Archiv für 20. Oktober 2010

Ostenturm vs. Dom: Blick von der Burgruine Donaustauf. Montage aus der Untersuchung.

Ostenturm vs. Dom: Blick von der Burgruine Donaustauf. Montage aus der Untersuchung.

„Damit hat sich der Investor keinen Gefallen getan“, sagt Joachim Graf (ödp). „Wir sind sehr unglücklich über diese Eskalation“, meint Christian Schlegl (CSU). „Bei solchen Vorwürfen muss Herr Ruscheinsky schon den Beweis antreten“, schimpft Norbert Hartl (SPD). Am Dienstag wurde den Stadträten im Planungsausschuss die „Stadtbildverträglichkeitsuntersuchung“ (SVU) zum Ostenturm präsentiert. Wie berichtet, hält das damit beauftragte Münchner Büro Eisenlauer Voith das 108 Meter hohe Gebäude für „unverträglich“ mit dem Stadtbild. „Die Fernwirkung des Turms würde den Dom in seinem Alleinstellungsmerkmal nachhaltig beschädigen“, so Stadtplaner Peter Eisenlauer. Allenfalls eine Höhe von 65 Metern sei denkbar. „So ist der Turm nicht mehr attraktiv“, sagt dagegen Konrad Habbel. Man müsse „etwas Tolles“ bieten, um einen anständigen Quadratmeterpreis zu erzielen und 80, 90 Meter sollten es deshalb schon sein. Habbel und Alexander Ruscheinsky sind es, die den Ostenturm gern im von ihnen gemanagten Businesspark Regensburg – an der Osttangente – bauen möchten. Die beiden hatten sich kurz vor der Sitzung in einer scharfen Stellungnahme (PDF) an die Stadträte gewandt. Von einem „Gefälligkeitsgutachten“, das „wertend“ und „fehlerhaft“ sei, ist darin die Rede. Das abschließende Urteil, dass der Ostenturm für das Stadtbild unverträglich sei, bezeichnet Habbel als „völlig willkürlich“. Selbst anhand der Fotomontagen in der Untersuchung könne er „keine Störung des Welterbes erkennen“, so Habbel. Er hofft nun, dass die UNESCO zu einem anderen Ergebnis kommt, als das Gutachten. Diese Hoffnung dürfte sich als trügerisch erweisen. Das Welterbesteuerungskomitee hatte die Untersuchung bei seiner Sitzung am 13. Oktober als Tischvorlage erhalten und sich nach längerer Diskussion auf Ende November vertagt. Ein positives Signal, wie Habbel und Ruscheinsky vermuten?
Ostenturm vs. Dom: Blick von Regensburg-Ziegetsdorf.

Ostenturm vs. Dom: Blick von Regensburg-Ziegetsdorf.

Die Haltung von Generalkonservator Egon Greipl, Mitglied im Steuerungskomitee, dürfte die beiden kaum hoffnungsfroh stimmen. Zwar wird im Landesamt für Denkmalpflege derzeit noch ein fachliches Gutachten zur Höhe des Ostenturms erarbeitet. „Der Aussage des Gutachtens, dass ein Ostenturm mit mehr als 65 Metern Höhe das Ensemble Regensburg mit Stadtamhof und die historischen Blickbezüge zwischen Altstadt, Burgruine Donaustauf und Walhalla auf jeden Fall beschädigt, stimme ich schon jetzt zu“, so Greipl. Das Landesamt untersuche derzeit „sehr sorgfältig“, ob die verträgliche Obergrenze tatsächlich bei 65 Metern odern nicht sogar deutlich darunter liegen müsse. Schlechte Karten also für Habbel und Ruscheinsky, die auch bei der Ausschusssitzung am Dienstag einiges einstecken mussten. Von der Zuschauerempore aus konnten die beiden verfolgen, wie Planungsreferentin Christine Schimpfermann ihre Vorwürfe „in aller Entschiedenheit“ zurückwies. Die Stadtverwaltung stehe dem Projekt völlig offen gegenüber. „Es hat von Denkmalschützern genügend Einwände gegeben, denen wir uns einfach anschließen könnten. Stattdessen haben wir geprüft.“ Ohnehin müsse nun das Urteil der UNESCO abgewartet werden.

Ostenturm vs. Dom: Blick von der Marienhöhe.

Norbert Hartl ist persönlich zwar eher leidenschaftslos, was das Hochhausprojekt angeht – innerhalb der SPD gibt es dazu geteilte Meinungen, Altoberbürgermeisterin Christa Meier etwa lehnt Hochhäuser in Regensburg grundsätzlich ab. Umso leidenschaftlicher wird Hartl aber, als er mit Habbel und Ruscheinsky ins Gericht geht. Die Untersuchung sei hervorragend, eine „sehr, sehr gute Vorarbeit“ und wenn die Investoren schon so heftige Vorwürfe erhöben, sollten sie diese auch beweisen. Allenfalls Jürgen Mistol (Grüne) mochte den Kritikpunkten der beiden Investoren folgen. „Es wundert mich, dass Sie zu einer so eindeutigen Aussage kommen“, so Mistol an Eisenlauer gerichtet. Man wisse doch, wie das sei mit Gutachten, da gebe es häufiger den Eindruck: Wer zahlt, schafft an. Sichtlich betrübt über „diese Eskalation“ ist CSU-Fraktionschef Christian Schlegl. Die Investoren hätten sich selbst geschadet. Dabei stehe die CSU dem Projekt, wie überhaupt „allem, was Wachstum mit sich bringt“, sehr offen gegenüber. Er hoffe, dass die Maximalhöhe von 65 Metern nicht das abschließende Urteil der UNESCO sei, aber: „Wir unterwerfen uns der ständigen Aufgabe, dass die UNESCO-Welterbe-Errungenschaft nicht verloren geht.“ Verträgt Regensburg nun generell keine Hochhäuser, wie etwa Christa Meier meint? Kommt es auf die Höhe an oder worauf sonst? „Es kommt darauf an, ob durch turmartige Bauten von beträchtlicher Höhe die Denkmalwerte des Ensembles Regensburg und Stadtamhof und die Denkmalwerte der historischen Blickbezüge zwischen Altstadt, Burgruine Donaustauf und Walhalla beschädigt werden oder nicht“, beschreibt Generalkonservator Greipl die Sicht des Landesamts für Denkmalpflege. „Vor allem kommt es aber darauf an, ob der Stadt Regensburg solche Beschädigungen egal sind oder nicht.“

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