JU fordert: Sperrzeit soll weg

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Die Präambel liest sich blumig. Just am Wochenende bevor die große Schwester CSU ihr Wahlprogramm nun endlich verabschieden will (am Dienstag), hat die Junge Union ihres vorgelegt. Eine mehrfaches Bekenntnis zur Arbeit von Hans Schaidinger ist dem Zwölf-Seiten-Papier vorgeschaltet. Zum Veröffentlichungstermin meint die Vorsitzende Martina Dräxlmeier nur süffisant: „Wir waren halt ein bisserl schneller.” Noch im November hatte Dräxlmeier öffentlich in Frage gestellt, ob Schaidinger der richtige OB-Kandidat sei und in einem Interview verlauten lassen, man wolle nicht für Schaidinger plakatieren. Diese Zeiten sind – glaubt man dem gedruckten Wort – vorbei. Die Forderung der JU nach einer „probeweisen Verkürzung der Sperrzeit” könnte am Dienstag aber durchaus für Diskussionen sorgen. Vor zwei Jahren hat die CSU den Beschluss gefasst, vor allem den Kneipen in der Altstadt nicht mehr – wie in den meisten anderen bayerischen Städten – die Öffnung bis um 5 Uhr früh zu gewähren. „Nach heftigen Diskussionen”, wie uns Heide Velten erzählt. Die CSU-Stadträtin hatte den Antrag damals eingebracht. „Die Mühe kann ich mir eigentlich sparen.” Martina Dräxlmeier bleibt bei allen Vorschlägen im JU-Wahlprogramm realistisch. Zwar werde man es am Dienstag, wenn das CSU-Wahlprogramm verabschiedet werden soll, vorlegen und verteilen, aber beim Vorschlag zur Sperrzeitverkürzung meint sie nur: „Das wird die CSU nicht wollen.” Recht hat sie. CSU-Stadträtin Heide Velten wohnt in der Altstadt und sagt klipp und klar: „Dass wir die Sperrzeit verkürzt haben, hat sich bewährt.” Dabei legt sie wert auf die Feststellung, dass sie und ihr Mann „auch mal spät ins Bett gehen.” Aber irgendwann müsse Ruhe sein und deshalb: Bei allem Verständnis für die feierfreudigen Leute in der JU – spätestens um 3 Uhr werden in der Altstadt die Bürgersteige hochgeklappt. Dass sie als Altstadtbewohnerin auch im eigenen Interesse handelt – „natürlich”, sagt Velten, „man hat auch als Stadträtin das Recht, Anwohnerin zusein.” Und alle könnten nun mal nicht so wie viele Studenten ausschlafen, „die müssen früh raus und fit sein”. Sie plädiert für ein vernünftiges Nebeneinander. Da ist sie ganz bei Martina Dräxlmeier, für die aber das vernünftige Nebeneinander auch „die Interessen der jungen Leute und der Wirte, die Geld verdienen möchten” sieht. Der geplante Ordnungsdienst, so steht es im JU-Programm, könnte ja für Ruhe sorgen. Als Provokation verstehen weder Velten („Ich habe Verständnis”) noch Dräxlmeier („Wir können uns ausschließlich auf die Interessen der jüngeren konzentrieren. Das kann die CSU natürlich nicht.) den Vorschlag just vorm CSU-Wahlprogramm-Dienstag. Außerdem wird der OB mehrfach in der Präambel äußerst lobend erwähnt. „Sachpolitisch haben wir den Oberbürgermeister nie in Frage gestellt”, sagt Dräxlmeier. Es sei der „menschliche Umgang, den die Mehrheit bei der JU nicht packt.” Menscheln könnte es aber am Dienstag trotz allem Verständnis. Sonst hätte sich die JU die Mühe ja sparen können.

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