Beiträge mit Tag ‘Theobald Schrems’

Buchbesprechung und Anmerkungen zu Roman Smolorz

Auftragsarbeit zu Domspatzen weist gravierende Mängel auf

Domspatzen

Eine schonungslose und offene Aufarbeitung der Geschichte der Domspatzen in der NS-Zeit wurde mit dem heute erschienenen Buch „Die Regensburger Domspatzen im Nationalsozialismus – Singen zwischen Katholischer Kirche und NS-Staat“ von Roman Smolorz angekündigt. Dieses Ziel wurde nicht erreicht. 

Die Bewertungen des Verhaltens von Domkapellmeister Theobald Schrems und des Domchors in der NS-Zeit gehen weit auseinander. Während ein Großteil des Regensburger Klerus‘ gleich nach Kriegsende in Schrems einen braunen Parteigenossen gesehen haben soll, meinen heutzutage vor allem ehemalige Domspatzen, es habe zwar Versuche der Nationalsozialisten gegeben, den Chor zu vereinnahmen, aber keine aktive Zusammenarbeit. Ebenso klaffen die Äußerungen von Schrems selbst völlig auseinander: Während er es 1937 als hohe Ehre und als eine Verpflichtung betrachtete, „am kulturellen Aufbauwerk unseres Führers mit aller Kraft mitzuarbeiten“ und sich zusammen mit seinem Chor „in den Dienst von Volk und Vaterland zu stellen“, sprach er nach der militärischen Zerschlagung des NS-Regimes nur noch von seiner erlittenen Gängelei und angeblicher Verfolgung durch die Nazis.

Post aus dem Vatikan (zum Vergrößern anklicken): "posthume Aberkennung nicht möglich".
Bistum Regensburg fragt – der Vatikan antwortet

Monsignore kirchlich entsorgt

Der Wunsch vieler Betroffener, dem sadistischen Gewalttäter Johann Meier seinen Ehrentitel „Monsignore“ abzuerkennen, ist bereits erfüllt. Ohne dass es jemand wusste. Auf eine Anfrage von Bischof Rudolf Voderholzer teilte der Vatikan mit: „Eine Aberkennung kann nur bei lebenden Personen erfolgen.“ Na dann ist ja alles gut…

Beleuchtet die NS-Vergangenheit von Rudolf Graber, Josef Engert und Domkapellmeister Schrems: "Braune Flecken auf dem Priesterrock".
Buchbesprechung: Braune Flecken auf dem Priesterrock

Die ehrenwerten braunen Herren

Mit seinem Buch „Braune Flecken auf dem Priesterrock“ hat sich Robert Werner an drei Regensburger Persönlichkeiten gewagt, über deren braune Vergangenheit man in Regensburg nur ungern spricht: Robert Engert, Bischof Rudolf Graber und Domkapellmeister Theobald Schrems. Schon im Vorfeld des Erscheinens haben Werners Recherchen Reaktionen ausgelöst.

Wird Rudolf Voderholzer sich vom vertuschenden Kardinal Müller emanzipieren können? Foto: Archiv/ as
Weiteres Missbrauchsopfer meldet sich zu Wort

Bistum im „Stadium der Kampfphase“

Er habe „genug von dieser Institution“ und wolle „von diesen Typen“ aus dem Regensburger Ordinariat niemals mehr etwas hören“. Mit diesen unmissverständlichen Worten meldet sich ein weiterer ehemaliger „Domspatz“ zu Wort. Unserer Redaktion schildert er sein Leid als blutig geprügeltes Kind, sein Los als Opfer von sexuellen Übergriffen und seine Enttäuschung nachdem er sich 2010 bei der damaligen „Missbrauchsbeauftragten“ Dr. Birgit Böhm gemeldet hatte. Die Glaubwürdigkeit des Regensburger Bistums in Sachen Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch von Minderjährigen und Schutzbefohlenen scheint indes tiefer nicht mehr sinken zu können. Das es auch anders gehen könnte, zeigt ein Blick nach München und Ettal.