Vergangenheitspolitik a la Stadtarchivar

Wie Regensburg den „Fall Othmar Matzke“ erledigen wollte

Verschwundene Unterlagen, Anfragen, die nicht bearbeitet werden und Stellungnahmen, die mehr als fragwürdig sind: Wie der Regensburger Stadtarchivar Vergangenheitspolitik betreibt, zeichnet eine Recherche von Robert Werner nach.

Propagierte entgegen der Befehlslage die kampflose Übergabe der Stadt: Othmar Matzke (re.). Bis zu seinem Tod erfuhr er dafür von der Stadt keine Würdigung. Foto: Günter Schießl, Veranstaltung vom April 1995 im ehemaligen Kreisleiterbunker Regensburgs

Im Februar 1985 begab sich der Amtsleiter des Regensburger Stadtarchivs, Dr. Heinrich Wanderwitz, auf eine Dienstreise der besonderen Art: zum Interview beim Wein ins niederösterreichische Krems in der Wachau. Zusammen mit dem Bibliotheksrat der Bischöflichen Zentralbibliothek, Dr. Werner Chrobak, brach er auf, um den ehemaligen Wehrmachtsmajor Otmar Matzke, der Mitte April 1945 zum Ersten Stabsoffizier des Regensburger Kampfkommandanten ernannt wurde, zum Kriegsende in Regensburg zu befragen. Wanderwitz und Chrobak wollten neben gewissen historischen Hintergründen um die Ermordung des Regensburger Dompredigers Johann Maier auch die Vorgeschichte der Kapitulation klären. Es ging ihnen nicht zuletzt darum, die ein Jahr zuvor völlig überraschend erschienene Darstellung des ehemaligen Wehrmachtsmajor Robert Bürger, „Regenburg in den letzten Kriegstagen des Jahres 1945“ (1983), mit eigenen Nachforschungen zu untermauern bzw. zu überprüfen. Was Matzke zu sagen hatte, passte aber ganz und gar nicht ins Konzept der Angereisten. Nahezu jeder von ihnen angesprochene historische Aspekt des Regensburger Kriegsendes wurde von Matzke ausdrücklich dementiert oder gänzlich anders dargestellt. Trotzdem bedankte man sich zum Schluss vielmals für das ausgiebige Gespräch, das die Interviewer Wanderwitz und Chrobak als „Regensburger sehr interessant“ fanden.

Ein Interview verschwindet

Die Frage, wie Chrobak und Wanderwitz mit den aus dem Zeitzeugengespräch in Krems gewonnenen Informationen umgingen, ist schnell beantwortet. Gar nicht. Dabei hätten diese neuen Erkenntnisse, die mit dem bisherigen Kenntnisstand in Regensburg unvereinbar waren, schon damals zu einer grundlegenden Revision der Darstellung Robert Bürgers (1983) führen müssen. Wanderwitz blieb schlicht untätig. Chrobak hingegen beendete kurz darauf einen Aufsatz zu Domprediger Maier ohne die Zeitzeugenquelle Matzke einzuarbeiten bzw. Bürger (1983), auf den er sich grundsätzlich bezieht, damit zu hinterfragen. Eineinhalb Jahre später, im August 1986, übersandte der Stadtarchivar endlich eine Kopie der versprochenen Abschrift des Interviews an Matzke. Das Original des Schriftstücks hingegen ist in den unergründlichen Tiefen des Stadt- bzw. Bischöflichen Zentralarchivs verschwunden. Schriftliche Anfragen an beide Archive zu Beginn meiner Recherchen wurden negativ beantwortet: Eine Abschrift des Interviews sei nicht vorhanden. Wer hat ein Interesse daran, dass ein eigens von Archivaren erhobenes Interview mit einem überaus gewichtigen Zeitzeugen nicht in den entsprechenden öffentlich zugänglichen Archiven für Interessierte zur Verfügung gestellt wird?

Dominierende und fragwürdige Rolle im „Fall Matzke“: Stadtarchivar Heinrich Wanderwitz. Foto: Archiv

Da der Stadtarchivar Dr. Heinrich Wanderwitz in der Causa Othmar Matzke über Jahrzehnte eine ebenso dominierende wie fragwürdige Rolle spielte und noch spielt, soll nun darauf der Fokus gelegt werden. Doch zunächst wird davon berichtet, wie der gebürtige Österreicher Matzke sich erstmals an die Stadtverwaltung wandte – im Jahr 1969 an Oberbürgermeister Rudolf Schlichtinger.

Die gestohlene „Story“

Als Othmar Matzke nach einem Verkehrsunfall im Frühjahr 1969 mehrere Monate schwer verletzt in einen Krankenhaus lag, wandte er sich Ende Juli mit Hilfe eines Kremser Zeitungsverlegers an die Regensburger Stadtverwaltung. In einem Schreiben trug der Verleger dem Regenburger OB Schlichtinger das Anliegen des Verletzten vor: Ob es nicht möglich wäre, „dem Retter ihrer Stadt beistehen“, oder dem mittellosen Kranken etwa bei dem „Erlangen einer Anstellung behilflich zu sein“. Auch Matzke erklärte sich. In einer von ihm unterzeichneten Beilage nahm er für sich „exklusiv in Anspruch“, dass Regensburg „durch die noch rechtzeitige Entsendung eines Parlamentärs“ nicht in einen fürchterlichen Trümmerhaufen verwandelt worden sei. Er, Matzke, habe angeordnet, dass sein Adjutant Schmidt und General a. D. Leythaeuser als Parlamentäre den amerikanischen Truppen seinen „Entschluß die Stadt kampflos zu übergeben“ mitteilten. Er könne sich nicht denken, dass man seine bedingungslose Übergabe Regensburgs vergessen habe, zumal dies in Rücksprache mit dem damaligen Oberbürgermeister Otto Schottenheim geschehen sei. Er, Matzke, wäre angesichts seiner bedrängten wirtschaftlichen Lage „bestimmt ein sehr dankbarer Mann“, wenn man ein bisschen an seine Initiative bei der Rettung der Stadt denken würde. Eines erwarte er wenigstens: „daß man mir nicht die Story stiehlt“. Offenbar wusste Matzke zu diesem Zeitpunkt noch nicht, dass Schottenheim ihm „die Story“ längst geklaut hatte.

Eine Schutzbehauptung wird historische Wahrheit

Galt der Stadtverwaltung als glaubwürdige Quelle: Nazi-Oberbürgermeister Otto Schottenheim (hier um 1934). Quelle: Wikipedia

Da OB Schlichtinger seinerzeit in Ferien weilte, ging der Leiter des zuständigen Hauptamts, Hermann Seebauer, unmittelbar an die Bearbeitung von Matzkes Anliegen. Hierbei wandte er sich zur Wahrheitsfindung kurzerhand an den ehemaligen OB Otto Schottenheim. Das Bezeichnende an dieser Anfrage auf dem kurzen Dienstweg zum Nazi-OB a.D. ist: Das Ergebnis stand im Grunde schon vorher fest. Wie nicht anders zu erwarten, verneinte Schottenheim die Verdienste Matzkes um die kampflose Übergabe der Stadt und wiederholte stattdessen seine Version der Dinge, die er schon bei seiner Spruchkammerverhandlung zum Besten gegeben hatte: Er, Schottenheim, habe damals „die Angelegenheit in die Hand genommen“ und alles weitere veranlasst, nachdem ihn „Herr Matzke lediglich pflichtgemäß“ über die veränderte militärische Lage, sprich vom Abzug des Kampfkommandanten aus Regensburg Ende April 1945, berichtet habe. Soweit die wesentlichen Ermittlungsergebnisse, die der Leiter des Hauptamts schon am 4. August in einer Stellungnahme an OB Schlichtinger fixierte. Aus der Antwort von OB Schlichtinger (SPD) an Matzke vom Anfang September geht hervor, dass er sich dessen Anliegen zunächst freundlich annahm. Zur eventuellen Nennung von notwendigen Augenzeugen fragte Schlichtinger sogar in Krems nach. Denn es entziehe sich leider seiner, Schlichtingers, Kenntnis, ob die von Schottenheim stammende Darstellung „vollkommen richtig“ sei. Da Matzke für seine Version keine Zeugen mit Anschrift nennen konnte, ließ OB Schlichtinger daraufhin im April 1970 über die Deutsche Botschaft in Washington nach Armee-Dokument suchen, die „die Behauptungen vor Herr Matzke be- oder widerlegen“. Das darauf folgende Antwortschreiben aus den USA enthielt zwar diverse Berichte, konnte aber mangels Details weder Matzkes noch Schottenheims Darstellung be- bzw. entkräften. Trotzdem war die Causa Matzke damit entschieden. Schlichtinger schloss sich Mitte Juli 1970 der Recherche des Hauptamtsleiters Seebauer, sprich den Behauptungen Otto Schottenheims, vollständig an und erteilte Matzke eine Absage: Es tue ihm leid, „daß der Stadt aufgrund des negativen Ergebnisses“ der Archivrecherche die Grundlage für eine finanzielle Zuwendung fehle. Obwohl die amerikanischen Akten die Schutzbehauptungen von Schottenheim keineswegs bestätigt hatten, galten sie der Stadtverwaltung als historische Wahrheit. Die Causa Matzke war somit vorerst vom Tisch und der ehemalige Nazi-OB Schottenheim mauserte sich intern zum unentbehrlichen Stadtchronisten.

Robert Bürger: Die Light-Version der SS-Legende

Die Legende des vormaligen SS-Generals Schottenheim als Retter der Stadt wurde in den folgenden Jahren nicht nur intern gepflegt. So gab unter anderem die Mittelbayerische Zeitung dem Nazi-Bürgermeister mehrfach ein Forum dafür. Als er im September 1980 starb, baute sie der damalige OB Friedrich Viehbacher (CSU) in seinem Nachruf sogar noch aus: Schottenheim komme das Verdienst zu, die Stadt kampflos an die Amerikaner übergeben zu haben. Deswegen hätte „er sogar von der SS zum Tode verurteilt und hingerichtet werden“ sollen. Nach dem Tod Schottenheims trat der eingangs erwähnte Wehrmachtsoffizier Robert Bürger, der sich Anfang 1945 zufällig und ohne Dienstauftrag in Regensburg befand, auf den Plan und schrieb die Geschichte der letzten Kriegstage nach seinen subjektiven Vorstellungen nieder. Hierzu nahm er Schottenheim die Hauptrolle im Drama um die Verschonung der Stadt und wies ihm stattdessen eine nicht unwichtige Nebenrolle zu: Der Nazi-OB habe den Auszug der Kampftruppe mit städtischen Mitteln unterstützt. Sich selbst jedoch schrieb Bürger die Hauptrolle auf den Leib und erfand dafür die Funktion des „Stellvertretenden Kampfkommandanten“. Er, Bürger, habe am letzten Kriegstag einen Geistesblitz gehabt, die Kampftruppe im letzten Moment auf einem nur ihm bekannten Geheimweg aus der Stadt geführt und diese dadurch gerettet. Schutzengel und die Annahme von Gebeten, so Bürger, hätten zudem ihre Wirkung gezeigt. Bezeichnenderweise nahm damals niemand von der Stadtverwaltung den toten Schottenheim bzw. seine Legende in Schutz, vielleicht war man sogar froh, einen (vermeintlich) respektablen Wehrmachtsoffizier als den Retter der Stadt vorzeigen zu können. Vermutlich wäre es bis heute dabei geblieben, wenn Othmar Matzke nicht hartnäckig geblieben wäre.

Werner Chrobak setzt sich für Matzke ein

Als der Stadtarchivar Wanderwitz im August 1986 eine Abschrift des eingangs erwähnten Interviews an Matzke sandte, legte er auch den o.g. Aufsatz „Domprediger Dr. Johann Maier – ein Blutzeuge für Regensburg“ (1984) von Werner Chrobak bei. Erst dadurch erfuhr Matzke, dass ihm aktuell Robert Bürger „die Story“ vom Retter der Stadt Regensburg gestohlen hatte. Matzke war erzürnt und startete einen erneuten Anlauf. Er wollte seine Rolle an der Kapitulation endlich gewürdigt sehen und reiste daraufhin im Oktober 1992 nach Regensburg, um Wanderwitz und Chrobak mit seinen detaillierten Widersprüchen zu der Darstellung Bürgers (1983) zu konfrontieren. Wanderwitz jedoch entzog sich der erneuten Gegenüberstellung, was Matzke noch Jahre später in einem Brief mit „Feigling“ quittierte. Nur Werner Chrobak erschien zum vereinbarten Treffen im Ratskeller. Es lässt sich den Akten nicht entnehmen, was im Oktober 1992 genau besprochen wurde, als Matzke versuchte im Ratskeller Licht ins historische Dunkel zu bringen. Aber offenbar gelang es ihm, Werner Chrobak so weit zu überzeugen, dass dieser sich bei der amtierenden Oberbürgermeisterin Christa Meier (SPD) für ihn einsetzte.

Vertraute auf Stadtarchivar Wanderwitz: Oberbürgermeisterin Christa Meier. Foto: Archiv

Zwei Monate nach dem Ratskeller-Gespräch verfasste Chrobak einen Brief an die Oberbürgermeisterin, Betreff: „Kriegsende in Regensburg /Ehrenrettung Major Othmar Matzke“. In seiner Funktion als 1. Vorsitzender des „Historischen Vereins“ legt Chrobak darin sachlich und genau Matzkes Position bzw. dessen Sicht zur Kapitulation von April 1945 dar. Mit der Bitte, „das Anliegen von Herrn Matzke gerecht zu würdigen und ihm den ausstehenden Oberbürgermeister/Oberbürgermeisterinbrief zugehen zu lassen“, schließt der Brief. Doch wie reagierte die SPD-Oberbürgermeisterin auf das Chrobaksche Unterstützungsschreiben für die Würdigung von Matzkes Handlungen? Christa Meier, in ihrer Unkenntnis in historischen Details, leitete es an das zuständige Amt im Hause weiter, an das Stadtarchiv unter Leitung von Dr. Heinrich Wanderwitz. Der verschleppte die Sache zunächst. Erst im August 1993, ein dreiviertel Jahr später, bequemte er sich zu einer widersinnigen Stellungnahme, die tief blicken lässt.

Wanderwitz: Matzke hat militärische Pflicht verletzt

Unter einer Betreffzeile, die bereits Ablehnung signalisiert („Ehrenrettung“ für Major O. Matzke), konstatiert der Archivleiter: Das Verhalten von Major Matzke müsse „als normal eingestuft werden“. Militärisch gesehen habe „er seine Pflicht, die Nachhut zu leiten, wohl verletzt“. Menschlich gesehen, müsse „man es als selbstverständlich erachten, daß er die Zivilstellen in Kenntnis gesetzt hat, daß die Kampftruppe Regensburg abgezogen ist“. Wanderwitz schlägt abschließend vor, „an Major Matzke einen nichtssagenden Brief zu senden“. Hauptsächlich solle der nichtgewährte Ehrensold für Schottenheim thematisiert werden. Christa Meier war die Sache anscheinend irgendwie peinlich. Sie vermerkte am gleichen Tag: „Antwort aufgrund der langen Zeitspanne nicht tunlich“. Der Vorgang wurde am Tag darauf abgelegt, zumindest in den Akten der Oberbürgermeisterin. Im entsprechenden Akt im Stadtarchiv findet man die Wanderwitzsche Stellungnahme nicht, nur die ersten zwei Seiten von Chrobaks ursprünglichem Unterstützungsschreiben. Die dritte Seite jedoch, die im Verteiler unter anderem das Stadtarchiv ausweist, fehlt. Warum legt ein Archivar überaus relevante Schreiben nur unvollständig und eines überhaupt nicht in der speziell dafür angelegten Archivmappe ab? Um sein vergangenheitspolitisches Taktieren zu verschleiern? Hier wird meines Erachtens gegen grundsätzliche Aufgaben und Regeln des Archiv- und Verwaltungswesen schwerwiegend verstoßen. Das verschwundene Interview in Krems von 1985 gehört ebenso in diese Kategorie.

Von Durchhalte-Idioten und der Zweiten Schuld

Wie ist die Wanderwitzsche Stellungnahme von August 1993 heutzutage zu bewerten? Indem Wanderwitz darin auf eine angebliche Pflichtverletzung Matzkes abhebt, nimmt er die Position jener ein, die Matzke als „Durchhalte-Idioten“ bezeichnete. Eine solche Haltung vertrat nach 1945 nicht einmal eine Nazifigur wie der ehemalige SS-General Schottenheim. Gestand Schottenheim nach 1945 Matzke noch „pflichtgemäßes“ Handeln zu, geht Wanderwitz 1992 von Befehlsverweigerung aus. Nicht dass man eine solche Nibelungentreue Haltung einzigartig wäre, ein Archivleiter, der damit Vergangenheitspolitik betreibt, sollte aber auch in Regensburg als untragbar gelten. Nimmt man des Weiteren die Wortmeldungen und Fragen des Stadtarchivars aus dem Interview mit Matzke von 1985 zur Kenntnis, ergibt sich ein relativ klares Bild. Es ist an mehreren Stellen erstaunlich, wie schlecht vorbereitet Wanderwitz für das Gespräch in Punkto NS-Geschichte war, oder wie ignorant er mit Matzkes nicht uninteressanten Reflexionen zur Befehlsverweigerung umging. Nur ab und an blühte der Archivar anscheinend auf. So zum Beispiel als Matzkes beiläufig auf den Panzergeneral Otto von Knobelsdorff zu sprechen kam, meinte Wanderwitz: „Ja der Knobeldorf, das muss ein ganz zackiger gewesen sein … Ein Preuße … ganz ein dünner.“ Hier zeigte er Empathie. Perplex macht, wie pietäts- und beziehungslos Wanderwitz beispielsweise über den am 24. April 1945 ermordeten Domprediger Johann Maier sprach. Hierzu ein Auszug aus dem Interview, fragend an Matzke gerichtet:
Wanderwitz: „Darf ich noch eine andere Frage stellen? Der Maier, der hing ja am Neupfarrplatz dann rum.“ Chrobak: „Am Moltkeplatz“ Wanderwitz: „War das nicht der Neupfarrplatz?“ Chrobak: „Nein, nein Dachauplatz, damaliger Moltkeplatz.“ Matzke: „Na gut, das weiß ich ja.“ Wanderwitz: „Da hing er rum. Nicht gesehen?“ Othmar Matzke: „Nein …“
Diese beziehungslose und gefühlskalte Haltung gegenüber einem NS-Opfer ist nach Ralph Giordano („Die zweite Schuld“) typisch für Teile einer Nachkriegsgeneration, die die Schuld ihrer Eltern verleugnet und den deutschen Friedenschluss mit den NS-Tätern gutheißt. Ins Bild passt, dass Wanderwitz Ende der 1990er Jahre, als der Stadtrat und OB Schaidinger sich lange nicht dafür entscheiden konnte, die nach dem Nazi-Dichter Florian Seidl benannte Straße umzubenennen, allen Ernstes meinte, dann müsse man ja auch den Namen der Tucholsky-Straße ändern.

Kein Straßenname für Befehlsverweigerer und Deserteure

Bezeichnenderweise unterwirft sich Wanderwitz Anfang der 1990er Jahre in der Bewertung von Matzkes Handlung zur Beendigung des Kriegsgeschehens eindeutig dem Befehl des Oberkommandos der Wehrmacht: bis zum sogenannten Endsieg zu kämpfen. Fehlte nur noch, dass man zur Ahndung der Befehlsverweigerung nach dem Standgericht gerufen hätte. Seitdem der Bundestag im Mai 1997 die Opfer der NS-Militärjustiz rehabilitierte, also auch ein nicht näher bekanntes Standgerichtsurteil gegen Matzke wegen Befehlsverweigerung ungültig wäre, ist zumindest in rechtlicher Hinsicht an der kampflosen Übergabe Matzkes nichts auszusetzen. Im Gegenteil. Dass ohne die Entscheidung Matzkes zur kampflosen Übergabe die Beschießung Regensburgs verstärkt weiter gegangen wäre – diese Erkenntnis vermisst man bei Wanderwitz gänzlich.

Matzke wird 80 Jahre und lässt nicht locker

Die Stellungnahme des Stadtarchivars Wanderwitz bezüglich der angeblichen Pflichtverletzung von Major Matzke ist insofern besonders interessant, weil wenige Monate zuvor, im Mai 1993, zum ersten Mal ein Zeitungsbericht in Regensburg erschien, in dem Matzkes Rolle bei der Kapitulation positiv gewürdigt wird. Der Wechsel in der öffentlichen Meinung führte aber trotzdem zu einer kleinen Veränderung der Praxis der Stadtverwaltung. Als nämlich ein Jahr später der 80. Geburtstag Matzkes anstand, ließ sich Oberbürgermeisterin Christa Meier dazu anregen, ihm im Namen der Stadt zu gratulieren – auch für seine aufrechte Haltung in den letzten Apriltagen des Jahres 1945 und für seine Initiative, durch die die „kampflose Übergabe der Stadt eingeleitet werden“ konnte. Othmar Matzke freute sich über das Schreiben. Es sei „die schönste Geburtstagsüberraschung“ gewesen, wie er zum Ende des Jahres 1994 in einem Dankesbrief an Christa Meier meinte. Darin übersandte er ihr zudem ein Porträt von ihm als jungen Offizier. Zugleich zeigte sich Matzke in diesem Schreiben darüber enttäuscht, dass die Regensburger Chroniken immer noch Schottenheim und Bürger als Retter der Stadt führen. Meier wiederum ließ, ohne weitere Anweisungen, das ihr zugesandte Porträt über ihren Kulturreferenten Egon Greipl ins Stadtarchiv bringen. Zum 50. Jahrestag im April 1995 reiste Matzke ein letztes Mal nach Regensburg und berichtete auf Einladung des Journalisten Günter Schießl aus seiner Warte über die Ereignisse zum Kriegsende. Obwohl Oberbürgermeisterin Meier damals als Schirmherrin auftrat, ignorierten die einschlägigen amtlichen Stellen und der „Historische Verein“, nebst Ausschussmitglied Chrobak, die Veranstaltung samt Zeitzeugenbericht erneut.

Prinzip Aussitzen: Kein Platz für Matzkes Urne

Vertraute auf Stadtarchivar Wanderwitz: Oberbürgermeister Hans Schaidinger. Foto: Archiv

Im März 1997, kurz vor seinem 83. Geburtstag, raffte sich Othmar Matzke zu einem letzten Brief an den Regensburger Oberbürgermeister auf. Anscheinend setzte er eine gewisse Hoffnung in Hans Schaidinger, den neuen Mann im Amt. Matzke hoffte, dass Schaidinger „als der erste Bürgermeister nach dem Krieg an der Wahrheit der ehrwürdigen Stadt interessiert“ sei. Er wies erneut auf die gravierenden Widersprüche und Fehler in der Darstellung von Robert Bürger (1983) hin, die „nur ein von Haß erfüllter Mensch“ begehen könne. Die von Bürger in seiner Darstellung vorgenommene Glorifizierung Schottenheims, sei zwar – so Matzke – wegen dessen „Entnazifizierung“ verständlich, „aber der Geschichte gegenüber ein Großverbrechen.“ Diesmal bat Matzke die Stadt konkret um eine monatliche Rente und, für die Zeit nach seinem Tod, um einen Platz für seine Urne. Hans Schaidinger, der neue Mann, tat was seine Vorgängerin tat: Er leitete das Schreiben Matzkes an das Stadtarchiv „zur zuständigen Erledigung“ weiter. Wanderwitz, offensichtlich mittlerweile geübt im Aussitzen dieser Causa, verzichtete diesmal auf jedwede Bearbeitung und erledigte die Anfrage Matzkes dadurch, dass er sie wenige Tage später in den Archivbestand aufnehmen lies. Der eigentliche Dienstauftrag Schaidingers an Wanderwitz wurde auf diese Weise auch „erledigt“. Bis zum 16. Januar 1999, als Othmar Matzke in Mautern an der Donau starb, blieb er ohne Antwort von der Regensburger Stadtverwaltung.

Die Revision einer Legende

Während einer Veranstaltung der Stadt Regensburg zum 60. Jahrestag des Kriegsendes im Jahre 2005 behauptete OB Schaidinger, dass die Übergabe der Stadt 1945 an die amerikanischen Streitkräfte im Auftrag seines Vorgängers Schottenheim geschehen sei. Im Anschluss daran trug Werner Chrobak als weisungsgebundener Stadtheimatpfleger die Light-Version der Legende des SS-Generals Schottheim unverändert vor, so wie Robert Bürger (1983) sie sich ausgedacht hatte. Othmar Matzke spielte dabei keinerlei Rolle. An der Donau nichts Neues. Der vergangenheitspolitischen „Causa Matzke“ glaubte man sich zu jener Zeit auf verwaltungstechnischem Wege entledigt zu haben. Motiviert von diesem Jahrestag unterzogen Peter Eiser und Günter Schießl die Darstellung von Robert Bürger zu „Regenburg in den letzten Kriegstagen“ (1983) endlich einer Revision und haben sie als Geschichtsklitterung entlarvt. Dank ihrer Publikation „Kriegsende in Regensburg“ (2012) steht die Causa Othmar Matzke wieder auf der Tagesordnung. Spätestens mit den vorliegenden Rechercheergebnissen geraten auch die Machenschaften des Stadtarchivars Heinrich Wanderwitz und der Jahrzehnte andauernde fragwürdige Umgang von Teilen der Stadtverwaltung mit ihrer NS-Geschichte ins Blickfeld.

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Kommentare (19)

  • Neuromancerr

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    Pfui!
    Dieser Wanderwitz ist eine Schande!
    Nur: Wie bekommt man so jemanden weg?

  • D.B.H.

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    Also das man die Geschichte richtig wiedergeben muss ist wichtig und die ganze Geschichte ist definitiv ein Skandal.
    Aber Matzke’s Forderung nach einer monatlichen Rente und einer Ehrung ist ja wohl unerhört. Ein Wehrmachtsmajor fordert Dankbarkeit ein, weil er am Ende des Krieges eine vernünftige Entscheidung getroffen hat? Lächerlich!
    Was hat der Mann sich da eingebildet? Ein Held zu sein? Mit dieser Vergangenheit? Also nein, keine Ehrung für Naziverbrecher, auch posthum nicht.

  • Andy

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    @ D.B.H.

    Mich würde interessieren, wieso es sich bei Herrn Matzke um einen „Naziverbrecher“ handeln soll? Gibt es dafür irgendwelche Belege?

  • D.B.H.

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    Er war ja kein einfacher Fußsoldat, soviel ist sicher.
    Ich zitiere aus Wikipedia:
    „Als Chef einer Kompanie nahm Matzke 1940 am Feldzug gegen Frankreich und 1941 gegen die Sowjetunion teil. Im Winter 1941/1942 absolvierte er in München einen Bataillonsführerlehrgang. 1942 und 1944 nahm er wieder am Krieg gegen die Sowjetunion teil. Als Kommandeur des Pionierbataillons 211 der 211. Infanterie-Division bekam Matzke im Rang eines Majors von Generalleutnant Heinrich Eckhardt am 16. November 1944 das Ritterkreuz verliehen. Der Anlass hierfür war ein nächtlicher Einsatz im Nah- und Häuserkampf.“

    Klingt nicht gerade unschuldig, oder? Aber vielleicht ist der Ausdruck Naziverbrecher ungünstig gewählt, nichtsdestotrotz sollte man sich nach so einer „Karriere“ eher kleinlaut verhalten und nicht noch nach Anerkennung schreien.

  • Andy

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    @ D.B.H.

    Ich stimme Ihnen insoweit zu, als die Forderung einer Rente natürlich überzogen war.

    Zur Frage der „Schuld“ muss ich jedoch anmerken, dass der von Ihnen zitierte Artikel aus Wikipedia keinerlei Hinweise auf (kriegs-)verbrecherische Aktivitäten enthält. Als schuldbeladen möchte ich Herrn M. – jedenfalls aufgrund der genannten Handlungen – nicht bezeichnen. Sollte es andere Erkenntnisse diesbezüglich geben, wäre ich für Informationen dankbar.

  • Gondrino

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    Eigentlich unfassbar, dass 67 Jahre nach der Katastrophe offizielle Stellen der Stadt immer noch weigern, die historische Wahrheit anzuerkennen. Da wundert es mich nicht, wenn das auch mit der Gedenktafel am Colosseum und einem gemeinsamen Gedenken aller gesellschaftlichen Gruppen in Regensburg nicht klappt. Passt alles ins Bild.

  • Archivnutzer

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    Ein Archivar einer Großstadt, der Vergangenheitspolitik betreibt, die sich – offenbar – nicht durch kritische Distanz zum NS-Regime, sondern durch Versatzstücke der NS-Ideologie auszeichnet, ist in meinen Augen untragbar.

    Der Stadtarchivar Wanderwitz verstößt darüber hinaus – übrigens nicht zum ersten Mal (siehe Affäre zu Florian Seidl Straße) – in vielerlei Hinsicht gegen den „Kodex ethischer Grundsätze für Archivarinnen und Archivare“: (siehe http://www.vsa-aas.org/de/beruf/kodex-ethischer-grundsaetze/)

    „Archivarinnen und Archivare haben die Integrität von Archivgut zu schützen und auf diese Weise zu gewährleisten, dass es ein zuverlässiger Beweis der Vergangenheit bleibt.“
    Wanderwitz hat dagegen massiv verstoßen, z. B. da er das selbst erhobene Zeitzeugeninterview mit O. Matzke nicht ordnungsgemäß archiviert hat.

    „Archivarinnen und Archivare haben das spezielle Vertrauen, das ihnen entgegengebracht wird, im Interesse der Allgemeinheit zu gebrauchen und alles zu unterlassen, ihre Stellung zum ungerechten Vorteil für sich oder andere zu nutzen. Archivarinnen und Archivare müssen Tätigkeiten unterlassen, die ihrer beruflichen Integrität, Objektivität und Unparteilichkeit Abbruch tun könnten.“
    Wanderwitz hingegen hat aus einem ideologisch motivierten Eigeninteresse das historische Interesse der Allgemeinheit an den Vorgängen zum Kriegsende stark behindert und manipulativ gesteuert. Sein Verhalten war weder von Objektivität noch von Unparteilichkeit getragen.

    In Regensburg wäre angesichts des Verhaltens von Stadtarchivar Wanderwitz ein vielfältiger Protest fällig: Archivnutzer, Archivpersonal, Historiker, der „Historische Verein“, Journalisten, Lehrer, sprich alle an einem zeit- und sachgemäßen Stadtarchiv Interessierten sollten sich nicht die Grundlage ihrer Arbeit (weiter) zerstören lassen.

  • Veronika

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    Nett, wirklich nett, wie man auch Geschichte schreiben kann! Könnte man jetzt nicht „Wanderwitz“ als terminus technicus für solche Art von „Geschichtsschreibung“ einführen? Dies ist doch mal wieder ähnlich der Kirchengeschichtsschreibung.

  • Veronika

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    @Gondrino:
    Regensburg hat ja den Papst auch noch als Ehrenbürger, da muss doch die ganze Geschichte im besten Lichte erscheinen, auch wenn die Wahrheit auf der Strecke bleibt.

  • wollwirker

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    Die Legende vom „guten“ Wehrmachtsoffizier, der die Stadt rettete, gehört auf den Müllhaufen der Geschichtsverfälschungen die wir von den damals Beteiligten immer wieder erlebten.

  • grace

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    wohl eher regensburg als locus typicus für die ganzbesondere art, geschichte zu schreiben.

  • Robert Werner

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    Nachtrag zu Matzkes „Rentenantrag“

    Die unten geführte Debatte ist arg verzerrt. Soweit aus den Akten ersichtlich, ist Othmar Matzke erst zwei Jahre vor seinem Tod mit seinen Vorstellungen über eine Rente an die Stadtverwaltung herangetreten. Wanderwitz hat dieses Schreiben von 1997 überhaupt nicht bearbeitet, sondern sofort abgelegt. Einen rechtlichen Anspruch auf irgendwelche Zahlungen hatte Matzke sicher nicht, deshalb hat er darum eher gebeten, als sie zu fordern.

    Der historische Hintergrund des Ganzen ist in der städtischen Rente des Nazi-OB Schottenheim zu sehen. Matzke hat nämlich aus Regensburger Zeitungsberichten Mitte der 1980er Jahre erfahren, dass Schottenheim u.a. für seinen vorgeblichen Einsatz bei der kampflosen Übergabe der Stadt an die Amerikanischen Truppen eine Rente („Ehrensold“) beziehen durfte. In Matzkes Augen war dies ungerechtfertigt, da nicht Schottenheim, sondern er selbst, die Initiative und die wesentlichen Schritte zur Kapitulation eingeleitet habe. Tatsächlich hat Matzke mit den Durchhalte-Befehlen gebrochen, Schottenheim wurde dies hinterher nur angedichtet.

    Schottenheims Rente hat der NSDAP/CSU-OB Hans Herrmann Mitte der 1950er gegen den Widerstand des Stadtrats und mit Hilfe der Bayerischen Staatsregierung durchgesetzt. Einen rechtlichen Rentenanspruch hätte auch Schottenheim nicht gehabt. Ebenso hat OB Herrmann dem NSDAP-Kreisleiter Wolfgang Weigert, der in der NS-Zeit städtischer Schulrat und vorher Volksschullehrer in Steinweg gewesen war, eine städtische Rente zugeschanzt. Weigert hat die Ermordung des Domprediger Johann Maier maßgeblich betrieben, Schottenheim hat dies zumindest geduldet.

    Ob O. Matzke beispielsweise neben seiner Beteiligung als Offizier am „Vernichtungskrieg“ gegen die Sowjetunion an einzelnen Kriegsverbrechen beteiligt war, ist nicht bekannt.

  • D.B.H.

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    @Rober Werner: Vielen Dank für Ihren informativen Beitrag. Wissen Sie zufällig, ob Matzke NSDAP-Mitglied war?

  • Fr.Streng

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    Leider hat es R. Werner im vorliegenden Aufsatz – vor lauter Wanderwitz – versäumt, das Verhalten von W. Chrobak um 1992 zu bewerten. Schon Ende Juni lautete meine Ansicht, dass man nicht darauf warten braucht, bis Chrobak seine Arbeit und seinen Status infrage stellt. Mit den von Werner aktuell ans Tageslicht geholten Informationen würde ich meinen, dass Chrobak von seinen vielen öffentlichen Ehrenämtern wegen Geschichtsklitterung und manipulativer bzw. interessengesteuerter Vergangenheitspolitik zurücktreten soll.

    Der Historiker Chrobak hat bereits 1985 nach dem Interview mit Matzke gegen alle Regeln der Historiker-Zunft verstoßen, weil er das eigens erhobene Zeitzeugeninterview nur selektiv in seine Arbeit zu Domprediger J. Maier einarbeitete. Gravierende Informationen aus dem Interview, die Robert Bürger als Retter der Stadt (VHVO 123) fundamental in Frage stellen, hat er offenbar verschwiegen. Das Interview selbst hat er – wie schon Wanderwitz – nicht ordnungsgemäß archiviert.

    Nach dem Treffen mit Matzke im Ratskeller von 1992 hat Chrobak sich bei OB Meier mit einem Brief für letzteren eingesetzt.
    Warum nur, weil er wusste, dass Matzke (und nicht Bürger) die historische Wahrheit um die Vorgänge bei der kampflosen Übergabe der Stadt eher wieder gibt?
    In diesem Fall hätte Chrobak erneut, anscheinend getrieben vom schlechten Gewissen, wissentlich als Historiker gegen alle Regeln und wissenschaftliche Integrität verstoßen.

    Nimmt man an, das Chrobak nach dem Gespräch mit Matzke 1992 zum ersten Mal die historischen Zusammenhänge verstanden und sich deshalb bei OB Meier für letzteren eingesetzt hat, fehlte jedoch, dass Chrobak, der in der Stadt als DER Experte für das Regensburger Kriegsende gilt, seine – und folglich auch Robert Bürgers – entsprechenden Darstellungen (1983 und 1984) korrigiert hätte. Was er aber nicht tat, womit wir wieder bei der fehlenden wissenschaftlichen Integrität wären.

    Nimmt man an, dass Chrobak 1992 ein katholisch-schlechtes-Gewissen-Mitleid für Matzkes Lage hatte und sich nur für einen netten bürgermeisterlichen Brief zur „Ehrenrettung“ bei OB Meier und nicht für eine korrekte wissenschaftliche Revision der existierenden historischen Darstellungen einsetzen wollte, landet man bei einer absolut fehlenden Integrität, menschlich wie wissenschaftlich (was eh nicht zu trennen ist).

    Chrobak selbst hat sich als berufener Stadtheimatpfleger, Ehrenvorsitzender bzw. Ausschussmitglied des „Historischen Vereins“ und als seriöser Wissenschaftler in hohem Maße unglaubwürdig gemacht.

  • Robert Werner

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    @D.B.H.
    Ob Matzke NSDAP-Mitglied war, ist mir nicht bekannt?

  • Christa

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    Wenn ich die ganze Causa Matzke/Kriegsende richtig verstehe, sind darin nicht nur geneigte Leute der Stadtverwaltung involviert, sondern durchgängig auch Ausschussmitglieder, Vorsitzende, Ehrenvorsitzende und Schriftleiter des „Historischen Vereins“. Hier ist offenbar eine ganze Gruppe von Historikern am Werk, die über Jahrzehnte hinweg nicht in der Lage sind, Spruchkammerlügen, Durchhalteideologie und egozentrischen Dampfplaudereien aus historischen Darstellungen fernzuhalten.
    Meine Herren, ich finde dies überaus befremdlich!!

  • Lenzerl

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    Verschleppung durch die Stadtverwaltung, Geschichtsklitterung, Vergangenheitspolitik – es ist schade, dass auch mehr als 60 Jahre nach Kriegsende immer noch nicht sachlich (und wissenschaftlich) analysiert und diskutiert werden kann. In Regensburg offenbar noch weniger als anderswo und das, obwohl die meisten Zeitzeugen mittlerweile nicht mehr leben.

    Dabei könnte man zumindest doch einmal darüber nachzudenken versuchen (!), wie wir ohne persönliche Schuldzuweisungen das Kriegsende in Regensburg unseren Kindern weitergeben … Aus der Perspektive des Morgen ist das ganze Regensburg-typische Hin und Her um den Fall Matzke einfach lächerlich!

  • Bemerkenswert und doch geschichtsvergessen | Regensburg Digital

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    […] 4. Im Februar 1985 interviewte u.a. der derzeitige Stadtarchivar Heinrich Wanderwitz den damals in Österreich lebenden Othmar Matzke. Das für die historische Forschung (u.a. für den Tod von Domprediger Johann Maier) Interview ging nur in tendenziösen Auszügen in die historische Literatur ein. Die schriftliche Ausfertigung des Interviews wurde jedoch nach Auskunft des Stadtarchivs nicht archiviert. (siehe http://www.regensburg-digital.de/wie-regensburg-den-fall-othmar-matzke-erledigen-wollte/28082012/) […]

  • Blotko

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    Die ganze Sache ist etwas eingeschlafen, man fühlt sich einfach machtlos. Ich recherchiere wegen den Artikel – Hans Herrmann – Patron einer Grundschule in Regensburg !
    Die Politik hat versagt, vielleicht kann man vor den Wahlen die ganze Geschichte etwas beleben ?
    Hans Herrmann – Mitglied : BVP, NSDAP, CSU !
    Man kann sich nicht vorstellen, das über 30 Lehrkräfte, von Fr. Bauer Uta bis Hr. Zabawskyj, die Leitung der Schule – Fr. Ilse Mielich und Hr. Walter Mondschiedler, Elternbeirat – Frauen Manuela Polo und Pummer, möchten als ein Patron für die Kinder einen Nazi haben ?! Und wenn das doch so ist, dann müssen doch die Kinder, SMV- Albrecht Katharina, Yildrin Dogukan, Hashani Florentina , die Erwachsen zu Rede stellen. Nur Mut, euch gehört die Zukunft !
    Ich habe auch schon Vorschläge für einen neuen Patron- Otto Hipp, der schon 1933 erkannt hat, daß NSDAP für Regensburg und die ganze Menschheit nur eine Katastrophe verursachen kann.
    Johann Meier – Regensburger Domprädiger – Gegner der Nazi, ermordet. Jede ist besser als Herrmann.

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