„Verpiss Dich, scheiß Ausländer“

Junger Flüchtling krankenhausreif geprügelt

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polizeiEin 20jähriger schlägt mit einer Schreckschusspistole auf einen jungen Afghanen ein, bricht ihm das Jochbein und beschimpft ihn als „Scheiß Ausländer“. Die Polizei hat dennoch Zweifel an einem rassistischem Hintergrund der Tat.

Wann soll in Berichten über Straftaten die Nationalität von Tatbeteiligten benannt werden? Diese Frage wird immer wieder heiß diskutiert und war insbesondere nach den Vorfällen in der Kölner Silvesternacht lange ein beherrschendes Thema. Weil größere Medien erst mit Verspätung über den Verdacht berichteten, dass es sich bei den Tätern um Männer aus Nordafrika handle, war schnell von absichtlichem Verschweigen die Rede. Auch die Regelungen des Pressekodex wurden in diesem Zusammenhang in Frage gestellt. Dieser fordere von Journalisten, die Herkunft von Tatbeteiligten zu verschweigen, hieß es. Doch das ist falsch.

Im Pressekodex heißt es unter Ziffer 12:

„In der Berichterstattung über Straftaten wird die Zugehörigkeit der Verdächtigen oder Täter zu religiösen, ethnischen oder anderen Minderheiten nur dann erwähnt, wenn für das Verständnis des berichteten Vorgangs ein begründbarer Sachbezug besteht. Besonders ist zu beachten, dass die Erwähnung Vorurteile gegenüber Minderheiten schüren könnte.“

Polizei: „Wir orientieren uns am Pressekodex.“

Die Abwägung, ob sich ein solcher Sachbezug begründen lässt, bleibt also dem Journalisten überlassen. Die Grenzen dabei sind in vielen Fällen fließend und häufig werden unterschiedliche Berichterstatter zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen.

Auch bei der Pressestelle des Polizeipräsidiums Oberpfalz orientiert man sich, das ergibt eine Nachfrage unserer Redaktion, am Pressekodex:

„Staatsangehörigkeiten oder Zugehörigkeit zu bestimmten Gruppen (z.B. Asylbewerber) werden durch uns nur genannt, wenn die Nennung dieser Fakten zum Verständnis des Gesamtkontexts eines Vorfalls wichtig ist.“

Bei Diebstählen ist die Herkunft erwähnenswert

Zu der Abwägung, dass die Nennung dieser Fakten wichtig sei, kam die Pressestelle zum Beispiel in folgenden Pressemitteilungen:

„Ein 33jähriger Asylbewerber wurde am Montag um 11.30 Uhr in einem Geschäft des Donaueinkaufszentrums beim Diebstahl erwischt.“

„Ein 24jähriger Mann aus Mittelfranken wurde am Samstag um 14.45 Uhr bei einem Diebstahl in einem Geschäft des DEZ erwischt. (…) Der 24jährige Asylbewerber wurde an die Polizei übergeben und nach Abschluss der polizeilichen Maßnahmen wieder entlassen.“

„Am Donnerstagabend, 10.11.2015 gegen 21:50 Uhr kam es am Domplatz zu einer tätlichen Auseinandersetzung an der vier männliche, syrische Asylsuchende im Alter zwischen 18 und 21 Jahren beteiligt waren.“

„Der 40jähriger Asylbewerber aus Niederbayern packte in einem Drogeriemarkt Parfüm für knapp 760 Euro in eine präparierte Tasche und wollte das Geschäft ohne Bezahlung verlassen.“

Bei gefährlicher Körperverletzung keine Erwähnung

Im Pressebericht vom 21. März hingegen kam man zu einer anderen Entscheidung. Unter der Überschrift „Gewaltsame Auseinandersetzung in der Maximilianstraße“ heißt es einleitend: 

„Am Samstag, 19.03.2016 kam es gegen 21:45 Uhr an einer Bushaltestelle in der Maximilianstraße zu einer Auseinandersetzung zwischen zwei Heranwachsenden. Ein 20-Jähriger schlug einen 18-Jährigen mit einer Schreckschusspistole an den Kopf und verletzte ihn dadurch.“

Die Tatsache, dass es sich bei dem 18jährigen Opfer um einen Asylsuchenden aus Afghanistan handelt, wird nicht thematisiert. Erst auf Nachfrage bestätigt uns das Polizeipräsidium entsprechende Informationen. Zur Begründung, warum dies nicht schon im Pressebericht erwähnt wurde, heißt es:

„Da uns im vorliegenden Fall zunächst keine Hinweise auf eine fremdenfeindliche Motivation des Tatverdächtigen vorlagen, haben wir uns entschieden, auf die Nennung der Staatsangehörigkeiten der Tatbeteiligen zu verzichten. Nach Sichtung der uns zum damaligen Zeitpunkt vorliegenden Erkenntnisse stellte es sich für uns so dar, dass es sich um eine Auseinandersetzung zwischen Heranwachsenden handelte, bei welcher die Staatsangehörigkeit nebensächlich erschien.“

Angriff „nicht unmittelbar fremdenfeindlich motiviert“

Mittlerweile sind die Ermittlungen etwas weiter fortgeschritten. Zwischenzeitlich ist klar. Bevor der 20jährige Deutsche dem 18jährigen Afghanen durch den Schlag mit einer Schreckschusspistole ins Gesicht unter anderem das Jochbein brach, so dass dieser mehrere Tage im Krankenhaus verbringen musste, beschimpfte er ihn als „Scheiß Ausländer“. Die Polizei geht allerdings dennoch derzeit nicht davon aus, „dass der Angriff unmittelbar fremdenfeindlich motiviert war“. Begründung:

„Nach unseren derzeitigen Erkenntnissen hielt sich der spätere Beschuldigte auf einer Bank an der Bushaltestelle auf. Der spätere Geschädigte ging mit Begleitern dort vorbei. Aus einem nichtigen Grund schaukelte sich die Situation auf und es kam zu einem Gerangel zwischen den beiden Männern. Der Geschädigte und seine Begleiter gaben in ihren zwischenzeitlich durchgeführten Vernehmungen an, dass der Beschuldigte erst im Verlaufe des Gerangels eine ausländerfeindliche Parole gerufen habe.“

Kommentar: Täter ja, Opfer nein

morgen1Wie bereits erwähnt: In der Abwägung darüber, ob man die Nationalität oder Flüchtlingseigenschaft von Tatbeteiligten nennt oder nicht, kann es zu unterschiedlichen Entscheidungen kommen. Warum aber spielt bei Diebstahldelikten die Flüchtlingseigenschaft eine Rolle, obwohl es – zumindest laut des aktuellen Sicherheitsberichts des Polizeipräsidiums – keine auffälligen Häufungen von Diebstählen durch Asylsuchende gibt? Warum ist die Flüchtlingseigenschaft bei einer Auseinandersetzungen, an der ausschließlich Asylsuchende beteiligt, also Täter sind, erwähnenswert, aber bei einer Auseinandersetzung zwischen einem Deutschen und einem Afghanen, wo ein Flüchtling Opfer wird, „nebensächlich“? Die Entscheidung wirkt willkürlich und wozu die Praxis führen kann, bei jedem Diebstahldelikt die Nationalität zu erwähnen, lässt sich an den Schlagzeilen manch klickgeiler Anzeigenblätter beobachten.

Und unabhängig vom Zeitpunkt: Wenn jemand „Verpiss Dich, scheiß Ausländer“ brüllt, ihn anschließend durch den Schlag mit einer Pistole ins Gesicht bewusstlos schlägt und das Jochbein bricht, dann kann es am Rassismus des Täters keinen Zweifel geben. Laut der Statistik im aktuellen Sicherheitsbericht des Polizeipräsidiums Oberpfalz hat es im vergangenen Jahr zwar einen Anstieg rechtsextremer „Propagandadelikte“ (Hitler-Gruß etc.) gegeben, allerdings „lediglich zwei rechtsmotivierte Körperverletzungen“. Doch was ist von einer solche Statistik zu halten, wenn ein solcher Angriff wie am 19. März nicht als „unmittelbar fremdenfeindlich motiviert“ eingestuft und so bagatellisiert wird?

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Kommentare (32)

  • joey

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    wer hat denn zufällig eine Schreckschußpistole dabei? Hier ist keine zufällig Entwicklung wie auch mancher Islamist in Köln bei einem Angriff auf die Polizei „zufällig“ ein langes Messer dabei hatte.

    Nationalitäten sind immer interessant. Es gibt rechtsradikale Kriminalität und einschlägige Ausländerkriminalität. Es muß der Öffentlichkeit überlassen werden, diese Phänomene zu bewerten. Auch kontrovers oder in Varianten, es gibt ja nicht immer eine einzige Wahrheit.

  • Grips

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    Der Artikel schildert in anschaulicher Weise, wie die von Gesetz wegen zu Neutralität verpflichtete Polizei mit ihren Pressemitteilungen faktisch in doppelter Hinsicht ausländerfeindlich agiert. Zum einen denkt man sich natürlich, wenn man immer wieder von Flüchtlingen liest, die …,dass diese Gruppe überdurchschnittlich kriminell ist. (Wobei mich eher erstaunt, dass die Flüchtlinge laut Kriminalstatistik durchschnittlich auch nicht mehr anstellen als deutsche Staatsbürger, so mies, wie der Staat und Teile der Bevölkerung sie behandeln). Zum anderen verhindert das polizeiliche Verschweigen ausländerfeindlich motivierter Straftaten natürlich auch die Solidarität mit den Opfern, denn jeder Mensch mit noch ein bisschen Menschlichkeit würde sich da solidarisch fühlen. Ein Lob an r-d, ein Tadel an die Schlafmützen von der MZ mit ihrer heiles-Regensburf-Dorf-Berichterstattung.

  • altstadtkid

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    Warum meint Ihr wurde dieser Pressecodex eingeführt?

  • Peter

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    Ich hatte mich seinerzeit mal an den Presserat gewandt (das kann jeder schriftlich oder elektronisch machen), weil in der M“Z“ in einem Artikel über einen Diebstahl erwähnt wurde, dass der Täter Italiener sei. Ich habe auch mit dem 12er argumentiert. Rausgekommen ist nichts. Da der Presserat jeder Beschwerde nachgehen muss, habe auch ich eine Antwort erhalten. Man habe sich den fraglichen Artikel angesehen und nicht erkennen können, dass die M“Z“ gegen den 12er verstoßen hat. Begründung: „Da Italiener in Deutschland nicht zu einer besonders angefeindeten Gruppe gehören, wäre auch die Nennung der Nationalität des Täters nicht nachteilig für ihn oder diese Gruppe. Es wäre nicht zu erwarten, dass die Leser des Artikels deshalb Italiener an sich für besonders kriminell halten würden.“
    Da fällt mir nichts mehr ein. Der Presserat stellt Richtlinien auf und hält sich im konkreten Fall nicht daran. Es war für den Diebstahl völlig irrelevant, welcher Nationalität der Täter angehört (also exakt Paragraph 12), diese darf trotzdem genannt werden, falls diese Nationalität in der Wertschätzung der Bevölkerung nicht im unteren Bereich angesiedelt ist.

    Raffinierter kann man Rassismus nicht verstecken.

    Eine Diplom-/Doktorarbeit über die Verteilung der Nennung der Nationalitäten bei Straftaten in der M“Z“ und einen Vergleich mit Daten der Destatis über die tatsächliche Verteilung von Nationalitäten bei Straftätern wäre klasse.

    Dass die Rennleitung den Satz „Scheiß Ausländer“ nicht als fremdenfeindlich einstuft, lässt mich dann doch mit einigem Entsetzen an die Zeit Anfang der 30er Jahre denken.
    Aber wir haben ja alle nix gegen Ausländer, oder?

  • Regensburgerin

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    Was muss dann passieren, damit die Polizei solche Sachen als rassistisch bzw. fremdfeindlich bewertet? Ein „Scheiß-Ausländer“ – ist damit fremdfreundlich oder wie?
    Auch das Video von TVA über den Brand in einer Asylunterkunft in Neutraubling hat mich sehr enttäuscht. Da wurde eine einzige Dame /Nachbarin gezeigt, die meinte „Man darf Asylanten nicht im Wohngebiet unterbringen. Hier wohnen Familien und wir haben Angst“. Dabei sind viele Ehrenamtliche Helfer in Neutraubling unterwegs und haben Sorgen um Flüchtlinge in der Schlesischen Straße gemacht. Warum wurde keiner von denen, wenigstens parallel, interviewt und im Video gezeigt? Bei TVA selbst habe ich keine Lust nachzufragen. Wenn jemand so eine Berichterstattung schreibt, seine Einstellung und Motivation sind für mich mehr als eindeutig.
    Genauso die MZ – die wieder über „Massen“ und „Asylanten“ geschrieben hat und das ohne Gänsefüßchen. Mich hat aber besonders gewundert, dass das Wort „Asylant“ im Duden zu finden ist – „jemand, der um Asyl (2) nachsucht; jemand, der Asylrecht beansprucht (wird gelegentlich als abwertend empfunden)“. Man empfindet es nicht abwertend, sondern der Begriff ist abwertend. Menschen gefällt mir viel besser.

  • kontrovers

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    Was mir dazu an Info in der Statistik noch fehlt: gibt es auch Beispiele seitens der Berichterstattung der Polizei, in denen es zu keiner offiziellen Nennung der Staatsangehörigkeit bei strafrechtlichen Vorkommnissen Asylbewerber vs „Deutsch“ oder Asylbewerber vs Asylbewerber kam? Ist die beschriebene Tendenz wirklich nur in die eine Richtung festzustellen?

    Zum Kommentar: Wussten Sie und der 20jährige denn zum Zeitpunkt der Tat, dass es sich beim Tatbeteilgten um einen Afghanen/Asylbewerber handelte und man eine rassistisch motivierte Tat unterstellen/kommentieren kann?

  • Regensburgerin

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    @kontovers
    Glauben Sie, der 20-jährige würde zu einem „blonden, blauäugigen, bayerischsprechenden“ jungen Mann „scheiß Ausländer“ schreien?:-)
    Ob Afghane Asylbewerber oder „Hiergeborener“ ist – ist bei solchen Sachen den Tätern völlig wurst!

  • kontrovers

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    @Regensburgerin: vielleicht hat der Afghane schwedisch/bayrische Wurzeln? Ich weiß und glaub es zwar eher nicht, aaaaber…

    Es könnte eben – wenn ich Sie richtig verstehe – ja auch so gewesen sein, dass ihm das völlig Wurst war ob Ausländer, Deutscher mit oder ohne Migrationshintergrund und was es alles gibt. Gut heißen kann man das natürlich so oder so nicht. Aber: war einer von den Lesern hier bei der Tat dabei. Allenfalls verspätet die Polizei… Haben die Beteiligten sich vorher die Pässe oder Aufenthaltsgenehmigungen gegenseitig unter die Nase gehalten? Insofern hier gleich wieder zu polarisieren und alles in die linke oder rechte Ecke zu schieben, bin ich eigentlich nicht gewohnt. Oder doch?! Man weiß es nicht…

  • Stefan Aigner

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    @kontrovers

    Bei der Tat waren mindestens vier Zeugen (drei Begleiter des Opfers, die Freundin des Täters) dabei. Dass der Täter die rassistische Beschimpfung gerufen hat, wurde laut Polizei durch mehrere Zeugenaussagen bestätigt. Vor der Vernehmung der Zeugen wusste die Polizei, das ergibt sich aus der ersten Stellungnahme, offenbar noch nichts von der Beschimpfung. Danach, das ergibt sich aus der zweiten Stellungnahme, wusste die Polizei davon. Wenn der Täter also „Scheiß Ausländer“ gerufen hat, dürfte er sich wohl darüber im Klaren gewesen sein, dass es sich um einen „Ausländer“ gehandelt hat. Außer man geht davon aus, dass jemand das als übliche Beschimpfung für jedermann benutzt. Daraus könnte man u.U. aber auch rassitisches Gedankengut ableiten.Insofern verstehe ich Ihre Frage nicht.

    Die Polizei nennt – das ist nur ein Eindruck aus den Pressemitteilungen, die ich jeden Tag bekomme – sehr häufig die Staatsangehörigkeit, z.B. gerade bei Diebstahldelikten. Wenn sie die Nationalität nicht nennt, kann ich nicht nachvollziehen, ob das wegen der Orientierung am Pressekodex geschieht oder deshalb, weil es Deutsche waren. Ich als Journalist würde es bevorzugen, wenn die Polizei solche Informationen grundsätzlich nennt oder grundsätzlich nicht nennt, denn die Abwägung kommt mir – wie schon erwähnt – völlig willkürlich vor.

    Die erwähnte Auseinandersetzung am Domplatz spiegelt in weiten Teilen dieselbe Situation wieder wie jene in der Maxstraße: Heranwachsende, Auseinandersetzung, Angriff mit Gegenstand, Verletzungen. Es ist nicht nachzuvollziehen, warum die Nationalität im einen Fall genannt wird und im anderen nicht. Mit dem Pressekodex hat das in meinen Augen nichts zu tun, eher damit, dass mal der eine, mal der andere die Presseberichte schreibt.

  • Kontrovers

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    Danke für die Zusatzinfos. Jetzt wirds natürlich klarer…

  • dugout

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    Solange Polizei und leider auch Richter ein offenes Ohr für aberwitzige Erklärungen a la: „Natürlich ist er ein Scheiß Ausländer aber die Fresse hab ich ihm eingeschlagen weil er mich blöd angesehen hat…….“ haben, wird sich die Zahl der fremdenfeindlichen Straftaten schon in Grenzen halten.

  • Russe-Migrant-Aussiedler-mir_doch_egal: REGENSBURGER !!!!!

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    Kommentar gelöscht. Verbreiten Sie Ihre wüsten Theorien woanders.

  • Jacques Bressot

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    Ist es auch Rassistisch, wenn die Güne Claudia Roth als Bundestagsvizepräsidentin Sprüche wie „Deutschland du mieses Stück Scheiße“ von sich gibt und auch zu diesen Aussagen steht ?

  • Russe-Migrant-Aussiedler-mir_doch_egal: REGENSBURGER !!!!!

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    Kommentar gelöscht. Egal, wie oft Sie es noch probieren. Links dieser Seite werden wir nicht veröffentlichen. Siehe: https://de.wikipedia.org/wiki/Opposition24

  • hutzelwutzel

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    Hat denn irgendjemand gesagt, dass in Bayern nur die Geschichtsschreibung problematisch ist?

    http://www.hagalil.com/2009/03/bayern-ns/

    Man fängt – so man klug ist- schon viel früher damit an, dann passen sogar die Quellen.

    Heute startet die neue Corporate Identity des Bayerischen Fernsehens. Gem. dem Motto „Bayern kann es auch alleine“?
    Wer hat hier nur immer wieder den BR angeschrieben und mehr Berichterstattung aus Bayern und den einzelnen Bezirken gefordert? Die Insassen der Bezirkskrankenhäuser, zwangsweise? ;-)

    Oh je, mir wird schon wieder übel!

  • hutzelwutzel

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    Mein Vorschlag: Bitte auch für alle Migranten ein De-Eskalationstraining und einen Selbstverteidigungskurs wie für alle sonstigen Inwohner. Dann können und werden die sich wenigstens adäquat verteidigen.
    Manche Dinge löst man in Bayern eben auf althergebrachte christlich-abendländische Art im „dedizierten Echoverfahren“. ;-)

  • hutzelwutzel

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    Kommentar gelöscht. Bitte unterstellen Sie hier nicht jemanden irgendwelche Straftaten.

  • Lothgaßler

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    Mahr ehrlich: Aus der eher vagen Beschreibung des Tathergangs lässt sich eine rassistisch motivierte Straftat nicht sicher beweisen. „Scheiß Ausländer“ ist eine Beleidigung, liefert also ein Indiz. Aber „Scheiß“ wird bei Beleidigungen immer gerne verwendet: Scheiß Bullerei (nur als Beispiel, bitte keine Anzeige durch die Staatsgewalt), Scheiß Lehrer, Scheiß Chef usw. Wer wirklich rassistisch beleidigen will, der nutzt i.d.R. einen anderen Wortschatz. „Verpiss Dich“ ist keine spezifisch ausländerfeindliche Anmache, dergleichen kann man selber auch zu hören bekommen. Was genau vorgefallen ist und welche Motive eine Rolle spielten, dass müssen Polizei und Gericht aufarbeiten und nicht die Presse oder wir Kommentatoren.
    Die Straftat als solche wird ihre Konsequenzen nach sich ziehen (Schreckschusswaffe und damit zuschlagen und eine schwere Körperverletzung begehen). Von einer Bagatellisierung kann hier keine Rede sein, der Deutsche bekommt dafür keinen Rabatt!
    Soll die Nationalität oder die Ethnie bei Straftaten genannt werden? Nur mit Bedacht, denn selbst wenn eine Gruppe (egal ob Deutsche oder Ausländer) auffällig wird, die drohende Verallgemeinerung ist immer ungerecht und richtet womöglich großen Schaden an.
    Bei Diebstahlsdelikten u.ä. sollte die Nennung der Nationalität nicht erfolgen, solange der Schaden und die kriminelle Energie gering sind. Ein „normaler“ Ladendiebstahl oder eine Schwarzfahrt rechtfertigen die Nennung der Nationalität nicht, dagegen Straßenraub, Wohnungseinbruch und Körperverletzung schon. Dabei darf ruhig auch die Nationalität des Opfers genannt werden. Ich würde es begrüßen, wenn zur Objektivierung auch die aktuelle Statistik gleich mit veröffentlicht werden würde.
    Rassismus und Fremdenfeindlichkeit sind zweierlei, auch wenn sich Überschneidungen ergeben. Rassisten feinden andere deshalb an, weil sie sich äußerlich unterscheiden. Fremdenfeinde gehen gegen alle vor, die nicht zur eigenen Gruppe (wie auch immer diese definiert ist) gehören.
    Was wir tunlichst unterlassen sollten, das ist ein selbst auferlegtes Schweigen bei Straftaten in Zusammenhang mit Nicht-Deutschen. Ich meine das in beide Richtungen (Deutsche als Täter/ Opfer, Nicht-Deutsche als Täter/ Opfer).

  • menschenskind

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    „Rassismus und Fremdenfeindlichkeit sind zweierlei, auch wenn sich Überschneidungen ergeben. Rassisten feinden andere deshalb an, weil sie sich äußerlich unterscheiden. Fremdenfeinde gehen gegen alle vor, die nicht zur eigenen Gruppe (wie auch immer diese definiert ist) gehören…“

    … meint Lothgaßler und fordert damit meinen entschiedenen Widerspruch heraus.

    Angesichts unserer ebenso fremdenfeindlichen wie rassistischen, bayerischen Vorgeschichte tun wir gut daran, Fremdenfeinde und Rassisten in einen und den selben (Nacht-)Topf zu schmeißen und diesen in die nächstbeste Jauchegrube zu kippen.

    Gerne erinnere ich auch Sie, Lotgaßler, nochmal persönlich daran, dass es weder Hitler noch den Holocaust noch Vieles, was danach kam, gegeben hätte, ohne uns Bayern. Uns Bayern, die wir seit Generationen gewohnt sind, pflegeleichte und unkritische, zu allen Schandtaten bereite und gewissenlose Untertanen unser Herren zu sein. Egal ob Herzögen oder Kurfürsten, ob Bischöfen oder Königen, ob dem Führer oder der CSU, stets leisteten wir nahezu bedingungslos treu unsere für andere häufig tödlich ausgehenden Hand-und-Spann-Dienste. Die Leidtragenden waren stets Minderheiten, egal ob „Andersrassige“ oder kurzerhand zu „Fremden“ Erklärte wie Juden, Sinti und Roma, „Ketzer“, „Hexen“, Illuminaten, Freimaurer, Nichtangepasste, „Linke“, „Kommunisten“, „Terroristen“…

    Zudem haben Fremdenfeindlichkeit und Rassismus das gleiche Ziel: Ausgrenzung .

    Wer ausgrenzt, aus welchen Gründen auch immer, gehört selbst ausgegrenzt, oder noch besser, therapiert, in Haft- oder geschlossenen Anstalten.

    Bayern kann sich einfach keine weiteren Ausgrenzer und Ausgrenzungen mehr leisten. Das Maß (nicht die Maß!) ist voll.

  • Lothgaßler

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    @menschenskind:
    Mir ist es schon ein Anliegen, die existierenden unterscheidenden Begriffe nicht so zu vermengen, bis ein unscharfer Sprachbrei entsteht und alles mit allem gleichgesetzt wird. Mir stößt auch die Gleichsetzung Flüchtling mit Migrant sauer auf, weil sie gleichsetzt was nicht gleichzusetzen ist, weil sie falsch ist. Damit wird jeder Flüchtling (egal ob er vor Krieg, politischer/ relgiöser Verfolgung, Naturkatastrophen oder Seuchen flieht) einem Einwanderer gleichgesetzt. Diese Sicht hat während des Jugoslawien-Krieges nicht gegolten, die Flüchtlinge wurden bis zum Kriegsende geduldet, von wegen Einwanderer!
    Wir werden als Gesellschaft nicht durch sprachliche Vereinfachungen, Verallgemeinerungen, Neuschöpfungen oder Sprachmigration menschenfreundlicher!
    Ob wir Bayern (frag mal den Niederbayern was er von den Mittelfranken hält) wirklich so fremdenfeindlich oder rassistisch sind, wie Sie das hier vorbringen darf diskutiert werden. Ich finde nein, wir sind nicht fieser als andere in Deutschland oder irgendwo anders auf dieser Welt. Es gibt überall solche und solche! Wir sind allerdings auch nicht übermäßig freundlich Fremden gegenüber. Und ja, Fremdenfeindlichkeit und Rassismus findet sich nach wie vor in unserer Gesellschaft. Die Anfeindungen und Verfolgungen von Sinti und Roma in Europa!!! wurden gestern medial in Erinnerung gerufen, allein das wird aber nichts ändern. Dunkelhäutige Menschen werden nach wie vor im Zug von der Polizei kontrolliert, auch wenn sie schon jahrelang im Lande leben, in Regensburg studiert haben und als Informatiker in Weiden arbeiten. Über diese Zielfahndung konnte der Überprüfte nur noch müde lächeln.
    Die Betonung einer bayerischen Verantwortung für NS-Verbrechen steht auf tönernen Füßen. So einfach war diese „Bewegung“ nicht gestrickt. So traurig es ist, die NS-Ideologie ist noch nicht einmal deutsch-germanisch begrenzt, sie findet noch heute ihre Anhänger in Ungarn, Kroation, Griechenland und anderswo.
    Deshalb „kontra“ der Sprachverpanschung mit folgender analytischen Unschärfe!

  • Bertl

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    Jetzt sitze ich zum Ende meines Nachtdienstes hier und habe alle Beitraege mal versucht neutral zu lesen. Da gibt es einen Meinungsaustausch ueber eine Tat, die (Nationalitaeten mal kpl. beiseite geschoben) fuer die Meisten von uns asozial und fern jeder Normalitaet ist. Was geht in meinem Hirn vor, wenn ich mein Gegenueber mit einer Waffe mal kurz bewustlos klopfe? Dieses erste Unverstaendnis konnte ich aber noch recht leicht wegstecken. Ein Klassiker der „Legalisierung/ Bagatellisierung“ in Form von Claudia Roth Zitaten… dezent ueberlesen. Den anderen Beitraegen konnte ich genug an Dingen entnehmen, die ich ebenfalls Teilen kann. Was aber gibt es an einem „fremdenfeindlichen Hintergrund“ zu zweifeln? Ich stelle jetzt einfach mal die Behauptung auf, dass der Taeter sich des Unterschiedes zwischen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit NICHT bewusst ist. Dieser „angeblich“ junge Erwachsene bricht einem scheiss Auslaender das Jochbein! Ob jetzt im Affekt oder nicht… Das ist fremdenfeindlich und gehoert auch so von einer Pressestelle dargestellt! Ob das nun als testosterongeschwaengertes Gerangel begonnen hat oder nicht ist dabei doch voellig egal. ODER? Haette dieser Vorfall auch zwischen 2 richtigen „T“eu“t“schen stattfinden koennen? Letzten Endes vielleicht zwischen 2 Afganen? Hm… bin mir jetzt ploetzlich nicht mehr so ganz sicher, ob ich mit meiner Einschaetzung der Situation richtig liege. Ob das wohl daran liegen koennte, dass es einfach eine sehr duerftige Pressemitteilung der Polizei gewesen ist? Mit den Infos die dort enthalten/ nicht enthalten sind, haette man sich das Ideengeruest einer Westside Story herauslesen koennen. Was allerdings unzweifelhaft Tatsache ist…. wenn ein 20 jaehriges Buerschchen mit einer Schreckschusspistole Nachts in einer Bushaltestelle sitzt, haben wir noch viel mehr Probleme als nur diesen hirnlosen Rassismus, diese unverstaendliche Fremdenfeindlichkeit!

  • rjw

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    Rassismus und Antisemitismus zielen in Deutschland historisch gesehen auf Vernichtung! Nicht wenige der „Fremdenfeindlichen“ stehen heute in dieser Tradition, von den Freunden des „Vierten Reichs“ (die nicht nur und auch nicht vor allem in Bayern leben – welch eine Verkürzung!!) ganz zu schweigen …

    Mir geht es hier um Polizeiberichte und um pseudoneutrale Aussagen, wie zuletzt beim Brand in einer Flüchtlingsunterkunft in Neutraubling, wo es in der PM der Kripo heißt: „Es liegen nach derzeitigen Erkenntnissen keine Hinweise auf einen fremdenfeindlichen Hintergrund vor.“ Wenn es stimmt, dass die Brandursache überhaupt nicht geklärt ist könnte die Meldung mit einiger Berechtigung auch heißen: „Es liegen nach derzeitigen Erkenntnissen keine Hinweise auf einen NICHT-fremdenfeindlichen Hintergrund vor.“
    Polizeiberichte sind also tendenziös und Ausdruck von gesellschaftlichen Diskursen, in den sowas wie „Fremdenfeindlichkeit“ ausgedeutet oder verleugnet wird.

    Viele Übergriffe von Rassisten/Fremdenfeinden tauchen weder in polizeilichen Pressemitteilungen noch in Statistiken auf. Letztes Jahr wurde ich Zeuge eines solchen Übergriffs, während eines der vielen Straßenfeste in Regensburg. Drei besoffene, schwäbisch sprechende und stark alkoholisierte Touristen deutscher Herkunft haben damals einem nichtdeutschen Geschäftsmann am frühen Abend tätlich angegriffen, weil er ihnen keinen Alkohol mehr verkaufen wollte und Hausverbot erteilte. Zur Rede gestellt gab einer an: „Ich bin kein Rassist aber, … diese Itaker und Kanaken…“. Erst würden sie Alkohol verkaufen und Reibach machen und dann auf einmal die Leute rauswerfen…

    Das Ganze lief auf offener Straße zwischen vollbesetzten Bierbänken ab und nur zwei Außenstehende mischten sich ein. Diese wurden im Gegenzug von den gewalttätigen Touristen bedroht. Eine Anzeige wurde ohne öffentliche Berichterstattung und Prozess dezent abgewickelt. Wie oft mag dergleichen wohl geschehen?

  • Schlichting

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    Die Polizei hat in ihren eigenen Reihen ein prozentual ebenso grosses Problem mit institutionellem Rassismus wie der Rest der Bevölkerung eben auch. Aber anstatt das zu thematisieren und dagegen vor zu gehen, bewusst Aktionen gegen Mißbrauch zu schaffen oder den Kontrolldruck zu erhöhen, wird seit Monaten weg geschaut. Von der Bevölkerung, den zuständigen Stellen ebenso wie von Politikern und Medien. Die Tatsache, dass nach der Silvesternacht in Köln umgehend ein x-köpfiges Beamtenteam aufgestellt wurde und die Bauernopfer schnell gefunden waren spricht da ebenso Bände, wie die der Fakt, dass nicht einer der vielen vielen Anschläge auf Asylbewerberheime bisher umfassend aufgeklärt wurde. Die Polizei, ja jeder einzelne Polizist, der einen Eid auf unser Grundgesetz geleistet hat, weiß sehr genau wie und woran man Fremdenfeindlichkeit und auch Rassismus erkennt. Dass dies immer wieder seit Monaten beinahe unkommentiert geschieht (in aller Öffentlichkeit) ist für ein Land mit unserer Geschichte schlimm genug, aber dass es in keiner Weise Konsequenzen hat und nicht einmal ein Vorfall wie dieser Überfall und dessen offizielle Einschätzung als „nicht fremdenfeindlich“ keine politischen Reaktionen auslöst, zeigt, dass wir im Prozeß auf dem Weg zum Verlust der Rechtsstaatlichkeit schon viel weiter sind, als wir alle wahr haben wollen.

  • menschenskind

    |

    Lothgaßler meinte:
    „Ob wir Bayern (…) wirklich so fremdenfeindlich oder rassistisch sind, wie Sie das hier vorbringen darf diskutiert werden.“
    Nein, darf es nicht, denn es ist ein Fakt.
    Die Friedrich Ebert Stiftung hat zwischen 2006 und 2010 bundesweit alle zwei Jahre (also insgesamt dreimal) rumgefragt und Bayern war stets das antisemitischste Bundesland und mehrfach auch das fremdenfeindlichste Bundesland; zwei von fünf Bayern outeten sich als fremdenfeindlich; und, als ob das nicht genug gewesen wäre, stellte die Heim-Studie der Uni Leipzig bei einer ganz ähnlichen Befragung im Jahre 2015 erneut fest, dass unser Bayern die meisten Judenhasser und sehr viele Fremdenfeinde aufweist.
    Wenn Sie mir nicht glauben wollen, hier ein paar Links:
    Bayern antisemitischer als der Osten
    http://www.taz.de/!5172062/
    Ausländerfeindliche Einstellungen in Bayern weit verbreitet
    http://www.sueddeutsche.de/bayern/mitte-studie-auslaenderfeindliche-einstellungen-in-bayern-weit-verbreitet-1.2423644
    Antisemitismus in Bayern
    Als Jude fremd im eigenen Land?
    http://www.br.de/br-fernsehen/sendungen/jetztmalehrlich/juedisches-leben-bayern-antisemitismus-100.html
    Studie: In Bayern Rassismus und Antisemitismus am größten
    Gegenüber den Leipziger Forschern äußerten sich 42,4 Prozent der 714 befragten Bayern ausländerfeindlich und 16,4 Prozent antisemitisch. 10,6 Prozent befürworteten eine Diktatur und 8,1 Prozent verharmlosten den Nationalsozialismus.
    http://www.migrantenkind.net/studie-in-bayern-rassismus-und-antisemitismus-am-grosten.html
    Lothgaßler ferner:
    „Ich finde nein, wir sind nicht fieser als andere in Deutschland oder irgendwo anders auf dieser Welt. Es gibt überall solche und solche!“
    Fieser wohl nicht, nur eben mit mehr Vorurteilen versehen als der Rest der Teutonen. Bei uns gibt’s auch eindeutig mehr solchane als solche!
    Außerdem, bei uns ist die Tradition andere auszugrenzen älter und herber als anderswo. Lesen Sie mal unter „Zigeunerzentrale“:
    https://de.wikipedia.org/wiki/Reichszentrale_zur_Bek%C3%A4mpfung_des_Zigeunerunwesens#Gr.C3.BCndung_der_M.C3.BCnchner_Zigeunerzentrale_1899
    Unter unserm Prinzregenten Luitpold haben wir Bayern die Verfolgung der Minderheit in unsere Hände genommen, reichsweit. Jawoi, ja, wir gingen Berlin, Hamburg, Köln und den anderen Städten voraus!
    Da Hitler hat nachat nur noch das „Zigeunerbuch“ der Schandis vom Luitpold ausz’werten und die „Zigeiner“ alle verhaften und vergasen brauchen…
    Ein bayerischer Beamter hat sich besonders hervorgetan, um 1900 herum, der da:
    https://de.wikipedia.org/wiki/Alfred_Dillmann
    Lothgaßler Originalton:
    „Wir sind allerdings auch nicht übermäßig freundlich Fremden gegenüber. Und ja, Fremdenfeindlichkeit und Rassismus findet sich nach wie vor in unserer Gesellschaft.“
    Einsicht, Lothgaßler, glauben’s mir, ist der erste Weg zur Besserung! Weiter so!
    Lothgaßler zum vierten:
    „Die Betonung einer bayerischen Verantwortung für NS-Verbrechen steht auf tönernen Füßen. So einfach war diese „Bewegung“ nicht gestrickt.“
    Von einfach war auch nicht die Rede, nur von der Höhe der bayerischen Verantwortung.
    Sie, Lothgaßler, leben mit Ihrem Geschichtsbild noch in den 1960er und 1970er Jahren als Historiker wie der Bosl oder der Hubensteiner die Bayern über das Dritte Reich verharmlosend informierten („Ab 1933 aber, hatte Bayern keine Geschichte mehr…“)
    http://www.hagalil.com/2009/03/bayern-ns/
    Inzwischen, Lothgaßler, sind sogar die Geschichtsbücher, die die mit CSU-Staat-Segen versehene Landeszentrale für Politische Bildung verbreitet, weiter als Sie.
    Wenngleich, freilich, die betreffenden Stellen gut versteckt angeordnet sind, und sich nur dem erschließen, der das Buch von vorn bis hinten durchliest. Welches Buch?
    Na, des da:
    Manfred Treml, Die Geschichte des Modernen Bayern, (Hg.) Landeszentrale für politische Bildungsarbeit, München 2006, (3. neu bearbeitete Auflage)
    Da lesen Sie auf Seite 287:
    „Die Geschichte Bayerns ist mit der Entwicklung der nationalsozialistischen Partei, der NSDAP, eng verflochten: Hier entstand die ‚Bewegung‘; ihre Führungsspitze rekrutierte sich zu einem erheblichen Anteil aus dem Land.“
    Noch deutlicher wird’s hier, S. 161:
    „In Wirklichkeit wurde Bayern zum Ausgangspunkt der nationalen Bewegung, die Deutschland und die halbe Welt in die Katastrophe führte.“
    Jetzt alles klar, Lothgaßler?
    Ohne Bayern keine Katastrophe, die die halbe Welt erfasste! Das muss stimmen, es steht in einem CSU-Geschichtsbuch, hat also kein „Saujud“ oder anderer amerikanischer „Deitschenfeind“ geschrieben, sondern liabe Landsleit von uns, hier ihre Namen: Peter J. Kock, Franz Menges, Manfred Treml und Wolf V. Weigand

  • Lothgaßler

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    @menschenskind:
    Ihren Eifer und rückblickenden Schuld-wiegt-immer-schwerer-Beweisversuch verstehe ich nicht. Sie wollen doch die Gesellschaft heute und zukünftig menschenfreundlicher entwickeln, und nicht Ausreden der Vergangenheit in die Gegenwart beamen und somit heutige Vorkommnisse „verständlich“ machen?!
    Was soll denn mit Umfragen bewiesen werden, noch dazu bei geringer Befragtenzahl? Umfragen zu Meinungsbildern oder Stimmungen sind wissenschaftlich schwache Instrumente, deren Aussagekraft ist begrenzt.
    Ich erlebe in meinem Umfeld selten Ausländerfeindlichkeit oder Antisemitismus. Deutlich häufiger lese oder höre ich davon. Eine Pauschalierung der Ausländerfeindlichkeit führt in die Irre, denn Nicht-Deutsche werden unterschiedlich wahrgenommen und unterschiedlich behandelt: das deutet in Richtung Rassismus (z.B. Dunkelhäutige, Asiaten, Naher Osten vs. weiße Franzosen, Engländer, Amerikaner, Spanier usw.).
    Der Mensch als soziales Wesen ist keinesfalls sozial jedem anderen Menschen gegenüber, wichtig ist die Gruppe. Die Bildung von Gruppen ist ein uraltes Prinzip und wird durch die Psychologie immer wieder aus neuen Perspektiven erforscht. Die Abgrenzung der Gruppen untereinander ist eine Triebfeder für kulturelle Entwicklungen (Sprache, Schrift, Mode, Technologien usw.). Gruppen gehen sich aus dem Weg, koalieren oder bekämpfen sich. Im Alltag fremdeln viele gegenüber Fremden, aber das ist normal und noch keine Fremdenfeindlichkeit. Schon gar nicht ist das eine deutsche oder bayerische Spezialität. Wenn Sie hoffentlich mal die Welt bereisen, dann treffen Sie auf offene und freundliche Menschen, Sie können aber auch auf distanzierte oder unfreundliche bis feindliche Menschen treffen. Sie können einer Gruppe auch nicht vorschreiben wen sie „integrieren“ soll, denn so funktionieren Gruppen eben nicht.
    Was die Verfolgung von Juden und „Zigeunern“ (die nennen sich so meines Wissens nicht) angeht, beginnt die Gewalt nicht im 19. oder 20. Jahrhundert, sondern reicht weit zurück und fand auch nicht nur in Deutschland Mitmacher und Anheizer.
    Die Besonderheit des Holocaust liegt in seiner ideologischen Vorbereitung, seiner Planung und seinem Vollzug auf so gut wie allen gesellschaftlichen Ebenen. Darin unterscheidet sich dieser Genozid von den unzähligen anderen Terrorherrschaften, Gräueltaten und Massenmorden der Menscheitsgeschichte: Religionskriege, Sklaverei, Kolonialunzeiten, Revolutionen, politische Verfolgung, Gier, Neid, Missgunst, blaublütige Machtspiele usw.
    Wären die NSDAP und Hitler samt seinem inner-circle allein ein bayerisches Phänomen geblieben, sie hätten die Welt nicht in Brand gesteckt. Nicht die Bayern haben Hitler nach seiner gescheiterten Revolte vor harter Strafe verschont, sondern eine damals nicht unabhängige bayerische Justiz und ein Teil der konservativen und militärischen wie wirtschaftlichen „Elite“ (nicht nur in Bayern). Wenn sich in Bayern nun ein verbrecherischer Kreis gebildet hat, dann waren das nicht „die Bayern“. Die Feststellung, dass die Bewegung von Bayern aus Deutschland infizierte (wenn es denn so simpel wäre), widerspricht dem nicht, denn der Ursprungsort ist nicht dem Kollektiv der dort Lebenden gleichzusetzen.

  • wahon

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    Die Polizei und die Staatsanwaltschaften haben ein grundsätzliches Problem: Aversion gegen Ausländer und Nationalismus sind seit 150 Jahren fester Bestandteil des bürgerlichen Bewusstseins, und zwar nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa. Polizei und Justiz sind durch und durch bürgerlich gesinnt, d.h. sie kennen zwar die Menschen- und Grundrechte, möchten diese aber am liebsten nur den bürgerlich sozialisierten Menschen garantieren. Ein Äthiopier, ein Afghane, ein Roma, ein Anatolier und letztlich alle Menschen, die nicht aus bürgerlichen Verhältnissen stammen, werden als „fremdartig“ empfunden und müssen erst in die bürgerliche Gesellschaft „integriert“ werden, bevor sie ihre Menschen- und Grundrechte voll in Anspruch nehmen dürfen. Die meisten Polizisten und ihre Dienstvorgesetzten bis hinauf zu den politisch Verantwortlichen empfinden die Grund- und Menschenrechte als linksorientiertes Gedankengut. Flüchtlinge und Asylsuchende, die die Menschenrechte in Anspruch nehmen, sind in ihren Augen eine mindestens schleichende Bedrohung ihres eigenen bürgerlichen Bewusstseins. Vor diesem Hintergrund erklärt sich, warum die Polizei für Gewalttaten gegen nicht-bürgerlich sozialisierte Ausländer so viel Verständnis aufbringt: Die Täter gehören zur eigenen sozialen Gruppe, die Opfer sind Fremde, die hier eigentlich nichts zu suchen haben …

  • menschenskind

    |

    Lothgaßler, was san Sie nur für ein schwerverdaulicher Knochen!

    Sie fragen: „Was soll denn mit Umfragen bewiesen werden, noch dazu bei geringer Befragtenzahl?“

    Umfragen werden bereits seit über einem Jahrhundert in der ganzen Welt durchgeführt mit dem Ziel die Befindlichkeiten der Bürger zu bestimmten Themen zu erkunden. Man wählt sich gewöhnlich repräsentativ erscheinende Bürgergruppen aus und befragt diese nach einem vorgegebenen Schema. Daraus kann man dann hochrechnen und mit einer Fehlerquote von üblicherweise nur wenigen Prozenten die Einstellung der Bürger, z.B. in einem Bundesland, feststellen. Diese Methode ist auch wissenschaftlich anerkannt und wird nicht nur zur Erkundung von Märkten für den Absatz neuer Produkte angewandt, sondern auch von Soziologen um eben Einstellungen der Bürger zu Minderheiten oder Fremden festzustellen.
    Sowohl die Friedrich Ebert Stiftung, die die Umfragen zum Antisemitismus in der BRD 2006-2010 durchgeführt hat, als auch die Verantwortlichen der Heim-Studie von 2015 genießen einen guten (seriösen) Ruf und außer der CSU hat bisher noch niemand deren (ganz und gar beschämende) Resultate angezweifelt.

    Sie: „Ich erlebe in meinem Umfeld selten Ausländerfeindlichkeit oder Antisemitismus.“

    Samma, zwoa, Lothgaßler, i aa ned. Aber wos sogt denn des aus? – Rein gar nixn. Wir beide leben eben in einem nicht repräsentativen Umfeld. Woanders sieht es halt anderst aus und dieses Woanders kommt eben öfter vor als unser dodahier.

    Sie: „… Nicht-Deutsche werden unterschiedlich wahrgenommen und unterschiedlich behandelt“.

    Eine zutreffende Erkenntnis von Ihnen.
    Ein Türke, in Deutschland geboren und mit Uniabschluss in der Tasche, proper bis fesch aussehend und mit besten Referenzen ausgestattet, hat deutlich weniger Chancen auf eine anständig bezahlte Stelle als ein gleich gut beleumundeter Deutscher. Der Personalchef hört häufig schon dann mit dem Lesen des Anschreibens auf , wenn er des türkischen Nachnamens ansichtig wird („Scho wieda so a Sautürk, so a greisliger…“). Viele Italiener, Griechen, Jugos, Polen, Tschechen und Russen können von ähnlichen Diskriminierungen bei der Bewerbung für anspruchsvollere Stellen aufgrund ihres Namens berichten. Österreicher müsste man halt sein in Germany…

    Sie: „wichtig ist die Gruppe. Die Bildung von Gruppen ist ein uraltes Prinzip“

    Mag ja sein, aber der Türke oder Jugo kommt doch in die Gruppe gar nicht rein. Wie soll er das spezielle deutsche Gruppenfeeling oder Gruppenverhalten je erlernen, wenn er doch gar keinen Zutritt zu dieser erlesenen Gesellschaft erhält, aufgrund seines gruppenuntauglichen Namens? Er scheidet doch schon davor aus (und geht erbittert in das ihm fremde Herkunftsland seiner Eltern, das nicht seine Heimat ist, und versucht es da erneut mit einer Bewerbung).

    Sie: „Im Alltag fremdeln viele gegenüber Fremden, aber das ist normal und noch keine Fremdenfeindlichkeit.“

    Das mag Ihre Art von Normalheit sein, die meine ist es ganz und gar nicht.
    Im Gegenteil, ich gehe den Fremden entgegen und lade sie auf ein Glas Tee oder einen Kaffee ein, bemühe mich den Fremden so rasch als möglich mit Kollegen bekannt zu machen, ihm Schwierigkeiten aus dem Weg zu räumen, ihn über die besonderen Spielregeln in Post-Hitler-Deutschland aufzuklären.

    Warum ich das mache?

    Weil ich bei meinen diversen Auslandsaufenthalten in Südamerika und in Osteuropa eine ganz ähnliche Behandlung erfahren und diese als angenehm empfunden habe, deshalb.

    Sie: „Zigeunern“ (die nennen sich so meines Wissens nicht)…

    Nun, manche schon, aber nicht alle.
    In Deutschland möchte die durch Romani Rose vertretene Mehrheit der Sinti und Roma nicht als „Zigeuner“ bezeichnet werden; die Gruppe, die sich der Sinti-Allianz zugehörig fühlt und einige unabhängige Familien bezeichnen sich selbst als „Zigeuner“ und haben auch nichts dagegen von uns so bezeichnet zu werden. Da aber kein Sinto oder Roma ein Schild um den Hals trägt, auf dem steht, wie er bezeichnet werden will, tut man gut daran die Mehrheit der Gruppe zu respektieren und Abstand zu nehmen von jenem Z-Wort.

    Sie: „Was die Verfolgung von Juden und „Zigeunern“ (…) angeht, beginnt die Gewalt nicht im 19. oder 20. Jahrhundert, sondern reicht weit zurück und fand auch nicht nur in Deutschland Mitmacher und Anheizer.“

    Tatsächlich verfolgen wir Deutschen die Juden seit etwa 1000 Jahren mit Feuer und Schwert und vor allem die Sinti, weniger die Roma, hauen wir seit etwa 550 Jahren tot. (www.sintiromabayern.de)

    Richtig, auch anderswo wurden diese Minderheiten verfolgt, nur eben nirgends so grimmig und so gründlich wie bei uns.
    Schlage ich etwa die ehrwürdige Berliner Eschkol Encyclopaedia Judaica von ca. 1927 auf, finde ich unter dem Stichwort „Antisemitismus“ eine nach Ländern sortierte Liste von Orten, in denen im Mittelalter und in der frühen Neuzeit Juden massakriert wurden. Die deutsche Ortsliste ist die längste, dabei ist sie keineswegs vollständig, Deggendorf und Passau fehlen, ebenso weitere einschlägig bekannt gewordene Orte.
    Bereits vor Hitler hielten jüdische Geschichtsschreiber und Lexika, darunter das oben erwähnte, fest, dass der Judenhass zwischen dem 11. und dem 16. Jh. bzw. später, ab dem 18. Jh. nirgends so bösartig und nachhaltig war wie in unserm schönen Bayern.
    Aber nicht nur Juden und „Zigeunern“ erging es schlecht in unserm Teutschland, auch den Hexen.
    Zwischen dem 15. und dem 18. Jh. wurden in Europa rund 50 000 Frauen, Männer und Kinder als HEXEN verbrannt oder auf andere Weise grausam hingerichtet. Die Hälfte dieser 50 000, also 25 000 in deutschen Fluren und Städten, Dörfern und Ödnissen. Abgeschlagen auf Platz II mit nur 10 000 Opfern folgen die Polen-Litauer und die meisten übrigen Länder bringen es auf keine 1000 Hingerichtete. Der Hexenforscher Behringer schreibt, dass die Hexenverfolgung in Deutschland eine ganz besondere Dimension erlangte, weil die Herrschenden, Bischöfe und Herzöge, Stadtobere und Regionalfürsten die Hype um die Hinrichtung für ihre Belange zu instrumentieren lernten. Unsere Vorfahren befiehl nämlich, wenn der Scheiterhaufen aufloderte, so eine Art Massenhysterie (wahrscheinlich vergleichbar mit dem schauerlichen Gebrüll bei einer WM oder EM heute), nach der sie dann besonders gefügig und dienstbar waren.

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