Archiv für 30. August 2012

Piraten und der Porno-Pranger

„Mittelalterliches Gebaren“

„Chaos-Partei“ schlagzeilte der Spiegel über die Regensburger Piraten. Vorstandsmitglied Tomislav Dujmovic hatte sich in einer (selektiv versandten) Pressemitteilung für den (mittlerweile von einem Gericht verbotenen) Porno-Pranger der Abmahnkanzlei Urmann und Collegen ausgesprochen. Zwischenzeitlich ist der komplette Vorstand zurückgetreten, um Neuwahlen zu ermöglichen. Der bisherige Vorsitzenden der Regensburger Piraten, Jürgen Cieslik, wurde davon ein wenig überrascht. Er ist erst am Montag aus dem Urlaub zurückgekommen. Ein kurzes Interview.

Damals noch gut lachen nach der Vorstandswahl: Jürgen Cieslik. Foto: Archiv

Herr Cieslik, Ihr Vorstandskollege Tomislav Dujmovic hat sich öffentlich für den Porno-Pranger von U+C ausgesprochen. Im Grundsatzprogramm Ihrer Partei steht etwas anderes. Wissen die Piraten nicht, was sie wollen?

Die Pressemitteilung war mit niemandem im Vorstand abgesprochen und wurde im Vorfeld auch nicht diskutiert. Sie steht klar im Widerspruch zum Grundsatzprogramm. Das geht gar nicht. Wir sprechen uns klar und eindeutig gegen dieses Abmahnunwesen aus. Und was U+C da machen, ist mittelalterliches Gebaren. Das sehen mittlerweile ja nicht nur die Piraten so. Meines Wissens läuft mittlerweile ein Parteiausschlussverfahren gegen Dujmovic.

Unter der Überschrift „Chaos-Partei“ hat der Spiegel über das Ausscheren von Dujmovic berichtet. Haben die Regensburger Piraten ihren Laden nicht im Griff?

Unmittelbar nach den Äußerungen von Herrn Dujmovic haben mehrere Mitglieder klare Kante gezeigt und sich von seinen Äußerungen distanziert. Ich weiß nicht, was da Chaos sein soll. Vielleicht heißt es jetzt wieder, wir haben unseren Laden nicht im Griff, aber: Was hätten wir sonst machen sollen? Tomislav Dujmovic hat sich der Wahl zum Kreisvorstand gestellt. Er wirkt sympathisch und hat angekündigt, sich aktiv einzubringen. Also wurde er auch gewählt. Gemacht hat er dann allerdings nichts. Bei den Sitzungen und Treffen hat man ihn so gut wie überhaupt nicht gesehen. Dass er sich öffentlich so äußert, wie er es getan hat, konnte niemand ahnen und man konnte es im Vorfeld auch nicht verhindern.

Musste deshalb gleich der komplette Vorstand zurücktreten? Die Partei ist in Regensburg jetzt handlungsunfähig.

Der Rücktritt war das einzige Mittel, Tomislav Dujmovic die Möglichkeit zu nehmen, sich als Vorstandsmitglied der Piraten zu äußern. Zu einem Gespräch darüber war er nicht bereit. Am 13. Oktober wird es Neuwahlen geben und die bisherigen Vorstandsmitglieder haben sich bereit erklärt, wieder zu kandidieren.

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