Weinzierl für Herrlich?

Münchner Investor kauft „wertlose“ Jahn-Aktien

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Der langjährige Jahn-Mäzen Volker Tretzel hat seine Anteile an dem Fußballverein an einen Münchner Investor verkauft. Trainer Heiko Herrlich verlässt den SSV. Als Nachfolger soll angeblich Markus Weinzierl im Gespräch sein.

Global Sports-Vorstand üpbernimmt die Anteile und macht einige Versprechungen. Foto: pm

Die Global Sports AG übernimmt die Anteile von Volker Tretzel. Vorstand Philipp Schober macht einige Versprechungen. Foto: pm

Da half es auch nichts, dass sich die Mittelbayerische Zeitung mit Verve in die Bresche warf. Der Wert der Aktien des SSV Jahn gehe „gegen Null“ schrieb die Tageszeitung vor einer Woche. „Finger weg vom SSV Jahn“, kommentierte flankierend der stellvertretende Lokalchef Ernst Waller und hob warnend den Finger vor einem „gesichtslosen“ Münchner Investor, der „die Finger vom SSV lassen“ solle. Dem SSV Jahn selbst solle der langjährige Jahn-Mäzen Volker Tretzel seine Mehrheitsanteile an der Kapitalgesellschaft des Vereins verkaufen. Ungeachtet all dieser Wortgewalt verkündete das Bauteam Tretzel (BTT) aber am heutigen Freitag: Die Global Sports Invest AG übernimmt die SSV-Aktien, deren Buchwert mit 7,2 Millionen Euro beziffert wird.

Darüber, wie viel die Münchner Beteiligungsgesellschaft für die Anteile an dem frischgebackenen Zweitligisten hingeblättert hat, wurde Stillschweigen vereinbart. Doch in jedem Fall waren es mehr, als jene 500.000 Euro, die der Verein selbst dem Vernehmen nach geboten haben soll.

„Nicht nur ideellen Wert“

Wie die Rechtsanwälte von BTT in einer aktuellen Pressemitteilung erklären, habe der Vorstand der Global Sports AG bereits vor mehreren Wochen Interesse an den Aktien bekundet, damals noch „unabhängig von einem Aufstieg oder dem Verbleib in der 3. Liga“. Dabei gibt es auch einen Seitenhieb auf Jahn-Präsident Franz Rothammer und die Berichterstattung der MZ zu den vermeintlich wertlosen Anteilen, wenn die Anwälte ausführen, dass BTT „den SSV Jahn Regensburg mit dieser Mannschaft aus Spielern, Betreuern und Geschäftsführung und mit diesen Fans für ein wertvolles Team“ halte, „das nicht nur ideellen Wert besitzt“.

Auch Global Sports-Vorstand Philipp Schober hat sich bereits zu Wort gemeldet und versichert, dass es ihm „sowohl wirtschaftlich als auch infrastrukturell“ um „einen soliden, kontinuierlichen und vor allem nachhaltigen Ausbau des Vereins“ gehe. Ein Hauptaugenmerk wolle man dabei auf die Erweiterung der Infrastruktur des SSV Jahn legen, insbesondere die Errichtung eines neuen Trainings-, Leistungs- und Rehazentrums.

Weniger Abhängigkeiten nach dem Aufstieg

Nominell hält die Global Sports AG mit diesem Verkauf nun etwas mehr als 90 Prozent der Anteile am SSV Jahn. Dennoch darf der Investor – gemäß der 50plus1-Regel des DFB – sich nicht in das operative Geschäft des Vereins einmischen. Eine Regel allerdings, die nur dann greift, wenn der Verein nicht auf Gedeih und Verderb von einem einzigen Investor abhängig ist – so wie dies in der Vergangenheit bei Volker Tretzel der Fall war.

In der 2. Bundesliga sieht die Sache allerdings etwas anders aus: allein an Fernsehgeldern erhält der SSV Jahn nun 6,5 Millionen Euro. Vor diesem Hintergrund muss der Verkauf der Anteile durch Tretzel – der derzeit zudem im Zentrum der Regensburger Korruptionsaffäre steht – keine Hiobsbotschaft für den Verein sein.

Kommt Weinzierl für Herrlich?

Etwas schwerer zu verdauen für die Jahn-Fans dürfte allerdings eine weitere Nachricht sein, die heute öffentlich wurde: Trainer Heiko Herrlich verlässt nach nur eineinhalb Jahren den SSV gen Leverkusen. „Über die Nachfolge von Heiko Herrlich kann zum jetzigen Zeitpunkt keine Aussage getroffen werden“, heißt es dazu in einer Pressemitteilung des Vereins, hartnäckigen Gerüchten zufolge scheint den Verein aber ein Auge auf Markus Weinzierl geworfen zu haben.

Schalke 04, bisherige Wirkungsstätte von Weinzierl, gab ebenfalls am heutigen Freitag die überraschende Trennung bekannt. Sollte der SSV ihn tatsächlich engagieren, würde Weinzierl an seine alte Wirkungsstätte zurückkehren. Der 42jährige war hier von 2008 bis 2012 Cheftrainer und hatte den SSV beim letzten Aufstieg in die 2. Bundesliga begleitet.

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Kommentare (30)

  • Christian

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    Schober? Noch nie gehört.
    @rd: Wo hat der denn seine Baugebiete in der Stadt?

  • hf

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    „iatz samma scho mingana.“ – „hoib so wuid, haed erst scho gmoant, da ismaik wars gwesen…“

  • Brenner

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    Naja, wenigstens haben wir jetzt nicht mehr die abstruse Situation, dass die Stadt mit Millionenbeträgen ein Unternehmen fördert, dass zu 90% jemanden gehört, der die Stadt als mutmaßlicher Krimineller massiv geschädigt hat.

    Jetzt fördert die Stadt dafür halt einen Münchner Finanzinvestor. Der nimmt das sicher auch gerne. Vermutlich wird das bei der Kaufpreisfindung aber schon berücksichtigt worden sein.

  • Lothgaßler

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    Kurz dachte ich, es wäre ein Aprilscherz. Aber na gut, Profifußball ist mehr Entertainment und Geschäftemacherei als Sport.
    Von den Fernsehgeldern muss nun ein erheblicher Anteil an die Stadionbetreiber abgehen, so wars ja auch vereinbart. Auch muss endlich durchgesetzt werden, dass die Ordnungsmaßnahmen drumrum (also der Polizeieinsatz) endlich auch zu einem bedeutenden Teil von diesen Veranstaltern eingetrieben wird.
    Kaum in die zweite Liga aufgestiegen fängt das Geldausgaben schon an. Hier ein Trainer, der mehr haben will, dort ein paar Spieler, die auch zulangen. Eins muss klar sein, städtische Zuschüsse kann es nicht mehr geben. Dieses Sponsoring der RVV-Tickets bei Kauf einer Jahn-Eintrittskarte muss beendet werden. Ab sofort muss Geld vom Jahn zurück an die Stadt fließen.

  • Mr. T

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    Dass dem Jahn von der Stadt nicht mehr so viel Pulver in den Arsch geblasen werden darf ist richtig, Lothgassler. Aber er wird sicher nicht der erste Verein in Deutschland werden, der die Kosten für Polizeieinsätze rundrum selber übernimmt.

  • gustl

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    Der leidgeprüfte Regensburger kennt die Antwort, wenn Philipp Schober dann mal fragen wird: „Gerne würde ich dem Jahn ein wenig unter die Arme greifen und was springen lassen, wenn ich durch Bauträgergeschäfte Kasse mit den Käufern machen könnte. Dafür brauche ich aber ein richtig großes Grundstück von der Stadt. Was hätte die Stadt denn da im Angebot?“

  • westnerwacht

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    Gerade wenn’s drum geht, den Bürger vor der Wahl mit Werbematerial so richtig einzuseifen, werden Kandidaten dann schon mal schwach und bestechlich. Hier wird sich nach BTT nun die Global Sports AG so richtig austoben können. Kritische Bürger sollten die Wahlschlachtausgaben von Hammerl, Freudenstein & Co. im Auge behalten.

  • Schwalbe

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    Es erstaunt mich nach wie vor, dass jemand für diese Anteile Geld bezahlt; ein Investor (wenn nicht gerade ein durchgeknallter Ismaik dahintersteckt) will doch mit seinem eingesetzten Geld etwas verdienen. Wie soll das hier gehen, zumal der Jahn jetzt erst mal Geld braucht?
    Über die „global sports invest ag“ ist wenig zu erfahren, Herr Schober ist Vorstand, gegründet wurde sie am 19.05.2017.
    Neben einigen üblichen Phrasen sagt Herr Schober, er wolle „ein Hauptaugenmerk auf die Erweiterung der Infrastruktur des SSV Jahn legen, insbesondere die Errichtung eines neuen Trainings-, Leistungs- und Rehazentrums.“ Christian Keller interpretiert das dahingehend, dass das Gelände am Kaulbachweg „entwickelt“ werden solle; stellt sich die Frage, wem dieses Gelände gehört, doch nicht dem Jahn? Aber davon spricht Schober auch garnicht; er möchte ein Trainingszentrum errichten, das klingt nach Neubau; auf welchem Grundstück? mit wessen Geld?

  • Mr. T

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    Vielleicht ist er auch nur ein Strohmannn …
    Ich bin gespannt, was das wird. Das kann sich hervorragend entwickeln oder auch noch den Relegationsgegner an Peinlichkeit überflügeln. Ob der Keller dem gewachsen ist? Er hat einiges ganz gut gemacht, einiges aber auch ganz schlecht. Die Ablöse für Herrlich hat er schon mal sauber verpennt.

  • Peter Kern

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    „Das Kernprojekt des Münchener Unternehmens ist die Beteiligung an der SSV Jahn Regensburg GmbH & Co KGaA. “
    Zitat von der sehr informativen Website:
    http://globalsportsinvest.de/

  • Lothgaßler

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    Wer will, der kann die Kröten (11 Euro oder so) für einen Handelsregisterauszug ausgeben. Unter „HRB 233492“ wird die Anfrage für diese „AG“ mit einem Stammkapital von „100.000 Euro“ aber vermutlich nicht viel hergeben (http://handelsregister-online.net/neueintragung.cfm?cn=4346882).
    Immerhin musste die Satzung in mehreren Sitzungen an die Wünsche der Aktionäre angepasst werden „..Satzung vom 12.04.2017 mit Nachträgen vom 09.05.2017 und vom 18.05.2017..“ (soweit obiger Link handelsregister-online).
    Natürlich wirds jetzt spannend, denn bei 100.000 Grundkapital wurde entweder weit unter „Buchwert“ verkauft, oder es gibt geldige Finanzierer im Hintergrund. Eine Bank wird so einen Schmarrn wohl kaum finanzieren.
    Wer Geld für Informationen ausgeben will, der kanns ja mal mit Moneyhouse versuchen: Infos zum Netzwerk werden leider unlesbar gemacht (https://www.moneyhouse.de/Global-Sports-Invest-AG-Muenchen)

  • Sir Sonderling

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    O mei, oh mei. Man fragt sich, woher das Geld des Bürschchens stammt.
    Alles in allem scheint es so, als ob schon im Aufstieg der Grundstein für den nächsten Niedergang gelegt werden soll. Kommt der Jahn wirklich nie aus seinem Sumpf von seltsamen, wenn nicht krummen Geschäften raus?
    Würde mich freuen, wenn sich mal das Gegenteil beweisen würde. Um das zu glauben wäre mehr Optimismus nötig, als ich aufbringen kann.

  • Rentnerin

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    Eine sehr gute Entscheidung des Herrn Tretzel.
    Dafür was er für diesen Verein geleistet hat und auch für viele Bürger dieser Stadt – er hat die schönsten Wohnanlagen in dieser Stadt gebaut – wurde er sehr schlecht behandelt.
    Recht hat er !!

  • Geizhals

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    Toller Link(?), aber warum sollen jetzt tausende rd-Leser sich bei der SZ anmelden und zahlen? So viel ‚Jahnfans‘ wird es kaum geben.

  • Wigg Oppal

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    @Rupp A.
    Trotzdem, a weng zweng Info für uns kritische(!) Regensburger ;-O

  • Gourmet

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    Noch nie waren Tretzel-Aktien und Netto-Hackfleisch so billig wie heute.

  • Lothgaßler

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    Hier ein Blick auf das geschäftliche „Netzwerk“ von Phillip Schober
    https://www.northdata.de/Schober,+Philipp,+Gr%C3%BCnwald/pp
    Und hier ein Interview von/ mit Philipp Schober
    http://karriere-im-sportmanagement.de/13-fragen-philipp-schober-von-der-mainspo-gmbh/
    Na ja, das klingt arg nach Strohmann. Folgt man dieser Spur weiter, dann sieht man dieses:
    https://www.northdata.de/mainspo+marketing+GmbH,+M%C3%BCnchen/HRB+214264
    Die Firma gibts inzwischen nicht mehr, war nicht sonderlich erfolgreich!
    Er gehört scheinbar zu einem Netzwerk hyperaktiver Unternehmensgründer, eine der zentralen Figuren ein Malte Daun. Echt spannend, was das Internet heutzutage ausspucken kann.

  • hutzelwutzel

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    Schade, habe den Artikel jetzt erst gefunden und gelesen. Mein Mailpostfach „spinnt“ seit einiger Zeit ein wenig.
    —————-
    Finde ich ja wirklich toll, dass wieder einmal ein „Investor“ aus dem lieben Freistaat in die Bresche springt, wenn was zu verkaufen ist.
    So langsam fällt es aber auf, dass im Freistaat nur Leute aus dem Freistaat, sog. „Investoren“ von denen man über Jahre nicht viel hörte, tätig werden.
    Sobald jemand Fremdes tätig werden will – siehe die Sache „Hastor / Grammer AG – geht das große Jammern los.

    Muß da Alles in derselben Schatulle bleiben, oder was ist da los?

  • hutzelwutzel

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    Gleich noch was?

    Tretzels Engagement beim „Jahn“ könnte auch nur geplante Sache gewesen zu sein, um in Regensburg als „geeigneter“, da sozialer Wohnungsbauinvestor angesehen werden zu können.
    —–
    Jetzt, da Tretzel – und natürlich die zwei oder drei anderen ImmoKlitsch..n kleinteilige Grundstücke zu größeren Einheiten zusammengefasst haben, werden diese sicher nie mehr geteilt werden.
    Wer also nicht 10 Mio. Euro aufwärts hat, wird sich da kein Grundstückchen mehr aneignen können. Heißt in aller Kürze:
    Nur Wenige werden zukünftig darüber bestimmen welche „Klasse“ sich in Regensburg wo niederlassen kann oder wird.
    —–

  • hutzelwutzel

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    @ Sir Sonderling:

    Woher das Geld „des Bürschchens“ kommt? ;-)

    Sehen Sie mal hier: http://www.event-partner.de/business/ausbildung-weiterbildung-zum-eventmanager-an-der-ebam/

    Das ist das neue Konzept. Alle Arten von Veranstaltungen „event-gemanaged“ auf Flächen von „Freunden“ und damit mit konsequentem Brainwashing für die Zielgruppe. ;-)
    Sie müssen die Leute schon „bei der Stange halten“, und denen geben was die wollen. Heißt ja nicht, dass Sie dafür auf eine Förderung Ihrer eigenen Werte verzichten müssen. ;-)

  • Wie geht es weiter mit Norbert Hartl? » Regensburg Digital

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    […] aus. Das hatte zuletzt für Irritationen beim viel gescholtenen Investor Philipp Schober gesorgt, der die 90 Prozent Jahn-Anteile vom Bauteam Tretzel erworben hat. Im Zuge der Auseinandersetzungen mit der Vereinsführung hatte Schober über seine Anwälte […]

  • Um die Jahn-Anteile tobt ein Rechtsstreit » Regensburg Digital

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    […] hatte sich die formelle Übertragung der Anteile von Tretzel auf die Global Sports Invest AG, die Anfang Juni die Tretzel-Anteile erworben hatte, über Wochen verzögert. Grund dafür sei ein „Antrag aus dem Gesellschafterkreis“, […]

  • „Freiwillige Rückabwicklung“: Jahn-Anteile gehen zurück an Tretzel » Regensburg Digital

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    […] Schober hatte am 1. Juni die Jahn-Anteile des Bauteam Tretzel – rund 90 Prozent gehörten dem in d…Unmittelbar darauf begannen die massiven Proteste, bei der sich Fans und Vereinsführung durchweg Einigkeit zeigten. Zeitgleich erschienen in der Mittelbayerischen Zeitung Recherchen, die ein fahles Licht auf Schober warfen. Versuche des Global Sports-Geschäftsführers, die Berichterstattung zu unterbinden, scheiterten. Auch aktuell spricht Schober von einer „regelrechten Kampagne, für die es keinerlei sachliche Begründung gab“. […]

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