Ehemaliger BOSCH-Markt

Städtischer Millionenkauf: „Langfristige Überlegungen“

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Wirklich konkrete Pläne für das 4,4 Millionen Euro teure Grundstück in der Guerickestraße scheint es bei der Stadt Regensburg noch nicht zu geben.

4,4 Millionen für ein halbes Hektar: Der Ankauf scheint schlichte Notwendigkeit wegen der Verkehrswege gewesen zu sein. Foto: as

4,4 Millionen für ein halbes Hektar: Der Ankauf scheint schlichte Notwendigkeit wegen der Verkehrswege gewesen zu sein. Foto: as

„Ja, es ist richtig, dass die Stadt das Grundstück erworben hat und beabsichtigt, dieses im Eigentum zu behalten.“ Mit diesen Worten bestätigt die städtische Pressestelle heute unsere Berichterstattung vom Donnerstag zum Ankauf des ehemaligen BOSCH-Marktes in der Guerickestraße 35. Wie berichtet, bezahlt die Stadt laut Kaufvertrag 4,4 Millionen Euro für das rund 5.300 Quadratmeter große Grundstück – 830 Euro pro Quadratmeter. Nicht bestätigt hat die Pressestelle Aussagen einzelner Stadträte, denen zufolge auf dem Areal ein „Urbanes Gebiet“ geplant sei. Tatsächlich scheint es noch keine wirklich konkreten Pläne für eine Bebauung der Fläche zu geben.

Stadt: Zu wenig Platz für Radwege und den Steg

Der Ankauf sei einerseits erfolgt, weil es „längerfristig Überlegungen zu einer Verbesserung der Radwegebeziehungen“ gebe, so die Stadt Regensburg. Andererseits müsse „zu gegebener Zeit“ der Safferlingersteg, also der Bahnübergang zwischen Guerickestraße und Greflingerstraße, saniert oder neu gebaut werden. „Dazu war die vorher vorhandene Fläche nicht ausreichend“, so die Pressestelle.

Tatsächlich werden diese beiden Maßnahmen in den kommenden Jahren sicher vonnöten sein. Auf dem früheren LERAG-Gelände, das nur wenige hundert Meter vom jetzt städtischen BOSCH-Areal entfernt ist, werden mittelfristig hunderte Wohnungen entstehen. Eigentümerin ist eine Entwicklergemeinschaft unter Ägide des Immobilien Zentrum Regensburg. Laut dem Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan, der 2015 im Stadtrat gefasst wurde, sollen auf dem 44 Hektar großen Areal 190 Geschosswohnungen und 125 Stadthäuser gebaut werden. Die angrenzenden Militärflächen wiederum hat die Stadt selbst gekauft und zu Grün- und Sportanlagen entwickelt.

Für die neuen Bewohner und Nutzer der Grünanlagen werden denn auch verbesserte Radwege und ein weniger steiler Safferlingersteg vonnöten sein. Am Rande: Ob auch sozialer Wohnungsbau auf dem LERAG-Areal vorgesehen ist, wird im Aufstellungsbeschluss nicht erwähnt.

Günstiger Wohnraum? Vielleicht…

Welche Bebauung abgesehen von der Nutzung für Radweg und Safferlinger Steg ansonsten auf dem städtischen BOSCH-Areal vorgesehen ist, ist bislang nicht absehbar. Derzeit werde „intensiv geprüft, das Grundstück im Rahmen des Wohnungspakts Bayern für günstigen Wohnungsbau zu entwickeln“, heißt es dazu vonseiten der Stadt. Wie lohnend der Millionenkauf tatsächlich war – ob und wie viel bezahlbarer Wohnraum also dort tatsächlich entsteht – wird sich also erst in einigen Jahren herausstellen.

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Kommentare (5)

  • peter sturm

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    „Ob auch sozialer Wohnungsbau auf dem LERAG-Areal vorgesehen ist, wird im Aufstellungsbeschluss nicht erwähnt.“
    das wäre aber schon ein interessantes detail. ich hoffe sehr es kommt mit dietlmeier nicht wieder zu einer „marinalösung“.

  • Daniel

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    „Günstiger Wohnraum? Vielleicht…“ – enough said.
    Da kennt man das Problem, dass es zu wenig günstigen Wohnraum in der Stadt gibt, weigert sich dann aber, konkrete Umsetzungen bei neuen Projekten zu nennen. Toll!

    Da freue ich mich wieder in so einer modernen, weltoffenen und jungen Stadt zu leben, die auf die Probleme ihrer Bürger eingeht :)

  • Ronald McDonald

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    Gerade eben nochmals die elektronischen Ausgaben der „MZ“ seit dem 17. m. c. durchgeklickt, eine entsprechende An-/Nachfrage bei 0941/207-339 seit gut vier Stunden noch nicht beantwortet: die Palme für die anscheinend erste Berichterstattung über dieses „als langfristig angedachte“ städtische Grundstückserwerbsmodell („in bester Ghetto-Randlage“) in unserer dort besonders schönen Stadt geht an Stefan Aigner.

    Bleibt die Frage, wo bleibt für einen „MZ“-Print- und e-paper-Abonnenten eigentlich der lokalpolitische Medien-Mehrwert für eine Abo-Gebühr von um die € 45,– ?
    Vielleicht z. B. in den lesenwerten lokalpolitischen Sommerloch-Artikeln „Schönheitssalon für Flüchtlingsfrauen“ (17.08.) oder „3 Bier, 1 Schweinsbraten, dann nicht zahlen“ (18.08.) oder „Legionellen: Duschverbot für Mieter“ (19.08.) oder „… politisch links-liberaler [regensburg-digital.de – Nutzer?] Flohmarkt-Skibrillen-Klau-Student mit hakenkreuzigen Fruchtbarkeitssymbolen und sigrunenartigem Heavy-Metal-Band-Abzeichen vorm AG Rgbg.“ (21.08.)?
    Hier kann sich der lokalpolitisch interessierte „MZ“-Abonnent nur noch als Kurrende-Sänger vor der „MZ“-Lokalredaktion aufstellen mit dem Karl-Heinrich-von-Bogatzkyschen Text (nach Jesaja 62, 6 – 7): „Wach‘ auf, Du Geist der ersten [!] Zeugen, die auf der Mau’r als treue Wächter stehen, die Tag und Nächte nimmer schweigen …“ und so weiter und so sofort über insgesamt 8 Strophen hin https://www.youtube.com/watch?v=HU865-QDMfs

  • Ratisbonicus

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    Wer war eigentlich der Verkäufer des Geländes, der da von der Stadt einen mehr als guten Geldregen erhalten hat?
    Irgendwer hat da ja kräftig abkassiert. Gehört der zu den „üblichen Verdächtigen“, oder hat da ein „Nicht-Amigo“ auch mal Glück gehabt?

  • Ronald McDonald

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    Mit neuntägiger Verspätung ist nun auch die Lokalredaktion der „MZ“ aus ihrem Sommerschlaf erwacht und berichtet unter dem 26./27.08.17 zum Thema: http://epaper.mittelbayerische.de/edition-mbz/data/20170826/MITTELBAYERISCHE_ZEITUNG/R-Stadt/page.jsp#

    Die Stefan Aignersche Frage „Günstiger Wohnraum? Vielleicht …“ beantwortet dort ein Herr Anton Sedlmeier vom Stadtentwicklungsamt: „… die Stadt … plane dort günstige Mietwohnungen und wolle diese mit einer Kaltmiete von sechs bis sieben € [Kinder bringt der Klapperstorch] anbieten; Herr Sedlmeier kann sich vorstellen, daß die Stadtbau GmbH das Bosch-Gelände entwickelt …“.
    Gleich nebenan auf dem ehemaligen LERAG-Gelände plane das Immobilienzentrum Regensburg 275 Miet- und Eigentumswohnungen sowie bis zu 90 Stadthäuser.

    Man darf erwartungsvoll in die dortige kommunal- und kommerzplanerische Hasenstall-Wolkenkuckucksheim-Zukunft blicken, wenn die städtische Pressestelle zu diesen angedachten Quartierslagen „den Bereich Safferlingstraße als ’soziale Problemlage‘ aufweist, in dem überdurchschnittlich viele Bewohner staatliche Transferleistungen erhalten. Verschiedenste Bevölkerungsgruppen leben auf engem Raum zusammen; 30% der knapp 9.000 Bewohner haben keinen deutschen Paß … aus all diesen Gründen wurde der gesamte Bereich zum Untersuchungsgebiet für das Programm ‚Soziale Stadt‘ erklärt. Ein Projektmanager soll angeheuert werden, der Mißstände erkennt und nach Lösungen sucht, aber auch Chancen auslotet“.
    Da darf man gespannt sein, wie die backhühnchengebräunten Grinserüben vom ImmoZentrum Rgbg. den Verkauf ihrer lt. „MZ“ angeplanten „90 Stadtresidenzen inmitten des Sozialen Problem-Stadtteils rund um die Safferlingstraße“ bewerkstelligen wollen und können.

    Falls es mit der anstehenden Bundestagswahl für einige Damen und Herren nicht so ausgehen sollte, wie von jenen erwartet, mit dem Bezug von „staatlichen Transferleistungen Marke Reichstags-Diäten plus gut 900 € Rentenanspruch für (nur) vier Jahre Hinterbänkler-Schlaf“, dann stünde zum „Mißstände erkennen, nach Lösungen suchen und Chancen ausloten“ als als ideale Doppelspitzen-Projektmanager-Paarung die Dame Dr. Angela Merkel, Capital-Demokratische-Union („Wir schaffen das!“) und Herr Peter Aumer, Capital-Soziale-Union („Hört zu, packt an!“) zur Verfügung.

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