Keine Lösung für Seniorenwerkstatt in Sicht

Mehrgenerationenprojekt steht vor der Schließung/ UPDATE: Stadt sucht dringend neue Räume

Print page

Man habe „neue Lösungen in der Pipeline“, versprach OB Wolbergs, als im November die Schließung der Seniorenwerkstatt in der Altstadt beschlossen wurde. Doch bislang sprudelt die Pipeline nicht. Jetzt muss das erfolgreiche Mehrgenerationenprojekt im März erst einmal schließen. UPDATE: Auf nochmalige Nachfrage unserer Redaktion startet die Stadt einen Suchaufruf für neue Räume  

Seit Ende der 80er Jahre gibt es die Seniorenwerkstatt in der Altstadt.

Seit Ende der 80er Jahre gibt es die Seniorenwerkstatt in der Altstadt.

„Ab März müssen wir raus“, sagt Alois Schirmbeck und er klingt ein wenig resigniert. Schirmbeck ist einer von fünf Ehrenamtlichen, die sich federführend um die Seniorenwerkstatt kümmern. „Alt hilft Alt und Jung – und bleibt dabei in Schwung“, lautet das Motto, mit dem die Einrichtung auf den Seiten der Stadt Regensburg beworben wird. Das klingt zwar etwas bemüht gereimt, doch es trifft den Kern.

image5Schon längst ist die vor gut 30 Jahren eröffnete Seniorenwerkstatt am Singün im Westen der Altstadt ein generationsübergreifendes Projekt geworden. Für kleines Geld kann hier jedermann Werkstatt und Maschinen benutzen. Es gibt günstige Kurse, etwa zum Bauen von Kinderspielzeug oder Vogelhäuschen, kreatives Arbeiten mit Holz und Metall und – kostenlos – Aktionen zusammen mit Kindergärten und Altenheimen.

„Regensburg braucht dringend eine offene Werkstatt“

Auch Klaus Burkard, der die Werkstatt erst vor Kurzem entdeckt hat, ist begeistert von dem Angebot. „So etwas gibt es in dieser Form im ganzen Stadtgebiet nicht“, sagt der Ingenieur, der sich unter anderem bei Transition Town engagiert. „Regensburg braucht dringend eine offene Werkstatt und ich bin nicht der einzige, der sich so etwas wünscht.“

Doch schon seit geraumer Zeit steht mittlerweile fest, dass die Seniorenwerkstatt weichen muss. Im November beschloss der Regensburger Stadtrat: Um die seit längerem bestehende Raumnot in der nahegelegenen Realschule am Judenstein kurzfristig zu lindern, wird die Werkstatt abgerissen, um an deren Stelle mehrere Container für fünf Schulklassen zu errichten. Für die Seniorenwerkstatt habe man aber „neue Lösungen in der Pipeline“, versprach Oberbürgermeister Joachim Wolbergs damals.

image4Seit dem Beschluss sind drei Monate vergangen und eine Lösung scheint nicht in Sicht. „Wir wissen nicht wie es jetzt weiter geht“, sagt uns Alois Schirmbeck am Telefon und verweist uns an die Stadtverwaltung. Klaus Burkhard hat sich an die zuständige Sachbearbeiterin gewandt, als er von der bevorstehenden Schließung hörte. „Die konnte uns nicht sagen, ob derzeit überhaupt nach Räumen gesucht wird.“

Auch die Antwort auf eine Anfrage unserer Redaktion fällt denkbar knapp aus. „Die Verwaltung ist nach wie vor auf der Suche nach passenden Räumlichkeiten.“ Und mehr erfahren auch die Ehrenamtlichen nicht, die sich seit Jahren mit viel Engagement um das Projekt kümmern. Schirmbeck: „Wahrscheinlich müssen wir erst einmal alles einlagern“

UPDATE: Stadt sucht „mit Hochdruck“

Auf erneute Nachfrage unserer Redaktion erklärt die städtische Pressestelle, dass „die Seniorenwerkstatt auf jeden Fall weitergeführt“ werde. „Wir suchen mit Hochdruck nach geeigneten Räumen. Benötigt werden ca. 150 m² – und die Umgebung muss lärm- und staubunempfindlich sein.“

Angebote leiten wir gern an die Stadt Regensburg weiter.

Trackback von deiner Website.

Bitte unterstützen Sie eine unabhängige Berichterstattung in Regensburg.

 
Verein zur Förderung der Meinungs- und Informationsvielfalt e.V.
IBAN: DE14750900000000063363
BIC: GENODEF1R01

Kommentare (12)

  • Karl Hartz

    |

    War wohl eher ein Rohrkrepierer.

  • joey

    |

    „Singrün“

  • Stefan Aigner

    |

    @joey danke. ist korrigiert.

  • Naseweis

    |

    Wie schauts den aus mit dem Gebäude vom Max Bahr ?

  • Radlertölpel

    |

    Zur Notwendigkeit solcher selbstverwalteten Einrichtung des Seniorenamtes in den Stadtteilen siehe Sozialentwicklungsplan 2012 ….

    Der Fvfu-uüiUf.e.V. betrieb 2013 während der Art BuZZ`l ein paar Monate lang eine offene Bastel-Werkstatt mit Küche, Streusalzkippen-Sofas und jeder Menge Musikverstärker im ehemaligen Schleckermarkt. Zu unserem „Seniorentreff“ kamen neben vielen Kindern und Freunden tatsächlich auch ein paar fleißige Senioren. Das hätte noch was werden können mit der Kunsthalle über dem LIDL, wäre es den maßgeblichen Politikern nicht offensichtlich egal gewesen, vielleicht weil es zu gut war…
    Eröffnung Seniorentreff im BUZZclub: http://europabrunnendeckel.de/?p=3203
    Die Zusage für 20 000€ Förderung von der Bundeszentrale für politische Bildung für ein Projekt in der Kunsthalle kam leider eine Woche zu spät… Hier das Konzept auf das sie anspangen: http://europabrunnendeckel.de/download/buz/integrationspreisfuf.pdf
    Fotos: http://jakob-friedl.de/download/buz/preisbilderkl.pdf

    Im BUZ, dem privaten Zentrum der Vorstadt Burgweinting, steht der Getränkemarkt leer… und immerschon die Halle über dem LIDL, 5m vom Stadtteilprojekt des Jugendamtes, dem Bürgerbüro und der Stadtbücherrei:
    http://europabrunnendeckel.de/slideshow.php?title=Kunsthalle_Burgweinting_wir_hatten_einen_Boden_und_einen_Elektroinstallateur_zwischenzeitlich_einen_profisorischen_Boden_fuer_die_Skatebahn_und%20die%20Modelleisenbahn_heute_wieder_Rohbauzustand&slides=download/buz/hallekl/
    Also ich würde mich sehr über eine Seniorenwerkstadt im BUZ freuen.

  • bernd

    |

    > Auf erneute Nachfrage unserer Redaktion erklärt die städtische
    > Pressestelle, dass „die Seniorenwerkstatt auf jeden Fall
    > weitergeführt“ werde. „Wir suchen mit Hochdruck nach
    > geeigneten Räumen. Benötigt werden ca. 150 m² – und die
    > Umgebung muss lärm- und staubunempfindlich sein.“

    Das klingt ja gut aber wenig konkret, vielleicht lohnt sich hier nochmal genaueres Nachhaken bei der Stadt?

  • Mossman

    |

    War übrigens auch im KOMPLEX Projekt fest verankert. Jetzt muss eben alles einzeln verortet werden. Oder eben gar nicht gemacht.

  • Radlertölpel

    |

    An dem Komplex-Konzept habe ich auch mitgeschrieben; Diplomatie machten andere;-) Schade, dass das Komplex-Konzept nur als teilweise pixeliges jpg verfügbar ist (Smartphoneformat). Es sind gute Anregungen, die wohl auch verschiedentlich aufgegriffen wurden, (steht ja auch im Koalitionsvetrag ?). So war es gut und sinnvoll im Wahlkampf diese Themen zu setzen. Zu einem „Komplex-Projekt“ kam es jedoch nie auch nur ansatzweise. Es gibt auch andere Leer-Räume als das Evangelische Krankenhaus und Bedarf(e) an Kultur und Begegnung ausserhalb der Altstadt.
    Aber: Was ist jetzt eigentlich mit dem evangelischen Krankenhaus? Klang doch ganz vielversprechend und interessant!
    :::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::
    Die Seniorenwerkstatt, die vor allem eine Holzwerkstadt/Schreinerei ist, könnte entweder in ein weitergefasstes Konzept mit weiteren Nutzungen eingebunden werden, z.B. in einem Kulturhaus (Komplex) oder etwas kleiner z.B. im ehemaligen Getränkemarkt im BUZ, der recht weitläufig ist… oder es finden sich eben 100qm Werkstattfläche in geeigneter Lage.

    Die Stadt könnte sich auch die Miete sparen und der Seniorenwerkstatt einen neuen (temporären?) Werkstatt Schuppen in maßgeschneiderter Modul-bzw.Fertigbauweise in den nächsten Park, die grüne Wüste oder an die Lärmschutzwand bauen. Flächen hat sie genug. Das könnte ja architektonisch durchaus ansehnlich sein, neuen Schwung in das 30 Jahre alte Projekt bringen und zudem ein interessantes Experiment sein.

    Warum die Container für die Realschüler genau auf den Werkstattschuppen an der Mauerhinter dem Michelsstift gepflanzt werden müssen verstehe ich nicht…. aber wenns denn sein muß sollte sich die Stadt überlegen, was danach kommt.
    Vielleicht der oben angesprochene mobile Werkstatt Schuppen, der z.B. genau zu diesem Standort entworfen werden könnte?

    Da es sich bei dem Seniorenwerkstatt-Projekt um eine Ehrenamtsinitiative handelt(e), könnte die Stadt zu diesem Zweck auch ehrenamtliche Architekten oder Studenten mit ins Boot holen. Interessant genug wärs vermutlich.

  • Wieder mal nur Profitmaximierung? » Regensburg Digital

    |

    […] soziale und kulturelle Einrichtungen mit ihrem Latein am Ende ist, zeigt aktuell das Beispiel Seniorenwerkstatt. Im März wird das seit rund 30 Jahren erfolgreiche Mehrgenerationenprojekt geschlossen, das […]

  • Mossman

    |

    Zur Info nochmal wg. KOMPLEX…das Konzept wurde damals während Wahlkampfzeit allen Beteiligten vorgelegt. Am konstruktivsten und logischsten war damals der noch OB Schaidinger selbst…ob und inwieweit nun das kurz vor Amtszeitende noch zu Handlungen geführt hätte, weiß man nicht, jedoch die Vorgehensweise nebst Anweisungen an die Verwaltung waren verständlich: das evangelische Krankenhaus hat zum einem einen Stiftungszweck, KOMPLEX hätte hierbei in allen Belangen „andocken“ müssen. Zum anderen hätte die Stadt in diesen Stiftungszweck und auch als Miete monatliche hohe laufende Kosten zu tragen, gerade bei der Lage nicht zu verachten. Deshalb war es damals logisch, das evangelische Krankenhaus fallen zu lassen und stattdessen einen Ort zu finden, den die Stadt GEKAUFT und später VERWALTET hätte. Als Ort war damals das Furthmayrgelände im Gespräch, das der Bahn abgekauft werden sollte. Nach Sichtung hätte dort alles stattfinden können, was im KOMPLEX drinstand. Weiter im Gespräch war das Gebäude des Heeresmusikchors in Rheinhausen…….dann kam die Wahl, KOMPLEX wurde in den Koalitionsvertrag festgeschrieben und war nun bei der Stadtverwaltung angelangt. Hier ganz klare Aussage: was wollt Ihr eigentlich? Aufbereitung viel zu teuer. Wir halten uns an die neu gegründete Bewegung „Creativ Monday“, das sind die neuen Ansprechpartner und dort entstehen auch Arbeitsplätze. Kreativwirtschaft, Kulturwirtschaft, das sind die neuen Schlagwörter. „Wenn in den Kasernen eine Panzergarage frei wird, könnt ihr ja da Gaudi machen“. Soweit der Endsatz. Was im Konzept sonst drinstand, egal. KOMPLEX sind die Hände gebunden, ein Verein sollte nur dann gegründet werden, wenn endlich eine feste Verortung nebst weiterer Orgaplanung WIE BESCHLOSSEN stattgefunden hätte. Was bleibt…Kulturwirtschaft im Degginger? Monatliche laufende Mietkosten und Betriebskosten inbegriffen, jedoch ohne „außerwirtschaftlicher“ Möglichkeiten? Wenn die Stadt nun doch solche Kosten eingeht…stellt sich die Frage von neuem: was passiert mit dem evangelische Krankenhaus? KOMPLEX?

  • Radlertölpel

    |

    Wie wärs denn mit einer von Senioren und weiteren Interessierten ehrenamtlich betriebenen Schreinerwerkstatt für Flüchtlinge, Nachbarschaft und Interessierte in der Prinz Leopold Kaserne oder der Bayuwarenkaserne? Da müsste halt das Senioren-bzw Jugendamt mit dem Ausländeramt und der Regierung zusammenarbeiten, warum nicht auch mit dem Stadtmarketing?

    Gibt es ausgehend vom ehemaligen Altenheim Michelsstift, in dem in Zukunft nur noch minderjährige Flüchtlinge wohnen werden keinen Bedarf an einer betreuten Schreinerwerkstatt?

    Vielleicht liefert das Gassenfest 2016 Anregungen zum Stadtviertel.

Kommentieren