SOZIALES SCHAUFENSTER

Archiv für 30. Mai 2008

In der Regensburger Innenstadt hängen sie überall rum. Auch an Tankstellen sind sie zu sehen. Im Schnellfressrestaurant sind sie ebenfalls gut sichtbar. An den Türen von Spielhallen kann man sie auch sehen. Die Zettel mit denen 400-Euro-Kräfte gesucht werden. Im Jahr 2005 gingen im Stadtgebiet Regensburg 5.760 Erwerbstätige einer Nebentätigkeit auf 400-Euro-Basis nach, so der Deutsche Gewerkschaftsbund. 2008 betrug die Anzahl der Minijobber in Regensburg bereits 6.854. Innerhalb von drei Jahren ist dies ein Anstieg von 19 Prozent. Auch das sollte erwähnt werden, wenn die Regensburger Agentur für Arbeit über die aktuelle Arbeitslosenquote von 2,5 Prozent jubiliert und deren Leiterin Gabriele Anderlik von „Vollbeschäftigung“ spricht. Besonders im Reinigungs- und Gastgewerbe fällt die Zunahme von 400 Euro Beschäftigten drastisch aus: Über 30 Prozent der Arbeitnehmer in dieser Branche sind mittlerweile Minijobber. Besonders im Einzelhandel, der Gastronomie und im Dienstleistungssektor sind die Minijobber gefragt. Ursprünglich wurde diese Beschäftigungsform geschaffen, damit Schüler und Studenten lukrative Ferien- und Nebenjobs ausüben können. Durch Steuern und Sozialabgaben wäre nur wenig übrig geblieben. Mittlerweile können in Regensburg und wo anders in Deutschland, viele Arbeitnehmer nur noch finanziell überleben, weil sie mehrere 400-Euro-Jobs haben. Für viele bietet der Minijob die Möglichkeit, neben dem eigentlichen Arbeitsverhältnis das eigene Einkommen aufzubessern. Steuer- und Sozialabgaben frei. So wie manches Vermögen, das in Liechtenstein deponiert ist. Der Stundenlohn bei 400-Euro-Arbeitern bewegt sich zwischen fünf und zehn Euro. Es waren bisher einfache Tätigkeiten, welche für diese Art von Beschäftigung prädestiniert sind. Mittlerweile werden sogar OP-Schwestern auf 400-Euro-Basis gesucht. Da eine große Nachfrage an den Minijobs besteht, ist auch das Angebot von der Arbeitgeberseite entsprechend groß. 400-Euro-Kräfte helfen die Personalkosten zu senken, was sich wiederum positiv auf den Unternehmensertrag auswirkt. Schließlich ist Arbeit in Deutschland teuer. Zwei Beispiele. Innenstadt. Drogeriemarkt/ „Einsortieren, kommissionieren und auszeichnen“, so umschreibt die Teilzeitkraft ihre Tätigkeit in dem Drogeriemarkt. Ursprünglich hatte Ursula (Name geändert) Einzelhandelskauffrau gelernt. „Nachdem meine beiden Kinder in die Schule kamen und wir gebaut haben, wollte ich wieder arbeiten.“ Etliche Bewerbungen blieben ohne Erfolg. Ursula bleib nichts anderes übrig und sie nahm frustriert den 400-Euro-Job an. Der Stundenlohn liegt bei 6,35 Euro. „Dafür bekomme ich auf viele Artikel einen Mitarbeiterrabatt“, tröstet sich die Angestellte. Die Mehrheit ihrer Kolleginnen arbeitet ebenfalls auf Minijob-Basis. Sie leisten während ihrer Arbeitszeit so viel wie Festangestellte. Über die Unterschiede im Lohn für die gleiche Arbeit machen sie sich wenig Gedanken „Ja, klar in Ordnung ist es nicht“, räumt Ursula ein, „aber warum sollen wir kleinen Würstl uns streiten?“ Die Frauen solidarisieren sich. Was die Leitung des Drogeriemarktes besonders an den 400-Euro-Mitarbeiterinnen schätzt, ist deren Flexibilität. Besonders in Stoßzeiten, wie der Vorweihnachtszeit, kann die Filialleitung mit Minijobbern personelle Engpässe vermeiden. Landshuter Straße. Tankstelle Fred (Name geändert) hat immer einen flapsigen Satz parat. „Was ich hier mache, ist halt nicht mehr wert als 400 Euro im Monat.“ Der Student bessert am Wochenende und an Abenden sein Budget auf. Während er einen Kunden abkassiert, erklärt er seine Tätigkeiten bei der Tankstelle. „Kassieren ist das wichtigste. Wenn Du dazwischen Zeit hast, musst du die Ware im Shopbereich auffüllen.“ Für den Studenten ist es nur schwer vorstellbar, diesen Job für mehrere Jahre auszuüben. Wenn er im Fernsehen Berichte über Raubüberfälle auf Tankstellen sieht, kommt auch er ins Grübeln. „Für 400 Euro niederschießen lassen?“ Fred lässt die Frage offen. Er findet lobende Worte für seinen Chef. Im Gegensatz zu anderen Arbeitgebern, nutzt er seine 400-Euro-Kräfte nicht aus. Seine Einstellung ist, dass dieser Job nur der Absicherung des Lebensunterhaltes dient. Viel wird er für sein späteres berufliches Leben nicht mitnehmen. Ursula und Fred sind zwei von 6,9 Millionen Deutschen, die einer 400-Euro-Arbeit nachgehen. In der Bundesrepublik hat sich in den vergangenen vier Jahren die Anzahl der Menschen, die zwei Arbeiten nach gehen, um 60 Prozent erhöht. 4,8 Millionen der 400-Euro-Jobber sind in einem Beruf sozialversichert. Doch was ist mit den anderen?

Schlosshotel: Veits vergeblicher Versuch

Rechtsanwalt Manfred Veits hat keine Berechtigung, um gegen die Baugenehmigung für das Haus Thurn und Taxis zu klagen. Das hat das Verwaltungsgericht Regensburg am Donnerstag nachmittag entschieden. Es gebe „kein Jedermannrecht auf Prüfung einer Baugenehmigung“, so der Vorsitzende des Bayerischen Verwaltungsgerichts, Rainer Gombert. Veits hatte Klage gegen den von der Stadt Regensburg genehmigten Umbau des […]

Keine Holzvergasung auf Zuckerfabrik-Gelände

„Es zeugt nicht von Seriosität, wenn ein Unternehmer nicht bei der Stadt anfragt, aber das Thema wochenlang durch die Medien geht.“ Oberbürgermeister Hans Schaidinger äußerte auf eine Anfrage von Stadtrat Josef Zimmermann „erhebliche Zweifel“ mit Blick auf eine Holzvergasungs-Anlage auf dem Gelände der ehemaligen Zuckerfabrik. Berichte darüber hatten in den vergangenen Wochen für erhebliche Diskussionen […]

Stadtrat: Geht’s im selben Stiefel weiter?

Mit dem Einbinden der kleinen Fraktionen im Stadtrat hapert es noch bei der großen Koalition. Ebenso mit der Transparenz. Über gleich drei Tischvorlagen (Unterlagen, die erst zu Beginn der Sitzung vorgelegt werden) mussten die Stadträte bei der Sitzung am Donnerstag abstimmen. SPD und CSU hatten sich im Vorfeld abgesprochen und die „Kleinen“ nicht informiert. Es […]

Unbotmäßige Untertanen

Erinnern Sie sich? An Campa? So hieß die Firma, die sich vor knapp zwei Jahren in Regensburg ansiedeln wollte, um im Hafen Biodiesel zu produzieren. Aus Raps. Doch die Bürger waren böse. Sie beäugten das Vorhaben kritisch. Sehr zum Unwillen der Stadtspitze. Die knappste zunächst mit Informationen, handelte im Eiltempo 900 Einwendungen an einem Tag […]

Im Osten was Neues

Wer auf der Suche nach elitärem Kunstgehabe in wichtigtuerischer Atmosphäre ist, der sollte die Ostengasse meiden. Mit ihrem Kunstprojekt „Go East“ haben Christina Flachs-Radlmeier, Marie Entrup-Randl und Renate Haimerl-Brosch einem Viertel für zehn Tage neues Leben eingehaucht, das von der Stadt seit langer Zeit stiefmütterlich behandelt wurde. Nach dem Krieg wurden die Gebäude am Donaumarkt […]

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