"Angebot nicht lukrativ"

Landesgartenschau auf dem Pürkelgut ist passé

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Die Verhandlungen zwischen Stadt und Fürstenhaus brachten keine Einigung.

Endgültig vom Tisch: Das Pürkelgut-Areal als Standort für die Landesgartenschau 2024. Das Pürkelgut nebst Areal: Keine weiteren Verhandlungen? Foto: Wikipedia/ Johanning

Endgültig vom Tisch: Das Pürkelgut-Areal als Standort für die Landesgartenschau 2024. Foto: Wikipedia/ Johanning

In Regensburg wird es 2024 keine Landesgartenschau geben – zumindest nicht auf dem Pürkelgut-Areal. Die Verhandlungen der Stadt mit dem Fürstenhaus verliefen ergebnislos. Das erfuhr unserer Redaktion aus dem Umfeld des Fürstenhauses. Das Angebot der Stadt sei „nicht lukrativ gewesen“, heißt es. Man wäre wohl gerne das marode Schloss losgeworden. Doch dessen Kauf hatte die Stadt zuletzt kategorisch ausgeschlossen.

BMW-Deal, Appelle und „Druck“

Vor fast genau einem Jahr war Umweltbürgermeister Jürgen Huber mit dem Vorschlag für das Großprojekt an die Öffentlichkeit gegangen. Allen Relativierungen von Oberbürgermeister Joachim Wolbergs und einer Proforma-Prüfung anderer Standorte zum Trotz galt bereits zu diesem Zeitpunkt das Pürkelgut-Areal als gesetzt.

Ursprünglich wollte der Oberbürgermeister das Areal für die Stadt in Zusammenhang mit dem Millionendeal zur Ansiedlung eines BMW-Logistikzentrum in Obertraubling sichern. Als Preis waren damals 8,6 Millionen im Gespräch. Zusätzlich hätte die Stadt auch das marode Wasserschloss erworben, dessen Sanierungskosten auf 25 bis 40 Millionen Euro geschätzt werden.

Hoffte vergeblich auf die "Größe" des Fürstenhauses: Bürgermeister Jürgen Huber. Foto: Archiv

Hoffte vergeblich auf die „Größe“ des Fürstenhauses: Bürgermeister Jürgen Huber. Foto: Archiv

Doch als die Verhandlungen zwischen BMW und dem Fürstenhaus – dem Vernehmen nach an den Preisvorstellungen derer von Thurn und Taxis – scheiterten, war auch dieser Deal vom Tisch. Sowohl der Oberbürgermeister wie auch Mitglieder der bunten Koalition fanden deutliche Worte in Richtung Fürstenhaus. Am Ansinnen, die Landesgartenschau auf dem Pürkelgut-Areal stattfinden zu lassen, hielt man zwar dennoch fest.

Das Schloss nehme man allerdings „nicht einmal geschenkt“, hieß es nun. Generell solle sich Thurn und Taxis mal auf seine Verantwortung besinnen, der Stadt entgegen kommen und ihr das Areal – auf das sich die Koalition alternativlos festgelegt hatte – zu einem anständigen Preis überantworten. Das Fürstenhaus habe schließlich auch in der Vergangenheit „Größe gezeigt“, appellierte und hoffte Bürgermeister Jürgen Huber.

Das Stadtgartenamt wurde beauftragt, ein Konzept für die Landesgartenschau 2024 auf dem Pürkelgut auszuarbeiten. Und der stellvertretende SPD-Fraktionschef Thomas Burger war sich sicher: „Wir bauen Druck auf, wenn wir diese Planungen jetzt vorantreiben. Damit nehmen wir die Eigentümerin in die Pflicht. Das, was wir jetzt tun, ist goldrichtig.“

„Konzept für zukünftige Entwicklung des Stadtostens“

Diese Hoffnungen, die ohnehin nur äußerst optimistische Stadträte geteilt hatten, haben sich nun zerschlagen – auch wenn es dazu noch keine offizielle Bestätigung gibt.

Während sowohl Anfragen an Mitglieder der Koalition als auch an Bürgermeister Jürgen Huber mit vielsagendem Schweigen beantwortet werden, heißt es von der städtischen Pressestelle, man werde dazu „Anfang nächster Woche Stellung nehmen“. Man überlegt wohl noch, wie die Angelegenheit verkauft werden soll.

Für das Konzept des Stadtgartenamtes für die Bewerbung, das für rund 40.000 Euro erstellt wurde, hat man bereits eine Sprachregelung gefunden. Es sei in jedem Falle sinnvoll und solle als Grundlage für die weitere Entwicklung des Stadtostens – etwa für ein Naherholungsgebiet – dienen, heißt es. 

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Kommentare (9)

  • Lothgaßler

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    Hoffentlich bleibts beim NEIN zur Schlossruine Pürklgut. In diese Kostenfalle muss man nicht tappen.
    Das Fürstliche Haus hat kurz mal nachgerechnet und kam dann doch auf das völlig überraschende Ergebnis, dass eine Stadtentwicklung durch Bebauung lukrativ und erstrebenswert sei. Da wollen die hin, und das schaffen die auch.
    Wenn es dann soweit ist, dann wird dem Denkmalschutz auch schnell eine Begründung dafür einfallen, weshalb dieses Schloss-Gemäuer doch nicht erhalten werden muss.

  • Tom

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    Gut, dann kann es ja wieder ein Jährchen dauern bis man von Bürgermeister Huber wieder was hört……..

  • joey

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    Das Schloß ist kein „Juwel“, aber zu Recht denkmalgeschützt. Wer davon träumt, das Ding mit einem idyllischen Park herum neu saniert und auch noch für kulturelle Zwecke für die Allgemeinheit zu kriegen, der träumt von viel Geld. Sowas hätte man vor 30 Jahren noch machen können, heute sind die Immopreise einfach zu hoch.

    Die Kasernen und Industrieumgebung ist ohnehin nicht die freie Landschaft des 18 Jhdts. Der ursprüngliche Zustand ist nicht mehr da, der traurige Rest jetzt eingerahmt von Haupteinfallstraßen.

    Jetzt braucht man einfach finanziell vernünftige Konzepte (Bebauung), die das Schloß in einen neuen gestalterisch hochwertigen Zusammenhang stellt und die neue Stadtlage berücksichtigt. Eine ebenso künstliche LaGa wäre immer hinausgeworfenes Geld gewesen.

    Liebe Grüne: kümmert euch um die Natur, die es noch gibt. Verhökert Naturdenkmale und öffentliches Recht in der Stadt nicht gegen Politikerprestige („letter of intent“). Dann seid Ihr am Markenkern und das nächste Mal wieder eine gute Wahl.

  • 423

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    Das ist kein Schaden, es bewahrt die Stadt vor hohen Lasten und entlässt das fürstliche Huas nicht aus der Verantwortung. Gut so!

  • Stadtspitze: Manche Medien sind gleicher » Regensburg Digital

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    […] noch Oberbürgermeister Joachim Wolbergs Stellung nehmen. Doch zwischenzeitlich hat Wolbergs die von regensburg-digital veröffentlichten Recherchen bestätigt: 2024 wird es keine Landesgartenschau auf dem Pürkelgut-Areal geben. „Die Stadt und […]

  • manfred

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    Schade drum …bin in diesem Schloß aufgewachsen und habe meine Jugend dort verbracht

  • Franzi Neumiller

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    Wer will schon so eine Stätte des Grauens besuchen?
    -Eine Reise durch die Lande mit Thomas Bernhard.
    Die Donau wurde immer noch schmäler, die Landschaft wurde immer noch lieblicher, schließlich, wo sie auf einmal wieder öd geworden war und grau und fade, war Regensburg … Die Stadt gefiel mir nicht, sie ist kalt und abstoßend. Aus: »Meine Preise«-
    http://www.suhrkamp.de/thomas-bernhard/werkausgabe-10324seiten_1341.html

  • menschenskind

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    „Die Stadt gefiel mir nicht, sie ist kalt und abstoßend. Aus: »Meine Preise«-“

    Das muss man aus TB’s Biografie heraus verstehen. Er hasste die Salzburger, weil er sie aus eigenem Erleben so gut kannte. Sie waren für ihn der Inbegriff nazistischer, menschenfeindlicher, unbelehrbarer Bürgerlichkeit. Na, und da hat er eben zu Regensburg gewisse Parallelen feststellen können. Zudem hatte er Freunde, die ihn über den Regensburger ‚Geist‘ aufklärten. Die Schwester von TB’s Lebensgefährtin lebte lange Jahre in Oberbayern.
    Auch konservativen Bayern sei im übrigen Bernhards Werk anempfohlen. Man kann daraus nur lernen, über sich.
    https://de.wikipedia.org/wiki/Thomas_Bernhard

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