SOZIALES SCHAUFENSTER

Archiv für 1. August 2011

Seit dem 23. April in Stadtamhof: Eine Bodenplatte vor dem Colosseum.
Einen offiziellen Termin gab es nicht, auch keine Mitteilung der Stadt Regensburg und selbst die Stadträte wurden nicht informiert. Trotzdem ist sie da: Die Bodenplatte vor dem ehemaligen KZ-Außenlager Colosseum in Stadtamhof. Im September 2009 beschloss der Kulturausschuss, dass „entweder mit einzelnen Metallplatten oder in einer größeren Bodenmetallplatte im Bürgersteig der umgekommenen Opfer gedacht werden“ sollte. Vorausgegangen war eine jahrelange Debatte um eine Gedenktafel am Gebäude selbst, die letztlich am Widerstand des Eigentümers scheiterte. Betrachtet man diese Debatte, die den Stadtrat, die Medien oder die alljährlichen Teilnehmer des Gedenkwegs für die Opfer des Faschismus beschäftigte, verwundert es, dass die Platte in aller Stille verlegt worden ist. Ebenso erstaunlich ist es, dass der Kulturausschuss, in dem die Stadträte dieses Thema mehrfach diskutiert haben, nicht über die Verlegung der Platte informiert wurde.

„Hätte gern noch über den Text geredet“

Der Beschluss vom September 2009 ist der letzte Termin, anlässlich dessen sich der Kulturausschuss mit der Bodenplatte befasst hat. Über den Text, für den laut Auskunft der Stadt das Amt für Archiv- und Denkmalpflege verantwortlich zeichnet, wurden die Stadträte denn auch nicht vorab informiert. Margit Kunc (Grüne) und Margot Neuner, kulturpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, sind beide ziemlich überrascht, dass es nun diese Platte gibt – und zwar schon, wie die Stadt auf Anfrage mitteilt, seit dem 23. April. Darüber habe es nie eine irgendeine Information oder einen Bericht des dafür zuständigen Kulturreferenten gegeben, sagen beide übereinstimmend.
„Stadtamhof 5. Im Rückgebäude des ehemaligen Gasthauses Colosseum waren in den letzten Wochen der nationalsozialistischen Diktatur, vom 19. März bis zum 23. April, Häftlinge des Konzentrationslagers Flossenbürg untergebracht. Vor dem Haus mussten die Häftlinge, durch Unterernährung und Demütigungen geschwächt, zum Appell antreten.“ Text auf der Bodenplatte in Stadtamhof
Und während Margot Neuner zwar noch gern im Kulturausschuss über den Text geredet hätte, ihn aber nach dem ersten Vorlesen „gar nicht schlecht findet“, ist Margit Kunc nicht wirklich glücklich mit der Inschrift. „Was lange währt, wird doch nicht gut“, so ihr Kommentar.

Das Colosseum: „Verheerende Todesrate“

Etwa 400 Menschen waren in dem Außenlager des KZ Flossenbürg untergebracht. Der Leiter der Gedenkstätte Flossenbürg, Dr. Jörg Skriebeleit, bezeichnet das Colosseum angesichts von mindestens 90 Außenlagern zwar als „eher unbedeutend“. Lebensbedingungen und Todesrate seien aber „verheerend“ gewesen. Die Gefangenen wurden hauptsächlich am Regensburger Hauptbahnhof als Zwangsarbeiter eingesetzt, insbesondere zum Bomben räumen. In nicht einmal sechs Wochen wurden mindestens 65 Menschen getötet. Am Ende des Todesmarsches, zu dem die Gefangenen in der Nacht vom 22. auf den 23. April 1945 aufbrechen mussten, wurden am 2. Mai weniger als 50 Menschen von den Alliierten befreit.

Vodafone, Telekom und ein Unternehmer „guten Willens“

Von „zeitnah“ zu sprechen wäre übertrieben, aber immerhin: Eine Woche nach unserem Bericht über die monatelangen Verzögerungen bei der Reparatur einer defekten Telefonleitung, offene Baugruben und die Kommunikationsprobleme zwischen Vodafone, der Telekom und deren Subunternehmer scheint das Telefon von Christine und Roman Christa wieder voll funktionstüchtig zu sein. Die über einen Monat offen Baugrube vor dem Haus im Stadtnorden von Regensburg ist seit Freitag geschlossen, Techniker der Telekom haben schließlich am Montag den Anschluss wieder freigeschaltet.

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