auch ein netzwerkeln der Geschäfte und der gegenseitigen Gefälligkeiten wegen. In Bayern führend ist eben die CSU, anderswo ist es die SPD. Diesmal war der Vorstoß nicht von Erfolg gekrönt, bzw. nur ein bisserl, aber es wird schon wieder mal „was gehen“. Alte Parteifreunde lässt man nicht verkommen.

  • Coffin Corner

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    Solange die Verhältnisse in den Missbrauchs- und Mißhandlungsangelegenheiten so liegen, wie sie derzeit eben sind, solange die Kirche nicht umkehrt, bereut und aufklärt, solange braucht doch niemand ein Denkmal, ein Symposium, oder einen Spezialraum. Das sind nur weitere Stiche in die Herzen der Opfer.

    Kluge Politiker sollten zu dieser Kirche auf Distanz gehen. Aber da erwartet man in Bayern vermutlich zu viel.

  • Mr. T

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    Nicht nur in Bayern erwartet man zu viel, wenn man hofft, dass ein Politiker auf Distanz zur Kirche ginge. Welcher Politiker traut sich denn schon als Atheist zu „outen“? Klar, ein paar Piraten oder Linke, vielleicht mal ein Grüner. Ich bin mir sicher, dass die Quote derer, an denen die Aufklärung nicht spurlos vorbeigegangen ist, bei den etablierten Parteien deutlich höher ist, als man weiß. Unserer Kanzlerette beispielsweise traue ich auch als Pfarrerstochter nicht zu, dem Aberglauben zu fröhnen. Aber offen dazu stehen traut sie sich sicher nicht. Das scheint noch ein größeres Tabu zu sein als beispeilsweise eine von der Mehrheit abweichende sexuelle Orientierung.

  • El

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    Mr. T :: Ja, den Eindruck habe ich auch, dass dies das größere Tabu darstellt.

    Die Sozialisation der Kirche mit ihrem magischen Singsang, ihren Räucheraktionen und den Stehaufübungen hat sich einfach schon sehr sehr früh in die „Software“ der meisten Gehirnuser eingebrannt. Da die meisten Menschen dieses Programm – mehr oder weniger häufig – nutzen oder zumindest zu nutzen scheinen, traut sichs keiner zu löschen. Vielleicht hat man_frau Angst, die Festplatte kracht zusammen ?

    Dabei wäre es so einfach, wie von Windows-Explorer auf Firefox zu wechseln.

  • Mr. T

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    Das ist das eine Problem, dass man diesen Aberglauben schon von frühesten Kinderbeinen an eingeimpft bekommt und es einem dann schwer fällt, sich davon zu befreien, wenn man zu denken beginnt. Man hat unterschwellig immer das eingepflanzte schlechte Gewissen, wenn man sich lösen möchte. Nicht, dass das ja trotzdem stimmt und „man kommt nicht in den Himmel“. Ich sehe das bei vielen Menschen in meinem Umfeld, die der ganzen Sache eigentlich nicht mehr viel abgewinnen können, dann aber Angst vorm letzten Schritt haben.
    Das andere Problem – mit den Politikern – ist, dass sich von denjenigen, die Atheisten sind – und das sind sicher deutlich mehr als öffentlich bekannt, kaum einer das öffentlich zuzugeben traut. Man hat da wohl Angst um Wählerstimmen und Gegenkampagnen aus den Reihen der Religionsgemeinschaften. Dabei wäre mir ein Politiker deutlich lieber, der seine Entscheidungen rational trifft und nicht irgendwelche metaphysische Erwägungen mit heranzieht. Meine Stimme würde ich denen lieber geben – wenn sie sich nicht gerade an den politischen Rändern befinden, vor allem dem dreckigen.
    Wann kommt endlich eine(r) und sagt: Ich glaube nicht an Götter und da ist gut so!
    Wer steht in Regensburg dazu? Lorenz? Spiess? Wolli wär wohl klug genug, ist aber sicherlich noch viel zu sehr Opportunist, um das zuzugeben?

  • Matthias Beth

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    Her OB Wolbergs handelt richtig und im Sinne der Bürger. Die CSU ist in Regensburg auf dem absteigenden Ast, die Seilschaft Hr. MdL Dr. Rieger – Hr. Kittel – Hr. Esser spricht für sich. Die Welt ist aus den Fugen und die CSU Regenbsurg hat so lächerliche Themen wie mögliche oder tatsächliche Pfuffs im Osten, Moscheegemeinden, Abfallkörbe und Parkbänke auf Rad- und Fusswegen, und den Papstbesuch von vor 10 Jahren! Einfach Klasse dieser CSU -Kreisverband, immer am Ohr des Bürgers!

  • Ronald McDonald

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    Ob B 16 „ein Jahrhunderttheologe“ ist, wie Doktor Gugau lobsagt, das wird sich je nach Anhänger-/Gegnerschaft des Ratzingerpapstes so oder auch anders anhören.
    Jedenfalls hat B 16 um Jahrhunderte bessere heimatkundliche Kenntnisse als OB Woli und der promovierte Lehrer Gugau.
    B 16 am 23.09.2011 in Etzelsbach (im Eichsfeld): „… ich habe seit meiner Jugend so viel vom (sic!) Eichsfeld gehört, daß ich dachte, ich muß es einmal sehen und mit euch zusammen beten …“.
    Stadtrat Doktor Gugau im Video bei 2:25: „… wurden wir … eingeladen, uns dieses Dokumentationszentrum in (sic!) Eichsfeld anzusehen …“.
    OB Woli im Video bei 7:29 „… also in (sic!) Eichsfeld ist außer diesem Dokumentationszentrum nix …“.
    Im Eichsfeld, das sich über die Landkreise Eichsfeld, Göttingen, Unstrut-Hainich-Kreis und den Werra-Meißner-Kreis erstreckt, gibt es keine Ortschaft namens Eichsfeld.
    Das (B 16-)Pilgerinformationszentrum im Eichsfeld liegt auf dem Gebiet der Gemeinde Steinbach in der Verwaltungsgemeinschaft Leinetal im thüringischen Landkreis Eichsfeld.

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