SOZIALES SCHAUFENSTER

Archiv für 8. Oktober 2010

„Herr Dünninger, es wird immer schlimmer mit Ihnen.“ „Die Wahrheit interessiert Sie doch überhaupt nicht.“ Am Donnerstag bewies Joachim Wolbergs (38) im Kulturausschuss oberbürgermeisterliche Qualitäten.

Hans Schaidinger war stets dafür berühmt, Stadträten die ihm auf die Nerven gehen, manch verbalen Verweis zu erteilen. Wobei – sei es nun Altersmilde oder ein vorzeitiges Abschiedsgeschenk – der Ton, mit dem Wolbergs Stadtrat Eberhard Dünninger (76) zusammenstauchte, kommt mittlerweile selbst bei Schaidinger (61) selten vor. Freilich war die Sache ärgerlich. In Zusammenhang mit der Diskussion um freiwillige Leistungen, die von der Stadt Regensburg im kommenden Jahr bewilligt werden, war Eberhard Dünninger (ödp) auf die Alte Mälzerei zu sprechen gekommen und hatte nachgefragt, ob Joachim Wolbergs denn immer noch Pächter des dort angeschlossenen Lokals Cartoon sei.

Vorneweg: Er ist es und die Nebentätigkeit wurde auch vom Stadtrat genehmigt. Und auch wenn Wolbergs noch ehrenamtlicher Vorsitzender des Mälze-Vereins ist, sollte das kein Problem darstellen: Gastronomie und Verein arbeiten getrennt. Aber es hat wohl böse Erinnerungen bei Wolbergs geweckt, dass Dünninger da so böse nachgefragt hat. Wolbergs‘ Rolle bei der Alten Mälzerei war während des Kommunalwahlkampfs 2008 ein Thema, das böse Berichte in der Regensburger Stadtzeitung nach sich zog und sicher das eine oder andere Stimmchen gekostet haben dürfte. Da muss man auch mal austeilen dürfen.

Ebenso austeilen darf man, wenn Dünninger nachfragt, ob denn ein Haus der Musik im Präsidialpalais aus Denkmalschutz-Gesichtspunkten überhaupt möglich ist („Ja glauben Sie denn wir sind völlig bescheuert und hätten das nicht untersucht?“) oder ob sich eine vom Kulturreferat organisierte Schifffahrt im Verhältnis zum Werbeaufwand überhaupt gelohnt hat („Sie verbringen einen immer größeren Teil Ihres politischen Lebens damit, andere Leute anzuschwärzen.“).

Ob es nun die Alte Mälzerei, die aktuelle Tagesform oder ein grundsätzliches Problem mit Eberhard Dünninger ist, das Wolbergs so auf die Palme gebracht hat? Wer weiß. Auf jeden Fall hätte sich der Bürgermeister, der während des Wahlkampfs noch einen sachlicheren Umgangston und einen „Ehrenkodex“ in der politischen Auseinandersetzung angeregt hatte, auch seine Entschuldigung am Ende der Sitzung („Sollte ich irgendjemand mit dem was ich gesagt habe beleidigt haben, …“) sparen können. Das klang zu sehr nach pro forma und wenigstens das hat sich der bisherige Oberbürgermeister meistens gespart.

Haus der Musik: Erst kaufen, dann diskutieren!

Kulturausschuss am Donnerstag: Unerwünschte Diskussion zum Haus der Musik. „Müssen wir darüber wirklich eineinhalb Stunden diskutieren. Ich mache das hier in meiner Freizeit.“ Stadträtin Gertrud Maltz-Schwarzfischer (SPD) ist am Donnerstag sichtlich gereizt. Eine Stunde lang wird im Kulturausschuss zu diesem Zeitpunkt bereits über den größten Brocken der Investitionen in Sachen Kultur debattiert: den Kauf des […]

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